Papst im Land mit höchster Selbstmordrate weltweit! In seiner Predigt sprach Papst Franziskus über soziale Ungerechtigkeit und die Nachteile des Kapitalismus. Er warnte davor, dem Materialismus zu verfallen, und er sprach sich gegen ungezügelten Wettbewerb aus. Mit diesen Worten traf der Pontifex einen wunden Punkt in der koreanischen Gesellschaft, die durch einen extremen Wettbewerb geprägt ist, vor allem in der Bildung und im Berufsleben. Viele halten dem Druck nicht stand. Man müsse inhumane Wirtschaftsmodelle ablehnen, die neue Armut kreierten und Arbeiter marginalisierten, sagte Franziskus. Das südkoreanische Sozialsystem ist wenig ausgebaut. Dies ist eine Folge aus den Jahren des rasanten Wirtschaftswachstums, in denen praktisch alles, vor allem Rechte und Gesundheit der Arbeiter, untergeordnet wurde. China hat anlässlich der Asienreise des Papstes am Freitag angekündigt, sein Verhältnis zum Vatikan verbessern zu wollen. Nordkorea schoss Raketen nicht aus Anlass des Papstbesuches, wie es die deutsche Presse kriegstreiberisch meldete, sondern um gegen das grosse Manöver an seiner Grenze zu protestieren, das die USA und Südkorea in wenigen Tagen starten werden: Nordkorea befürchtet in jedem Jahr aus der geschichtlichen Erfahrung heraus, dass die USA es angreifen könnte. Der Papst schürte kein Feindbild von Nordkorea, sondern forderte beide Teile Koreas zu Frieden und Versöhnung auf.

Papst Franziskus in Südkorea

Gegen Ungerechtigkeit und Materialismus

Patrick Zoll, Tokio Vor 39 Minuten
Der Papst hielt eine Messe vor Zehntausenden von Jugendlichen.
Der Papst hielt eine Messe vor Zehntausenden von Jugendlichen. (Bild: Imago)
Der Papst betet in Südkorea für die Opfer des schweren Fährunglücks vom April, hält sich aber aus der nationalen Politik heraus. Doch Franziskus ist gesellschaftskritisch.

Obwohl nur gut zehn Prozent der südkoreanischen Bevölkerung katholischen Glaubens sind, dominiert der Besuch von Papst Franziskus gegenwärtig das öffentliche Leben des Landes. Die Frontseiten praktisch aller Zeitungen sind ihm ebenso sicher wie eine ständige Präsenz auf den Fernsehkanälen. Am Freitag zelebrierte der Pontifex zum katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt eine Messe im Rahmen des sechsten Asiatischen Jugendtages, eines Treffens katholischer Jugendlicher aus Asien, das seit 1999 stattfindet. Gegen 50 000 Gläubige versammelten sich im Fussballstadion der Millionenstadt Daejeon, viele von ihnen warteten seit den frühen Morgenstunden.

Franziskus wurde einmal mehr seinem Ruf als Mann des Volkes gerecht. Statt wie angekündigte mit dem Helikopter der Präsidentin nach Daejeon zu fliegen, legte er die Strecke von 160 Kilometern ab Seoul überraschend mit dem Zug zurück. Dass das Wetter leicht neblig war, nutzte er geschickt als Vorwand. Genau wie mit seiner Wahl eines ungepanzerten Kleinwagens als Dienstfahrzeuggewann er damit die Herzen der Bevölkerung. Diese wird sonst von den Mächtigen auf Distanz gehalten. Besonders Präsidentin Park Geun Hye hat den Ruf, unnahbar zu sein.

Vor der Messe traf sich der Papst mit Hinterbliebenen der Opfer der «Sewol»-Katastrophe. Der Papst habe sich als guter Zuhörer erwiesen, berichteten lokale Medien. Die Familien baten den Papst, Druck auf die Politiker zu machen. Diese sollen endlich ein Gesetz verabschieden, das die Abklärung der Hintergründe der Katastrophe ermöglicht. Wohlweislich hielt sich der Papst aus der nationalen Politik heraus, betete aber während des Gottesdiensts für die Opfer. An seinem Messgewand trug er dabei eine kleine gelbe Schlaufe, das Symbol für die «Sewol»-Opfer.

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15. August: Am Schrein von Solmoe in Tangjin spricht Papst Franziskus vor dem Haus des heiligen Andreas Kim Taegon ein Gebet.
15. August: Am Schrein von Solmoe in Tangjin spricht Papst Franziskus vor dem Haus des heiligen Andreas Kim Taegon ein Gebet. (Bild: Chung Sung-Jun / EPA / Keystone)

In seiner Predigt sprach Papst Franziskus über soziale Ungerechtigkeit und die Nachteile des Kapitalismus. Er warnte davor, dem Materialismus zu verfallen, und er sprach sich gegen ungezügelten Wettbewerb aus. Mit diesen Worten traf der Pontifex einen wunden Punkt in der koreanischen Gesellschaft, die durch einen extremen Wettbewerb geprägt ist, vor allem in der Bildung und im Berufsleben. Viele halten dem Druck nicht stand; Südkorea hat eine der höchsten Selbstmordraten weltweit. Man müsse inhumane Wirtschaftsmodelle ablehnen, die neue Armut kreierten und Arbeiter marginalisierten, sagte Franziskus.

Das südkoreanische Sozialsystem ist wenig ausgebaut. Dies ist eine Folge aus den Jahren des rasanten Wirtschaftswachstums, in denen praktisch alles, vor allem Rechte und Gesundheit der Arbeiter, untergeordnet wurde. Man kann damit die Worte des Kirchenoberhauptes auch als Kritik an Präsidentin Park auffassen. Diese hatte im Wahlkampf eine «wirtschaftliche Demokratisierung» versprochen, in ihrer eineinhalbjährigen Amtszeit aber wenig in dieser Richtung erreicht.

http://www.nzz.ch/international/gegen-ungerechtigkeit-und-materialismus-1.18363977

„Nord- und Südkoreaner seien Brüder, die durch ihre Sprache vereint sind“, sagte der Papst. Ihre Trennung könne durch Gebete überwunden werden.

China will Zusammenarbeit verbessern

China hat anlässlich der Asienreise des Papstes am Freitag angekündigt, sein Verhältnis zum Vatikan verbessern zu wollen. Peking suche einen „konstruktiven Dialog“, um die Beziehungen voranzubringen, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunying, laut Staatsmedien.

Am Samstag wird der Papst in Seoul über 100 koreanische Märtyrer seligsprechen und am Montag eine Abschlussmesse für Frieden in der Region abhalten. (APA, 15.8.2014)

http://derstandard.at/2000004400654/Papst-ruft-in-Suedkorea-zur-Abkehr-vom-Materialismus-auf

 

 

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