Craig (USA): Die Deindustrialisierung hat die USA zu einem Dritt-Welt-Land gemacht! „Amerikanische Arbeitsplätze gehen aufgrund der Strategie multinationaler Konzerne verloren, die ihre Kosten senken, indem sie ihre Aktivitäten in Billiglohnländer in Übersee auslagern.“ Die Auslagerung von Arbeitsplätzen – die mit einer Senkung der Arbeitnehmerkosten und wachsenden Unternehmensprofiten Hand in Hand gingen – hat zu einer Bereicherung von Unternehmensmanagern und Großaktionären geführt und zu einem Verlust von Millionen an ehedem gut bezahlten Arbeitsplätzen. Die Arbeitslosenquote unter der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter ist in den vergangenen sechs Jahren in den USA um 91,8% explodiert. In den 10 Jahren seitdem Schumer und ich Alarm ertönen ließen, sind die Vereinigten Staaten zu einem Land avanciert, in dem die Norm zur Schaffung neuer Arbeitsplätze auf gering vergüteten Teilzeitbeschäftigungen im heimischen Dienstleistungssektor basiert. Zwei Drittel der Bevölkerung leben am Rande einer individuellen Lebenslage, in denen es den Betroffenen nicht möglich ist, $400 an Bargeld aufzubringen. Amerikanische Universitätsabsolventen finden heutzutage Arbeitsplätze – wenn sie überhaupt einer Tätigkeit nachgehen – nicht als Softwareingenieure und Manager, sondern als Kellner und Barmixer. Meine Vorhersage von 2004: „In 20 Jahren werden die Vereinigten Staaten ein Land der Dritten Welt sein.“ war zu optimistisch: Es hat nur 10 Jahre gebraucht, um die USA mehr und mehr wie ein Land der Dritten Welt aussehen zu lassen. Amerikas großartige Städte, zu denen Detroit, Cleveland oder auch St. Louis gehörten, haben seitdem zwischen einem Fünftel und einem Viertel ihrer früheren Einwohnerzahl eingebüßt. Das reale Durchschnittseinkommen der amerikanischen Familien befindet sich seit Jahren in einem Abwärtstrend. Dies ist nur ein Indikator unter vielen, dass die ehedem existierende Leiter der sozialen Aufstiegsfähigkeit, die Amerika einst zur „Gesellschaft der Chancen und Möglichkeiten“ machte, fast gänzlich demontiert wurde. Im vergangenen April berichtete das National Employment Law Project, dass die realen Durchschnittseinkommen unter den amerikanischen Haushalten zwischen 2007 und 2012 um 10% sanken. Amerika ist immer noch das reichste Land auf dieser Erde, selbst die Armen befinden sich in Amerika im Besitz eines Fernsehgeräts und sie können sich den Erwerb eines gebrauchten Fahrzeugs für $2.000 leisten. EWBD: Internet, Bildung und Fremdsprachen und die Verringerung der Transportkosten haben die Produktion in den Ländern möglich gemacht, in denen die Menschen viel weniger verdienen als in den alten Industrieländern. Für viele von ihnen war ist es bis heute trotzdem ein Fortschritt, für die Weltwirtschaft zu arbeiten. Hunderte Millionen in den früher armen Ländern stiegen durch die Industrialisierung ihrer Länder in die Mittelschicht auf. Und ehemals kolonialisierte Staaten konnten ihre Länder damit entwickeln. Deren Eliten konnten auf Grund der niedrigen Löhne auf das Niveau der Eliten in den reichen Ländern aufsteigen. Die Reichen in den Industrieländern profitierten, weil die Verlagerung ihrer Betriebe in Billiglohnländer aufgrund der viel niedrigeren Löhne, Sozial- und Umweltstandards viel höhere Gewinne erzielen konnten. Getragen wurde das vor allem von den Banken und anderen Geldfonds, die weltweit zu investieren begannen. Die Armen verlieren als Arbeiter, weil es immer schwieriger Jobs mit den Bedingungen finden, die ihre Väter hatten. Aber sie gewannen und gewinnen, weil die mit billiger Arbeitskraft hergestellten Produkte auch die Preise für Computer, Autos, Handies gesenkt haben. Allerdings vielfach jetzt nicht bezahlt mit eigenem Arbeitslohn. Wo soll das hinführen: Einer reichen Schicht, die von ihren weltweiten Anlagen hohe Gewinne einstreicht und einer armen Schicht, die ernährt werden muss, weil ihre Arbeit nicht mehr gebraucht wird, ersetzt durch Maschinen oder Menschen mit viel niedrigeren Löhnen. Die Menschen, die auf dem inzwischen weltweit gewordenen Arbeitsmarkt sich anbieten für die Investoren arbeiten zu wollen, leben unter ganz verschiedenen Bedingungen, Arbeitsbedingungen und Löhne, die für die einen ein Fortschritt sind, bedeuten für die anderen ein Abstieg. Für die Menschen zeigt sich das deutlich bei der Migration. Die weltweite Konkurrenzsituation können viele nicht erfahrbar. Sind wir in der reichen Welt nun bereit, für eine Politik zu sorgen, die auch den Menschen in der armen Welt gute Arbeitsbedingungen sichert, damit Unternehmen mit Verlagerungen keine Extraprofite mehr machen können? Auch wenn dabei unser Kakao, unsere Autos, Handys teurer werden, weil sie für Löhne produziert werden, von denen man leben kann? Wenn wir in der globalisierten Wirtschaft menschenwürdig leben wollen, brauchen wir eine politische Initiative, die allen menschenwürdiges Leben sichert; dazu müssten wir unsere Spaltungen überwinden, die nationalen und religiösen und weltweite Regelungen durchzusetzen. Die Religionen und der Humanismus, die Menschenrechte erklären alle Menschen als gleichberechtigt und Träger menschlicher Würde – werden wir in diesem Sinn und in der globalisierten Welt nun dafür tätig, weil die Globalisierung jetzt unser eigenes Menschenrecht auf Arbeit, auf menschenwürdige Arbeit, beseitigt. Die Eliten, die von der Globalisierung durch immer höhere Gewinne profitieren, tun alles, um das zu verhindern und uns gegeneinander zu treiben, um zu verhindern, dass ihre Profite durch globale Regelungen beschnitten werden. Es liegt an Bürgern, die die Komplexität der Globalisierung begreifen, diesen Spaltungen entgegenzuwirken, Bildung zu organisieren und den weltweiten Zusammenschluss voranzubringen. Es wird nicht einfach, aber die Alternative ist ein Zurückfallen in Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Destabilisierung.

Am 6. Januar 2004 veröffentlichten ich und US-Senator Charles Schumer einen gemeinsam verfassten Bericht in der Kolumnenrubrik der New York Times mit dem Titel „Reifliche Überlegungen zum Freihandel”. In diesem Bericht wiesen wir darauf hin, dass die USA in eine neue Wirtschaftsära eintreten würden, in der sich amerikanische Arbeitnehmer „einem harten globalen Wettbewerb auf nahezu jeder Arbeitsplatz- und Auftragsebene ausgesetzt sehen werden – vom einfachen Maschinisten, über den Softwareingenieur bis hin zum Wall Street Analysten.

Jeder Arbeitnehmer, dessen Job keine täglichen Interaktionen von Angesicht zu Angesicht voraussetzt, befindet sich ab jetzt in Gefahr durch einen gleichsam ausgebildeten, jedoch weitaus geringer bezahlten Arbeitnehmer, der seine Tätigkeit Tausende Meilen entfernt ausübt, substituiert zu werden. Amerikanische Arbeitsplätze gehen auf diese Weise nicht aufgrund des direkten Wettbewerbs mit ausländischen Unternehmen in Hülle und Fülle verloren, sondern aufgrund der Strategie multinationaler Konzerne, die ihre Kosten senken, indem sie ihre Aktivitäten in Billiglohnländer in Übersee auslagern.“ 

Sowohl ich als auch Schumer bezweifelten die Korrektheit der damals allgemeingültigen Ökonomensichtweise, dass eine Auslagerung von (amerikanischen) Arbeitsplätzen lediglich auf Basis eines gegenseitig profitablen Freihandels stattfinden werde, über den sich niemand Gedanken oder Sorgen zu machen brauche.

Die große Herausforderung, die durch das ungewöhnliche Team-Up eines stellvertretenden Finanzministers der Vereinigten Staaten unter Präsident Ronald Reagan und einem liberaldemokratischen Senator aus New York als “Freihandelsglobalismus” bezeichnet wurde, sorgte zum damaligen Zeitpunkt für eine Sensation. Der liberale und in Washington ansässige Think Tank Brookings Institution organisierte eine in Washington stattfindende Konferenz, um mir und Schumer die eigene irrgläubige Position zu verdeutlichen – oder vielleicht sogar, um die eigene Position zu verteidigen. 

Diese Konferenz wurde live auf dem Sender C-Span ausgestrahlt, der diese Konferenz zu verschiedenen Anlässen in seinem Programm mehrmals wiederholte und abermals ausstrahlte.

Schumer und meine Wenigkeit dominierten diese Konferenz, als es der Zuhörerschaft aus politischen Entscheidern Washingtons und verschiedenen Ökonomen schließlich dämmerte, dass vermutlich irgendetwas mit der Outsourcing-Strategie im Argen liegen könnte. Auf eine Frage in Bezug auf die potenziellen Konsequenzen für die Vereinigten Staaten aus diesen Auslagerungsaktivitäten antwortete ich: „In 20 Jahren werden die Vereinigten Staaten ein Land der Dritten Welt sein.“ 

Heute macht es den Eindruck, als ob ich damals zu optimistisch gewesen bin, dass die US-Wirtschaft noch weitere 20 Jahre haben würde. Es hat nur 10 Jahre gebraucht, um die USA mehr und mehr wie ein Land der Dritten Welt aussehen zu lassen. Amerikas großartige Städte, zu denen Detroit, Cleveland oder auch St. Louis gehörten, haben seitdem zwischen einem Fünftel und einem Viertel ihrer früheren Einwohnerzahl eingebüßt.

Das reale Durchschnittseinkommen der amerikanischen Familien befindet sich seit Jahren in einem Abwärtstrend. Dies ist nur ein Indikator unter vielen, dass die ehedem existierende Leiter der sozialen Aufstiegsfähigkeit, die Amerika einst zur „Gesellschaft der Chancen und Möglichkeiten“ machte, fast gänzlich demontiert wurde. Im vergangenen April berichtete das National Employment Law Project, dass die realen Durchschnittseinkommen unter den amerikanischen Haushalten zwischen 2007 und 2012 um 10% sanken.

Die Republikaner neigen der Tendenz zu, die Opfer dieser Politik für diese Entwicklung verantwortlich zu machen. Bevor sich einmal jemand der Frage widmet, was das eigentliche Problem oder die Ursache dieser Entwicklung sein könnte. Amerika ist immer noch das reichste Land auf dieser Erde, selbst die Armen befinden sich in Amerika im Besitz eines Fernsehgeräts und sie können sich den Erwerb eines gebrauchten Fahrzeugs für $2.000 leisten.

Doch bedenken Sie in diesem Zusammenhang den jüngst durch die Federal Reserve publizierten Bericht, nach dem zwei Drittel aller amerikanischen Haushalte nicht dazu in der Lage sind, gerade einmal $400 an Bargeld hoch zu husten, ohne dafür irgendwelche Dinge im persönlichen Besitz veräußern zu müssen oder sich von  Familienangehörigen, Freunden oder Bekannten Geld zu leihen. 

Obwohl derartige Dinge fast niemals aus den Berichten der amerikanischen Finanzpresse hervorgehen, rivalisieren die ärmlichen Jobaussichten, denen sich die Amerikaner heutzutage mehrheitlich ausgesetzt sehen, mit denjenigen in Indien vor etwa 30 Jahren. Amerikanische Universitätsabsolventen finden heutzutage Arbeitsplätze – wenn sie überhaupt einer Tätigkeit nachgehen – nicht als Softwareingenieure und Manager, sondern als Kellner und Barmixer.

Sie verdienen einfach nicht genug, um sich eine unabhängige Existenz aufbauen zu können. Nicht selten leben sie immer noch zu Hause bei ihren Eltern. Die Hälfte derjenigen, die Studentenkredite zum Absolvieren des eigenen Studiums aufnahm, kann diese Kredite nicht mehr bedienen. 18% von ihnen befinden sich in Inkassoprozessen oder liegen mit ihren Zahlungen im Rückstand. Die Studentenkredite von weiteren 34% befinden sich im Status eines Zahlungsaufschubs oder einer Stundung.

Wenn heute etwas klar auf der Hand liegt, dann die Tatsache, dass Bildung keine Antwort auf die zugrundeliegenden Probleme gewesen ist. Die Auslagerung von Arbeitsplätzen – die mit einer Senkung der Arbeitnehmerkosten und wachsenden Unternehmensprofiten Hand in Hand gingen – hat zu einer Bereicherung von Unternehmensmanagern und Großaktionären geführt, während der Verlust von Millionen an ehedem gut bezahlten Arbeitsplätzen zu einer deutlich sinkenden Mobilität unter Millionen von Amerikanern geführt hat.

Zusätzlich hat die Auslagerung von Arbeitsplätzen nach Übersee das Wachstum in der Konsumentennachfrage zerstört, von der die US-Wirtschaft wie kaum eine andere Ökonomie auf der Welt abhängt. Resultat ist, dass die US-Wirtschaft nicht mehr dazu in der Lage ist, ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen, um mit der wachsenden Erwerbsbevölkerung Gleichschritt zu halten.

Zwischen Oktober 2008 und Juli 2014 legte die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter um 13,4 Millionen Personen zu, während die amerikanische Beschäftigungsquote allerdings nur um 1,1 Millionen Personen wuchs. Um es mit anderen Worten auszudrücken, ist die Arbeitslosenquote unter der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in den vergangenen sechs Jahren um 91,8% explodiert.

Seit dem Jahr 2000 hat der Mangel an Arbeitsplätzen dazu geführt, dass die Erwerbsquote in den USA beständig sank. Und seitdem die finanzielle Lockerung (QE) im Jahr 2008 begann,  hat sich dieser Abwärtstrend in Bezug auf die Entwicklung der Erwerbsquote noch weiter beschleunigt. Natürlich lässt sich in keiner Weise von einer Wirtschaftserholung sprechen, wenn die Erwerbsquote kollabiert.

Rechtslastige Ideologen werden anführen, dass die Erwerbsquote derart niedrig ist, weil eine opulente Sozialhilfe viele Menschen davon abhält, arbeiten zu gehen. Dieses Argument ist widersinnig. Im selben Zeitraum sind die Lebensmittelmarkenbezüge zweimal reduziert worden, während sowohl die Arbeitslosenhilfebezüge wie auch eine Vielzahl an Sozialhilfeleistungen gekürzt wurden. Wer in Amerika heute von Sozialhilfe lebt, sieht sich extrem hohen Entbehrungen ausgesetzt. Darüber hinaus ist es alles andere als leicht, eine adäquate Beschäftigung zu finden.

Die folgende Grafik zeigt den Kollaps der amerikanischen Erwerbsquote. Die wenigen, kleinen Hochs, die über eine Partizipationsquote von 65% hinaus gehen, geben Auskunft über die seltenen Perioden, in denen die US-Wirtschaft eine ausreichende Anzahl von Arbeitsplätzen schuf, um mit der wachsenden Erwerbsbevölkerung Schritt zu halten. Die massiven Hochs unterhalb der Trennlinie indizieren Perioden, in denen ein Mangel an Arbeitsplätzen dazu führte, dass viele Amerikaner es aufgaben, nach nicht existenten Jobs Ausschau zu halten.

Dies führte wiederum dazu, dass diese Personen statistisch aus der Erwerbsbevölkerung herausfielen und nicht mehr erfasst wurden. Aus diesem Grund führt eine offiziell bekannt gegebene US-Arbeitslosenquote von 6,2% in die Irre, da entmutigte Arbeitnehmer, die es aufgegeben haben, nach einem Job Ausschau zu halten, aus der Erwerbsbevölkerung ausgeschieden sind, weil es für sie schlichtweg kein adäquates Jobangebot gab.

Laut den parallelen Berechnungen von John Williams von Shadowstats.com liegt die US-Arbeitslosenquote bei etwa 23,2% – eine Kennziffer, die mit dem Kollaps in der amerikanischen Erwerbsquote einher geht.

In den 10 Jahren seitdem Schumer und ich Alarm ertönen ließen, sind die Vereinigten Staaten zu einem Land avanciert, in dem die Norm zur Schaffung neuer Arbeitsplätze auf gering vergüteten Teilzeitbeschäftigungen im heimischen Dienstleistungssektor basiert. Zwei Drittel der Bevölkerung leben am Rande einer individuellen Lebenslage, in denen es den Betroffenen nicht möglich ist, $400 an Bargeld aufzubringen.

Die Ersparnisse der Bevölkerung werden dazu genutzt, um das Alltagsleben bestreiten zu können. Unternehmen leihen sich kein Kapital, um es in vielversprechende Zukunftsprojekte zu investieren, sondern um ihre eigenen Aktien zurückzukaufen. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, ihre Aktienkurse hochzujubeln. Im gleichen Atemzug wachsen nicht nur die Boni unter den Vorständen, sondern auch die Verschuldungslage von deren Unternehmen.

Das Wachstum der Einkommen und des Wohlstands unter denjenigen, die sich zu dem obersten 1% der Bevölkerung zählen, resultiert aus Plünderungen – und nicht aus produktiven Wirtschaftsaktivitäten. Und eben jene Verhältnisse entsprechen dem gängigen Profil eines Drittweltlandes.

Gastbeitrag für CK*wirtschaftsfacts, © 2014 Paul Craig Roberts, Dave Kranzler und John Titus / Institute for Political Economy

http://www.cashkurs.com/kategorie/wirtschaftsfacts/beitrag/die-deindustrialisierung-amerikas/

 

Kommentar, Enie-Welt-Bürger-Dilomaten, Wolfgang Lieberknecht

EWBD: Internet, Bildung und Fremdsprachen und die Verringerung der Transportkosten haben die Produktion in den Ländern möglich gemacht, in denen die Menschen viel weniger verdienen als in den alten Industrieländern. Für viele von ihnen war ist es bis heute trotzdem ein Fortschritt, für die Weltwirtschaft zu arbeiten. Hunderte Millionen in den früher armen Ländern stiegen durch die Industrialisierung ihrer Länder in die Mittelschicht auf. Und ehemals kolonialisierte Staaten konnten ihre Länder damit entwickeln. Deren Eliten konnten auf Grund der niedrigen Löhne auf das Niveau der Eliten in den reichen Ländern aufsteigen. Die Reichen in den Industrieländern profitierten, weil die Verlagerung ihrer Betriebe in Billiglohnländer aufgrund der viel niedrigeren Löhne, Sozial- und Umweltstandards viel höhere Gewinne erzielen konnten. Getragen wurde das vor allem von den Banken und anderen Geldfonds, die weltweit zu investieren begannen. Die Armen verlieren als Arbeiter, weil es immer schwieriger Jobs mit den Bedingungen finden, die ihre Väter hatten. Aber sie gewannen und gewinnen, weil die mit billiger Arbeitskraft hergestellten Produkte auch die Preise für Computer, Autos, Handies gesenkt haben. Allerdings vielfach jetzt nicht bezahlt mit eigenem Arbeitslohn. Wo soll das hinführen: Einer reichen Schicht, die von ihren weltweiten Anlagen hohe Gewinne einstreicht und einer armen Schicht, die ernährt werden muss, weil ihre Arbeit nicht mehr gebraucht wird, ersetzt durch Maschinen oder Menschen mit viel niedrigeren Löhnen. Die Menschen, die auf dem inzwischen weltweit gewordenen Arbeitsmarkt sich anbieten für die Investoren arbeiten zu wollen, leben unter ganz verschiedenen Bedingungen, Arbeitsbedingungen und Löhne, die für die einen ein Fortschritt sind, bedeuten für die anderen ein Abstieg. Für die Menschen zeigt sich das deutlich bei der Migration. Die weltweite Konkurrenzsituation können viele nicht erfahrbar. Sind wir in der reichen Welt nun bereit, für eine Politik zu sorgen, die auch den Menschen in der armen Welt gute Arbeitsbedingungen sichert, damit Unternehmen mit Verlagerungen keine Extraprofite mehr machen können? Auch wenn dabei unser Kakao, unsere Autos, Handys teurer werden, weil sie für Löhne produziert werden, von denen man leben kann? Wenn wir in der globalisierten Wirtschaft menschenwürdig leben wollen, brauchen wir eine politische Initiative, die allen menschenwürdiges Leben sichert; dazu müssten wir unsere Spaltungen überwinden, die nationalen und religiösen und weltweite Regelungen durchzusetzen. Die Religionen und der Humanismus, die Menschenrechte erklären alle Menschen als gleichberechtigt und Träger menschlicher Würde – werden wir in diesem Sinn und in der globalisierten Welt nun dafür tätig, weil die Globalisierung jetzt unser eigenes Menschenrecht auf Arbeit, auf menschenwürdige Arbeit, beseitigt. Die Eliten, die von der Globalisierung durch immer höhere Gewinne profitieren, tun alles, um das zu verhindern und uns gegeneinander zu treiben, um zu verhindern, dass ihre Profite durch globale Regelungen beschnitten werden. Es liegt an Bürgern, die die Komplexität der Globalisierung begreifen, diesen Spaltungen entgegenzuwirken, Bildung zu organisieren und den weltweiten Zusammenschluss voranzubringen. Es wird nicht einfach, aber die Alternative ist ein Zurückfallen in Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Destabilisierung.

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