Tochter eines Kautschukzapfers aus Amazonien könnte neue Präsidentin werden! Die Umweltpolitikern liegt in den Umfragen vor der Amtsinhaberin, Rouseff. Marina Silva lernte erst mit 16 Jahren lesen und schreiben gelernt hatte, gilt als äusserst populär. Ihrer einfachen Herkunft wegen wird Silva oft mit dem früheren Präsidenten Lula da Silva verglichen. Noch mehr als der verstorbene Campos verkörpert Marina Silva einen «dritten Weg» ausserhalb des historischen Duells zwischen dem regierenden Partido dos Trabalhadores (PT) von Rousseff und dem PSDB. Die beiden Parteien waren in den letzten 20 Jahren an der Macht und mussten dafür auf die Hilfe von überwiegend opportunistischen Koalitionspartnern zählen. Die Kandidatur des PSB spricht damit vor allem auch die wachsende Zahl von Wählern an, die unzufrieden mit der Politik und der eingespielten politischen Elite Brasiliens sind. 2010 erzielte sie – damals noch für die Grüne Partei – mit fast 20 Prozent der Stimmen ein Glanzresultat. Anschließend wurde im Beisein von Präsidentin Dilma Rousseff und deren Amtsvorgänger Luiz Inácio Lula da Silva ein Gottesdienst unter freiem Himmel gefeiert. Der von einem Feuerwerk begleiteten Beisetzung des Verstorbenen wohnten die beiden Politiker nicht mehr bei. Bei ihrer Ankunft in Recife war Rousseff, eine Konkurrentin von Campos, von der Menge ausgebuht worden.

Brasiliens Wahlkampf beginnt bei null

Neue Herausforderin bedrängt Präsidentin Rousseff

Tjerk Brühwiller, São Paulo Heute, 19. August 2014, 10:02
Präsidentschaftskandidatin Marina Silva an der Beerdigung von Eduardo Campos.
Präsidentschaftskandidatin Marina Silva an der Beerdigung von Eduardo Campos. (Bild: Reuters)
Nach dem tödlichen Unglück von Eduardo Campos übernimmt die ehemalige Umweltministerin Marina Silva die Kandidatur der Sozialisten. Erste Umfragen rechnen ihr gute Chancen aus.

Brasiliens Wahlkampf hat durch den tragischen Tod des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten Eduardo Campos eine überraschende Wende genommen. Der Partido Socialista Brasileiro (PSB), dem Campos angehörte, schickt an seiner Stelle die frühere Umweltministerin und Senatorin, Marina Silva, ins Rennen. Silva hatte Campos ursprünglich als Kandidatin für das Vizepräsidium ergänzt. Silvas Kandidatur soll offiziell am Mittwoch bekanntgegeben werden. Noch unklar ist, wer mit ihr für das Vizepräsidium nominiert wird.

Besorgte Mitstreiter

Die Situation hinsichtlich der Präsidentschaftswahlen vom 5. Oktober hat sich dramatisch verändert. Die erste Umfrage von Datafolha nach dem Tod von Campos zeigt Silva im ersten Wahlgang vor dem Herausforderer des oppositionellen Partido da Social Democracia Brasileira (PSDB), Aécio Neves, der bisher an zweiter Stelle hinter Präsidentin Rousseff lag. Noch überraschender ist der Ausblick auf einen zweiten Wahlgang zwischen Rousseff und Silva, den die Herausforderin laut der Umfrage mit 47 Prozent der Stimmen für sich entscheiden würde. Rousseff käme auf 43 Prozent, während sie sich in einem Duell gegen Neves durchsetzen würde. Auffällig ist, dass Silva vor allem die Stimmen bisher unschlüssiger Wähler anzuziehen scheint.

«Dritter Weg»

Die Umfrage ist mit Vorsicht zu geniessen, befindet sich Brasilien nach der Tragödie um Campos doch in einer Ausnahmesituation. Dennoch dürfte das Abschneiden von Silva nicht von ungefähr kommen. 2010 erzielte sie – damals noch für die Grüne Partei – mit fast 20 Prozent der Stimmen ein Glanzresultat. Die Tochter von Kautschukzapfern aus Amazonien, die erst mit 16 Jahren lesen und schreiben gelernt hatte, gilt als äusserst populär. Ihrer einfachen Herkunft wegen wird Silva oft mit dem früheren Präsidenten Lula da Silva verglichen. Noch mehr als der verstorbene Campos verkörpert Marina Silva einen «dritten Weg» ausserhalb des historischen Duells zwischen dem regierenden Partido dos Trabalhadores (PT) von Rousseff und dem PSDB. Die beiden Parteien waren in den letzten 20 Jahren an der Macht und mussten dafür auf die Hilfe von überwiegend opportunistischen Koalitionspartnern zählen. Die Kandidatur des PSB spricht damit vor allem auch die wachsende Zahl von Wählern an, die unzufrieden mit der Politik und der eingespielten politischen Elite Brasiliens sind.

Trauerzug der Massen

Der 49-jährige Campos war am vergangenen Mittwoch beim Absturz einer Privatmaschine ums Leben gekommen. Am Sonntag wurde der ehemalige Gouverneur des Gliedstaates Pernambuco und fünffache Familienvater in Recife beigesetzt. 160 000 Menschen verfolgten den Trauerzug . Auch Präsidentin Rousseff, ihr Vorgänger Lula da Silva sowie alle Gouverneure Brasiliens waren anwesend. Campos galt als eine Ausnahmeerscheinung in der brasilianischen Politik, als ehrlich, transparent und zielstrebig. Als Gouverneur von Pernambuco hatte er die Kriminalitätsrate um 40 Prozent gesenkt, in Schulen und öffentliche Einrichtungen investiert und mit einer unternehmerfreundlichen Politik einen Boom herbeigeführt. Nach einer glanzvollen Wiederwahl im Jahr 2010 mit 83 Prozent der Stimmen hatte Campos sich mit dem PSB vom Bündnis mit dem PT distanziert und 2013 seine eigene Kandidatur lanciert.

http://www.nzz.ch/international/amerika/brasiliens-wahlkampf-beginnt-bei-null-1.18365960

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