USA verhaftet deutsche Journalisten in Ferguson, u.a. von Welt und Bild und vom österreichischen Standard: Hände auf den Rücken, das Plastikband festgezurrt, dass es tief in die Handgelenke schneidet. In einem Polizeiwagen geht es zu einer Shoppingmall, die den Ordnungshütern als provisorische Einsatzzentrale dient. Von dort im nächsten Polizeiwagen ins Buzz Westfall Justice Center, ein Gefängnis in Clayton. Gürtel abgeben, Schnürsenkel aus den Schuhen entfernen, und als sich der Ehering partout nicht über den Fingerknöchel ziehen lässt, sagt ein Aufseher namens Kirkland, dass man dann eben, mit Ring am Finger, in eine Einzelzelle müsse, statt im großen Saal mit seinen drei Fernsehbildschirmen warten zu können. „Die Polizei wollte verhindern, dass wir unseren Auftrag, über die Vorgänge in Ferguson zu recherchieren, erfüllen können“, sagte Graw. „Das ist eine eklatante Verletzung der Pressefreiheit.“ Herrmann bezeichnete die Vorwürfe als „völlig absurd. Sie dienten offenkundig nur dem Zweck, Reporter einzuschüchtern und damit von ihrer Arbeit abzuhalten.“ Das ist nicht beim „Feindbild Putin“, sondern dem Freund und Bündnispartner, den USA!

Frank Herrmann über seine Festnahme: „Hände auf den Rücken, das Plastikband festgezurrt“

FRANK HERMANN
 
19. August 2014, 13:21
 
 

STANDARD-Korrespondent schildert seine vorübergehende Festnahme in Ferguson

Um 14.40 Uhr findet Officer Amero, dass es nun genug ist mit der Pressefreiheit. Die beiden Journalisten, die auf dem Bürgersteig der Florissant Avenue auf eine ausgebrannte Tankstelle zulaufen, laufen für seine Begriffe zu langsam. Einer aus Ameros Trupp ruft den beiden, Ansgar Graw von der „Welt“ und mir, in knappem Befehlston zu, nicht stehen zu bleiben. Auf die Frage nach den Gründen wiederholt er nur stur seine Order, während ein freundlicherer Kollege immerhin erklärt, dass man keine Menschenansammlungen wolle. Im nächsten Moment lässt Officer Amero Beamte mit Plastikhandschellen anrücken.

Der Weg ins Gefängnis

Hände auf den Rücken, das Plastikband festgezurrt, dass es tief in die Handgelenke schneidet. In einem Polizeiwagen geht es zu einer Shoppingmall, die den Ordnungshütern als provisorische Einsatzzentrale dient. Von dort im nächsten Polizeiwagen ins Buzz Westfall Justice Center, ein Gefängnis in Clayton, einem Vorort von St. Louis, gemeinsam mit Lou und David, einem ergrauten Altlinken und einem schwarzen Teenager, beide aus Chicago, die drei Häuserblöcke entfernt festgenommen wurden.

Der Ehering und die Einzelzelle

Gürtel abgeben, Schnürsenkel aus den Schuhen entfernen, und als sich der Ehering partout nicht über den Fingerknöchel ziehen lässt, sagt ein Aufseher namens Kirkland, dass man dann eben, mit Ring am Finger, in eine Einzelzelle müsse, statt im großen Saal mit seinen drei Fernsehbildschirmen warten zu können. Irgendwann besinnt Kirkland sich eines Besseren, bevor sich, drei Stunden später, die Türen des Knasts öffnen. Der Vorwurf, erfährt man zwischendurch, lautet auf „Weigerung, sich zu zerstreuen“.

„Donald Duck“

Er ist so bizarr wie die Umstände: Bis auf die beiden Reporter und ein halbes Dutzend Polizisten hielt sich nachmittags nach halb drei keine Menschenseele an besagter Tankstelle auf. Es war ruhig und friedlich, nirgendwo flogen Steine. Der Name Amero, er taucht übrigens nur im Festnahmeprotokoll auf. Als unsereiner fragt, nennt er sich Donald Duck. (Frank Herrmann, derStandard.at, 19.8.2014)

Zum Thema:

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Kommentar:

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Link:

Ansgar Graw schildert in der „Welt“ seine Festnahme

http://derstandard.at/2000004444431/Zehntausende-Brasilianer-trauerten-um-toten-Praesidentschaftsbewerber

Journalisten in Ferguson vorübergehend festgenommen

 
19. August 2014, 12:11
 
 

Auch STANDARD-Korrespondent Frank Herrmann darunter – Reporter weisen Vorwürfe der Polizei zurück und sprechen von Verletzung der Pressefreiheit

Ferguson – In Ferguson, dem Ort anhaltender Unruhen nach den tödlichen Schüssen eines Polizisten auf einen 18-Jährigen, sind zwei deutsche Journalisten vorübergehend von der Polizei festgenommen worden, ein Redakteur der deutschen „Bild“-Zeitung soll sich noch in Haft befinden.

Ansgar Graw, der für die „Welt“-Gruppe schreibt, und Frank Herrmann, der für den STANDARD und eine Reihe von Regionalzeitungen tätig ist, wurden am frühen Montagnachmittag (Ortszeit) in Handfesseln abgeführt und ins Gefängnis in St. Louis gebracht. Nach drei Stunden wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt.

In seiner Reportage für „Die Welt“ beschreibt Graw, wie es zur Festnahme kam: „Der Tag, an dem die US-Polizei mein Feind wurde“.

Graw und Herrmann weisen den Vorwurf, sie hätten einer Aufforderung der Polizei nicht Folge geleistet, zurück. Polizisten hatten die beiden Journalisten angewiesen, auf der Straße, auf der nachts Proteste stattgefunden hatten, aber zum Zeitpunkt der Verhaftung alles ruhig und nahezu menschenleer war, nicht stehen zu bleiben. Graw und Herrmann versichern, dass sie dieser Order nachkamen.

„Eklatante Verletzung der Pressefreiheit

„Die Polizei wollte verhindern, dass wir unseren Auftrag, über die Vorgänge in Ferguson zu recherchieren, erfüllen können“, sagte Graw. „Das ist eine eklatante Verletzung der Pressefreiheit.“ Herrmann bezeichnete die Vorwürfe als „völlig absurd. Sie dienten offenkundig nur dem Zweck, Reporter einzuschüchtern und damit von ihrer Arbeit abzuhalten.“

Schon am Montag teilte die Fotoagentur Getty Images mit, dass einer ihrer Fotografen in Ferguson festgenommen worden sei. Scott Olson sei vorübergehend in Gewahrsam genommen worden, als er Bilder von einer Demonstration aufnahm. Kurz darauf wurde er wieder freigelassen. Getty Images verurteilte die Festnahme.

 

Laut Angaben von bild.de wurde Lukas Hermsmeier, Journalist der Zeitung, verhaftet, Grund und derzeitiger Aufenthaltsort seien unbekannt. Hermsmeier soll ins St. Louis Country Jail in Clayton, Missouri, gebracht werden, auf Twitter fordert Julian Reichelt, bild.de-Chefredakteur, die Freilassung seines Mitarbeiters.

 

(red, derStandard.at, 19.8.2014)

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