Widerstand gegen Stereotype: Wie Medien Schwarze in den USA darstellen – In den USA ist die Tötung eines jungen schwarzen Mannes durch einen Polizisten zum Politikum geworden. Neben der Frage, warum es zu seinem Tod kam, ist auch die Berichterstattung in Kritik geraten. Der Musikstudent sowie Tausende von Twitter-Nutzern kritisieren derzeit die negative Darstellung von Afroamerikanern in den Medien. Auslöser für diese Twitter-Aktion war der amerikanische Nachrichtensender NBC News. Der Sender habe eine Foto von dem getöteten Brown ausgewählt, die ihn in einer Pose zeige, die auch Vorurteile über schwarze Jugendliche bestätige, so die Nutzer. Viele junge Schwarze stellen zwei Fotos ins Netz: Ein Foto, das bei vielen positive Assoziationen auslöst, und ein weiteres, mit dem viele ein negatives Gefühl verbinden. Diese Tweets wurden in den letzten Tagen hauptsächlich in den USA und von jungen Afroamerikanern versendet.

Widerstand gegen Stereotype

Wie Medien Schwarze in den USA sehen

Sabine Mohamed Gestern, 14. August 2014, 20:10
Seit Tagen wird in der Stadt Ferguson demonstriert.
Seit Tagen wird in der Stadt Ferguson demonstriert. (Bild: Mario Anzuoni / Reuters)
In den USA ist die Tötung eines jungen schwarzen Mannes durch einen Polizisten zum Politikum geworden. Neben der Frage, warum es zu seinem Tod kam, ist auch die Berichterstattung in Kritik geraten.

Als Tyler Atkins von der Tötung des unbewaffneten 18 Jahre alten Michael Brown durch einen Polizisten in Ferguson, einer Kleinstadt im amerikanischen Gliedstaat Missouri, erfährt, stellt er zwei Bilder von sich in das soziale Netzwerk Twitter. Auf einer Fotografie trägt Atkins ein weites schwarzes T-Shirt, ein blaues Stirnband und zeigt stehend mit einem Finger hinunter auf die Kamera. Auf dem anderen trägt er einen edlen Smoking, und um seinen Hals hängt ein glänzendes Saxofon. Die Aufnahme entstand nach einem Jazzkonzert an der Kunsthochschule, an der Atkins Musik studiert. Das Bild mit dem blauen Stirnband hat der 17-Jährige für ein Rap-Video aufgenommen.

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«Wenn ihr mich erschossen hättet»

Seinem Tweet fügt er folgenden Hashtag an: #IfTheyGunnedMeDown (Wenn sie mich erschossen hätten). Damit impliziert er die Frage an die Medien: Welches Bild hättet ihr verwendet, wenn die Polizei mich erschossen hätte?

Der Musikstudent sowie Tausende von Twitter-Nutzern kritisieren derzeit die negative Darstellung von Afroamerikanern in den Medien. Auslöser für diese Twitter-Aktion war der amerikanische Nachrichtensender NBC News. Der Sender habe eine Foto von dem getöteten Brown ausgewählt, die ihn in einer Pose zeige, die auch Vorurteile über schwarze Jugendliche bestätige, so die Nutzer.

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«Sanfter Riese»

NBC hatte via Twitter ein Bild von dem Jugendlichen verbreitet, auf dem Brown, der von seinen Lehrern auch «sanfter Riese» genannt wurde, ein weites T-Shirt und kurze Hosen trägt. Dabei blickt er von oben in die Kamera und zeigt ein Friedenszeichen. Dies suggeriere, dass er ein Mitglied einer Gang sei, so die Kritik im Netz. Schon wegen seiner Grösse wirke er bedrohlich. Neben dem verwendeten Bild gab es noch eins von seiner Abschlussfeier. Darauf wirkt er freundlich. Die Aufnahme wäre für die Medien auch verfügbar gewesen.

Kriminalisierung

Wie Atkins machen es mittlerweile viele, um gegen das einseitige Bild von Schwarzen in den amerikanischen Medien zu protestieren. Zusammen mit dem Hashtag #IfTheyGunnedMeDown veröffentlichen sie zwei Aufnahmen. Ein Foto, das bei vielen positive Assoziationen auslöst, und ein weiteres, mit dem viele ein negatives Gefühl verbinden. Diese Tweets wurden in den letzten Tagen hauptsächlich in den USA und von jungen Afroamerikanern versendet. Auch die afroamerikanische private Howard Universität in Washington zeigte sich solidarisch mit Michael Brown. Sie teilte auf Twitter ein Bild, auf dem ein Teil der Studentenschaft mit erhobenen Händen in einer Aula versammelt ist. Der Hashtag lautete «Don’t shoot» (Nicht schiessen). Sie will damit ein Zeichen gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt setzen.

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Powerful picture we took today at Howard University

Junge schwarze Männer

Junge Afroamerikaner wie Brown würden so gezeigt, als ob sie es verdient hätten, verhaftet oder erschossen zu werden, heisst es in einem Tweet zur Kampagne. Es bekräftige das Narrativ des guten Polizisten und des kriminellen Schwarzen.

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Die Betroffenheit der überwiegend schwarzen Bevölkerung in Ferguson treibt viele auf die Strasse.
Die Betroffenheit der überwiegend schwarzen Bevölkerung in Ferguson treibt viele auf die Strasse. (Bild: David Carson / St. Louis Post-Dispatch / AP)

Viele Nutzer sprechen von einer Kriminalisierung junger schwarzer Männer in den USA. Allein diese Bezeichnung sei zu einem Synonym für kriminelle Schwarze geworden, hält Kelly Welch, Professorin für Kriminologie und Soziologie an der Universität Villanova in Pennsylvania, in einem Bericht aus dem Jahr 2007 fest. Die Stereotypisierung von Minderheiten sei ein trauriger Bestandteil der amerikanischen Kultur. Allerdings sei jene seit der Bürgerrechtsbewegung in der Öffentlichkeit nicht mehr akzeptabel. Dies bedeute allerdings nicht, dass es keine Vorurteile und Stereotype gebe, sie liefen nun vielmehr subtiler ab und verbärgen sich hinter Begriffen wie «thug» (Dieb).

Die stereotype Berichterstattung verbinde Kriminalität mit «race» (ethnischer Zugehörigkeit). Darüber hinaus spiegle sie die gesellschaftliche Kriminalisierung und befeuere die Vorurteile erneut. So würden die Straftaten von afroamerikanischen Heranwachsenden im Gegensatz zu jenen weisser Amerikaner überproportional präsentiert. Allerdings sei auch die Inhaftierung jener Minderheiten überproportional, hält die Forscherin fest.

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