Boko-Haram: Frauen verhindern Ausrücken ihrer Männer zum Kampf gegen die Islamisten! Laut nigerianischen Medienberichten blockierten die Demonstrantinnen auch am Dienstag die Ausgänge der Kaserne. Sie wollen damit verhindern, dass Truppeneinheiten ausrücken, um eine 100 Kilometer südöstlich von Maiduguri gelegene Stadt von den militanten Islamisten von Boko Haram zurückzuerobern. Die Frauen behaupten, die Soldaten seien schlechter bewaffnet als der Feind; der geplante Kampfeinsatz bringe ihre Männer in Lebensgefahr. Die Gattinnen von Soldaten der 21. mechanisierten Brigade hatten bereits am Samstag das Ausrücken ihrer Männer verhindert. Sie machen geltend, das Armeekommando in der Hauptstadt Abuja und örtliche Kommandanten zweigten Gelder ab und verkauften Waffen auf dem Schwarzmarkt. In der Folge müssten ihre Männer mit veralteten Sturmgewehren und zu wenig Munition ausrücken, und zahlreiche Panzerfahrzeuge, die ihnen zur Verfügung stehen sollten, seien unbrauchbar. Nach dem Angriff auf Gwoza hätten letzte Woche Dutzende unschuldiger Uniformierter bestattet werden müssen, sagte eine der Demonstrantinnen der Zeitung «Daily Trust». Während Soldaten als Kanonenfutter in den Kampf geschickt würden, schonten sich die Offiziere. Die Zeitung zitierte anonyme Soldaten, die die Aussagen bestätigten. Sie seien froh, dass sich ihre Frauen für sie einsetzten, sie könnten das nicht, ohne wegen Meuterei angeklagt zu werden, sagte einer von ihnen. Transparency International, eine internationale Organisation zur Korruptionsbekämpfung, stuft in ihren Berichten über Korruption im Verteidigungssektor Nigeria als einen der weltweit schlimmsten Sünder ein. Richtige Vorkehrungen wie die Trennung von Finanzströmen innerhalb der Streitkräfte von der Militärhierarchie würden durch informelle Beziehungsnetze unterlaufen. Offiziere, die Geld unterschlügen, würden nie bestraft, und Whistleblower, die Missstände aufdecken wollten, blieben ungeschützt, heisst es in einem Bericht. Laut Medienberichtenverfügten die Islamisten über zahlreiche Pick-up-Fahrzeuge und waren unter anderem mit Panzerfäusten bewaffnet. Trotz der Hilfe an Aufklärung, die Nigeria seither von westlichen Sicherheitsdiensten erhält, kommt der antiterroristische Kampf im Nordosten Nigerias scheinbar nicht vom Fleck. Die Frauendemonstration in Maiduguri ist dafür ein sprechendes Beispiel.

Anti-Terror-Kampf in Nigeria

Frauenprotest gegen Armeeführung

Markus M. Haefliger, Nairobi Heute, 13. August 2014, 13:30
Frauen demonstrieren vermehrt gegen die Terrorgruppe Boko Haram, wie hier bei einer Kundgebung. Dass ihre Männer schlecht ausgerüstet gegen die Extremisten kämpfen sollen, wollen sie aber auch nicht.
Frauen demonstrieren vermehrt gegen die Terrorgruppe Boko Haram, wie hier bei einer Kundgebung. Dass ihre Männer schlecht ausgerüstet gegen die Extremisten kämpfen sollen, wollen sie aber auch nicht. (Bild: Reuters/AFOLABI SOTUNDE)
Im Nordosten Nigerias gehen die Ehefrauen von Armeeangehörigen auf die Strasse. Ihre Männer sollen eine Stadt von der Terrorgruppe Boko Haram zurückerobern. Sie seien dafür aber ungenügend ausgerüstet, behaupten die Demonstrantinnen.

Vor der Armeekaserne in Maiduguri, dem Hauptort des Krisengebiets im Nordosten Nigerias, haben sich seit Montag über hundert Ehefrauen von Soldaten versammelt, um gegen die Armeeführung zu protestieren. Laut nigerianischen Medienberichten blockierten die Demonstrantinnen auch am Dienstag die Ausgänge der Kaserne. Sie wollen damit verhindern, dass Truppeneinheiten ausrücken, um eine 100 Kilometer südöstlich von Maiduguri gelegene Stadt von den militanten Islamisten von Boko Haram zurückzuerobern. Die Frauen behaupten, die Soldaten seien schlechter bewaffnet als der Feind; der geplante Kampfeinsatz bringe ihre Männer in Lebensgefahr.

Rückeroberung einer Stadt

Die Islamisten hatten Gwoza, eine Stadt mit normalerweise mehreren zehntausend Bewohnern nahe der kamerunischen Grenze, vor einer Woche überrannt. Nach einem ersten Angriff, den die Armee noch hatte abwehren können, sammelten sich die Extremisten erneut vor der Stadt und nahmen diese am Mittwoch vor Anbruch des Morgengrauens ein. Laut Medienberichtenverfügten sie über zahlreiche Pick-up-Fahrzeuge und waren unter anderem mit Panzerfäusten bewaffnet. Sie sollen wild um sich geschossen haben. Tausende von Einwohnern flüchteten in die Mandara-Berge an der Grenze zu Kamerun oder, auf Umwegen, nach Maiduguri, den relativ sicheren Hauptort des Gliedstaats Borno.

Laut Augenzeugenberichten aus Maiduguri haben die Militanten bei dem Terrorangriff auf Gwoza alle Gebäude von Behörden oder Vertretern der Obrigkeit zerstört, wie den Sitz des Stadtrats, ein Gästehaus der Regierung und Polizeiposten. Boko Haram will den modernen Staat durch ein islamisches Kalifat ersetzen. An mehreren Gebäuden sei die schwarze Fahne der Islamisten gehisst worden, hiess es. Die Militanten schleiften auch den Palast des Emirs, des traditionellen Oberhaupts der Gegend. Der Emir selber, Mohammed Timta, galt mehrere Tage lang als vermisst, und es wurde befürchtet, er sei getötet worden. Er war erst vor zwei Monaten auf seinen Vater gefolgt, der im Mai bei einem früheren Angriff entführt und ermordet worden war. Mohammed Timta hatte bei der Amtseinführung versprochen, sich für ein einvernehmliches Verhältnis von Christen und Muslimen einzusetzen. Am Dienstag gaben die Behörden Bornos bekannt, der Emir lebe und befinde sich an einem sicheren Ort.

Soldaten als Kanonenfutter

Die Gegend um Gwoza ist eine Hochburg von Boko Haram. Bei dem genanntenAngriff im Mai hatten die Islamisten dreist erneut ein Dutzend Mädchen verschleppt – weniger als einen Monat nach der Massenentführung von Schülerinnen aus Chibok, welche die nigerianische Krise ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gerückt hatte. Trotz der Hilfe an Aufklärung, die Nigeria seither von westlichen Sicherheitsdiensten erhält, kommt der antiterroristische Kampf im Nordosten Nigerias scheinbar nicht vom Fleck. Die Frauendemonstration in Maiduguri ist dafür ein sprechendes Beispiel.

Die Gattinnen von Soldaten der 21. mechanisierten Brigade hatten bereits am Samstag das Ausrücken ihrer Männer verhindert. Sie machen geltend, das Armeekommando in der Hauptstadt Abuja und örtliche Kommandanten zweigten Gelder ab und verkauften Waffen auf dem Schwarzmarkt. In der Folge müssten ihre Männer mit veralteten Sturmgewehren und zu wenig Munition ausrücken, und zahlreiche Panzerfahrzeuge, die ihnen zur Verfügung stehen sollten, seien unbrauchbar. Nach dem Angriff auf Gwoza hätten letzte Woche Dutzende unschuldiger Uniformierter bestattet werden müssen, sagte eine der Demonstrantinnen der Zeitung «Daily Trust». Während Soldaten als Kanonenfutter in den Kampf geschickt würden, schonten sich die Offiziere. Die Zeitung zitierte anonyme Soldaten, die die Aussagen bestätigten. Sie seien froh, dass sich ihre Frauen für sie einsetzten, sie könnten das nicht, ohne wegen Meuterei angeklagt zu werden, sagte einer von ihnen.

Präsident Goodluck Jonathan hat in den letzten Wochen mehrmals versprochen, die Missstände bei der Ausrüstung der Truppe im Anti-Terror-Kampf würden behoben, und Waffen und modernes Gerät würden in das Kampfgebiet entsandt. Mit einem Militärbudget von 5,9 Milliarden Dollar, dem mit Abstand höchsten in Schwarzafrika, sollte es ein Leichtes sein, den Forderungen der Truppe nachzukommen. Aber Jonathans Bemühungen werden aus den eigenen Reihen torpediert.

Brutstätte der Korruption

Transparency International, eine internationale Organisation zur Korruptionsbekämpfung, stuft in ihren Berichten über Korruption im Verteidigungssektor Nigeria als einen der weltweit schlimmsten Sünder ein. Richtige Vorkehrungen wie die Trennung von Finanzströmen innerhalb der Streitkräfte von der Militärhierarchie würden durch informelle Beziehungsnetze unterlaufen. Offiziere, die Geld unterschlügen, würden nie bestraft, und Whistleblower, die Missstände aufdecken wollten, blieben ungeschützt, heisst es in einem Bericht. Die nigerianische Bürgergesellschaft fordert eine Revision des gesamten Beschaffungswesens der Armee.

http://www.nzz.ch/international/naher-osten-und-nordafrika/frauenprotest-gegen-die-armeefuehrung-1.18362000

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Afrika, Antikriegsproteste, globale Konflikte, Krieg und Kriegsverbrechen, regionale Konflikte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s