Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ wächst, und die Türkei unterstützt die Extremisten. Dschihadisten werden mitten in Istanbul rekrutiert – mit dem Versprechen, einen Gottesstaat zu errichten, der bis nach Israel reicht. Die türkische Regierung weigert sich, die Gruppe als Terrororganisation zu bezeichnen. IS rekrutiert ungestört Dschihadisten in der Türkei und nutzt das Land zum Transit in die Kampfgebiete des Irak und Syriens. Den türkischen Sicherheitsbehörden blieb anscheinend sogar verborgen, dass sich mehr als tausend türkische Extremisten dem IS angeschlossen haben. Von den Geiseln fehlt jede Spur Möglich ist aber auch, dass die Türkei bewusst über die Untaten der Islamisten hinwegsah. Ankara verfolgt schließlich das Ziel, all jene Kräfte zu unterstützen, die Syriens Präsidenten Assad, einen früheren Freund des türkischen Noch-Premierministers und baldigen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, stürzen könnten. Ließ die Regierung dafür diese Extremisten der brutalsten Sorte gewähren?

Dschihadisten aus der Türkei: Verführung zum „Heiligen Krieg“

Von , Istanbul

IS-Dschihadisten im Nordirak: "Kämpfen bis zum Ende" Zur Großansicht

REUTERS

IS-Dschihadisten im Nordirak: „Kämpfen bis zum Ende“

Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ wächst, und die Türkei unterstützt die Extremisten. Dschihadisten werden mitten in Istanbul rekrutiert – mit dem Versprechen, einen Gottesstaat zu errichten, der bis nach Israel reicht. 

Für einen 21-Jährigen hat Ahmet schon viele Leichen gesehen. Er hat selbst getötet, um sein Leben gefürchtet, sich in Häuserkämpfen Gefechte geliefert, Handgranaten geworfen, Bombenexplosionen überlebt und Verletzte geschleppt. Er zeigt Filme davon auf seinem Smartphone. Ahmet mit Waffe. Ahmet mit Leiche. Ahmet mit Verletztem.

 

Ahmet ist Kämpfer der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), er war zweimal in Syrien im Einsatz und demnächst wird er wieder dorthin gehen, „bis zum Ende“, sagt er. Derzeit hält er sich in Istanbul auf, um sich zu erholen. Hier wurde er auch angeworben.

Er sieht ausgezehrt aus, seine knochigen Schultern zeichnen sich unter dem viel zu großen Hemd ab, der Gürtel in seiner Jeans sitzt auf dem engsten Loch. Er trägt einen Vollbart, die Haare über der Oberlippe sind wegrasiert. „Wie der Prophet, Friede sei mit ihm“, sagt er.

Jetzt wohnt er bei Cousins in Fatih, einem konservativen Stadtteil, ein paar Wochen will er bleiben. Ahmet ist türkischer Staatsbürger, aber er träumt von einem Leben in einem Kalifat, das vom Irak bis Syrien und „irgendwann, inschallah“, von Pakistan über die Türkei bis nach Israel reicht.

Gehirnwäsche nach der Rekrutierung

Vor zwei Jahren wurde Ahmet in Istanbul von einer IS-Vorgängerorganisation rekrutiert, ein Teenager aus zerrütteten Verhältnissen, sechs Jahre Schulbildung, auf der Suche nach Halt. Seine Mutter starb, als er sieben war. Sein Vater heiratete wieder, die Stiefmutter schlug ihn, sagt er. Ahmet zog oft durch sein Viertel und bewunderte in der Koranschule die älteren Jungen, die mit ihren radikalen Ideen protzten.

Einer von ihnen sprach ihn an, fragte, ob er nicht Lust habe, für den Islam zu kämpfen. „Er versprach mir 400 Dollar im Monat“, sagt Ahmet. Sie brachten ihm den radikalen Islam näher, „ohne Moschee, ein Muslim braucht nur einen schlichten, sauberen Platz zum Beten“. Und sie versprachen ihm eine Kampfausbildung in einem Camp in Syrien.

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ISIS im Irak: Der Vormarsch der Dschihadisten

Es muss eine Gehirnwäsche gewesen sein, denn die Cousins von Ahmet, die ihn zum Treffen in einem Teehaus in Istanbul begleiten, sagen, er sei vorher nicht so radikal gewesen. Ahmet sagt: „Ich glaube, es ist nicht falsch, im Kampf für den Glauben zu sterben. Man gelangt auf direktem Weg ins Paradies.“

Die Dschihadisten von IS haben ein Gebiet so groß wie Bayern aufirakischem und syrischem Territorium erobert. Mindestens 10.000 Mitglieder zählt die Terrororganisation, junge Männer aus dem arabischen Raum, aber auch aus Zentralasien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und der Türkei.

Extremisten in Teehäusern

Istanbul, die schillernde Millionenmetropole, ist nach Erkenntnissen von Geheimdiensten und Aussagen von Kämpfern ein wichtiger Rekrutierungsort für die Terrororganisation. Hier, unter 15 Millionen Menschen, fallen die Extremisten nicht auf, hier können sie unbehelligt Wohnungen anmieten und ohne Risiko junge Männer ansprechen.

Viele junge Europäer, bereit zum Kampf, aber ohne Kontakte, reisen hierher. In Geschäften, in denen Flaggen und Spruchbänder mit Symbolen von IS angeboten werden, erhalten sie Telefonnummern, den Namen eines Teehauses oder einer Koranschule. Der Kontakt zu Extremisten ist relativ einfach zu bekommen. Die Polizei, heißt es, schaue weg, weil die Regierung sich einen Sturz von Syriens Präsident Baschar al-Assad wünsche und jeden unterstütze, der dazu beitrage.

Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan hatte vor etwa drei Jahren auf ein Ende seines einstigen Freundes Assad gesetzt. Doch anders als in anderen arabischen Staaten gelang der Sturz nicht. Etwa ein halbes Jahr nach Beginn der Gewalt in Syrien erwog die Türkei Geheimdiensterkenntnissen zufolge einen Krieg gegen das Nachbarland. Demnach beauftragte Erdogan Generalstabschef Necdet Özel mit entsprechenden Plänen. Der kam zu dem Ergebnis, solch ein Feldzug würde mehreren tausend türkischen Soldaten das Leben kosten.

Die Türkei hat die Kontrolle verloren

Erdogan tobte, begrub aber seine Kriegspläne. Seither werden Waffen, Munition, Hilfsgüter und Kämpfer über die Türkei nach Syrien geschickt, abends oder nachts. Die zuständigen Behörden sorgen für Stromausfälle, damit die Transporte bei vollständiger Dunkelheit ablaufen. Mehrfache Warnungen unter anderem aus den USA und Deutschland, die Extremisten könnten sich irgendwann gegen die Türkei richten, wollte man in Ankara nicht hören. Man habe sie im Griff, hieß es.

Aber längst hat die Türkei die Kontrolle verloren. IS, so ist zu hören, droht der Türkei mit Gewalt, sollte Ankara dem Druck des Westens nachgeben und aufhören, die Gruppe zu unterstützen. Ein Warnsignal gab es bereits: die Entführung von 81 türkischen Staatsbürgern im irakischen Mossul. Eine Gruppe von Lastwagenfahrern ist inzwischen zwar wieder frei, aber mehrere türkische Diplomaten sind noch in den Händen von IS. Beobachter befürchten auch, IS könnte zu Terroranschlägen auf Metropolen wie Istanbul greifen, um der Türkei zu schaden.

Vor Ort sind die Extremisten schon. „Die internationale Truppe, die sich hier in Istanbul zusammenfindet, eint der gemeinsame Glaube“, sagt Ercan, 25. Er hat für IS in Syrien gekämpft, ist aber geflohen und will mit Terror nichts mehr zu tun haben. Auch er wurde in Istanbul rekrutiert, in einer Moschee in Fatih, von einem Verein, der Spenden sammelt für den Glaubenskrieg und Ausschau nach potenziellen Kämpfern hält. Er trifft sich zum Gespräch in einem Café in einem schickeren Viertel von Istanbul. Nach Fatih traut er sich nicht mehr.

„Sie suchen hauptsächlich psychisch instabile Persönlichkeiten, die Orientierungslosen und Sinnsuchenden, denen sie Hilfe versprechen“, sagt Ercan. „Allerdings prüfen sie die Leute genau, horchen sie aus, bevor sie sie aufnehmen. Mir erzählten sie, mein Verständnis vom Islam sei falsch. Dann brachten sie mir ihre radikale Version näher und guckten, wie ich reagierte.“ Am Anfang fand er Gefallen an der Idee vom Kampf für ein islamisches Reich.

Ercan, der jahrelang Klebstoff schnüffelte und mit 17 ein körperliches Wrack war, hoffte auf ein besseres Leben und auf eine Heilung von seiner Sucht. „Ich wurde nach Syrien in ein Trainingslager gebracht, wo ich gemeinsam mit anderen Türken schießen lernte.“ Seine Sucht bekam er in den Griff. Aber als er einmal sah, wie ein erfahrener Kämpfer einen Mann köpfte und mit dem Kopf Fußball spielte oder wie ein syrischer Soldat erschossen wurde, weil der nicht wusste, um welche Uhrzeit das nächste Gebet beginnt und sich damit als „ungläubig“ erwies, wollte er mit IS nichts mehr zu tun haben. Jetzt lebt er in Istanbul und fürchtet um sein Leben, weil er als Verräter gilt.

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Eine Antwort zu Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ wächst, und die Türkei unterstützt die Extremisten. Dschihadisten werden mitten in Istanbul rekrutiert – mit dem Versprechen, einen Gottesstaat zu errichten, der bis nach Israel reicht. Die türkische Regierung weigert sich, die Gruppe als Terrororganisation zu bezeichnen. IS rekrutiert ungestört Dschihadisten in der Türkei und nutzt das Land zum Transit in die Kampfgebiete des Irak und Syriens. Den türkischen Sicherheitsbehörden blieb anscheinend sogar verborgen, dass sich mehr als tausend türkische Extremisten dem IS angeschlossen haben. Von den Geiseln fehlt jede Spur Möglich ist aber auch, dass die Türkei bewusst über die Untaten der Islamisten hinwegsah. Ankara verfolgt schließlich das Ziel, all jene Kräfte zu unterstützen, die Syriens Präsidenten Assad, einen früheren Freund des türkischen Noch-Premierministers und baldigen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, stürzen könnten. Ließ die Regierung dafür diese Extremisten der brutalsten Sorte gewähren?

  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG schreibt:

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    Hättet eben nicht versprechen sollen, das in Deutschland das Geld auf den Bäumen wächst, dieses lagert irgendwo in Israel, siehe Reich und Reichsgold und da die Versprechen auf Freiheit und Demokratie! Glück, Auf, meine Heimat!

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