Radikale Christen gibt es auch, nicht nur radikale Muslime! Sie stehen – zum Glück – beide nicht für Christentum und Islam; viele sehen sie im Gegensatz zu den Kernideen dieser Religionen! Aber der Extremismus beider Richtungen ist gefährlich! Die ARD-Dokumentation hat viele provoziert! Radikale Christen sind auch in anderen Teilen der Erde sehr gefährlich: Sie haben einen starken Anteil etwa an den Gesetzen zur Unterdrückung von Homosexuellen in Uganda!

 

Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland

Ein ugandisches Gesetz und sein möglicher US-Ursprung

MICHAELA KAMPL
26. Februar 2014, 14:11

US-Evangelikale sollen das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Uganda beeinflusst haben – Die Befürworter des neuen Gesetzes bestreiten das vehement

Am Montag hat der ugandische Präsident Yoweri Museveni ein Gesetz unterzeichnet, das homosexuelle Beziehungen unter Strafe stellt – unter bestimmten Umständen ist auch lebenslange Haft möglich. Auch die „Förderung von Homosexualität“ wird kriminalisiert. Damit, so befürchten Aktivisten für die Rechte Homosexueller, könnte auch ihre Arbeit als gesetzeswidrig eingestuft werden.

Schon bisher waren homosexuelle Beziehungen in Uganda strafbar, wie auch in 36 weiteren afrikanischen Staaten. Die Entstehungsgeschichte des neuen Gesetzes ist allerdings einen zweiten Blick wert – und auch, wer die Gesetzeswerdung vorangetrieben hat. Der erste Entwurf stammt aus dem Jahr 2009 und wurde nur wenige Monate nach dem Besuch von drei US-Evangelikalen vorgelegt.

Der Anfang: Ein Seminar in der Hauptstadt

Im März 2009 fand in der Hauptstadt Kampala das „Seminar on Exposing the Homosexual’s Agenda“ statt. Veranstalter war die ugandische Organisation Family Life Network. Thema der Vorträge der US-amerikanischen Gäste: die Zerstörung der traditionellen Familienwerte durch Homosexualität und die Gefahr für die Gesellschaft, die von Schwulen und Lesben ausgehe.

Missionare, „Heilungsseminare“ und Gebete

Einer der drei Missionare war Scott Lively, evangelikaler Missionar und Autor zahlreicher schwulenfeindlicher Bücher – darunter „The Pink Swastika“ (Das pinkfarbene Hakenkreuz), das Verbindungen zwischen Homosexualität und dem Nationalsozialismus herstellt. Zweiter im Bunde war Caleb Lee Brundidge, der sich selbst als ehemaligen Schwulen bezeichnet, Homosexualität als Krankheit betrachtet und sogenannte „Heilungsseminare“ abhält. Die beiden wurden begleitet von Don Schmierer, einem Mitglied von Exodus International, einer US-amerikanischen christlichen Organisation, die glaubt Homosexualität, sei eine Fehlentwicklung und durch Gebete und „Therapien“ veränderbar.

Während der dreitägigen Veranstaltung hörten zahlreiche Ugander, darunter Politiker, Polizisten und Lehrer, die Thesen der drei US-Amerikaner, wonach Homosexualität heilbar ist, schwule Männer Jugendliche missbrauchen und es die Absicht der Schwulenbewegung sei, die traditionellen afrikanischen Familienwerte zu zerstören.

Lebenslange Haft statt Todesstrafe

Einen Monat nach dem Besuch der drei brachte ein ugandischer Abgeordneter das Anti-Homosexuellen-Gesetz als Vorschlag ins Parlament ein. Auf Homosexualität sollte demnach die Todesstrafe stehen. Der Westen war empört und verlangte von Uganda, den Gesetzesvorschlag fallenzulassen.

Als die USA und die EU mit dem Stopp der Entwicklungsgelder drohten, entschärfte Uganda das Gesetzesvorhaben: Die Todesstrafe wurde gestrichen. Komplett gestoppt wurde die geplante Verschärfung allerdings nicht. Bereits im Jahr 2011 beschloss das Parlament, die Debatte wieder aufzunehmen. Die Todesstrafe wurde zwar gekippt, andere Passagen aber blieben erhalten. So ist es strafbar, homosexuelles Verhalten nicht an die Behörden zu melden. Das Parlament stimmte Ende vergangenen Jahres mehrheitlich für die Annahme des Gesetzes. Mit der Unterzeichnung durch Präsident Museveni kann es nun in Kraft treten.

Internationaler Protest

Auch dieses Mal gab es zahlreichen Protest aus den USA und Europa. Norwegen und Dänemark kündigten an, Hilfszahlungen zurückzuhalten, sollte das Gesetz nicht zurückgenommen oder entschärft werden. Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) hat Ähnliches angedeutet. Die USA, die rund 300 Millionen Euro im Jahr an Uganda überweisen, wollen ihre Finanzspritzen überdenken.

Unterstützer: Gesetzesvorschlag kam aus Uganda

Ugandische Unterstützer der Gesetzesverschärfung, wie beispielsweise Pastor Martin Ssempa, wehren sich gegen den Vorwurf, die Verschärfung der Anti-Homosexuellen-Gesetze sei erst durch US-Evangelikale vorangetrieben worden. Diese Entscheidung sei eine rein ugandische gewesen, sagt Ssempa.

Homosexualität werde in vielen afrikanischen Ländern als Import eines westlichen Lebensstils gesehen und in weiterer Folge auch als Form von Imperialismus und Neokolonialismus interpretiert, schreibt Kapya Kaoma, ein anglikanischer Priester aus Sambia, in seiner Analyse über die Verknüpfung zwischen christlichen Rechtskonservativen aus den USA und den Angriffen auf Homosexuelle in Afrika. US-Evangelikale würden sich die ablehnende Haltung gegenüber Neokolonialismus in afrikanischen Ländern zunutze machen, verknüpfen sie mit religiösen Werten und hoffen auf diese Weise, mehr Einfluss in einer für das Christentum immer wichtigeren Weltregion zu erlangen. (Michaela Kampl, derStandard.at, 26.2.2014)

http://derstandard.at/1392686414984/Ein-ugandisches-Gesetz-und-sein-moeglicher-US-Ursprung

Stellungnahme der Redaktion

Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer,

selten hat eine Dokumentation so viele Reaktionen ausgelöst wie „Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland“, die am 4. August 2014 im Ersten ausgestrahlt wurde. Mehrere Tausend Briefe, Mails und Anrufe erreichten die Zuschauerredaktionen des Ersten und des NDR, die Intendanz des NDR, die NDR-Gremien sowie die zuständige Redaktion beim NDR.

Wir bedauern, dass sich Zuschauer durch unsere Berichterstattung offenbar persönlich verletzt fühlen. Wir hatten nie die Absicht, pauschal alle Christen oder evangelikale Gläubige zu diffamieren. Uns ging es darum, in ganz konkreten – gut dokumentierten – Fällen auf Missstände aufmerksam zu machen.

Einige der Zuschriften enthalten sehr persönliche Schilderungen und Anmerkungen, die teilweise schon individuell beantwortet wurden oder aber noch im Laufe der nächsten Wochen von der Redaktion beantwortet werden.

In den allermeisten Reaktionen finden sich aber ähnliche, bisweilen gleichlautende Vorwürfe an die Autorinnen und die Redaktion der Dokumentation. Diese werden in diesem Schreiben aufgelistet und auch beantwortet, gegliedert nach den verschiedenen Themenkomplexen und den in der Dokumentation behandelten Gemeinden.

Angebliche Verwendung von „illegalen“ Bildern

Angebliche Verwendung von „illegalen“ Bildern

In fast allen Schreiben wird moniert, dass die Ausstrahlung von Aufnahmen aus Gottesdiensten, Predigten und anderen Zusammenkünften nicht erlaubt und deshalb „illegal“ sei. Diese Bilder seien – so der Vorwurf – mit versteckten Kameras aufgenommen worden. Die Persönlichkeitsrechte seien durch all dies verletzt worden.

Diese Vorwürfe sind falsch. Sämtliche in der Dokumentation gezeigten Aufnahmen von Veranstaltungen, Gottesdiensten oder Selbstdarstellungen stammen zumeist von sogenannten Livestreams, also weltweit zu sehenden Übertragungen im Internet oder aber von Filmen, die von den jeweiligen Organisatoren in das Netz gestellt werden. Im Text der Dokumentation wird darauf hingewiesen, dass verschiedene Gemeinden das Internet als Plattform benutzen, um Anhänger zu gewinnen, ihre Botschaften zu verkünden oder Einblicke in ihre Arbeit zu vermitteln. Wie also können Szenen, die weltweit von allen Interessierten zu sehen sind, eine „Verletzung von Persönlichkeitsrechten“ sein, wenn sie in einer Dokumentation gezeigt werden? Im Übrigen wurde die jeweilige Quelle dieser Aufnahmen durch Schrifteinblendungen kenntlich gemacht.

Eine weitere Quelle für Bilder waren DVDs, die von den jeweiligen Organisationen beworben und zum Verkauf angeboten werden. Auch darauf wurde in der Dokumentation hingewiesen. Ob all diese Gruppen, Gemeinden oder Veranstalter die jeweils Anwesenden über diese Aufnahmen (Internet oder DVD) vorab informiert haben, wissen wir nicht. Ein solches – eventuelles – Versäumnis kann aber nicht den Autorinnen dieser Dokumentation vorgeworfen werden.

Schließlich haben wir auch noch einige Ausschnitte aus „Bibel TV“ gesendet, die wir mit dem entsprechenden Quellenhinweis insertiert haben. „Bibel TV“ ist ein Kooperationspartner von Evangeliums-Rundfunk und in weiten Teilen Deutschlands frei empfangbar.

Die in der Dokumentation gezeigten Bilder aus diesen drei Quellen liefern vertiefende, bisweilen auch verstörende Einblicke in das Wirken solcher Gemeinden und selbsternannter Pastorinnen/Pastoren, die dem Zuschauer ein eigenes Urteil ermöglichen sollen. Rein juristisch wäre die Verwendung dieser Sequenzen deshalb auch durch das sogenannte 2itatrecht“ gerechtfertigt.

An keiner Stelle der Dokumentation (einzige Ausnahme: eine kurze Sequenz in dem übernommenen Panoramabeitrag) werden übrigens – entgegen den Behauptungen mancher Gemeinden – Aufnahmen gezeigt, die von uns „heimlich gedreht“ oder durch „versteckte Kameras“ entstanden sind. Richtig ist, dass wir von allen im Film gezeigten Gemeinden frühzeitig ein Drehverbot erhielten. Wir waren dennoch vor Ort und haben uns – ohne Kamera – ein eigenes Bild gemacht und eigene Eindrücke gesammelt. Verboten wurden uns in aller Regel auch Dreharbeiten bei Großveranstaltungen. Ebenso war – außer dem Vorsitzenden der TOS, Jobst Bittner – kein Verantwortlicher der Gruppen bereit, uns ein Interview vor der Kamera zu geben.

Angebliche „Verunglimpfung“ des christlichen Glaubens

Immer wieder wird der Vorwurf erhoben, diese Dokumentation hätte pauschal alle Christen oder evangelikale Gläubige diffamiert, den „Glauben an Gott“ ins Lächerliche gezogen. Das ist nicht der Fall. Wir haben nur die Gemeinden und Gruppierungen klar benannt und zum Thema gemacht, bei denen wir unseres Erachtens problematische Strukturen gefunden haben und in denen nach unserer Erkenntnis die geistlichen Leiter ihre Macht ausnutzen. Uns ging es darum aufzuzeigen, wie der Glaube benutzt wird, um Menschen zu manipulieren, ihnen bei ihren Problemen, auch Krankheiten, in Wirklichkeit nicht zu helfen, allen Versprechen zum Trotz. Gerade in Zeiten, in denen viele nach Orientierung suchen, sich viele Fragen stellen, erscheint uns ein Blick in diese Szene notwendig zu sein. Natürlich wissen wir aus eigener Erfahrung, dass viele Kirchengemeinden eine vorbildliche und sinnvolle Arbeit zum Nutzen ihrer Gläubigen machen. Genau diese engagierten Gemeinden sollen ermutigt werden, indem wir auf die fehlende Seriosität jener hinweisen, die statt „normaler“ Gemeindearbeit lieber auf spektakuläre Inszenierungen, unheilvolle Heilungsversprechen oder absurde „Sündenregister“ setzen – um damit Menschen zu erreichen, an sich zu binden und dann ein Leben zu fordern, das mit christlichen Werten häufig nichts mehr zu tun hat.

Wir haben während der Recherchen zu dieser Dokumentation mit vielen, auch gläubigen Menschen gesprochen, die detailliert beschreiben, wie ihr Glaube, ihre Vorstellung von einem christlichen Leben ausgenutzt wurde und sie in eine totale Abhängigkeit zu den Gruppen und ihren Leitern geführt hat. Auch nach Ausstrahlung des Filmes schreiben uns viele, die Ähnliches erlebt haben, dies als besonders schmerzhaft empfinden und sich häufig dafür auch schämen. Diese missbräuchlichen Strukturen, wo auch – wie es ein evangelischer Pfarrer im Film formuliert – der „Glaube als Machtmittel“ instrumentalisiert wird, haben wir aufgezeigt. An keiner Stelle war es unsere Absicht, pauschal die Ernsthaftigkeit und Seriosität all jener in Zweifel zu ziehen, die an Gott glauben, die sich in seinem Sinne engagieren.

Angebliche „Kritik an christlichen Werten“

In unserem Film hatten wir kritisiert, dass bestimmte Gemeinden bzw. deren Leiter/innen Homosexualität als „widerwärtig“, als „Sünde“, manche gar als „Krankheit“ betrachten. In vielen Protestschreiben werden wir dafür kritisiert. Mit dem Argument, die Bibel belege an vielen Stellen, dass Homosexualität nicht dem christlichen Weltbild entspreche, homosexuelle und lesbische Menschen deshalb Sünder seien, nicht „im Einklang mit dem Wort Gottes“ leben würden.

Dies empfinden nicht nur die allermeisten christlichen Gemeinden und Organisationen völlig anders, sondern auch die Autorinnen des Filmes. Eine Diskussion zu dieser Frage betrachten wir deshalb als wenig zielführend.

Immer wieder wird der Dokumentation auch vorgeworfen, dass sie den „vorehelichen Geschlechtsverkehr“– im Gegensatz zu manchen Gemeinden – im 21. Jahrhundert nicht als „Sünde“ einstufe und auch nicht die Ansicht teile, der „Satan“ sei oftmals für Krankheiten verantwortlich. Auch unsere Kritik an dem bisweilen vermittelten – und gepredigten – „christlichem Gebot“ der (auch sexuellen) Unterordnung der Frauen gegenüber den Männern wird zurückgewiesen. Wir können dies nur zur Kenntnis nehmen, distanzieren uns aber weiterhin mit Bezug auch auf unser Grundgesetz ausdrücklich von solch einem Weltbild.

Erschreckend und äußerst befremdlich finden wir auch den vielfach geäußerten Vorwurf, die Intention des Filmes sei vergleichbar „mit der Verfolgung und Ermordung von Juden während des Naziterrors“.

Angebliche „Einseitigkeit der Dokumentation“

Der Film blende die Realität aus, beleuchte nur einige wenige „Randgruppen“, verzerre so die Arbeit der christlichen Arbeit – so oder so ähnlich der Tenor vieler Schreiben. Richtig ist, dass wir uns auf einige Organisationen konzentriert haben. Es gab niemals die Absicht, das gesamte Spektrum der evangelischen Kirchengemeinden abzubilden. Dies wäre vermessen und im Rahmen einer 45minütigen Dokumentation auch nicht möglich. Dafür gibt es im Übrigen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen viele andere Formate – von der regelmäßigen Übertragung der Gottesdienste bis hin zu sogenannten „Verkündigungssendungen“. In unserer Dokumentation haben wir – im Sinne der öffentlich-rechtlichen Aufgabe – auf Missstände hingewiesen.

Unser Kriterium bei der Auswahl der Gemeinden war die Mitgliedschaft oder Mitarbeit (im Fall von „Zukunft für DICH“)in der Evangelischen Allianz (EAD), dem Dachverband der „evangelisch-reformatorisch gesinnter Christen“. Die EAD bezeichnet sich selbst als „Netzwerk“ und vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 1,3 Millionen Menschen. Alle von uns besuchten Gruppen betonen ihre Mitgliedschaft – lokal und/oder national – in dieser Allianz. Sämtliche Stellungnahmen dieser Gruppierungen zum Film sind deshalb auch auf der Homepage der EAD zu finden.

Wegen dieser „Einschränkung“ haben wir bewusst jene, sich auch auf Gottes Wort beziehende Gruppierungen ignoriert, die durch besonders verwerfliche Methoden immer wieder für Schlagzeilen sorgen – sei es durch Kindesmissbrauch, körperliche Gewalt oder unseriöse Spendenakquise. Dies hätte zwar spektakuläre Bilder und Vorwürfe geliefert, wäre aber zu Recht als absurd und polemisch kritisiert worden.

Deshalb weisen wir auch den in manchen Stellungnahmen erhobenen Vorwurf zurück, wir hätten uns „auf die fokussierte Recherche nach Skandalen“ begeben.

mehr:

http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/ndr/stellungnahme-mission-unter-falscher-flagg-100.html

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