ERSTER WELTKRIEG: So wurde der Film zum Propaganda-Instrument – Dank eines EU-Projekts sind Filme von 1914 bis 1918 zum ersten Mal leicht zugänglich. In einem österreichischen Wochenschau-Film von 1917 wird der «Heldenkampf in Schnee und Eis» in handkolorierter Bergkulisse als alpines Abenteuer verkauft. Der italienische Dokumentarfilm «Krieg in den Alpen» von 1917 zeigt hingegen die Mühsal der Gebirgsjäger mit schwerem Gerät in eisigen Höhen. Die Filme aus dieser Zeit wurden streng zensiert, „deshalb gibt es auch kaum Aufnahmen des eigentlichen Kampfgeschehens“, wie Filmmuseums-Sprecherin Frauke Haß erklärt. Viele Streifen dienten der Propaganda: „Im Ersten Weltkrieg wurde die Wirkmacht des Films erstmals bewusst propagandistisch eingesetzt.“ Bis 1914 war die Filmproduktion internationaler als in Zeiten der Globalisierung; vor Erfindung des Tonfilms gab es schließlich keine Sprachhürde. „Mit dem Ersten Weltkrieg bricht das abrupt ab“, berichtet Eckes. Die verfeindeten Nationen boykottierten die Streifen des Kriegsgegners und drehten ihre eigenen, national gefärbten Filme. Und dabei ähnelten sie sich am Ende doch: Die Propaganda-Mechanismen waren dieselben.

ERSTER WELTKRIEG

So wurde der Film zum Propaganda-Instrument

Dank eines EU-Projekts sind Filme von 1914 bis 1918 zum ersten Mal leicht zugänglich. Das ist nicht nur für die Geschichte des Ersten Weltkriegs interessant, sondern auch für die Geschichte des Kinos.

Oft verfilmt: Die Schlacht an der Somme: Hier ein echtes Foto von französischen Soldaten. Quelle: ap
Oft verfilmt: Die Schlacht an der Somme: Hier ein echtes Foto von französischen Soldaten.Quelle: ap

FrankfurtAllzuviel ist es nicht, was an Filmen aus dem Ersten Weltkrieg erhalten ist. Und das Wenige war bisher kaum zugänglich: Die Filmrollen verstaubten in Archiven. Jetzt sind rund 660 Stunden historisches Material für jedermann online – dank des Deutschen Filminstituts in Frankfurt. Georg Eckes und Julia Welter koordinieren von hier aus das Projekt „European Film Gateway 1914“. Im Februar soll es abgeschlossen sein.

Zwei Jahre lang haben 21 europäische Filmarchive und Kinematheken aus 15 Ländern rund 2500 Titel – Wochenschauen, Dokumentationen, Spielfilme und Animationsfilme – digitalisiert. Die Hälfte der Kosten von rund 4,2 Millionen Euro trägt die EU. Diese Filme zugänglich zu machen, sei „ein europäisches Erinnerungsprojekt von immenser Bedeutung für die wissenschaftliche und journalistische Recherche“, sagt Claudia Dillmann, Direktorin des Deutschen Filminstituts.

Die wichtigsten Worte des Ersten Weltkrieges

  • Im Krieg entstanden

    Viele bis heute verwendete Wörter stammen aus dem Ersten Weltkrieg oder kamen in dieser Zeit in Gebrauch. Bei manchen ist der Bezug zum Krieg längst in Vergessenheit geraten. Eine kleine Dokumentation mit Unterstützung des Duden-Verlags und des Instituts für Deutsche Sprache:

Nur rund 20 Prozent der zwischen 1914 und 1918 produzierten Filme sind erhalten, berichtet Projektleiter Eckes, vieles sei verbrannt, zum Beispiel, als das Reichsfilmarchiv im Zweiten Weltkrieg von einer Bombe getroffen wurde. Bisher war es für Wissenschaftler und Dokumentarfilmmacher aufwendig, an dieses Material heranzukommen. Nun besteht erstmals die Möglichkeit, die gesamte Filmproduktion dieser Zeit zu sichten – und zwar ohne nationale Brille.

ERSTER WELTKRIEG

Das Leben und Leiden der Soldaten

  • Erster Weltkrieg: Das Leben und Leiden der Soldaten
  • Erster Weltkrieg: Das Leben und Leiden der Soldaten
  • Erster Weltkrieg: Das Leben und Leiden der Soldaten
  • Erster Weltkrieg: Das Leben und Leiden der Soldaten

Das ermöglicht vielleicht keine radikale Neubewertung des Ersten Weltkriegs, aber doch verblüffende Erkenntnisse. Zum Beispiel über die Alpenfront: In einem österreichischen Wochenschau-Film von 1917 wird der «Heldenkampf in Schnee und Eis» in handkolorierter Bergkulisse als alpines Abenteuer verkauft. Der italienische Dokumentarfilm «Krieg in den Alpen» von 1917 zeigt hingegen die Mühsal der Gebirgsjäger mit schwerem Gerät in eisigen Höhen.

Die Filme aus dieser Zeit wurden streng zensiert, „deshalb gibt es auch kaum Aufnahmen des eigentlichen Kampfgeschehens“, wie Filmmuseums-Sprecherin Frauke Haß erklärt. Viele Streifen dienten der Propaganda: „Im Ersten Weltkrieg wurde die Wirkmacht des Films erstmals bewusst propagandistisch eingesetzt.“

So wurde der Film zum Propaganda-Instrument

« 2 / 2

Je länger der Krieg, desto fiktionaler wurden die Filme

Eine Szene aus der Schlacht an der Somme: Nahe Ginchy, im Norden Frankreichs, tragen deutsche Gefangene verwundete Briten. Quelle: ap
Eine Szene aus der Schlacht an der Somme: Nahe Ginchy, im Norden Frankreichs, tragen deutsche Gefangene verwundete Briten.Quelle: ap

Die Briten machten 1916 vor, wie das geht: „Der Film „Battle of the Somme“ machte aus einer militärischen Niederlage einen moralischen Sieg“, erklärt Eckes, „der Film hatte innerhalb weniger Monate so viele Zuschauer wie „Titanic“.“ Die Deutschen waren baff – und kopierten die Masche ein Jahr später. Leider war „Bei unseren Helden an der Somme“ ziemlicher Murks und auch kein Kassenschlager.

Nicht nur für die Geschichte des Ersten Weltkriegs sind die Filme aus dieser Zeit interessant, auch für die Geschichte des Kinos. So sind die Grenzen zwischen Dokumentar- und Spielfilm noch fließend. „Man nahm dokumentarisches Material und schnitt es suggestiv zusammen“, erklärt Projektmanagerin Julia Welter. Auffällig auch: Je länger der Krieg dauerte, desto mehr fiktionale Filme entstanden. „Die Menschen waren der drögen Wochenschau-Filme überdrüssig, man musste sie direkter ansprechen, um sie emotional zu erreichen.“

Bekannte Künstler und Schriftsteller

  • Bei der Digitalisierung entdeckten die Mitarbeiter immer wieder Neues – zum Beispiel den Film eines amerikanischen Arztes, der 1919 aus deutschen Wochenschau-Aufnahmen den Dokumentarfilm „Hunger Blockade Germany“ zusammenschnitt, um den US-Bürgern drastisch die Folgen von Mangelernährung in Deutschland vor Augen zu führen.

LITERATUR IM ERSTEN WELTKRIEG
„Nie so viel geschrieben wie im August 1914“

Autoren wie  Ernst Jünger oder Erich Maria Remarque haben versucht, den Ersten Weltkrieg auf Papier zu bannen.

Literatur im Ersten Weltkrieg: „Nie wurde so viel geschrieben wie im August 1914“

Bis 1914 war die Filmproduktion internationaler als in Zeiten der Globalisierung; vor Erfindung des Tonfilms gab es schließlich keine Sprachhürde. „Mit dem Ersten Weltkrieg bricht das abrupt ab“, berichtet Eckes. Die verfeindeten Nationen boykottierten die Streifen des Kriegsgegners und drehten ihre eigenen, national gefärbten Filme. Und dabei ähnelten sie sich am Ende doch: Die Propaganda-Mechanismen waren dieselben.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/100-jahre-weltkrieg/der-krieg-und-seine-folgen/erster-weltkrieg-je-laenger-der-krieg-desto-fiktionaler-wurden-die-filme/10061434-2.html

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Frieden sichern und schaffen, Kommunikation und Medien, Kriegsgefahr, Kriegsvorbereitung Freindbilder veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s