Müller kritisiert Katar als Finanzierer der IS! Rudert aber zurück, nachdem Katar bei der Bundesregierung beschwert! Die Golfmonarchie ist aber auch an zahlreichen westlichen Konzernen beteiligt.Der Reporterin Souad Mekhennet: Der IS hatte seit dem Beginn des arabischen Frühlings sehr viel Zeit, sich zu etablieren. Die Miliz habe viele Kämpfer rekrutieren können und habe viel Geld auch aus Katar und Saudi-Arabien erhalten. Jetzt brauche sie diese Geldquelle nicht mehr, da sie selbst über Ölfelder verfüge. Durch unterirdische Pipelines in die Türkei wird das Öl auf dem Schwarzmarkt verkauft. Unleugbar ist Al-Kaida, aus der ja auch die IS ursprünglich kommt, eine ideologische Perversion des auf der arabischen Seite des Persischen Golfs heimischen salafistischen Islams. Dazu kommt die Rolle Katars und Saudi-Arabiens im Syrien-Konflikt. Beide – wenngleich untereinander zerstritten – unterstützen die syrische Opposition, beide beteuern, dass ihre Unterstützung nur moderaten Gruppen zugutekommt. Die ideologischen Grenzen zwischen jenen Islamisten, die nur das Assad-Regime stürzen und ein neues System – kaum eine liberale Demokratie – errichten wollen, und den Jihadisten mit ihrem grenzüberschreitendem Projekt sind jedoch fließend. Und Unterstützung kommt, auch wenn sie anderen zugedacht war, am Ende oft den Erfolgreichsten zugute: Die IS erfreut sich starken Zulaufs aus anderen Rebellengruppen. Zur großen Radikalisierungswelle kam es in den 1980er-Jahren beim Kampf gegen die sowjetische Besatzung Afghanistans. Geld, Know-how und Waffen kamen aber nicht nur von den Saudis – sondern auch von der CIA.

Katar und Saudi-Arabien als IS-Financiers im Gerede

Analyse | Gudrun Harrer
 
21. August 2014, 18:00
 
 

Deutscher Entwicklungsminister Müller nennt Doha als Geldgeber des „Islamischen Staats“ im Irak und Syrien

Kein diplomatisches Blatt vor dem Mund nahm sich am Mittwoch der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), als er Katar direkt der Finanzierung des „Islamischen Staats“ bezichtigte. Damit schlug er in die Kerbe des nunmehrigen irakischen Übergangspremiers Nuri al-Maliki, der wiederholt nicht nur das kleine Emirat, sondern auch Saudi-Arabien als Geldgeber der extremistischen sunnitischen Jihadisten benannte.

Dieser Zusammenhang wird immer wieder hergestellt: Er ist eine Vereinfachung, die jedoch faktische Ursachen hat. Unleugbar ist Al-Kaida, aus der ja auch die IS ursprünglich kommt, eine ideologische Perversion des auf der arabischen Seite des Persischen Golfs heimischen salafistischen Islams, der die Welt in eine monotheistische – also die eigene – und den Rest einteilt (auch wenn nach saudischer Lesart die Ideologie der Muslimbruderschaft für die Radikalisierung der Salafiya verantwortlich ist). Mit dem Versprechen, den Monotheismus durchzusetzen – auch wenn das den Kampf gegen Schiiten, Christen und andere Religionen bedeutet –, lässt sich gut private oder semiprivate Unterstützung lukrieren: Wenn schon nicht staatlich gefördert, wurde und werden die undurchsichtigen Spendenpraktiken der religiösen Stiftungen geduldet, in Katar etwa durch eine lasche Gesetzgebung.

Dazu kommt die Rolle Katars und Saudi-Arabiens im Syrien-Konflikt. Beide – wenngleich untereinander zerstritten – unterstützen die syrische Opposition, beide beteuern, dass ihre Unterstützung nur moderaten Gruppen zugutekommt. Die syrischen sunnitischen Stammesführer, die jetzt die Exil-Opposition dominieren, haben beste Beziehungen zu Riad (ihr aktueller Chef, Hadi al-Bahra, lebt in Jiddah). Die ideologischen Grenzen zwischen jenen Islamisten, die nur das Assad-Regime stürzen und ein neues System – kaum eine liberale Demokratie – errichten wollen, und den Jihadisten mit ihrem grenzüberschreitendem Projekt sind jedoch fließend. Und Unterstützung kommt, auch wenn sie anderen zugedacht war, am Ende oft den Erfolgreichsten zugute: Die IS erfreut sich starken Zulaufs aus anderen Rebellengruppen.

Die ausgegrenzten Sunniten

Im Irak hat Saudi-Arabien eine enge Beziehung zu den Sunniten aufgebaut, die Maliki systematisch ausgegrenzt hat, und natürlich fließt dorthin auch finanzielle Unterstützung. Manche dieser Sunniten – nicht alle – sind heute aufseiten der IS. Zwischen IS und den arabischen Golfstaaten-Regierungen gibt es aber keine Sympathie: Wie Al-Kaida unter dem saudischen Dissidenten Osama Bin Laden, so betrachtet auch die IS die Herrscher am Golf als westliche Marionetten, die vom Islam abgefallen sind.

Gerade Saudi-Arabien fährt seit Monaten eine groß angelegte Kampagne gegen Extremismus. Mit Transparenten, oder in Freitagspredigten, wird für einen konservativen, aber unpolitischen Islam geworben. König Abdullah hat per Dekret hohe Haftstrafen für saudi-arabische Bürger, die sich einem Jihad im Ausland anschließen, eingeführt. Es gibt bereits Verurteilungen.

Saudi-Arabien leidet unter der Tatsache, jahrzehntelang seinen Wahhabismus – das ist die lokale Variante des salafistischen Islams – exportiert zu haben. Das begann so richtig nach 1979, nach der islamischen Revolution im Iran – Ayatollah Khomeini war sehr antisaudisch – und der Besetzung der Großen Moschee in Mekka durch eine radikale Gruppe. Parallel zur „Reislamisierung“ Saudi-Arabiens trat das Königreich als Islamexporteur in Konkurrenz zum Revolutionsexporteur Iran. Zur großen Radikalisierungswelle kam es in den 1980er-Jahren beim Kampf gegen die sowjetische Besatzung Afghanistans. Geld, Know-how und Waffen kamen aber nicht nur von den Saudis – sondern auch von der CIA. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 22.8.2014)

http://derstandard.at/2000004625191/Katar-und-Saudi-Arabien-sind-als-Financiers-der-IS-im

merkzettel

Finanzierung der Terrormiliz IS Katar erbost über Minister Müller

Video„Gewalt muss gestoppt werden“
 

„Solche Konflikte gibt es immer wieder. Wir können in diesen Situationen nicht immer darauf bauen, dass Amerika den Schutzschild bildet“, sagt Entwicklungsminister Gerd Müller zu den Kämpfen im Irak.

(20.08.2014)

VideoMekhennet: „Es drohen Anschläge“
 

Weil die USA Luftangriffe gegen den IS fliegen und der Westen seinen Feinden hilft, drohen nun Anschläge in den USA und Europa. Das sagt die Reporterin Souad Mekhennet, die mit der Führung des IS sprechen konnte, im ZDF.

(22.08.2014)

VideoFoley-Rettung: Scheitern eingeräumt
 

Die Hinrichtung des US-Journalisten James Foley hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Nun wurde bekannt, dass US-Spezialkräfte erst vor Kurzem darin scheiterten Foley und weitere Geiseln zu befreien.

(21.08.2014)

VideoNot im Irak
 

Viele Flüchtlinge aus dem Irak fliehen in die Türkei. Ihr Weg führt sie über kurdisches Gebiet die Grenzstadt Zakho.

(17.03.2013)

Video „Gewalt muss gestoppt werden“
Video Mekhennet: „Es drohen Anschläge“
Video Foley-Rettung: Scheitern eingeräumt
Video Not im Irak

Experten sind sich sicher: Katar hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) finanziert. Doch wer dies ausspricht, bekommt diplomatische Schwierigkeiten, wie Entwicklungsminister Müller (CSU) jetzt feststellen musste. Schon rudert seine Sprecherin zurück. 

Im Verhältnis zwischen der Bundesregierung und dem reichen Golfemirat Katar kriselt es. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hatte am vergangenen Mittwoch in einem ZDF-Interview im Zusammenhang mit der Finanzierung der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak das „Stichwort Katar“ genannt. Danach meldete sich die katarische Regierung dazu bei der Bundesregierung. Außenamtssprecher Martin Schäfer erklärt nun: „Wenn es zu Missverständnissen gekommen sein sollte, so bedauern wir diese.“ Katar sei für die Bundesregierung ein Partner, mit dem sie auf vielfältige Weise zusammenarbeite. Es gebe aber durchaus Fragen, „bei denen wir nicht immer einer Meinung sind“.

Müllers Sprecherin: Keine eigenen Informationen

Auch Müllers Sprecherin ruderte zurück: Der Minister habe sich in dem Interview nicht auf eigene Informationen über Katar, sondern auf Presseberichte bezogen. Westliche Experten kritisieren seit Jahren die Unterstützung radikaler sunnitischer Islamisten-Gruppen durch das Golfemirat Katar. Die Golfmonarchie ist aber auch an zahlreichen westlichen Konzernen beteiligt.Der Reporterin Souad Mekhennet, die unter anderen für das ZDF und die „Washington Post“ arbeitet, war es gelungen, mit der Führung des Islamischen Staates in Kontakt zu treten. Im ZDF-Morgenmagazin beschrieb sie die Lage so: Der IS erkennt die aus der Kolonialzeit von den Briten und Franzosen gezogenen Grenzen nicht an und möchte den gesamten Nahen Osten zum Kalifat machen. „Man hat uns gesagt, dass es zu Anschlägen kommen wird, wenn der Westen angreift“, sagte Mekhennet.

Finanziert von Katar und den Saudis

Der IS richtet Menschen hin, einfach nur, weil sie sich den Vorstellungen der Dschihadisten nicht anschließen wollen – egal ob Schiiten, Sunniten oder Christen, erklärte sie weiter. „Da wird mit einer Brutalität vorgegangen, die wir bisher nicht kannten.“ Der IS hatte seit dem Beginn des arabischen Frühlings sehr viel Zeit, sich zu etablieren. Die Miliz habe viele Kämpfer rekrutieren können und habe viel Geld auch aus Katar und Saudi-Arabien erhalten. Jetzt brauche sie diese Geldquelle nicht mehr, da sie selbst über Ölfelder verfüge. Durch unterirdische Pipelines in die Türkei wird das Öl auf dem Schwarzmarkt verkauft, erklärte Mekhennet weiter.

Weitere Links zum Thema

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel bezeichnete die Terrormiliz als extreme Bedrohung für die Vereinigten Staaten. „Es ist weit mehr als eine Terrorgruppe“, sagte Hagel am Donnerstag im Pentagon vor den Toren Washingtons. Sie sei „so hoch entwickelt und gut finanziert wie keine andere“. Der Minister schloss nicht aus, auch Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Syrien in Betracht zu ziehen. „Wir denken über alle Optionen nach“, sagte er auf Nachfrage eines Reporters.

Innenpolitische Probleme im Irak lösen

Generalstabschef Martin Demspey erklärte, die Organisation könne nicht besiegt werden, ohne ihren Arm in Syrien ins Kalkül zu ziehen. Der Kampf müsse auf beiden Seiten der „quasi nicht existierenden Grenze“ zwischen dem Irak und Syrien geführt werden. „Das wird passieren, wenn wir ein Bündnis in der Region haben, das die Aufgabe übernimmt, IS langfristig zu besiegen“, sagte Dempsey mit Blick auf die internationale Gemeinschaft. Luftangriffe seien aber nur ein kleiner Teil der dafür notwendigen Werkzeuge. Er wolle aber nicht ankündigen, dass die USA sie ausführen würden, betonte er.Hagel kündigte eine Fortsetzung der Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Irak an. „Wir verfolgen eine langfristige Strategie.“ Er betonte aber, dass der US-Einsatz klar eingegrenzt sei. Um die Extremisten vollständig zu besiegen, müsse der Irak seine innenpolitischen Probleme in den Griff bekommen, mahnte Hagel.

IS im Irak und in Syrien

Karte

Karte des IS-Gebietes im Irak

Diese Gebiete in Syrien und im Irak kontrolliert die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS, zuvor ISIS) inzwischen.

Religionskrieg zerreißt den Irak

 

Die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat rückt mit brutaler Gewalt im Irak vor, getrieben von Hass, vor allem gegen die Schiiten.

IS will Kalifat in Syrien und im Irak

Im Irak hat die US-Luftwaffe zuletzt sechs Ziele in der Nähe des Mossul-Staudamms angegriffen. Mehrere Fahrzeuge und Stellungen seien zerstört oder beschädigt worden, teilte das US-Zentralkommando in Tampa (Florida) mit. Die irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria News meldete, mindestens 35 Extremisten seien getötet worden. Seit Beginn der Luftschläge am 8. August flogen die Amerikaner nach eigenen Angaben insgesamt 90 Angriffe.Der Islamische Staat will ein länderübergreifendes Kalifat mit Irak und Syrien errichten und hat dabei bereits zahlreiche Gräueltaten gegen Zivilisten verübt. Auch Deutschland und Italien wollen deshalb Kurden im Nordirak sowie die irakische Armee mit Waffen beliefern. Zuvor hatten bereits Großbritannien und Frankreich Rüstungslieferungen für den Kampf gegen die IS in Aussicht gestellt. Auch Dänemark erklärte sich zum Transport von Hilfsgütern bereit.

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