USA: Rassismus bis heute unverändert, trotz Obama! Ein Funke reicht, um das Pulverfass Rassismus zu entzünden. „Viele, vor allem weiße Amerikaner sind der Meinung, Obama sei der Indikator dafür, dass Rassismus überwunden ist“, sagt Wulf D. Hund, emeritierter Professor für Soziologie der Universität Hamburg mit Schwerpunkt Rassismusforschung. „Dabei hat sich an der Grundstruktur des Rassismus in den vergangenen Jahrzehnten wenig verändert.“ „Ich würde sogar behaupten, es ist schlechter geworden“, sagt Christian Hacke, ehemals Professor für Politikwissenschaft am Institut für Politische Wissenschaft an der Universität Bonn. Zum einen hätte die Wirtschaftskrise und der damit verbundene Niedergang der amerikanischen Gesellschaft die schwarze Bevölkerung besonders hart getroffen. Während weiße Familien laut der Wohltätigkeitsorganisation United for a Fair Income im Durchschnitt 109.000 Dollar auf ihrem Rentenkonto angespart haben, kommen Schwarze und Hispanos lediglich auf 17.000 Dollar. „Die Lage ist explosiv“, sagt Hacke. Ein dritter Punkt, der die Dramatik in den USA ausmache, sei die „unglaubliche Unsensibilität der Polizei“, meint Hacke. Eine „rassistische, weiße Polizeikaste“ habe überall, wo Schwarze leben, das Sagen. Bei einer Meinungsumfrage des Pew-Research-Institutes im Vorjahr gaben 88 Prozent der Afroamerikaner in den USA an, diskriminiert zu werden, die Hälfte davon sogar „in hohem Maße“.

Rassismus in den USA ist noch nicht Geschichte

 
18. August 2014, 18:15
 
 

Ein Schwarzer kann in den Vereinigten Staaten möglicherweise Millionär werden, aber nicht unbedingt Mittelklassler. Die Rassenunruhen rund um den Tod von Michael Brown haben die Debatte um Diskriminierung neu entfacht.

Als sie der Einladung zu einem Businessdinner gefolgt war, sei sie von der Empfangsdame ins Hinterzimmer geführt und nach ihrer Dienstbotenuniform gefragt worden, erzählt Mellody Hobson. „Und das hat mich nicht einmal überrascht.“ Im Mai hielt die afroamerikanische Vorsitzende einer Investmentbank bei einer TED-Konferenz eine Rede über Rassismus in den USA. Ihre Freunde hätten ihr davon abgeraten, „aber die Zahlen lügen nicht“, betont Hobson, „wir müssen darüber reden.“

Der Tod des 18-jährigen Schwarzen Michael Brown und die Straßenschlachten, die ihn begleiten, haben ein amerikanisches Tabu wieder an die Oberfläche gespült: Rassismus ist in den USA auch ein halbes Jahrhundert nach der Rede Martin Luther Kings und trotz eines schwarzen Präsidenten noch nicht Geschichte.

Wirtschaftlicher Abstieg hat Schwarze besonders getroffen

„Ich würde sogar behaupten, es ist schlechter geworden“, sagt Christian Hacke, ehemals Professor für Politikwissenschaft am Institut für Politische Wissenschaft an der Universität Bonn. Zum einen hätte die Wirtschaftskrise und der damit verbundene Niedergang der amerikanischen Gesellschaft die schwarze Bevölkerung besonders hart getroffen. Vor allem aber habe es US-Präsident Barack Obama verabsäumt, echte Post-Race-Politik zu betreiben.

In seinen nun fünf Jahren als schwarzer Präsident habe er sich nie zu deutlichen Initiativen bewegen lassen, um die Rechte der Schwarzen zu stärken. „Obama macht angepasste Politik, er ist ein Opportunist, der die Weißen nicht verschrecken möchte „, resümiert Hacke.

Sei es beim Einkommen, dem Zugang zu Bildung oder der Wohnsituation: Die afroamerikanische Bevölkerung schneidet im Durchschnitt schlechter ab. Bei einer Meinungsumfrage des Pew-Research-Institutes im Vorjahr gaben 88 Prozent der Afroamerikaner in den USA an, diskriminiert zu werden, die Hälfte davon sogar „in hohem Maße“.

Enorme Einkommensunterschiede

Während weiße Familien laut der Wohltätigkeitsorganisation United for a Fair Income im Durchschnitt 109.000 Dollar auf ihrem Rentenkonto angespart haben, kommen Schwarze und Hispanos lediglich auf 17.000 Dollar. „Die Lage ist explosiv“, sagt Hacke.

Der Fall Brown erinnert an den Tod des 17-jährigen Schwarzen Trayvon Martin, der 2012 in Florida von George Zimmermann, Mitglied einer Nachbarschaftswache, angeblich aus Notwehr erschossen wurde. Als Zimmermann freigesprochen wurde, flammten die Proteste erneut auf.

Auch die Polizisten, die 1991 den Afroamerikaner Rodney King vor laufender Kamera schwer misshandelt hatten, wurden freigesprochen. Dem Urteil folgten tagelange Ausschreitungen in Los Angeles. Am Ende starben 53 Menschen, mehrere Tausend wurden verletzte. Ein Funke reicht, um das Pulverfass Rassismus zu entzünden.

„Rassistische, weiße Polizeikaste“

Ein dritter Punkt, der die Dramatik in den USA ausmache, sei die „unglaubliche Unsensibilität der Polizei“, meint Hacke. Eine „rassistische, weiße Polizeikaste“ habe überall, wo Schwarze leben, das Sagen. Mit dem „Stop and Frisk“-Programm ist es Polizisten beispielsweise erlaubt, gezielt Minderheiten aus dem Straßenverkehr herauszufangen und auf Verdacht hin zu durchsuchen.

„Viele, vor allem weiße Amerikaner sind der Meinung, Obama sei der Indikator dafür, dass Rassismus überwunden ist“, sagt Wulf D. Hund, emeritierter Professor für Soziologie der Universität Hamburg mit Schwerpunkt Rassismusforschung. „Dabei hat sich an der Grundstruktur des Rassismus in den vergangenen Jahrzehnten wenig verändert.“ Die Botschaft von Mellody Hobson, dass persönliche Einstellung und Anstrengung zu ihrer Überwindung führen könnten, greife deswegen zu kurz und ziele in die falsche Richtung. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 19.8.2014)

http://derstandard.at/2000004481499/Rassismus-in-den-USA-ist-noch-nicht-Geschichte

Bewaffnete Polizisten stehen schwarzen Demonstranten gegenüber – die Bilder von  Ferguson 2014 (li.) erinnern an ...

 

Ferguson: Gefährliche Militarisierung

KOMMENTAR | FRANK HERRMANN
 
17. August 2014, 18:20
 
 

Proteste nach Polizeigewalt in den USA

Es bleibt unklar, wie Michael Brown ums Leben kam. Ob ein Polizist im Streifenwagen den Teenager schikanierte oder ob der Beamte schoss, nachdem ihn der 18-Jährige angegriffen hatte – die Ermittler des FBI werden irgendwann Antworten geben. Brown war kein Unschuldslamm, er stahl am selben Tag Zigarillos und bedrohte den Verkäufer, als dieser einschreiten wollte. Die Skizze des sanften Riesen, die am Anfang schnell gezeichnet wurde, sie ist sicher nur eine Karikatur.

Nur: Der patrouillierende Beamte wusste gar nichts von dem Ladendiebstahl, als er Brown stoppte. Der Tod des Buben war nur der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Im Vorortgürtel um St. Louis entladen sich Spannungen, die sich über Jahre angestaut hatten. Die Hauptschuld trägt eine vornehmlich weiße Polizeitruppe, deren Anblick im mehrheitlich schwarzen Ferguson an die Südstaaten in Zeiten der Rassentrennung denken ließ.

Wie bis an die Zähne bewaffnete Einsatzkommandos dann auf die Proteste reagierten, das hat den Eindruck nur noch verstärkt. Panzerwagen, Tränengas, Gummigeschoße: Um überzähliges Kriegsgerät aus den Feldzügen in Afghanistan und Irak nicht verschrotten zu müssen, hat das Verteidigungsressort Waffen und Ausrüstung im Wert von 4,3 Milliarden Dollar an Amerikas Polizeikräfte verhökert. Eine fatale Fehlentwicklung. Wer einen solchen Hammer besitzt, für den scheint jedes Problem nur ein Nagel zu sein. (Frank Herrmann, DER STANDARD, 18.8.2014)

http://derstandard.at/2000004437402/Gefaehrliche-Militarisierung

 

 

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