US-Polizei in militärischer Ausrüstung gegen Protest nach Tötung eines unbewaffneten dunkelhäutigen Teenagers: Bewaffnet mit automatischen Waffen und Gewehren für Scharfschützen, mit Nachtsichtgeräten auf gepanzerten Fahrzeugen sitzend, die Läufe auf unbewaffnete schwarze Demonstranten gerichtet. Tränengasschwaden, auf Journalisten gezielte Gummigeschosse, grundlose Verhaftungen. Die Bilder erinnerten an Unruhen in Soweto zur Zeit der Apartheid in Südafrika oder an Krawalle in den fünfziger und sechziger Jahren im Zuge der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Der martialische Auftritt der Polizei hat die Militarisierung der Polizeikräfte quer durch Amerika ins Schlaglicht gerückt. Viele Gemeinden und Behörden haben vom Pentagon überzähliges Kriegsmaterial erhalten. Dazu zählen Fahrzeuge, die der Explosion einer Mine widerstehen können, Maschinen- und Sturmgewehre, schusssichere Kleidung und manches mehr. Laut Veteranen des Kriegs im Irak war die Polizei in Ferguson besser ausgerüstet als die Soldaten, die in Bagdad einmarschierten. Die so auftretende Polizei hat die Unterstützung der Öffentlichkeit verloren. Auch die politische Rechte, die sich in solchen Fällen mit den Ordnungshütern zu solidarisieren pflegt, schweigt. Ein schwarzer Polizist sorgt inzwischen für Entspannung in Missouri

Entspannung in Missouri

Schlaglicht auf Amerikas militarisierte Polizei

Beat Ammann, Washington Heute, 15. August 2014, 20:08
Ferguson

Polizei während der Demonstration gegen die Tötung des 18jährigen  Michael Brown in Ferguson, Missouri August 12, 2014.

Die Polizei in Ferguson im Gliedstaat Missouri hat alles falsch gemacht, nachdem einer der Ihren den schwarzen, unbewaffneten Jugendlichen Michael Brown erschossen hatte. Hinter der Inkompetenz weisser Chefs stehen systemische Schwächen.

Die Bilder erinnerten an Unruhen in Soweto zur Zeit der Apartheid in Südafrika oder an Krawalle in den fünfziger und sechziger Jahren im Zuge der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Polizisten in militärischer Ausrüstung, bewaffnet mit automatischen Waffen und Gewehren für Scharfschützen, mit Nachtsichtgeräten auf gepanzerten Fahrzeugen sitzend, die Läufe auf unbewaffnete schwarze Demonstranten gerichtet. Tränengasschwaden, auf Journalisten gezielte Gummigeschosse, grundlose Verhaftungen.

Wie Tag und Nacht

Unter den Demonstranten mögen sich ein paar Gewaltbereite befunden haben, doch ist von Plündereien seit dem Montag nicht mehr die Rede gewesen. Präsident Obama rief zur Ruhe auf und bezeichnete sowohl Plündereien als übermässige Polizeigewalt als inakzeptabel. Am Donnerstag griff endlich der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, ein und übertrug das Kommando einem Schwarzen, Ron Johnson. Dieser gehört nicht der lokalen Polizei an, sondern der Verkehrspolizei.

Johnson tat, was laut Spezialisten die Aufgabe eines lokalen Polizeichefs in einer solchen Situation ist: Er ging an der Spitze seiner Männer auf die Strasse und redete mit den Demonstranten. Scharfschützen und gepanzerte Fahrzeuge waren verschwunden. Fernsehbilder zeigten Johnson, der links und rechts umarmt wird und durch die Menge geht, als wäre er ein Sportler, der nach dem Gewinn einer Goldmedaille heimkommt. Johnson ist in Ferguson aufgewachsen und kennt laut eigenen Aussagen jeden und jede.

Die Demonstranten waren unter anderem deswegen tagelang erbittert, weil entgegen dem Usus die Polizei den Namen des Polizisten, der den Teenager erschossen hatte, nicht bekanntgab. Dies war insofern verständlich, als Drohungen gegen den Mann und dessen Familie eingegangen waren. Es zirkulierten Namen unbeteiligter Polizisten. Doch verstärkte das Schweigen der von Weissen beherrschten Behörden den Verdacht der schwarzen Mehrheit von Ferguson, die Wahrheit sollte vertuscht und der Schütze geschützt werden.

Das Opfer im Verdacht

Am Freitag gab die Polizei den Namen des Schützen bekannt: Darren Wilson. Er ist unbescholten. Gleichzeitig beging der weisse Polizeichef, Thomas Jackson, den nächsten Fehler – oder er machte einen Winkelzug: Er gab bekannt, Wilson sei wegen eines Überfalls in die Gegend gerufen worden. Zwar stellte er keine Verbindung zum Teenager her, doch bediente er jenes Klischee, unter dem Amerikas schwarze junge Männer leiden: Es lastet ein Generalverdacht auf ihnen. Später wurden Bilder veröffentlicht, die angeblich den körperlich beeindruckenden Brown zeigen, der einen kleingewachsenen Angestellten eines Ladens anrempelt. Brown soll ein Päckchen Cigarillos gestohlen haben. Gewiss ist der Polizeichef nicht der Meinung, dies rechtfertige es, dass einer seiner Männer Brown später erschoss. Dies gleichzeitig mit dem Namen des Schützen bekanntzugeben, kann dennoch als eine Art präventiver Entlastung des Polizisten empfunden werden.

Der martialische Auftritt der Polizei von Ferguson – einem Ort von der Grösse Frauenfelds – hat die Militarisierung der Polizeikräfte quer durch Amerika ins Schlaglicht gerückt. Viele Gemeinden und Behörden haben vom Pentagon überzähliges Kriegsmaterial erhalten. Dazu zählen Fahrzeuge, die der Explosion einer Mine widerstehen können, Maschinen- und Sturmgewehre, schusssichere Kleidung und manches mehr. Nach amtlichen Angaben erwarb Amerikas Polizei allein im Jahr 2013 solche Ausrüstung im Wert von 449,3 Millionen Dollar. Das Programm geht zurück auf ein Gesetz aus dem Jahr 1997. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nahm die Aufrüstung rasch zu, auch mit Blick auf den sogenannten Krieg gegen Drogen.

Besser ausgerüstet als im Irak

Laut Veteranen des Kriegs im Irak war die Polizei in Ferguson besser ausgerüstet als die Soldaten, die in Bagdad einmarschierten. Die so auftretende Polizei hat die Unterstützung der Öffentlichkeit verloren. Auch die politische Rechte, die sich in solchen Fällen mit den Ordnungshütern zu solidarisieren pflegt, schweigt. Der republikanische Senator Rand Paul, ein potenzieller Präsidentschaftskandidat, geisselte den martialischen Auftritt der Polizei als einen Übergriff von «Big Government», einen, der vor allem Schwarze treffe.

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