Eric Hobsbawm: „Es wird Blut fließen, viel Blut“ Die Prognose eines großen Krieges zwischen den schwächer und stärker werdenden Mächten der Welt von einem der besten Historiker über die großen Krisen des vergangenen Jahrhunderts sollte uns mahnen, eine internationale Bewegung aufzubauen, damit es dazu nicht kommt! Hobsbawn: „Tja, ich könnte nun fragen, warum hält der Mensch an einem System fest, das regelmäßig die fürchterlichsten Katastrophen produziert? Das die Umwelt ausbeutet und zerstört, den Ast also absägt, auf dem er sitzt? Und jetzt brechen und knacken überall die Äste. Sehen Sie, materiell hat sich die Welt für sehr viele Menschen verbessert. Man ist größer, lebt länger, man ist gesünder. Aber geistig, politisch, moralisch – da kommt der Mensch nicht hinterher, vielleicht entwickelt er sich sogar im Augenblick noch weiter zurück. Was sind die Werte des Lebens? Warum leben wir?“

Eric Hobsbawm„Es wird Blut fließen, viel Blut“

13.05.2009, 13:01 Uhr

Sozialhistoriker und Philosoph Eric Hobsbawm, 92. „Was Shakespeare für die Darstellung der menschlichen Seele getan hat, das ist dem Historiker Hobsbawm bezüglich der Universalgeschichte gelungen“, so die „Süddeutsche Zeitung“
Billionen Euro und Dollar setzen die Politiker gegen die Wirtschaftskrise ein. Wissen sie, was sie da tun? Nein, sagt Eric Hobsbawm, einer der wichtigsten Historiker der Gegenwart. Schlimmer noch als die Große Depression, die er vor 80 Jahren in Berlin miterlebte, sei der Zusammenbruch heute. Er hat Angst, dass der Kapitalismus sich über eine fürchterliche Katastrophe rettet.

Herr Hobsbawm, Sie haben das Verschwinden von vielen Systemen erlebt: den Untergang der Weimarer Republik, die Zerschlagung des Faschismus, das Absterben der DDR, den Kollaps des Kommunismus und nun …

Wenn Sie das so aufzählen, merke ich, dass ich fast so etwas wie ein Museumsobjekt bin. Als ich ein Kind war, war der König von England auch noch der Kaiser von Indien, die Welt bestand zum großen Teil aus Monarchien, Kaiser- und Kolonialreichen. Und fast alle sind flöten gegangen.

Und nun erleben Sie vielleicht auch noch das: das Ende des Kapitalismus.

Nein, ich glaube nicht, dass ich dieses Ende, über das ich mich freuen würde, noch erlebe. Als Historiker weiß ich aber, dass es keine Dauerlösungen gibt. Auch der Kapitalismus, egal, wie zäh er ist und wie sehr er auch in den Köpfen der Menschen als etwas Unabänderliches erscheint, er wird verschwinden, früher oder später.

Klar, dass Sie das so sehen müssen.

Wieso denn?

Sie als alter Marxist, der hier in London in Rufweite vom Grab von Karl Marx lebt.

Spotten Sie nicht. Dass ich Marxist geworden bin, liegt an meinen persönlichen Erfahrungen in den 30er Jahren, in der Großen Depression.

Sie lebten damals in Berlin, Sie wissen also, was das heißt: Krise.

Ich habe als junger Mensch zwischen Schule und Straßenkämpfen mitbekommen, was es bedeutet, wenn Arbeitslosigkeit sich durch die Gesellschaft frisst. Das ist wie eine alles zersetzende Krankheit. Die Angst kroch in das Bürgertum. Mir war damals klar, dass wir auf der „Titanic“ sind und dass wir bald den Eisberg rammen würden. Das einzig Ungewisse war, was passieren würde, wenn es so weit ist. Wer würde ein neues Schiff bereitstellen?

Sie wussten, dass ein System zu Ende gehen würde?

Ja. Ich lebte in einer Welt, an deren Fortbestand keiner mehr glaubte. Eigentlich war ich literarisch interessiert, ein Schöngeist eben. Aber das war unmöglich 1931/32 in Berlin, man wurde politisiert, ich wurde Mitglied des Sozialistischen Schülerbunds. Die Krise war wie ein Vulkan, der politische Eruptionen hervorrief. Vor der letzten Reichstagswahl habe ich noch Flugblätter verteilt, es war gefährlich, aber für mich als Jugendlichen war da auch so ein Element von Indianerspielen, wie bei Karl May, dabei. Am 25. Januar 1933 organisierte die KPD ihre letzte legale Demonstration, einen Massenmarsch durch die dämmrigen Straßen Berlins zum Karl-Liebknecht-Haus. Wir sangen Lieder wie „Der kleine Trompeter“, auch ein Lied über die Bauernkriege, „Wir sind des Geyers schwarzer Haufen“, die „Internationale“, es war da ein kollektives Hochgefühl, Massenekstase trotz Zukunftsangst.

Als Hitler an die Macht kam, da …

Als er am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, es war ein kalter Tag, auf dem Heimweg von der Schule mit meiner Schwester las ich die Schlagzeilen, ich kann sie immer noch, wie im Traum, vor mir sehen. Ja, ich habe es gespürt: Das ist ein historischer Wendepunkt.

Und jetzt? Stehen wir wieder an einem Wendepunkt?

Ich denke, ja. Der 15. September 2008, der Tag, an dem die Lehman-Bank zusammenbrach, wird den Lauf der Geschichte mehr verändern als der 11. September 2001, als die Türme des World Trade Centers zusammenbrachen.

Riskieren Sie doch mal einen Blick in die Zukunft.

Wir Historiker sind keine Propheten. Ich kann nur sagen: Wir kommen wohl noch nicht an den Jüngsten Tag. Aber Teile der Welt können untergehen.

Warum bloß?

Zunächst mal: Mir, der ich die Große Depression miterlebt habe, fällt es immer noch unfassbar schwer zu verstehen, wieso die Ideologen der entfesselten Marktwirtschaft, deren Vorgänger schon einmal so eine fürchterliche Katastrophe, also Armut, Elend, Arbeitslosigkeit, letztendlich auch den Weltkrieg mitverursacht haben, in den späten Siebzigern, den 80er, 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder das Sagen haben konnten.

Warum? Wie erklären Sie sich das?

Der Mensch hat ein unglaublich kurzes Gedächtnis. Wir Historiker schreiben die Verbrechen und den Wahnsinn der Menschheit auf, wir erinnern an das, was viele Menschen vergessen wollen. Aber fast nichts wird aus der Geschichte gelernt. Das rächt sich nun. In den letzten 30, 40 Jahren wurde eine rationale Analyse des Kapitalismus systematisch verweigert.

Wir haben jede Menge Wirtschaftswissenschaftler, Experten, die den ganzen Tag nichts anderes tun.

Wir haben vor allem Theologen des Marktes mit einem kindlichkindischen Glauben, dass der Markt alles von allein regeln wird. Sie verschließen die Augen vor der Wirklichkeit, das macht sie so gefährlich für die Menschheit. In den vergangenen Jahren weigerten sie sich einfach, die Krisen, die sich immer mehr aufbauten, überhaupt wahrzunehmen. Verblendete. Ignoranten.

Manche in den USA sprachen – ganz euphorisiert – vom Ende der Geschichte. Gab es denn gar keinen Grund für diesen Optimismus?

Nein. 40 Prozent der Weltbevölkerung leben von einem Dollar am Tag. Das ist doch keine Basis für eine stabile Gesellschaftsordnung. Von wegen Ende der Geschichte. Die Krisen wurden am Rand immer größer und immer dramatischer. Bei uns im Zentrum kamen sie gelegentlich als Börsenkräche an, die bald wieder repariert waren, das Spiel konnte weitergehen.

Das Spiel ist aus.

Ja, das kann man wohl so sagen. Diese Krise hat eine völlig neue Qualität. Das Einzige, an dem sich die Politiker ein wenig orientieren können, ist die Zeit zwischen 1929 und 1933.

Nun haben wir, sagt die „New York Times“, sogar eine Krise, die womöglich dramatischer ist als die der Großen Depression. Und diese Depression damals sei erst durch den Weltkrieg bereinigt worden.

Roosevelts heute so gefeierter New Deal hat die Krise tatsächlich nicht beendet, er verhinderte allenfalls politische und soziale Aufstände in den USA. Niemand bekam in den 1930er Jahren die Krise wirklich in den Griff. Und heute – obwohl sich Geschichte nicht wiederholt – ist es ähnlich dramatisch wie damals, nein schlimmer: Keine Regierung weiß, was sie tun soll.

Wie bitte? US-Präsident Barack Obama pumpt Billionen Dollar in die Wirtschaft, Angela Merkel und die Bundesregierung legen milliardenschwere Konjunkturprogramme auf, auf dem G-20-Gipfel haben sie erklärt: Wir halten zusammen! Wir wissen, was wir tun!

Haben Sie das Gefühl, die wissen wirklich, was sie tun? Stecken da Konzepte, Analysen dahinter? Nein, aufgeschreckt wie Krankenschwestern eilen die Politiker ans Bett des Kapitalismus und tun so, als ob sie etwas täten.

Sie wissen nicht, wohin sie gehen?

Ja, und das macht die Sache so schrecklich ungemütlich: Sie wissen einfach nicht, was sie tun sollen! Was wir im Augenblick erleben, ist ja etwas, was es nach der radikalen Moraltheologie des Marktes gar nicht geben kann und darf, es ist also etwas, was das Denkvermögen der Akteure sprengt. Wie ein blinder Mann, der durch ein Labyrinth zu gehen versucht, klopfen sie mit verschiedenen Stöcken die Wände ab, ganz verzweifelt, und sie hoffen, dass sie so irgendwann den Ausgang finden. Aber ihre Werkzeuge funktionieren nicht.

Der frühere französische Premierminister Laurent Fabius fürchtet „soziale Revolten“, und die, meint die SPD-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan, könnten zu einer Gefahr für die Demokratie werden.

Alles ist möglich. Inflation, Deflation, Hyperinflation. Wie reagieren die Menschen, wenn alle Sicherheiten verschwinden, sie aus ihrem Leben hinausgeworfen, ihre Lebensentwürfe brutal zerstört werden? Meine geschichtliche Erfahrung sagt mir, dass wir uns – ich kann das nicht ausschließen – auf eine Tragödie zubewegen. Es wird Blut fließen, mehr als das, viel Blut, das Leid der Menschen wird zunehmen, auch die Zahl der Flüchtlinge. Und noch etwas möchte ich nicht ausschließen: einen Krieg, der dann zum Weltkrieg werden würde – zwischen den USA und China.

Das ist doch Unsinn.

Nein.

Okay, das ist doch einfach absurd, dieser Gedanke!

Nein. Im Augenblick, das gebe ich gern zu, erscheint dieses Szenario sehr unwahrscheinlich. Im Augenblick scheinen sich China und die USA zu ergänzen, ja sich sogar zu stützen, sie erscheinen geradezu komplementär. Doch im pazifischen wie im asiatischen Raum wird ihr Konkurrenzkampf immer härter. Es gibt keine Basis für eine dauerhafte Freundschaft zwischen diesen beiden Großmächten.

Eric Hobsbawm in seiner Londoner Wohnung

Hören Sie doch bitte auf mit Ihrem Pessimismus!

Ob es Ihnen passt oder nicht: Es gibt wenig Grund, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken! Im 19. Jahrhundert glaubten die Menschen, es gehe stets aufwärts, vorwärts, man werde zivilisierter, man werde gebildeter. Die Leute lernten lesen, schreiben, sie glaubten, es gehe nicht nur materiell, sondern gleichzeitig auch moralisch voran. Man konnte optimistisch sein.

Aber dann kam 1914.

Und da hört das alles auf. Ein schreckliches, ein extremes Zeitalter beginnt: Mehr Menschen als jemals zuvor wurden im 20. Jahrhundert in Kriegen oder auf Weisung und mit staatlicher Erlaubnis ermordet. Die Folter, die im Westen offiziell abgeschafft worden war – ein dramatischer Fortschritt in der Menschheitsgeschichte -, sie kam zurück! Und wurde am Anfang des neuen Jahrtausends durch die USA wieder zu einem staatlichen Mittel der Befragung! Die Barbarei schreitet voran. Anerkannte Werte der Zivilisation werden plötzlich wieder aberkannt.

So wie Sie reden, kann man nur sagen: Der Mensch ist blöd.

Sehen Sie, materiell hat sich die Welt für sehr viele Menschen verbessert. Man ist größer, lebt länger, man ist gesünder. Aber geistig, politisch, moralisch – da kommt der Mensch nicht hinterher, vielleicht entwickelt er sich sogar im Augenblick noch weiter zurück. Was sind die Werte des Lebens? Warum leben wir? Wozu?

Was ist Ihre Antwort?

Tja, ich könnte nun fragen, warum hält der Mensch an einem System fest, das regelmäßig die fürchterlichsten Katastrophen produziert? Das die Umwelt ausbeutet und zerstört, den Ast also absägt, auf dem er sitzt? Und jetzt brechen und knacken überall die Äste. Vielleicht wird die Menschheit noch bedauern, dass sie nicht auf Rosa Luxemburg gehört hat: Sozialismus oder Barbarei.

Ich bitte Sie: Es waren Ihre politischen Freunde, die Erben Lenins, die den Gegenentwurf zum Kapitalismus zertrümmert, den Gedanken an die Utopie zerstört haben.

Ja, das stimmt. Und das rächt sich nun. Denn nun, wo wir es wirklich brauchten, gibt es kein Gegenprojekt für die Menschheit! Das ist fatal.

„Unverantwortliche Banker“, sagt die Kanzlerin, „hemmungslose Gier“, erklärt der Bundespräsident, hätten die Grundlagen des Gemeinwesens verzockt. Mich erinnert das an mittelalterliche Deutungsversuche. Gab es früher eine Dürre, hieß es: Wir haben gesündigt, Gott straft uns dafür. Und nun soll wieder eine Todsünde, Gier, schuldig am Schlamassel sein – der strafende Gott ist nun der strafende Markt!

Die Politiker müssen so reden, sie können ja wohl schlecht zugeben, dass nicht der einzelne Mensch, sondern das System an sich falsch ist. Der Markt ist nicht moralisch. Die reine Marktwirtschaft ist auf Habgier aufgebaut – und auf sonst gar nichts, das ist das System.

Vielleicht ist es einfach so: Der Mensch ist habgierig – fertig, aus, Nikolaus.

Nein. Nein. Auch Karl Marx hat ja nie gegen gierige Kapitalisten argumentiert, er war gegen ein System, das notwendigerweise Habgier schafft. Der Mensch, mein fester Glaube, kann anders sein. Aber im Kapitalismus sucht jeder seinen Vorteil, jeder ist dazu verdammt, sonst geht er unter.

Die Banker, sagen Sie, haben also nichts übertrieben?

Sie haben sich absolut systemimmanent verhalten. Profit. Gewinn. Maximales Wirtschaftswachstum. Die marktradikalen Theorien sind ja wunderbar – wenn man von der Wirklichkeit absieht. Man konstruiert sich ein System, nennt es Freiheit, und in der Theorie funktioniert es: Jedermann, jeder Mensch, jede Firma sucht für sich den Vorteil, den rational kalkulierbaren Vorteil, und der Markt, jenseits des menschlichen Urteils, regelt alles zum Guten. Eine primitive Ideologie. Das Wissen von Leuten jedoch, die den Kapitalismus analysiert und verstanden hatten, wurde dagegen verspottet und vergessen: Leute wie Marx und Schumpeter wussten, dass der Kapitalismus etwas Instabiles ist, dass er sich entwickelt und revolutionär voranschreitet, aber auch zwangsläufig zusammenbricht, dass er stets anfällig ist für Krisen von unterschiedlicher Dauer und bisweilen großer Heftigkeit.

Und nun rufen selbst die ungestümsten Freunde der Marktwirtschaft nach dem Staat.

Ja, das ist doch eine nette Ironie der Geschichte.

Und Sie freuen sich, recht zu haben.

Ich empfinde eine gewisse Schadenfreude, ja.

Ähnlich empfand Karl Marx 1857 in einer Krise, er amüsierte sich: „Dass die Kapitalisten nun überall von den Regierungen öffentliche Unterstützung verlangen, ist schön.“

Ja, und sie glauben auch nun, dass nach einer kurzen Zeit des staatlichen Eingriffes alles wieder zum Alten zurückkehren werde. Aber das wird nicht passieren.

Warum denn nicht?

Es ist ganz einfach: Entweder hören wir mit der Ideologie des grenzenlosen Wachstums auf, oder es passiert eine schreckliche Katastrophe. Entweder wandelt sich die Gesellschaft, scheitert aber dieser Versuch, dann kommt die Finsternis. Heute geht es um das Überleben der Menschheit.

Sie mögen es dramatisch.

Nein. Die Menschheit kann nicht zum Laisser-faire-Kapitalismus der letzten Jahrzehnte zurückkehren. Die Zukunft kann keine Fortsetzung der Vergangenheit oder auch der Gegenwart sein. Die Lösung liegt in der richtigen Kombination aus Markt und Staat.

Das könnte auch der Marktradikale Guido Westerwelle sagen, genau so!

Nein. Es kann so nicht weitergehen. Wir werden Gesellschaften bekommen müssen, in denen der Staat wieder eine größere Rolle, eine viel größere Rolle spielt.

Und das ist alles?

Anders geht es im Moment nicht, oder soll ich auf die große Revolution hoffen? Nein, die Zeit drängt. Die Welt riskiert im Augenblick eine Explosion wie eine Implosion. Sie muss sich also ändern.

Aber danach sieht es nicht aus: Mit der Abwrackprämie etwa hier in Deutschland wird die Wegwerfgesellschaft sogar noch staatlich subventioniert.

Die Politiker sind Gefangene des alten Denkens, das ist beängstigend. Womöglich kann sich der Kapitalismus tatsächlich nur durch eine Riesenkatastrophe retten, wie es Schumpeter nennen würde, durch eine „kreative Zerstörung“. Ich möchte das nicht, aber sehen Sie, die Schäden und Zerstörungen nach dem Zweiten Weltkrieg waren ein ungeheurer Ansporn zum Aufbau.

Sie sind ein Apokalyptiker.

Ich stelle nur fest: Keiner kann wissen, wie wir aus der Krise kommen, denn so etwas wie heute hat es noch nie gegeben. Und noch etwas kommt hinzu: Die Weltwirtschaft verschiebt sich vom Westen, ihrem historischen Zentrum, in ein neues Zentrum, nach Asien – ein Vorgang, der schon in normalen Zeiten für unruhige Zustände sorgen würde.

Was mich beunruhigt: Es herrscht – angesichts der Herausforderungen – eine Dürre des Denkens, eine Art intellektuelle Wortlosigkeit.

Ja, Sie haben recht. Es fehlen heute Leute und Denker wie Keynes, der in den Dreißigern so weitsichtig war, dass es ihm gelang, den Kapitalismus zu bändigen. Er wollte den Kapitalismus nicht überwinden, er wollte ihn stabilisieren, er wollte ihn retten. Er sagte ganz offen: „Meine Klasse ist das gebildete Bürgertum, und ich möchte eine Welt, in der es Leuten wie mir gut geht. Aber das heißt, es muss den anderen auch gut gehen.“

Also: Was ist zu tun?

Ich sehe nur einen Weg aus dem Dilemma, der aber setzt eine fundamentale Bewusstseinsveränderung voraus, er ist ein internationales, ein Riesenprojekt: die Welt gegen die Umweltgefahr sicherer machen. Das würde helfen, die Wirtschaft anzukurbeln, aber es wäre auch ein Projekt, das man gegen die Marktkräfte durchsetzen müsste.

Mein Gott, für einen alten Marxisten hören Sie sich sehr bescheiden an!

Ja. Ich bin nun 92 Jahre alt, lebe von einem Tag auf den anderen, aber meine Utopie ist schon noch die vom alten Marx, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, „also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Irgendwo in meinem Innern schlummert noch immer der Traum der Oktoberrevolution.

„Alle Revolutionen“, sagte aber Ihr Marx, „haben bisher nur eins bewiesen, nämlich dass sich vieles ändern lässt, bloß nicht die Menschen.“

Das stimmt. Aber eine große Sache ist es dennoch, dieses Prinzip Hoffnung. Auch wenn die ideale Gesellschaft, wie Max Weber glaubte, jenseits unserer Möglichkeiten liegt, ist nichts Ernsthaftes in der Politik zu erreichen, wenn man nicht an sie glaubt. Der Mensch hat die Anlagen zum Guten wie zum Schlechten – und wie er sich benimmt, das kann man wohl ändern! Dass unsere Welt, immer noch oder endlich mal Heimat für alle werden kann – das ist doch ein schönes Ziel!

Interview: Arno Luik

http://mobil.stern.de/wirtschaft/news/maerkte/eric-hobsbawm-es-wird-blut-fliessen-viel-blut-700669.html?mobil=1

Der Historiker des „Zeitalters der Extreme“, so der Titel seines erfolgreichsten Buches, ist tot: Am 1. Oktober 2012 starb Eric Jonathan Hobsbawm in London, im hohen Alter von 95 Jahren. Der große Historiker und Schriftsteller hat nicht nur eine Vielzahl an Büchern zur europäischen Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts hinterlassen. Er hat auch in seinen Lebenserinnerungen – „Interesting Times“ im englischen Original, „Gefährliche Zeiten“ in der deutschen Titelübersetzung – sein Saeculum aus persönlicher Sicht beschrieben. Mit diesen Lebenserinnerungen legte er Rechenschaft über sein politisches Denken und seine wissenschaftliche Arbeit ab. Dieses Buch, so Hobsbawm, war gewissermaßen „die B-Seite von Das Zeitalter der Extreme: nicht Weltgeschichte, veranschaulicht durch die Erfahrungen eines einzelnen, sondern Weltgeschichte, die diese Erfahrung formt oder vielmehr eine wechselnde, aber stets begrenzte Anzahl von Wahlmöglichkeiten anbietet, aus denen, um ein Wort von Marx zu gebrauchen, ‚die Menschen […] ihre eigene Geschichte machen, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen‘.“[1]

Dies waren die Umstände von Eric Hobsbawms Kindheit und Jugend: Er wurde am 9. Juni 1917 in Alexandria als Sohn eines Engländers und einer Österreicherin geboren und wuchs zweisprachig in Wien und Berlin im unteren Mittelstand, aber in einer transnationalen Welt auf. Das Trauma von verlorenem Krieg und Zusammenbruch der Monarchien, von Revolution und Inflation, von nur halb geglückter Demokratisierung und politischer Polarisierung prägte das Leben seiner Umwelt in beiden Großstädten. Hobsbawms Umwelt, das war vor allem seine weitverzweigte jüdische Verwandtschaft, die ihm nach dem allzu frühen Tod beider Eltern Halt bot, das war aber auch die Welt der Kultur und die Politik, die den Gymnasiasten ergriff und nie mehr losließ. Hobsbawms Rückblick blieb stets frei von jeder Nostalgie auf die verschwundene Welt des Mitteleuropa der Kaiserreiche, deren Geist auch in der Zwischenkriegsepoche noch spürbar war.

Die großen sozialen Gegensätze, der Nationalismus und Antisemitismus bewogen den jungen Hobsbawm, sich auf die Seite der Linken zu schlagen, die aber selbst zutiefst uneinig war. „Die englische Staatsbürgerschaft immunisierte mich wahrscheinlich und zum Glück auch gegen die Verlockungen eines jüdischen Nationalismus, wenngleich der Zionismus unter der mitteleuropäischen Jugend im allgemeinen mit gemäßigten oder revolutionären sozialistischen Auffassungen Hand in Hand ging“, so Hobsbawm.[2] Am Berliner Prinz-Heinrichs-Gymnasium, an dem er die dramatische Endphase der Weimarer Republik erlebte, herrschte ein konservativer Geist, wenngleich der Nazismus nicht dominierte. Es war somit keineswegs ausgemacht, daß Hobsbawm Anschluß an das Milieu der KPD finden würde. Dass dies geschah, war dem beharrlichen Werben eines etwas älteren Jungkommunisten geschuldet, der wie Hobsbawm Familienangehörige in England hatte. Rudolf Leder wurde später unter seinem Schriftstellernamen Stephan Hermlin berühmt.

Obwohl Hobsbawm durch seinen britischen Paß nach der Errichtung des Hitler-Regimes geschützt war, ging er mit seinen Verwandten, deren wirtschaftliche Existenz durch den antijüdischen Boykott zerstört wurde, nach England. Hobsbawm konnte aber Berlin nicht vergessen, und sein Tagebuch führte er weiterhin auf Deutsch. Doch wurde er zunehmend „britischer“, und die Erfahrungen des Wechsels von einer Welt in die andere sollte sich für seine Geschichtsschreibung, in der die vergleichende Perspektive so prägnant ist, als ungemein nützlich erweisen.

Eric Hobsbawm bestand leicht (auch dank der guten britischen wie kontinentalen Gymnasialbildung) die Begabtenprüfung für die Zulassung zur Universität. 1936 nahm er am King’s College in Cambridge das Studium der Geschichte auf. Die Universität Cambridge sah ihre Aufgabe zumindest in den Geisteswissenschaften nicht darin, Fachgelehrte auszubilden, sondern die Mitglieder einer herrschenden Klasse zu formen, wie Hobsbawm ein um das andere Mal betonte. Die Professoren, die Dons, gehörten meistens zur liberalen Mitte, doch gab es, vor allem unter den Naturwissenschaftlern, auch eine starke linke „Fraktion“.

Den Zweiten Weltkrieg erlebte Hobsbawm in den rückwärtigen Diensten; so half er lange Zeit, Befestigungsanlagen gegen eine vermutete deutsche Invasion Englands anzulegen. Der in Deutschland und Österreich Aufgewachsene blieb trotz seines bald akzentfreien Englisch und trotz des britischen Passes den Dienststellen oft suspekt. Doch wurde er nach Kriegsende in Deutschland als britischer Armeeangehöriger eingesetzt, um gefangene Deutsche zu vernehmen – darunter seinen späteren Kollegen, den Bielefelder Sozialhistoriker Reinhart Koselleck. Er war in engem Kontakt mit Exilanten aus Mitteleuropa, von denen einige, wie der Dichter Erich Fried und besonders der Maler Georg Eisler, Sohn des Komponisten Hanns Eisler, seine Freunde wurden.

Nach dem Krieg begann Hobsbawms Weg als Historiker. Die ursprünglich geplante Arbeit zur Sozialgeschichte Französisch-Nordafrikas gab er bald zugunsten einer Forschungsarbeit über die Fabian Society und ihre Wirkungsgeschichte auf. Doch nach der 1950 in Cambridge erfolgten Promotion gestaltete sich die akademische Laufbahn zunächst schwierig. Grund war Hobsbawms Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei. Der Bruch Stalins mit Tito und die Vernichtung der Demokratie in Osteuropa konnten Hobsbawm nicht dazu bringen, die Partei zu verlassen. Er vermochte sich, und dies war typisch für das kommunistische Denken der Zeit, keinen gesellschaftlichen Fortschritt in Frontstellung zur Sowjetunion vorzustellen. So fand er zunächst keine und dann nur schlecht bezahlte Lehraufträge am King’s College in Cambridge und am Birkbeck College in London. Die letztgenannte Hochschule wurde schließlich jedoch sein dauerhaftes wissenschaftliches Heim. Bis es soweit war, verspürte er schmerzhaft den Ausschluss von Kommunisten aus der intellektuellen Gemeinschaft am eigenen Leib – gerade Linksliberale behaupteten nun immer wieder, ein Kommunist könne nichts anderes sein als ein Agent Moskaus.

Hobsbawms Arbeit als Historiker begann mit einer Quellensammlung zur Vorgeschichte der Labour Party („Labour’s Turning Point“, 1948) und seiner Dissertation über die Entstehung derFabian Society („Fabianism and the Fabians“, 1950). Seinen Lebensunterhalt verdiente er zunächst – neben einer schlecht bezahlten Tutoren-Stelle – als Jazzkritiker. Unter dem Pseudonym Francis Newton (das er sich von Billie Holidays kommunistischen Trompeter Frank Newton ‚ausborgte’) schrieb er zahlreiche Kritiken vor allem für den New Statesman, von denen einige in seinen Büchern The Jazz Scene (1989) und Uncommon People. Resistance, Rebellion and Jazz (1998) gesammelt sind. Seine Bücher zum Sozialrebellentum („Primitive Rebels“, 1959, dt. 1962; „The Bandits“, 1969) wuren gelobt. Es folgten Darstellungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung („Labouring Men“, 1964), zur industriellen Revolution („Industry and Empire“, 1968), aber später auch zur Wirkung der Französischen Revolution („Echoes of the Marseillaise“, 1990).

Nach Jahren der Ungewißheit hatte Hobsbawm jenes Glück, das ein Wissenschaftler in einer Außenseiterposition unbedingt braucht: Der Verleger George Weidenfeld beauftragte ihn Ende der fünfziger Jahre, einen Band über das Zeitalter der Revolutionen 1789 bis 1848 zu schreiben. Das Buch erschien 1962 im großen Publikumsverlag Weidenfeld & Nicholson und machte seinen Verfasser schlagartig bekannt, nach den Übersetzungen auch im Ausland. Endlich hatte er auch eine Festanstellung am Birkbeck College, aber Hobsbawm mußte 54 Jahre alt werden, bevor er den Titel eines Professors erhielt. Sein Leben war auch ein Beispiel dafür, wie ein Wissenschaftler seiner politischen Überzeugung treu bleibt und sich aus seiner beruflichen Bahn dennoch nicht hinausschleudern läßt. Zum Fleiß und Beharrungsvermögen trat freilich eine große Begabung als Forscher, Lehrer und Schriftsteller.

Blauäuig war Hobsbawm dabei nicht. Die Defizite in den sich sozialistisch nennenden Ländern nahm er durchaus wahr. Allerdings bedurfte es der moralischen Erschütterung durch Chruschtschows „Geheimrede“ auf dem 20. KPdSU-Parteitag im Februar 1956, um sich vom Kommunismus als säkularem Glauben zu lösen. Erst hier begann wirklich die Verwandlung des Eric Hobsbawm von einem, zugegebenermaßen denkendem Parteisoldaten, zu einem kritischen Marxisten. Doch im Unterschied zu E. P. Thompson, Christopher Hill, Ralph Miliband, Rodney Hilton oder John Saville blieb Hobsbawm KP-Mitglied. Die Mitgliedschaft in der Partei bedeutete aber nunmehr für ihn nicht mehr das, was sie seit 1933 bedeutet hatte. „In der Praxis mauserte ich mich von einem Parteisoldaten zu einem Sympathisanten, oder, anders ausgedrückt, von einem faktischen Mitglied der KP Großbritanniens im Geiste zu einem Mitglied der KP Italiens. Sie entsprach meiner Vorstellung von Kommunismus weit mehr.“[3] An anderer Stelle sagte er: „Dass ich nicht aus der KP austrat, hatte auch mit einem gewissen Stolz zu tun. Ich dachte: Wenn ich es zu etwas bringe, werde ich es trotz meiner Mitgliedschaft in der KP zu etwas bringen. Ich verteidige das nicht. Etwas anderes hingegen möchte ich verteidigen: Ich habe viele Leute gekannt, die ihr Leben für die kommunistische Sache aufs Spiel gesetzt haben.“[4] Darunter befanden sich vor allem italienische Resistenza-Kämpfer. Von den Ländern des sowjetischen Machtbereiches war Hobsbawm die DDR am vertrautesten, hier hatte er auch Freunde wie Jürgen Kuczynski, Fritz Klein und Siegfried Bünger, mit denen er fachlich und politisch zusammenarbeitete. Den DDR-Historiker Wolfgang Ruge kannte er seit seiner Jugend, als beide im KPD-nahen Sozialistischen Schülerbund aktiv waren.

In langen und überaus fruchtbaren Arbeitsjahren als Historiker, in zahlreichen Reisen insbesondere in die romanischen Länder wuchs Hobsbawm auch in deren Sprachen und Kulturen hinein. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er besonders durch die meisterhafte Trilogie über die Welt des ‚langen’ 19. Jahrhunderts, die er unter formationstypischen und entwicklungsgeschichtlichen Aspekten als das von 1789 bis 1914 reichende Jahrhundert der bürgerlichen Revolution, des Kapitalismus und Imperialismus ansah. Die Bücher „The Age of Revolution 1789-1848“ (1962), „The Age of Capital 1848-1875“ (1975) und „The Age of Empire 1875-1914“ (1987) wurden in zahlreiche Sprachen, darunter ins Deutsche, übersetzt.

Hobsbawms Buch „The Age of Extremes 1914-1991“ (1994) aber gilt als sein bedeutendstes Werk. Es beginnt mit dem Ersten Weltkrieg und endet mit dem Untergang der UdSSR. Zahlreiche Rezensenten würdigten Hobsbawms Zusammenschau, in die nicht nur eine umfassende Quellen- , sondern auch eine ebensolche Weltkenntnis eingeflossen sei. Ungeachtet seiner scharfen Kritik an der Sowjetunion sah er in ihr ein Gegengewicht zu den USA, das die Reichen und bisherigen Weltbeherrscher aus Angst nötigte, die Bedürfnisse der Armen zur Kenntnis zu nehmen. Die teilweise Zerstörung des Sozialstaates nach 1991 war für Hobsbawm die hauptsächliche Wirkung des Entfalls dieser Angst. Seine Studenten in England und den USA forderte er immer wieder auf, den Marxismus kritisch zu studieren, um die Geschichte zu verstehen. Die marxistische Methode wie die Einsicht in die Brüche der Geschichte würden auch helfen, „die sich verdüsternden Aussichten, die das 21. Jahrhundert bietet, zu verstehen, … mit dem nötigen Schuss an Pessimismus.“[5] Das Studium des Marxismus könne Einsichten erzeugen oder sie vertiefen, führe aber nicht zu letzten Gewissheiten. Marx und Engels hätten, so Hobsbawm, gezeigt, dass angesichts der Expansion der Weltwirtschaft an Stelle der privaten Verfügung über die Produktionsmittel „eine gesellschaftliche Verfügung im Weltmaßstab“ treten müsse. Eine „post-kapitalistische“ Gesellschaft werde aber wohl mit allen traditionellen Modellen des Sozialismus kaum etwas zu tun haben. „Welche Formen sie annehmen und wieweit sie die humanistischen Wertvorstellungen des von Marx und Engels vertretenen Kommunismus verkörpern könnte, wäre abhängig von der politischen Aktion, die diesen Wandel herbeiführen würde.“ In diesem, und nur in diesem Sinn sei Rosa Luxemburgs Diktum „Sozialismus oder Barbarei“ noch immer gültig.[6]

Hobsbawms große Bedeutung als Sozialhistoriker lag und liegt in seiner gegenüber dem traditionellen Marxismus weitaus flexibleren Interpretation der geschichtlichen Wirklichkeit begründet. Er löste sich vom starren Klassenparadigma und von der überkommenen formationstheoretischen Sichtweise, wie sie seit der Zweiten Internationale das marxistische Gesellschaftsdenken dominierten. Es gelang ihm, andere als nur die bislang bekannten Formen gesellschaftlicher Auseinandersetzungen sichtbar zu machen. Im Typus des „Sozialrebellen“ sah Hobsbawm einen in der plebejischen Kultur verwurzelten, seine Klassenlage nicht notwendigerweise reflektierenden, die herrschenden Denk- und Ausbeutungsmechanismen dennoch herausfordernden historischen Akteur. Symbole und Riten, die „Erfindung von Traditionen“ und verschiedene Formen der Überwindung von Konventionen – all diese Fragen standen im Zentrum einer undogmatischen, dennoch dem Anliegen der Unterdrückten und Entrechteten immer verpflichteten Historiographie. Eric Hobsbawms Name bleibt mit einer kulturgeschichtlichen Spurensuche der Besiegten dauerhaft verbunden.

„Über achtzig Jahre lang im 20. Jahrhundert zu leben, war eine natürliche Lektion in der Veränderlichkeit von politischer Macht, von Imperien und Institutionen. Ich habe das völlige Verschwinden der europäischen Kolonialreiche gesehen, nicht zuletzt des größten von allen, des britischen Empires, das nie größer und mächtiger war als in meiner Kindheit, als es die Strategie einführte, in Regionen wie Kurdistan oder Afghanistan durch Bombenabwürfe für Ordnung zu sorgen. Ich habe gesehen, wie große Weltmächte in die unteren Ränge verwiesen wurden, und auch das Ende eines Deutschen Reiches, das tausend Jahre, und einer revolutionären Macht, die ewig währen sollte. Ich werde das Ende des ‚amerikanischen Jahrhunderts‘ wohl nicht mehr erleben, aber man kann ganz sicher sein, daß einige der Leser dieses Buches es erleben werden.“ Der Historiker solle jedoch nicht rein kontemplativ über das Werden und Vergehen sinnieren. „Soziale Ungerechtigkeit muss immer noch angeprangert und bekämpft werden. Von selbst wird die Welt nicht besser.“[7]

 


[1] Eric J. Hobsbawm, Gefährliche Zeiten. Ein Leben im 20. Jahrhundert, München/Wien 2003, S. 11f.
[2] Ebenda, S. 41.
[3]Ebenda, S. 251.
[4] Eric Hobsbawm in Interview mit Daniel Haufler, abgedruckt in: Freitag vom 6. Juni 1997.
[5] So Eric Hobsbawm in Interview mit Paul Laity, abgedruckt in: The Guardian vom 1. September 2007.
[6] Eric J. Hobsbawm, Das Kommunistische Manifest, in: Das Manifest – heute. 150 Jahre Kapitalismuskritik, 2. Aufl., Hamburg 2000, S. 26f.
[7] Hobsbawm, Gefährliche Zeiten, S. 471.

Eric Hobsbawm

Der 94-jährige Eric Hobsbawm beim Literaturfestival im walisischenBücherdorf Hay-on-Wye, Mai 2011

Eric John Ernest Hobsbawm (CH; * 9. Juni 1917 in Alexandria, Sultanat von Ägypten; † 1. Oktober 2012 in London) war ein britischer, marxistisch orientierter und weltweit renommierter Universalhistoriker mit sozial– undwirtschaftshistorischen Schwerpunkten. Besonders bekannt ist er für sein vierbändiges Werk über die Geschichte des „langen 19. Jahrhunderts“ und des „kurzen 20. Jahrhunderts“ sowie mit Überlegungen zu erfundener Tradition und Studien über die Arbeiterbewegung.

Leben[Bearbeiten]

Familiärer Hintergrund und Geburt in Alexandria[Bearbeiten]

Eric Hobsbawm entstammte einem jüdischen Elternhaus. Er war Sohn des britischen Kolonialbeamten Percy Hobsbaum und der Wiener Kaufmannstochter Nelly Grün. Die Großeltern, David und Rose Obstbaum, geboren in den 1840er Jahren, waren aus Warschau nach England eingewandert, wobei der Familienname mit H[1] als Hobsbaum[2] niedergeschrieben wurde. Die Hochzeit der Eltern fand, da das Paar im Ersten Weltkrieg gegnerischen Kriegsparteien angehörte, im britischen Konsulat in Zürich statt, mit Genehmigung des britischen Außenministers Sir Edward Grey. Da das Ehepaar in keinem der kriegführenden Länder leben konnte, reisten die Hobsbaums nach Alexandria, wo sie sich 1913 kennengelernt hatten.

Nach der Geburt von Eric wurde im dortigen britischen Konsulat sowohl der Geburtstag als auch der Nachname[3] falsch aufgezeichnet – als Hobsbawm.

Kindheit und Jugend in Wien und Berlin[Bearbeiten]

Nach Kriegsende zog die junge Familie, die sich trotz des Fehlers im Konsulat[4] weiterhin Hobsbaum schrieb, nach Wien, wo Eric Hobsbawm seine Kindheit in der Villa Seutter verbrachte und die Volksschule besuchte. Im Alter von etwa zehn Jahren nahm er erstmals bewusst Politik wahr, er erinnerte sich besonders an den Wiener Justizpalastbrand sowie ein Gespräch zweier Damen über Leo Trotzki.

Nach dem frühen Tod seines Vaters nach einem Herzinfarkt 1929 und seiner Mutter an Tuberkulose 1931 zog er mit seiner jüngeren Schwester Nancy für zwei Jahre zu einem Onkel nach Berlin. Diese zwei Jahre beschreibt er als den entscheidenden Abschnitt in seinem Leben.[5] Er wurde als Schüler des Schöneberger Prinz-Heinrich-Gymnasiums Mitglied des Sozialistischen Schülerbundes, einer Unterorganisation der KPD, und war an der Zeitschrift Schulkampfbeteiligt. Er begann, Marx zu lesen und wurde Kommunist. Ein einprägsamer Moment dieser Zeit war, als er 1933 auf dem Heimweg von der Schule am Bahnhof Berlin-Halensee in einer Zeitung die Schlagzeile von der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler sah.

Studium in Großbritannien, Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Der Onkel zog 1934 aus beruflichen Gründen nach Edgware in England, der 17-jährige Hobsbawm und seine Schwester mit ihm. Zu dieser Zeit hörte er erstmals Jazzmusik, die er später, wie viele andere Themen auch, literarisch behandelte. Nach dem Besuch der öffentlichen Schule studierte er mit einem Stipendium von 1936 bis 1939 am King’s College inCambridge Geschichte und wurde Mitglied der Cambridge Apostles. Er lernte zu dieser Zeit Kommunisten kennen und wurde 1936 Mitglied der Kommunistischen Partei Großbritanniens (CPGB). Er galt nach 1975 als einer der Vordenker ihres eurokommunistischen Flügels. Mitte der 30er Jahre waren er und viele seiner kommunistischen Freunde und Kollegen noch überzeugt vom baldigen Zusammenbruch des Kapitalismus.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs meldete er sich freiwillig zum Militärnachrichtendienst, wurde jedoch wegen seiner politischen Gesinnung nicht aufgenommen. Schließlich leistete er Dienst in einer Sappeurdivision. Dies war jene Zeit, in der seine tiefe Verbundenheit zur englischen Arbeiterklasse entstand. Nach Kriegsende kehrte Hobsbawm zurück nach Cambridge und entschied sich, statt der nordafrikanischen Agrarreform die Geschichte des Fabianismus zu seinem Doktoratsthema zu machen.

Wirken als Historiker[Bearbeiten]

1947 nahm Hobsbawm seine erste Lehrtätigkeit am Birkbeck College der Universität London auf. 1948 veröffentlichte er sein erstes Werk, Labour’s Turning Point, welches Dokumente aus der Zeit des Fabianismus auswertet.

Ab 1946 war Hobsbawm zudem federführend an der Communist Party Historians Group beteiligt. Ihr gehörten zahlreiche bekannte Historiker der britischen Nachkriegszeit an, unter anderem auch Christopher Hill und E. P. Thompson. Aufgrund der Haltung der kommunistischen Partei Großbritanniens zur Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes verließen viele Historiker der Gruppe 1956 die Partei. Hobsbawm kritisierte die Haltung der Partei ebenso, wie er dies später weitere Male tun sollte, blieb jedoch immer Parteimitglied. Seine Werke wurden in der Sowjetunion nicht veröffentlicht. Im in der DDR erscheinenden Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte konnte Hobsbawm wiederholt veröffentlichen, im Impressum wurde er über Jahre als „beratender Mitarbeiter“ genannt.

Sein erstes großes und bedeutendes Werk legte Hobsbawm 1959 mit Primitive Rebels vor (ähnlich 1969 Bandits, welches 1999 ergänzt in Neuausgabe erschien). 1964 erschien die Essaysammlung Labouring Men (zum selben Thema 1984 inWorlds of Labour) und 1968 das Werk Industry and Empire. Schon 1962 veröffentlichte er den ersten Teil seines zentralen vierteiligen Werks, The Age of…, nämlich The Age of Revolutions. Die weiteren drei Teile erschienen 1975 (The Age of Capital), 1987 (The Age of Empire) und 1994 (The Age of Extremes).

Gegenwartsanalysen[Bearbeiten]

Nachdem sein Ruf als Historiker gefestigt war, gewannen auch seine Überlegungen zur gegenwärtigen Lage an Bedeutung. 1978 warf er in einem Artikel (The Forward March of Labour Halted?) die Frage auf, ob sich die Arbeiterbewegung als politische Kraft auf dem Rückzug befinde und inwiefern sie noch ein revolutionäres Subjekt im klassischen Sinn darstelle, was eine lebhafte Debatte in der kommunistischen Partei auslöste. Er blieb als einer ihrer bedeutendsten Intellektuellen Mitglied, bis sich diese nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 auflöste. Während Hobsbawm in der CPGB persönlich kaum hervortrat, intervenierte er wiederholt publizistisch in die heftigen Flügelkämpfe, die in der Labour Party nach den Wahlniederlagen von 1979 und 1983 ausgetragen wurden. Bedeutung erlangten seine Stellungnahmen zugunsten der – in Abgrenzung von der hard left um Tony Benn so genannten – soft left um Neil Kinnock, als dessen „favourite Marxist“ Hobsbawm in den 80er Jahren ironisierend bezeichnet wurde. Zuletzt widmete er sich der 2007/2008 ausgebrochenen weltweiten Wirtschaftskrise, die für ihn in einer Tragödie enden könnte, wenn nicht das Verhältnis zwischen Staat und Markt neu geregelt wird.

Universitäre Karriere[Bearbeiten]

Ab 1947 war Hobsbawm an der Universität tätig, jedoch aufgrund seiner marxistischen Orientierung insbesondere anfangs Hürden ausgesetzt. Von 1971 bis zur Emeritierung 1982 hatte er an der Universität London eine Professur für Wirtschafts– und Sozialgeschichte inne. Zahlreiche Gastprofessuren führten ihn unter anderem an die Stanford University, an dasMassachusetts Institute of Technology und an die Nationale Autonome Universität von Mexiko. Ab 1984 war er Inhaber des Lehrstuhls für Politik und Gesellschaft an der New School for Social Research in New York.

Familie[Bearbeiten]

1943 heiratete Hobsbawm seine erste Ehefrau, Muriel Seaman, von der er sich 1951 scheiden ließ. Während der 1950er Jahre hatte er eine Beziehung, aus der sein erster Sohn hervorging. 1962 heiratete er Marlene Schwarz und zeugte mit ihr eine Tochter und einen Sohn. Eric Hobsbawm hinterließ seine Frau Marlene, seine drei Kinder, sieben Enkel und einen Urenkel.

Späte Jahre und Tod[Bearbeiten]

Ab den 1980er und insbesondere 1990er Jahren wurde Hobsbawm als Historiker breite Anerkennung von Politik und Wissenschaft zuteil. Tony Blair erhob ihn schließlich 1998 zum Companion of Honour, viele weitere Ehrentitel folgten. In dieser Zeit veröffentlichte er unter anderem Uncommon People (1998) und seine Autobiographie Interesting Times (2002). 2007 wurde das Buch Globalisation, Democracy and Terrorism veröffentlicht. Sein letztes veröffentlichtes Werk war ein 2011 erschienener Sammelband mit Essays, in dem die Relevanz der Marxschen Theorie betont wird (How to Change the World: Tales of Marx and Marxism).

2010 erlitt er mit 93 Jahren einen Sturz, der seine Mobilität erheblich einschränkte. Eric Hobsbawm starb am 1. Oktober 2012 im Londoner Royal Free Hospital an einer Lungenentzündung.[6] Sein Tod fand ein breites Echo in den Medien.[7]

Werk[Bearbeiten]

Hobsbawm widmete sich besonders der Epoche von 1789 bis 1914, der er eine eigene Trilogie widmete (Das lange 19. Jahrhundert):

  • The Age of Revolution: 1789–1848 (Europäische Revolutionen: 1789–1848)
  • The Age of Capital: 1848–1875 (Die Blütezeit des Kapitals. Eine Kulturgeschichte der Jahre 1848–1875)
  • The Age of Empire 1875–1914 (Das imperiale Zeitalter 1875–1914).

Im Zusammenhang damit wandte Hobsbawm sein Interesse der Entwicklung der Arbeiterbewegung zu, den heraufsteigenden nationalistischen Ideologien und den unterschiedlichen Formen von Sozialrevolte. Am bekanntesten wurde seine Analyse des „kurzen 20. Jahrhunderts“ (The Age of Extremes: A History of the World 1914–1991 – deutsch als: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts 1914–1991).

Über die Arbeiterbewegung veröffentlichte er 35 Aufsätze („Studies in the History of Labour“) in zwei Bänden: Labouring Men und Worlds of Labour. Das Spektrum umfasst Abhandlungen über Maschinenstürmer, Arbeiteraristokratie, überKlassenbewusstsein, Arbeiterkultur, das Verhältnis von Sozialismus und Religion, von Arbeiterbewegung und Menschenrechten sowie Kapitel der Entwicklung gewerkschaftlicher Organisierung.

Für die internationale Diskussion des Umgangs mit Geschichte war insbesondere von Einfluss der von Hobsbawm zusammen mit Terence Ranger eingeführte Begriff der „erfundenen Tradition“ (invention of tradition). „Erfundene Traditionen“ sind historische Fiktionen, die suggerieren, etwas sei „immer schon“ Element der eigenen Geschichte gewesen. Ein prägnantes Beispiel ist der sogenannte Schottenrock, eine Erfindung des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die im Laufe des 19. Jahrhunderts auf angeblich keltische Wurzeln zurückgeführt wurde. Auch die modernen Olympische Spiele können dafür als Beispiel dienen, zumal Hobsbawm sich auch mit erfundenen Traditionen im Sport befasste.[8]

In Das Zeitalter der Extreme, einer weiteren Trilogie (in einem Band), die Hobsbawm mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs einsetzen und mit dem Zerfall der Sowjetunion zu Ende gehen lässt, interpretiert er das „kurze 20. Jahrhundert“. Die Untergliederung in drei Epochen umfasst hier das „Katastrophenzeitalter“ (1914 bis 1945) mit den zwei Weltkriegen, den Schrecken der großen Diktaturen und der Weltwirtschaftskrise, dann das „Goldene Zeitalter“ der Wiederaufbauperiode, die Vollbeschäftigung, Wirtschaftswachstum und Wohlstand für viele brachte (1945 bis Mitte der siebziger Jahre). Die dritte Periode nennt Hobsbawm den „Erdrutsch“ (landslide).

In seinem Buch Ungewöhnliche Menschen (englisch Uncommon People) beschrieb er „Widerstand, Rebellion und Jazz“. Die Themen der einzelnen Aufsätze reichen von Thomas Paine über die Geschichte des Maifeiertags bis zum Mai 1968und Billie Holiday.

Hobsbawm publizierte auch in zahlreichen Zeitschriften, unter anderem in dem bis 1989 bestehenden, seit dem Ende der 1960er-Jahre eurokommunistisch orientierten Wiener Tagebuch. Neben seinen akademischen und historischen Arbeiten publizierte Eric Hobsbawm in den fünfziger Jahren auch Jazzkritiken in der Zeitschrift The New Statesman[9]. Diese Kritiken erschienen, ebenso wie sein 1959 erschienenes Buch The Jazz Scene, unter dem Pseudonym Francis Newton, das an den Namen der US-amerikanischen Jazztrompeters Frankie Newton angelehnt ist.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Primitive Rebels. Studies in archaic forms of social movement in the 19th and 20th centuries., 1959
    • dt. Ausgabe: Sozialrebellen. Archaische Sozialbewegungen im 19. und 20. Jahrhundert. Luchterhand, Neuwied/Berlin 1962; Focus-Verlag, Gießen 1979, ISBN 3-88349-202-7
  • The Age of Revolution. Europe 1789-1848., 1962, ISBN 0-349-10484-0
    • dt. Ausgabe: Europäische Revolutionen. 1789 bis 1848. Kindler, Zürich 1962; erneut 1978, ISBN 3-463-13715-1
  • Labouring Men. Studies in the History of Labour. Weidenfels and Nicolson, London 1964 (zahlreiche Nachauflagen)
  • Industry and Empire., 1968
    • dt. Ausgabe: Industrie und Empire. Britische Wirtschaftsgeschichte seit 1750. 2 Bände. Suhrkamp, Frankfurt 1969
  • Bandits., 1969
  • Revolutionaries. Contemporary essays., 1973
    • dt. Ausgabe: Revolution und Revolte. Aufsätze zum Kommunismus, Anarchismus und Umsturz im 20. Jahrhundert.Suhrkamp, Frankfurt 1977, ISBN 3-518-07433-4
  • The Age of Capital. 1848–1875., 1975, ISBN 0-349-10480-8
    • dt. Ausgabe: Die Blütezeit des Kapitals. Eine Kulturgeschichte der Jahre 1848–1875. Kindler, München, ISBN 3-463-00694-4; Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1980, ISBN 3-596-26404-9
  • mit Giorgio Napolitano: Auf dem Weg zum historischen Kompromiss. Ein Gespräch über Entwicklung und Programmatik der KPI. Suhrkamp, Frankfurt 1977, ISBN 3-518-00851-X
  • The Forward March of Labour Halted? (PDF; 117 kB) In: Marxism Today, September 1978. S. 279-286.
  • Worlds of Labour. Further Studies on the History of Labour. Weidenfels and Nicolson, London 1984
  • The Age of Empire., 1987
  • Nations and Nationalism since 1780. Programme, myth, reality., 1990
  • Age of Extremes. The short twentieth century, 1914-1991. 1994
  • On History., 1997 (Vorlesungen, Reden, Aufsätze und Rezensionen zur Geschichtswissenschaft)
  • Uncommon People. Resistance, rebellion and jazz, 1998
  • Das Gesicht des 21. Jahrhunderts. Ein Gespräch mit Antonio Polito. Hanser, München/Wien 2000, ISBN 3-446-19761-3; dtv, München 2002, ISBN 3-423-30844-3
  • Interesting Times. A twentieth-century life., 2002 (Autobiographie)
  • Globalisation, Democracy and Terrorism, 2007 (Aufsatzsammlung)
  • Kunst und Kultur am Ausgang des 20. und am Beginn des 21. Jahrhunderts. Picus Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85452-361-1
  • Zwischenwelten und Übergangszeiten. Interventionen und Wortmeldungen. Herausgegeben von Friedrich-Martin Balzer und Georg Fülberth, ISBN 978-3-89438-405-0, PapyRossa Verlag, Köln 2009, 240 Seiten (enthält eine Liste mit mehr als 100 Veröffentlichungen von Eric Hobsbawm in deutscher Sprache bzw. deutscher Übersetzung)
  • Wege der Sozialgeschichte. Ansprache anlässlich der Verleihung des dritten Bochumer Historikerpreises. Schriften der Bibliothek des Ruhrgebiets, Heft 28. Klartext, Bochum 2009, ISBN 978-3-8375-0229-9
  • How to change the world: Tales of Marx and Marxism. Little, Brown, London 2011.
    • dt. Ausgabe: Wie man die Welt verändert: Über Marx und den Marxismus. Aus dem Englischen von Thomas Atzert und Andreas Wirthensohn. Carl Hanser Verlag, München 2012, ISBN 978-3-44624-000-1.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jesús Casquete: Ein Geschichtswissenschaftler wird Geschichte: Zum Tod von Eric Hobsbawm (1917–2012). In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 60 (2012), S. 1038–1039.
  • Thomas Welskopp: „Wir träumen in die Zukunft“ : Nachruf auf Eric J. Hobsbawm (9. Juli 1917–1. Oktober 2012). In: Geschichte und Gesellschaft, 39 (2013), S. 116–124.
  • Thomas Welskopp: Eric J. Hobsbawm: Historiker im „Zeitalter der Extreme“. In: Eric J. Hobsbawm: Wege der Sozialgeschichte. Ansprache anlässlich der Verleihung des dritten Bochumer Historikerpreises. Schriften der Bibliothek des Ruhrgebiets, Heft 28. Klartext, Bochum 2009, ISBN 978-3-8375-0229-9, S. 15–21.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hochspringen „David and Rose Obstbaum, who first landed in London in the 1870s and doubtless acquired the initial H of their name from a Cockney immigration officer, were dead.“ Eric J. Hobsbawm: Interesting Times. A Twentieth-Century Life. Random House, 2002, ISBN 0-375-42234-X, S. 89.
  2. Hochspringen Eric J. Hobsbawm: Interesting Times. A Twentieth-Century Life. Random House, 2002, ISBN 0-375-42234-X.
  3. Hochspringen „in Alexandria, where I was born in June 1917, to have my presence registered by a clerk at the British Consulate (incorrectly, for they got the date wrong and misspelled the surname)“. Eric J. Hobsbawm: Interesting Times. A Twentieth-Century Life. Random House, 2002, ISBN 0-375-42234-X, S. 2.
  4. Hochspringen Eric J. Hobsbawm: Interesting Times. A Twentieth-Century Life. Random House, 2002, ISBN 0-375-42234-X, S. 4.
  5. Hochspringen Vgl. Eric Hobsbawm: Gefährliche Zeiten. Ein Leben im 20. Jahrhundert, München 2003.
  6. Hochspringen Legendärer Historiker: Eric Hobsbawm ist tot, Spiegel Online, 1. Oktober 2012.
  7. Hochspringen Vgl. die Nachrufe: Alexander Cammann: Eric Hobsbawm – Ein Anti-Spezialist in einer Welt voller Spezialisten,Die Zeit, 1. Oktober 2012; abgerufen 27. April 2013. Mara Delius: Eric Hobsbawm – Ein Fossil aus der Tiefe des zwanzigsten Jahrhunderts, Die Welt, 1. Oktober 2012; abgerufen 27. April 2013. Carsten Volkery: Zum Tode Eric Hobsbawms – Der Mann, der mit Marx Geschichte schrieb, Der Spiegel, 1. Oktober 2012; abgerufen 27. April 2013.
  8. Hochspringen Arnd Krüger(1996). The History of the Olympic Winter Games. The Invention of a Tradition, in: M. GOKSÖR, G. V.D. LIPPE, K. MO (Hrsg.): Winter Games – Warm Traditions. Oslo: Norsk Idrettshistorisk Vörening 1996, S. 101 – 122.
  9. Hochspringen Jazzthetik, Nr. 249, November/Dezember 2012, S. 4, abgerufen 2. November 2012
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