IS jetzt vor dem syrischen Aleppo: Die Minderheiten fürchten, dass das Asad-Regime nicht die Kraft hat, die Stadt vor den Jihadisten zu schützen. Dort leben Zehntausende von Christen und Angehörige anderer religiöser Minderheiten, die sich bisher auf den Schutz der Regierungstruppen verliessen. Sie fragen sich nun, ob das Militär nach dem Zermürbungskrieg gegen die Rebellen noch die Kraft hat, dem Ansturm der IS-Kämpfer zu widerstehen. Amerikaner und Europäer stehen vor der Wahl, entweder das Asad-Regime zu retten oder den Vormarsch des IS hinzunehmen. Anders als im Irak hatten die westlichen Medien und Politiker mit dem Schicksal der religiösen Minderheiten in Syrien kein Mitleid! Sie unterstützen mehrheitlich Assad, und den will der Westen stürzen! Im Irak haben die IS Kämpfer ein neues Massaker an Yeziden angerichtet! Das teilten irakische Sicherheitskräfte unter Berufung auf Überlebende mit. Der jesidische Abgeordnete Mahma Chali sagte, die Kämpfer hätten das Dorf vor einigen Tagen besetzt und den jesidischen Einwohnern einige Tage Zeit gegeben, zum Islam zu konvertieren. Halgurd Hekmat, Sprecher der kurdischen Sicherheitskräfte, sagte, Frauen und Kinder seien beim Angriff gefangen genommen worden.

Syrische Rebellen im Clinch

IS-Jihadisten vor den Toren Aleppos

Jürg Bischoff, Beirut Heute, 16. August 2014, 05:30
Aufgerieben in Aleppo: Rettungskräfte suchen nach Überlebenden nach einem Abwurf von Fassbomben.
Aufgerieben in Aleppo: Rettungskräfte suchen nach Überlebenden nach einem Abwurf von Fassbomben. (Bild: Reuters)
Der Islamische Staat rückt gegen Aleppo vor. Die Minderheiten fürchten, dass das Asad-Regime nicht die Kraft hat, die Stadt vor den Jihadisten zu schützen.

Gleichzeitig mit seiner Offensive im Nordirak hat der Islamische Staat (IS) beinahe unbemerkt auch im Norden Syriens bedeutende Fortschritte gemacht. Besonders gefährlich erscheint ein Vorstoss zwischen Aleppo und der türkischen Grenze, der sowohl die Anti-Asad-Rebellen wie auch das Regime bedroht. Aus dem syrischen Bürgerkrieg wird eine direkte Konfrontation zwischen dem Regime und dem Islamischen Staat.

Gefestigte Herrschaft

Die Jihadisten des selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi haben ihre Herrschaft im Nordosten Syriens in den letzten zwei Wochen konsolidiert. In der Provinz Deir az-Zur an der Grenze zum Irak unterdrückten sie die Rebellion des aufmüpfigen Shiatat-Stammes, indem sie angeblich 20 von dessen Männern exekutierten. Weiter nördlich rückten sie auf die von Kurden und dem Regime kontrollierte Provinzhauptstadt Hasaka vor. Bei Rakka, ihrer «Hauptstadt», setzten die IS-Kämpfer zum Sturm auf den Militärflugplatz von Tabka an, den letzten Stützpunkt des Regimes in der Provinz.

Am schwersten wiegt die Rückkehr des IS in den Norden der Provinz Aleppo, aus dem die Jihadisten vor sechs Monaten vertrieben worden waren. Der IS-Vorstoss zielt auf Azaz, einen Grenzort zur Türkei, über den ein grosser Teil der Aufständischen in der Provinz ihre Versorgung sicherstellen. Laut Berichten aus Oppositionskreisen haben mehrere Rebellengruppen angesichts des Ansturms von Baghdadis Kämpfern ihre Stellungen aufgegeben oder sind zum IS übergelaufen.

In den letzten Monaten haben die Regierungstruppen den Ostteil Aleppos, der von den Anti-Asad-Kämpfern gehalten wird, vom Umland weitgehend abgeschnitten. Die Rebellen müssen damit rechnen, zwischen dem IS und der Asad-Armee aufgerieben zu werden. Die Stimmung unter den Aufständischen ist schlecht, umso mehr als ihre Hilferufe ungehört verhallen. Am Donnerstag ist es den Regierungstruppen auch gelungen, den Riegel von Mliha bei Damaskus zu sprengen, mit dem die Aufständischen der Armee den Zugang zur östlichen Peripherie der Hauptstadt versperrten. Es zeichnet sich ab, dass das Regime nicht nur in Aleppo, sondern auch in Damaskus die Überhand gewinnt. Zwar melden die Aufständischen Erfolge gegen die Regierungskräfte in Zentralsyrien zwischen Idlib und Hama, doch sind diese militärisch und politisch wenig bedeutend.

Dilemma des Westens

Die Jihadisten vor den Toren Aleppos haben nicht nur im aufständischen, sondern auch im regimetreuen Teil der Stadt Furcht und Schrecken ausgelöst. Dort leben Zehntausende von Christen und Angehörige anderer religiöser Minderheiten, die sich bisher auf den Schutz der Regierungstruppen verliessen. Sie fragen sich nun, ob das Militär nach dem Zermürbungskrieg gegen die Rebellen noch die Kraft hat, dem Ansturm der IS-Kämpfer zu widerstehen.

Die gleiche Frage stellt sich auch dem Asad-Regime. Nachdem es der Ausbreitung des IS während Monaten tatenlos zuschaute, setzt es seit kurzem die Luftwaffe gegen die Jihadisten ein. Dabei geht es Damaskus wohl weniger darum, seine restlichen Stützpunkte im Osten zu verteidigen, als darum, sich in die internationale Koalition gegen den IS einzureihen, die nach den letzten Ereignissen im Irak gebildet wird. Dies würde es Asad erlauben, einen Ausweg aus der Isolation zu finden. Amerikaner und Europäer stehen vor der Wahl, entweder das Asad-Regime zu retten oder den Vormarsch des IS hinzunehmen.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/china-will-vom-boykott-profitieren-1.18364028

Dorf im Nordirak besetzt

Terrormiliz tötet mehr als achtzig Jesiden

Heute, 16. August 2014, 11:37
Die Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat haben in einem Dorf im Norden des Iraks mehr als 80 Jesiden getötet. Das teilten irakische Sicherheitskräfte unter Berufung auf Überlebende mit. Der Angriff habe sich am Freitag in Kocho ereignet.

(ap) Das Dorf liegt in einer Gegend, die von der IS kontrolliert wird und wo Journalisten nicht arbeiten können. Der jesidische Abgeordnete Mahma Chali sagte, die Kämpfer hätten das Dorf vor einigen Tagen besetzt und den jesidischen Einwohnern einige Tage Zeit gegeben, zum Islam zu konvertieren. Halgurd Hekmat, Sprecher der kurdischen Sicherheitskräfte, sagte, Frauen und Kinder seien beim Angriff gefangen genommen worden.

1/10
Diese Flüchtlinge haben Glück: Sie können im Kofferraum eines Autos mitfahren. Die grosse Mehrheit der Flüchtlinge sind Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden.
Diese Flüchtlinge haben Glück: Sie können im Kofferraum eines Autos mitfahren. Die grosse Mehrheit der Flüchtlinge sind Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden. (Bild: Rodi Said / Reuters)

Der Vormarsch der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat hat den Irak in diesem Sommer in die schlimmste Krise seit dem Abzug der US-Truppen im Jahr 2011 gestürzt. Die Extremisten hatten grosse Teile des Nordens und Westens des Landes eingenommen. Hunderttausende Zivilisten mussten fliehen, Tausende Mitglieder der Minderheiten der Jesiden und Christen suchten Zuflucht in dem Sindschar-Gebirge. Der Islamische Staat hatte vor wenigen Wochen ein Kalifat ausgerufen, das weite Teile des östlichen Syriens und des nördlichen und westlichen Iraks umfasst.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte am Freitag einstimmig eine Resolution verabschiedet, die sich gegen islamistische Extremisten richtet. Der Beschluss sieht Sanktionen gegen sechs Männer vor, die ausländische Kämpfer im Irak und Syrien rekrutiert oder finanziert haben sollen. Für sie soll ein globales Reiseverbot gelten, zudem sollen ihre Vermögen eingefroren worden. Weiter fordert der Weltsicherheitsrat, dass alle Gruppen mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida unverzüglich entwaffnet und aufgelöst werden.

http://www.nzz.ch/international/im-norden-des-irak-terrormiliz-toetet-mehr-als-achtzig-jesiden-1.18364383

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Naher Osten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s