Eine multipolare Welt! Mit den BRICS könnten wir dem Ziel näher kommen, dass die Welt nicht mehr von einem oder einigen Ländern dominiert wird, sondern dass wir zu einer Welt mit Gleichberechtigung kommen! China (zwei) Indien (drei), Russland (sechs) und Brasilien (sieben) sind unter den zehn größten Volkswirtschaften der Welt und Südafrika auf Platz 25 sie bauen jetzt gemeinsam eigene von den USA, Europa und Japan unabhängige internationale wirtschaftspolitische Einrichtungen auf! Und sie repräsentieren viel mehr Menschen als die USA, Japan und Europa gemeinsam. Sie fordern damit die Vorherrschaft dieser drei Regionen heraus, die trotz Menschenrechtserklärung und UNO-Charta auch nach 1945 diese Welt zuerst für ihre Interessen eingerichtet haben! Auch durch den Einsatz durch viel Gewalt, gegen Kräfte, die das nicht wollten und wollen! Es wird Zeit, dass sich das ändert und alle, die in den drei in der Weltbedeutung absteigenden Regionen für Gerechtigkeit und Frieden stehen, können das gut unterstützen!

„Die Bedeutung der BRICS ist die Schaffung einer multipolaren Welt“

Der argentinische Politologe Juan Manuel Karg sprach mit dem renommierten Priester und Soziologen François Houtart

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Im Interview analysiert der belgische Priester und Soziologe François Houtart das regionale Panorama in Lateinamerika. Houtart, der seit Jahren in Quito, Ecuador, lebt, weist auf die Existenz von zwei Gruppen von Ländern auf unserem Kontinent hin: Diejenigen, die versuchen, sich von den USA und Kanada zu lösen, und andere, die mit der Pazifik Allianz verbunden und auf eine Vorzugsbehandlung durch die Ländern des Nordens aus sind.

Er spricht außerdem von der Bedeutung, dass die Region sich mit den BRICS verbindet, analysiert den Moment der sozialen Bewegungen in unseren Ländern und hat auch Zeit, als ein Priester der von der Befreiungstheologie kommt, das Papsttum von Franziskus und dessen aktuelle Wandlungen einzuschätzen.


Wie sehen Sie den aktuellen Kontext Lateinamerikas, angesichts einiger Analysten, die von einer möglichen konservativen Restauration in der Region sprechen?

Es ist offensichtlich, dass es auf dem lateinamerikanischen Kontinent große Unterschiede gibt. Im Großen und Ganzen können wir sagen, dass es eine Reihe von Ländern gibt, die die neoliberale Linie weiterverfolgen, und dies erklärt sich aus einem gewissen Bündnis mit den USA. Die Pazifik-Allianz folgt dieser Linie, das ist ganz klar. Auf der anderen Seite gibt es eine weitere Gruppe von Ländern, die die regionale Integration in Lateinamerika anders denken und die vor allem versuchen, sich von den imperialen Verbindungen mit den USA und Kanada zu lösen und eine neue Dynamik zu entwickeln, die zum Teil als links bezeichnet.

Das sind die groben Linien, aber es ist wichtig zu sagen, dass, als der russische Präsident Putin und der chinesische Präsident Xi Jinping unlängst nach Lateinamerika kamen, sie die Länder der post-neoliberalen Regierungen besuchten. US-Vizepräsident Joe Biden besuchte fast gleichzeitig die anderen Länder, was zeigt, dass es große Unterschiede zwischen den beiden Blöcken gibt.

Was bedeutet Ihrer Meinung nach die Reise von Putin und Xi Jinping in unsere Länder für unseren Kontinent? Welche Bedeutung hat unsere Verbindung mit den BRICS?

Die Bedeutung liegt im Aufbau einer multipolaren Welt. Dies scheint mir grundlegend für die von Russland und China verfolgte Politik: Der Aufbau eines Wirtschaftsblocks, der unabhäng von den USA ist, insbesondere vom US-Dollar als globale Leitwährung. In diesem Sinne wurden Vereinbarungen getroffen, die sehr wichtig sind, zum Beispiel im Energiebereich. Und das Treffen der BRICS in Fortaleza, Brasilien, war ebenso eine Weiterführung dieser Politik, um eben zu versuchen, einen Pol zu etablieren, der nicht abhängig von der Logik des Dollars ist.

Nach dem Treffen der BRICS versammelten sich kürzlich die G20 in Australien. Diese Länder, allen voran die USA und die Europäische Union, forderten eine stärkere Liberalisierung der Märkte. Was ist ihre Haltung zu diesem Thema?

Der Begriff Freihandelsabkommen ist ein schöner Name, um die Beziehung zwischen dem Hai und der Sardine darzustellen. Das heißt: Es ist eine Beziehung totaler Ungleichheit. Betrachten wir die Freihandelsabkommen die Lateinamerika vor allem mit den USA hat: Die Geschäfte werden unter völlig unausgewogenen Kräfteverhältnissen gemacht. Es sind unfaire Vereinbarungen, um es so zu sagen, weil die Parteien nicht die gleiche Stärke haben.

Was bleibt nach dem Auftauchen der verschiedenen post-neoliberalen Regierungen auf dem Kontinent von Initiativen wie dem Weltsozialforum, an denen Sie von Beginn an teilgenommen haben?

Das Weltsozialforum, das ich ganz aus der Nähe verfolgt habe, war das Ergebnis der neoliberalen Politiken in der Welt. Es hat Auswirkungen gehabt und eine bestimmte Kraft für die Verbreitung eines neuen sozialen Bewusstseins auf globaler Ebene, und auch, um neue Lösungen vorzuschlagen.

Nun haben wir, vor allem in Lateinamerika, meist progressive politische Regierungsformen, die weitgehend das Ergebnis der Aktion der sozialen Bewegungen sind. Diese Regierungen haben viel von der Kraft der sozialen Organisationen absorbiert, haben auch ihre Anführer einbezogen, und andererseits post-neoliberal Agenden vorgeschlagen, aber nicht post-kapitalistische.

Und so stehen die sozialen Bewegungen vor schwierigen Situationen: Zum Beispiel ist die Landlosenbewegung MST in Brasilien einerseits mit einer Regierung konfrontiert, welche die Agrarreform nicht durchführen will, sie kann aber auf der anderen Seite die Regierung nicht direkt angreifen, weil diese zum Teil das Ergebnis ihrer eigenen Aktion ist. Und außerdem gibt es keine sichtbaren Alternativen.

Was ist Ihre Meinung über die Veränderungen, die in der Kirche durch Papst Franziskus umgesetzt werden?

Es ist offensichtlich, dass der Stil von Papst Franziskus ganz anders als der seiner Vorgänger ist, vor allem Papst Benedikt XVI. und Johannes Paul II.. In diesem Sinne sollten wir uns über diesen Wandel freuen, der sich in einer großen Anzahl von Verhaltensweisen und Aussagen ausgedrückt hat, die wirklich eine wesentliche Änderung zeigen. Doch Franziskus kommt nicht von der Befreiungstheologie, sondern von der Soziallehre der Kirche. In Letzterer werden die Auswirkungen des Kapitals verurteilt, aber nicht die zugrunde liegende Logik diskutiert. Die Befreiungstheologie geht weit darüber hinaus. Ich denke, Papst Franziskus befindet sich in einem „radikalen Flügel“ der Soziallehre der Kirche.

https://amerika21.de/analyse/103537/francois-houtart-im-gespaech

70 Jahre nach Bretton Woods: Entsteht eine neue Weltordnung?

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Die BRICS-Gruppe hat Fortaleza gewählt, um ihre Muskeln zu zeigen. In der brasilianischen Stadt mit dem kraftvollen Namen wurde der weitreichendste Schritt der Gruppe in den wenigen Jahren ihres Bestehens getan: die Schaffung der Neuen Entwicklungsbank und eines Reservefonds in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar.

„Wir haben eine historische Entscheidung getroffen, die BRICS-Bank und die Vereinbarung über den Reservefonds zu schaffen, die ein wichtiger Beitrag zur Neukonfiguration des Systems der internationalen Wirtschaftssteuerung sind“, sagte Dilma Rousseff.

Südafrikas Präsident Jacob Zuma betonte, dies sei „ein bleibendes Vermächtnis, welches das Panorama der Weltwirtschaft und der gesamten sich entwickelnden Welt zum Besseren verändern wird.“

Was geschehen ist, ist Ergebnis der zunehmenden wirtschaftlichen Macht der Mitglieder der Gruppe: China (zwei) Indien (drei), Russland (sechs) und Brasilien (sieben) sind unter den zehn größten Volkswirtschaften der Welt. Südafrika ist auf Platz 25 dieser Liste. Jeder von ihnen hat eine Führungsposition auf seinem Kontinent und jetzt, gemeinsam, fangen sie an, Wege zu finden, um ihren Rang auf der internationalen Bühne zur Geltung zu bringen.

Nach Jahrzehnten der US-Hegemonie, sekundiert von Europa und Japan, sind die neuen aufstrebenden Mächte darauf aus, Schritt für Schritt diese tyrannische Herrschaft zu brechen. Es sind jetzt schon mehr Akteure, welche die Figuren in dem komplizierten universellen geopolitischen Schachspiel bewegen.

China und Russland sind die treibende Kraft. Das erste mit seinem ungestümen wirtschaftlichen Aufstieg und seiner Dynamik in Investitionen und Handel für die Welt. Das zweite mit einer aktiven Außenpolitik, die diesem Land einen Teil des politischen Gewichts der Vergangenheit wieder zurückbringt. Die jüngsten wirtschaftlichen, politischen und militärischen Vereinbarungen zwischen Peking und Moskau, darunter ein Milliarden-Vertrag für den Verkauf von Erdgas und der Ausschluss des US-Dollar aus dem gegenseitigen Handel, festigen die Führung dieses Duos.

Indien bringt seine ökonomische Kraft und seinen riesigen Markt ein, Südafrika nimmt die Führung eines Afrikas ein, das nach Chancen dürstet.

Brasilien vertritt die lateinamerikanische Stärke in dieser Gruppe. Anführer einer Region mit reichlich Rohstoffen und natürlichen Ressourcen, mit emanzipatorischen Projekten, die in ihrem Inneren pochen, und begierig, sich der Welt zu öffnen – nach einer langen Geschichte der unanständigen Unterwerfung unter das Imperium, das aus dem Norden herrschte.

Das Gipfeltreffen hat dazu gedient, diese Beziehungen zwischen den BRICS- und den südamerikanischen Nationen (die größten Volkswirtschaften in der Region) zu stärken. Ein Bündnis, das mittel- und langfristig größte Früchte bringen wird. Und das Washington überhaupt nicht erfreut.

Ebenso wenig behagt ihm die wachsende chinesische Präsenz in der Region. China ist bereits der zweitgrößte Handelspartner Lateinamerikas und der wichtigste für Brasilien und strebt die weitere Verstärkung dieser Beziehungen mit dem ehemaligen nordamerikanischen „Hinterhof“ an. Investitionen von 35 Milliarden US-Dollar wurden von Peking angeboten. Die jüngste Zusammenkunft zwischen China und der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (Celac) ist ein solides Fundament, um diese Straße zu errichten. Die Tatsache, dass – über die politische und ideologische Unterschiedlichkeit der Regierungen in der Region hinaus – das erste bilaterale Austauschforum der Celac mit der asiatischen Nation durchgeführt wurde, sagt viel.

Xi Jinping stärkt diese Bindungen mit seinen offiziellen Besuchen in Brasilien, Argentinien, Venezuela und Kuba. Dutzende von Abkommen in wirtschaftlichen, kommerziellen, wissenschaftlichen, technologischen, pädagogischen, kulturellen und anderen Bereichen wurden in diesen Tagen unterzeichnet. Symbolische politische Gesten waren festzustellen, wie die chinesische Unterstützung für Buenos Aires angesichts der Angriffe von US-Hedgefonds.

Die globale Finanzarchitektur, die heute, vor genau 70 Jahren, am 22. Juli 1944 inBretton Woods geformt wurde, zerbricht. Ihre Speerspitzen, der IWF, die Weltbank und die Dominanz des US-Dollars, erleiden eine Glaubwürdigkeitskrise. Die politische und ideologische Vorherrschaft, geschmiedet im Konsens von Washington, stürzt ebenfalls ein.

Viele Hindernisse sind auf dem Weg der Alternativen noch zu überwinden: der Druck der Akteure der alten Herrschaftsform, die Ungleichheiten und latente Unterschiede zwischen den Schwellenländern, die sichtbaren Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Aber der Wunsch nach Veränderung in der heutigen Welt liegt in der Luft. Und es gibt Akteure, die bereit sind, sie durchzusetzen.

 

Interne Verweise20. Jul 2014 | Nachricht:
Ecuadors Außenminister bewertet BRICS-Unasur-Treffen als historisch

17. Jul 2014 | Nachricht:
Chinas Präsident Xi Jinping besucht Lateinamerika

17. Jul 2014 | Nachricht:
BRICS-Staaten gründen eigene Entwicklungsbank

16. Jul 2014 | Nachricht:
Russlands Präsident beendet Lateinamerika-Reise

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