Ärzte schlagen Alarm! Entsetzliche Lage im UN-Lager in Süd-Sudan! 40 000 Personen leben eng beisammen in den wegen der Regenzeit überschwemmten Unterkünften. Es kommt zu Infektionen. Viele sterben, auch viele Kinder! Ausserhalb der Stacheldrahtzäune, die von Uno-Truppen gesichert werden, herrscht Bürgerkrieg. In der Hauptstadt Juba eskalierte im vergangenen Dezember der Machtkampf zwischen dem Präsidenten Salva Kiir und seinem früheren Stellvertreter Riek Machar. Der Konflikt breitete sich schnell von der Hauptstadt über weite Teile des Ostens des Landes aus. Zehntausende von Personen wurden seitdem getötet, mehr als 1,5 Millionen sind auf der Flucht vor der Gewalt. Die internationale Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch (HRW) dokumentierte zahlreiche Plünderungen, ethnisch motivierte Angriffe und Tötungen zwischen den Nuer und den Dinka. Der junge Staat hatte erst im Juli seinen dritten Geburtstag gefeiert, nun versinkt er in Krieg und Hungersnot.

Krise im Südsudan

Tausende in überflutetem Lager

Gestern, 12. August 2014, 15:54
Das südsudanesische Uno-Lager in der Stadt Bentiu ist überschwemmt und überfüllt.
Das südsudanesische Uno-Lager in der Stadt Bentiu ist überschwemmt und überfüllt. (Bild: Keystone)
Im Südsudan nimmt die Situation im Uno-Lager verheerende Ausmasse an. Derzeit leben rund 40 000 Personen eng beisammen in den überschwemmten Unterkünften, wo sie Schutz vor dem Bürgerkrieg suchen.

smo. (afp) Tausende von Personen leben auf engstem Raum in einem überschwemmten Uno-Lager im Südsudan. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) bezeichnet die Zustände als entsetzlich. Der grösste Teil des Lagers in Bentiu, nahe der sudanesischen Grenze, sei im Juli zu Beginn der Regenzeit überflutet worden. Den Menschen drohen tödliche Infektionen.

Wasser steht kniehoch

Viele Todesfälle seien direkt auf die extremen Lebensbedingungen zurückzuführen, sagte die Organisation MSF. Das Wasser stehe über weite Teile des Lagers kniehoch. Tausende von Personen könnten sich nicht hinlegen und müssten stehend schlafen. Es mangle an sauberem Trinkwasser sowie Latrinen, was insbesondere Kinder einem anhaltenden Infektionsrisiko aussetze.

Seit Mai 2014 starben im lokalen Spital rund 200 Personen, die meisten davon Kinder. Dennoch sei das mittlerweile sumpfige Gebiet der einzige Zufluchtsort, da er zumindest Sicherheit biete, erklärte Ärzte ohne Grenzen. Ausserhalb der Stacheldrahtzäune, die von Uno-Truppen gesichert werden, herrscht Bürgerkrieg.

Schlimmste Hungersnot

Zudem wird der Südsudan nach Angaben der Vereinten Nationen auch noch von einer schlimmen Hungersnot heimgesucht. Nun wollen Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats während ihres zweitägigen Aufenthalts auch mit dem Staatschef des Südsudans, Salva Kiir, zusammenkommen. Das Gremium erklärte am vergangenen Freitag, dass es nicht hinnehmbar sei, dass Präsident Salva Kiir und der frühere Vizepräsident Riek Machar trotz dem Abkommen auf eine militärische Lösung setzten. Der britische Uno-Gesandte Mark Lyall Grant sagte, Ziel des Besuches sei es, die politischen Führer des Landes zu treffen und sich ein eigenes Bild von der Krise zu machen.

Machtkampf

In der Hauptstadt Juba eskalierte im vergangenen Dezember der Machtkampf zwischen dem Präsidenten Salva Kiir und seinem früheren Stellvertreter Riek Machar. Schon damals schwelte ein Streit innerhalb der Regierungspartei Sudan People’s Liberation Army (SPLA) zwischen den beiden Parteikollegen. Beide gehören unterschiedlichen ethnischen Gruppen an, Kiir den Dinka, Machar den Nuer. Eigentlich waren sie angetreten, den bestehenden Tribalismus abzubauen. Allerdings erwiesen sich diese Versprechen als blosse Lippenbekenntnisse. Vielmehr intensivierte sich die Spaltung zwischen den beiden Gruppen. Der Konflikt breitete sich schnell von der Hauptstadt über weite Teile des Ostens des Landes aus. Zehntausende von Personen wurden seitdem getötet, mehr als 1,5 Millionen sind auf der Flucht vor der Gewalt.

Bürgerkrieg

Die internationale Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch (HRW) dokumentierte zahlreiche Plünderungen, ethnisch motivierte Angriffe und Tötungen zwischen den Nuer und den Dinka. Ein 92-seitiger Bericht der Menschenrechtsorganisation hält fest, dass die begangenen Greueltaten beider Seiten als schwere Kriegsverbrechen zu taxieren seien. Der junge Staat hatte erst im Juli seinen dritten Geburtstag gefeiert, nun versinkt er in Krieg und Hungersnot.

EU verhängt Waffenverbot

Die EU und die USA haben bereits Einreiseverbote und Kontensperrungen gegen die militärischen Führer beider Konfliktparteien verhängt, zudem ist ein Waffenembargo der EU in Kraft. Human Rights Watch forderte am vergangenen Freitag ein internationales Waffenembargo, um die Gewalt im Südsudan einzudämmen. Im Nachbarland Äthiopien laufen mit Unterbrechungen schon seit Januar Friedensverhandlungen. In der vergangenen Woche wurden diese Gespräche neu aufgenommen. Seitdem wurden aber kaum Fortschritte erzielt.

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