Deutsche Wirtschaft schrumpft überraschend – Frankreichs Wirtschaft stagniert – Dämpfer für die Konjunkturerholung in der Eurozone: Im Juni ist die Industrieproduktion im Währungsraum überraschend weiter gesunken. Die Fertigung sei im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Prozent zurückgefallen. Volkswirte hatten einen Anstieg um 0,4 Prozent erwartet. Die höchsten Rückgänge der Industrieproduktion im Monatsvergleich verzeichneten Irland (-16,5 Prozent), die Niederlande (-3,0 Prozent) und Portugal (-1,2 Prozent). Zu den Staaten mit den stärksten Zuwächsen bei der Industrieproduktion zählte das Euro-Sorgenkind Frankreich mit einem Plus von 1,4 Prozent. Die Kehrseite ist freilich: In Wahrheit hat sich erschreckend wenig verändert. Ein Teil der Öffentlichkeit in Europa, besonders in den „Nordstaaten“ Deutschland und Österreich, kann es sich mit all den Auffangnetzen zurzeit ganz einfach leisten, in einer Scheinwelt zu leben, in der es so wirkt, als sei die Krise überwunden. In Wahrheit geht die Misere Griechenlands, Portugals und Spaniens mit voller Wucht weiter. Eine Generation ohne Perspektive wächst da heran. In Portugal hat jeder Dritte unter 25 Jahren keinen Job, in Griechenland und Spanien sind die Werte noch dramatischer. Am Boden liegen auch die meisten Unternehmen. Es ist fast schon putzig, wenn die Regierung in Athen so wie am Freitag freudig verkündet, dass Griechenlands Wirtschaft im zweiten Quartal wieder leicht zugelegt hat. Die Produktion im Land ist seit 2008 um ein Viertel eingebrochen. Irgendwann musste die Talsohle erreicht sein.

Deutsche Wirtschaft schrumpft überraschend

 
14. August 2014, 08:09
 
 

Berlin – Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr erstmals seit gut einem Jahr geschrumpft. Wegen des schwächelnden Außenhandels und sinkender Investitionen fiel das Bruttoinlandsprodukt zwischen April und Juni um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Ökonomen hatten im Schnitt mit einer Stagnation gerechnet. Im ersten Quartal war die Wirtschaft noch um (revidiert) 0,7 Prozent gewachsen und hatte vor allem am Bau vom milden Winter profitiert.

Da die Exporte weniger stark stiegen als die Importe, dämpfte der Außenhandel insgesamt die Konjunktur, wie die Statistiker erklärten. „Daneben gingen die Investitionen insbesondere in Bauten deutlich zurück.“ Dagegen hätten die privaten Verbraucher und die öffentlichen Haushalte ihren Konsum jeweils etwas gesteigert.

Europas größte Volkswirtschaft war zuletzt Wachstumsmotor der Währungsunion. Durch den Rückschlag bei der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal dürfte es auch für die Euro-Zone nicht so gut gelaufen sein – zumal die französische Wirtschaft nur stagnierte. Die Daten für den Währungsraum werden noch am Vormittag veröffentlicht. Experten rechnen mit einem BIP-Wachstum von 0,1 Prozent.

Staat baut Schuldenberg ab

Allerdings ist der Schuldenberg des deutschen Staates im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 1950 geschrumpft. Die Verbindlichkeiten von Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte nahmen um 30,3 Mrd. Euro oder 1,5 Prozent ab, wie das Deutsche Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.

Insgesamt steht der Staat bei privaten Gläubigern und Kreditinstituten aus dem In- und Ausland noch mit knapp 2,04 Billionen Euro in der Kreide. „Der Rückgang des Schuldenstandes fand auf allen Ebenen des öffentlichen Gesamthaushaltes statt“, erklärten die Statistiker. Die Verbindlichkeiten der Sozialversicherung sanken mit 5,2 Prozent auf 631 Mio. Euro am stärksten. Bei den Ländern gab es ein Minus von 3,1 Prozent auf 624,9 Mrd. Euro, beim Bund von 0,8 Prozent auf 1.277,3 Mrd. Euro. Der Rückgang bei den Kommunen fiel mit 59 Mio. Euro auf 135,1 Mrd. Euro marginal aus.

Bund und Länder profitierten von der Entwicklung der Bad Banks FMS Wertmanagement und Erste Abwicklungsanstalt, in die die toxischen Wertpapiere und Kredite der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate und der WestLB ausgelagert wurden. Ein Teil davon konnte verkauft werden, weil Finanzinvestoren mit großem Risikoappetit mit dem Abflauen der Krise auf den Markt zurückgekehrt sind. Dadurch konnte die Bilanzsumme geschrumpft und der Schuldenstand reduziert werden. (APA/Reuters, 14.8.2014)

http://derstandard.at/2000004355883/Deutsche-Wirtschaft-schrumpft-ueberraschend

Frankreichs Wirtschaft stagniert im Quartal

 
14. August 2014, 08:16
 
 

Hohe Arbeitslosigkeit, schwächelnder Konsum: die Notenbank erwartet auch im Sommer keine kräftige Belebung

Paris – Die französische Wirtschaft tritt auf der Stelle. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte von April bis Juni im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistikamt Insee mitteilte. Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet. Anfang 2014 hatte die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ebenfalls stagniert.

Die Notenbank des Landes erwartet auch im Sommer keine kräftige Belebung. Die Wirtschaft soll dann um 0,2 Prozent wachsen. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit, die den privaten Konsum belastet. Die Regierung geht bisher für 2014 von einem Wachstum von 1,0 Prozent aus, während der Internationale Währungsfonds (IWF) nur 0,7 Prozent erwartet.

Im Vergleich zum Vorjahr wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal minimal um 0,1 Prozent. Volkswirte hatten einen Anstieg um 0,3 Prozent erwartet. Für das Auftaktquartal revidierte die Statistikbehörde das Wachstum im Jahresabstand etwas nach oben, von zunächst 0,7 Prozent auf 0,8 Prozent.

Durch die Flaute kommt auch der Abbau der Neuverschuldung des Staates nicht voran. Damit könnte das Ziel in Gefahr geraten, das Haushaltsdefizit dieses Jahr auf 3,8 Prozent und 2015 auf 3,0 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Frankreich müsse das „sehr hohe Niveau seiner öffentlichen Ausgaben“ verringern, sagte Bundesbankchef Jens Weidmann der Zeitung „Le Monde“. Deutschlands wichtigster Handelspartner sei aber trotz seiner fiskalischen Probleme und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit „nicht der kranke Mann Europas“. (APA/Reuters, 14.8.2014)

http://derstandard.at/2000004356031/Frankreichs-Wirtschaft-stagniert-im-Quartal

Industrieproduktion in Eurozone geschrumpft

 
13. August 2014, 12:42
 
 

Dämpfer für Erholung in der Währungsunion

Luxemburg – Dämpfer für die Konjunkturerholung in der Eurozone: Im Juni ist die Industrieproduktion im Währungsraum überraschend weiter gesunken. Die Fertigung sei im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Prozent zurückgefallen, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch mit. Volkswirte hatten einen Anstieg um 0,4 Prozent erwartet. Im Mai war die Industrieproduktion bereits um 1,1 Prozent gesunken.

Im Euroraum ist der Rückgang laut Eurostat auf Rückgänge bei der Produktion von Verbrauchsgütern um 1,9 Prozent und von Energie um 0,7 Prozent zurückzuführen. Dagegen sei die Produktion von Investitionsgütern stabil geblieben, während die Herstellung von Vorleistungsgütern um 0,4 Prozent und von Gebrauchsgütern um 2,3 Prozent stieg.

Die höchsten Rückgänge der Industrieproduktion im Monatsvergleich verzeichneten Irland (-16,5 Prozent), die Niederlande (-3,0 Prozent) und Portugal (-1,2 Prozent). Zu den Staaten mit den stärksten Zuwächsen bei der Industrieproduktion zählte das Euro-Sorgenkind Frankreich mit einem Plus von 1,4 Prozent. Die zweitgrößte Euro-Wirtschaft hinkt seit geraumer Zeit der Entwicklung in einigen Staaten der Peripherie und in Deutschland hinterher. Österreich-Daten waren für Eurostat nicht verfügbar.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat trat die Produktion laut Eurostat auf der Stelle. In dieser Abgrenzung war für Juni ein Zuwachs um 0,2 Prozent erwartet worden. Im Mai hatten die Industriebetriebe der Eurozone ihre Produktion um 0,6 Prozent zum Vorjahr gesteigert. (APA, 13.8.2014)

http://derstandard.at/2000004328291/Industrieproduktion-in-Eurozone-geschrumpft

 

Europas schöne Scheinwelt

KOMMENTAR | ANDRÁS SZIGETVARI
 
4. August 2014, 17:24
 
 

Die Wirtschaftskrise auf dem Kontinent ist nicht vorbei, sondern wird nur überdeckt

Da kommt man doch ins Staunen. Die portugiesische Zentralbank verkündete Sonntagabend, dass der Staat wieder ein Geldhaus retten wird. 4,9 Milliarden Euro muss Lissabon in die angeschlagene Banco Espírito Santo stecken. Eine gewaltige Summe für ein Land, das bis vor kurzem als Pleitekandidat galt. Wie aber reagieren Investoren? Mit einem müden Achselzucken. An Europas Leitbörsen blieb es am Montag ruhig, der Euro war stabil, portugiesische Staatsanleihen waren sogar gefragt.

Die Eurozone muss also etwas richtig gemacht haben. Noch vor zwei Jahren hätte die Nachricht über eine kollabierende Bank in einem Euro-Peripherieland, die der Staat auffangen muss, Panik an den Börsen ausgelöst und zu Spekulationen über ein Ende des Euro geführt. Lange Zeit reichten aus Griechenland viel nebensächlichere Meldungen, um Kursstürze in Frankfurt und Wien zu verursachen.

Die Frage ist also, was sich geändert hat. Darauf gibt es zwei Antworten. Zunächst ist das Krisenmanagement in Europa besser als je zuvor. Zwischen der Bekanntgabe der Nachricht, dass Espírito Santo Hilfe brauchen wird, und der fertigen Vereinbarung zwischen Lissabon und der EU-Kommission vergingen nur 48 Stunden.

Europa demonstriert eine Schnelligkeit und Einigkeit, die bei der Explosion der Probleme in Griechenland und Irland 2010 noch fehlten. Zudem stehen ein Rettungsfonds und dieEuropäische Zentralbank (EZB) bereit, um den Portugiesen im Notfall mit Milliarden auszuhelfen. Mit dieser Rückendeckung traut sich derzeit kein Investor, gegen Europa zu wetten. Es war ein politischer Kraftakt, dies zu erreichen, aber er hat sich ausgezahlt.

Die Kehrseite ist freilich: In Wahrheit hat sich erschreckend wenig verändert. Ein Teil der Öffentlichkeit in Europa, besonders in den „Nordstaaten“ Deutschland und Österreich, kann es sich mit all den Auffangnetzen zurzeit ganz einfach leisten, in einer Scheinwelt zu leben, in der es so wirkt, als sei die Krise überwunden.

In Wahrheit geht die Misere Griechenlands, Portugals und Spaniens mit voller Wucht weiter. Eine Generation ohne Perspektive wächst da heran. In Portugal hat jeder Dritte unter 25 Jahren keinen Job, in Griechenland und Spanien sind die Werte noch dramatischer. Am Boden liegen auch die meisten Unternehmen. Es ist fast schon putzig, wenn die Regierung in Athen so wie am Freitag freudig verkündet, dass Griechenlands Wirtschaft im zweiten Quartal wieder leicht zugelegt hat. Die Produktion im Land ist seit 2008 um ein Viertel eingebrochen. Irgendwann musste die Talsohle erreicht sein.

Aber selbst die Verschuldungslage der südlichen Euroländer wird schlimmer. Geht es rational zu, müssten Investoren Athen, Madrid und Lissabon das Vertrauen bald entziehen. Doch das geschieht nicht, weil die Zinsen in Europa und den USA derzeit nahe null sind und die Notenbanken die Finanzmärkte mit Liquidität vollgepumpt haben. Anleger reißen sich geradezu um Wertpapiere, ganz gleich, welches Risiko dahintersteckt.

Heißt das, in den kommenden Monaten wird die Krise wieder hochkochen? Nicht, solange die Schleusen der Notenbanken offen und das Krisenmanagement der EU intakt bleibt. Aber wenn die Union dem Heer der Arbeitslosen im Süden eine Perspektive bieten will, wird das nur mit staatlichen Neuinvestitionen in Forschung, Bildung, vielleicht auch Infrastruktur gehen. Nötig ist ein zweiter Kraftakt. (András Szigetvari, DER STANDARD, 5.8.2014)

http://derstandard.at/2000003979708/Europas-schoene-Scheinwelt

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