Zwei Meinungen: Walter Rodney: Wie Europa Afrika unterentwickelte und der „Zeit“ von 1955, die vertrat, dass Europa ein Herrschaftsrecht über Afrika habe, weil die Entwicklung Afrikas nur Europa zu verdanken sei. Die Zeit schrieb das fünf Jahre, bevor die meisten afrikanischen Länder unabhängig wurden und hat damit Stimmung gemacht gegen die Selbstbestimmung der afrikanischen Völker! Es gibt also eine Tradition der heutigen Berichterstattung dieser Zeitung etwa zur Ukraine!

Walter Rodney: Afrika. Die Geschichte einer Unterentwicklung

Der aus Guyana stammende Historiker Walter Rodney (1941-1980) beschreibt in seinem WerkAfrika. Die Geschichte einer Unterentwicklung die Entwicklung Afrikas vom 14. Jahrhundert bis zum Ende der Kolonialzeit, hierin beschreibt er stichhaltig, wie imperialistische Dominanz und Ausplünderung zur gegenwärtigen Misere führten. Walter Rodney war eine der wichtigsten Persönlichkeiten der neuen marxistischen Linken in der Karibik und verband Wissenschaft und politische Aktivität, er lehrte unter anderem in Dar-es-Salaam/Tansania, Kingston/Jamaika, am SOAS/London und 1978 auch für ein Semester an der Universität Hamburg. Walter Rodney zählte 1974 in seiner guyanesischen Heimat zu den GründerInnen und SprecherInnen der linksradikalen Partei Working People’s Alliance, wegen dieser Aktivität ermordete ihn das dortige Regime am 13.06. 1980.

http://www.infoarchiv-norderstedt.org/seite/walter-rodney-afrika-die-geschichte-einer-unterentwicklung.html

 

Walter Rodney

Walter Rodney (* 23. März 1942 in Georgetown, Guyana; † 13. Juni 1980 ebenda) war ein marxistischer Historiker und Politiker aus Guyana.

Leben[Bearbeiten]

Er wurde in einer Arbeiterfamilie geboren und hat in Guyana und dann auf Jamaika an der University of the West Indiesstudiert. Im Jahre 1966 hat er in London zum Thema der Geschichte der Sklaverei promoviert. Von 1968 bis 1974 lehrte er an der Universität von Dar Es Salam, dort unterhielt er enge Kontakte u.a. zu Yoweri Kaguta Museveni, Joaquim Chissanound John Garang. Nach der dortigen Lehrtätigkeit und zahlreichen Reisen kehrte er im Jahre 1974 nach Guyana zurück, wo er zu den Gründern der sozialistischen Working People’s Alliance (WPA) gehörte. Dort sollte er eine Universitätsprofessurübernehmen, was von der Regierung verhindert wurde. 1978 lehrte Rodney für ein Semester am Institut für politische Wissenschaft der Universität Hamburg. Im Jahre 1980 wurde Walter Rodney während des Wahlkampfes für die WPA vor den Wahlen in Guyana bei einem Bombenanschlag ermordet, aller Wahrscheinlichkeit nach trug die damalige Regierung vonForbes Burnham die Verantwortung für den Mord.

Sein berühmtestes und wichtigstes, im Jahre 1972 veröffentlichtes Werk war „How Europe Underdeveloped Africa“ („Afrika – Die Geschichte einer Unterentwicklung“).

Der Dichter und Reggae-Musiker Linton Kwesi Johnson schrieb und komponierte Reggae fi Rodney zum Gedenken an Walter Rodney. Ebenso widmete der US-amerikanische Blues-Gitarrist, Sänger und Songschreiber Corey Harris Walter Rodney einen gleichnamigen Reggae-Song auf seinem Album „Zion Crossroads“ (2007).

Die Anfänge[Bearbeiten]

Walter Rodney wurde am 23. März 1942 in Georgetown, Guyana als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren. Sein Vater war Schneider und die Mutter war Näherin. Nach dem Besuch der Grundschule gewann er als einer der ersten Personen der Arbeiterklasse einen Schulplatz am „Queens College“. Er war damit einer der Ersten in dieser Bevölkerungsschicht, der von Zugeständnissen in der Bildungspolitik profitieren konnte. Während seiner Zeit auf dem Queens College zeichnete er sich als hervorragender Student, guter Redner und auch als Leichtathlet aus. 1960 gewann er ein Stipendium für ein Studium an der University of the West Indies in Jamaika.

Seine Studienzeit und die Auswirkungen[Bearbeiten]

Er schloss das Studium der Geschichte 1963 mit Auszeichnung ab und erhielt dadurch ein weiteres Stipendium für ein Studium an der School of Oriental and African Studies in London. Im Jahre 1966 erhielt Rodney den Ph. D. mit Auszeichnung in afrikanischer Geschichte. Seine Doktorarbeit über die Sklaverei in Upper Guinea Coast war das Ergebnis seines gründlichen Studiums der Unterlagen portugiesischer Händler in England und Portugal. Während dieser Zeit lernte er Spanisch und Portugiesisch, nachdem er bereits Französisch gelernt hatte. Seine Dissertation wurde unter dem Titel „History of the Upper Guinea Coast, 1545-1800“ von dem Verlag „Oxford University Press“ herausgegeben. Diese Arbeit setzte neue Maßstäbe und zeigte die Geschichte der unterdrückten Völker aus einem völlig neuen Blickwinkel. Er analysierte darin auf beeindruckende Art und Weise die Auswirkungen der Sklaverei und zeigte die Wechselbeziehungen zwischen der Gesellschaft und der Ökologie der Region auf.

Sein politisches Wirken und dessen Auswirkungen bis zu seinem Ableben[Bearbeiten]

Danach nahm Walter einen Lehrauftrag in Tansania. 1968 kehrte er wieder an die University of the West Indies zurück. Zu dieser Zeit war die Karibik eine politisch sehr aktive Region, besonders wegen des Beginns der Black Power-Bewegung.

In dieser Zeit begann man über die politische Unabhängigkeit von den Regierungen zu diskutieren, besonders deren Haltung gegenüber den unterdrückten Bevölkerungsgruppen wurde zunehmend in Frage gestellt. Das Zugestehen von Rechten für die „Schwarzen Armen“ der Region wurde unter den Intellektuellen heftig diskutiert. Walter Rodney, der schon sehr früh die autoritäre Haltung der politischen Elite abgelehnt hatte, wirkte intensiv an dieser Debatte mit. Er beschränkte sich dabei nicht auf Aktivitäten auf dem Universitätscampus. Vor allem versuchte er , sein Wissen über die afrikanische Geschichte der am stärksten unterdrückten Bevölkerungsgruppe, den „Rastafarians“, zu vermitteln.

Walter war bereits während seiner Studienzeit politisch aktiv, setzte sich 1961 für die Westindische Föderation ein und nahm während seiner Zeit in London aktiv an Diskussionsrunden und Symposien teil.

Spätestens im Sommer 1968 erweckte Rodneys Arbeit mit den Unterschichten des Landes die Aufmerksamkeit der Regierung. Als er im Oktober 1968 an einer „Black-Writer“-Konferenz in Kanada teilnahm, wurde ihm der Wiedereintritt in das Land verwehrt. Das führte zu Unruhen und Aufständen in Kingston. Dabei wurden einige Menschen getötet oder verletzt, und Eigentum im Wert von Millionen Dollar wurde zerstört. Daraufhin wurden Rodneys Begegnung mit den „Rastafarians“ in einer Broschüre mit dem Titel „“Grounding with My Brothers“ veröffentlicht. Dieses Werk galt fortan als „Bibel“ für die „Black-Power-Bewegung“ in der Karibik. Im selben Zeitraum schrieb Walter kritische Artikel u.a. zu den Themen der Unterentwicklung und zur Rolle des Staates bei der Klassenbildung in Afrika. Viele dieser Texte, die er während dieser Zeit in Tansania geschrieben hatte, erschienen im „Maji-Maji“, einer Zeitschrift der „Tanu Yoth League“ an der Universität.

Gleichzeitig arbeitete er in den tansanischen Archiven Themen der Zwangsarbeit und er kolonialen Wirtschaft auf. Diese Arbeit wurde 1976 unter dem Titel World War II and the Tanzanian Economy an der Cornell University veröffentlicht.

Rodney war für viele ein Vorbild. Er unterhielt enge Kontakte zu den politischen Kämpfern, welche stetig unterdrückt wurden und eine externe Kontrollinstanz in Afrika forderten. Er war den Führern der politischen Freiheitsbewegungen sehr nahe. Im Vorfeld zum „sechsten Panafrikanischen Kongress“, der 1974 in Tansania stattfand, beteiligte er sich an Diskussionen. Dazu verfasste er eine Arbeit: „Towards the Sixth Pan-African Congress: Aspects of the International Class Struggle in Africa, the Caribbean and America.“ (Auf dem Weg zur Sechsten Panafrikanischen Kongress: Aspekte des Internationalen Klassenkampf in Afrika, der Karibik und Amerika.“)

Im Jahre 1974 kehrte Walter Rodney wieder nach Guyana zurück, um an der dortigen Universität eine Professur für Geschichte anzunehmen. Aber die Regierung hob die Ernennung wieder auf. Rodney blieb aber in Guyana und trat der neu gebildeten Fraktion „People‘s Alliance“ bei.[1]

Zwischen 1974 und seiner Ermordung im Jahre 1980 war er die führende Figur der Widerstandsbewegung gegen die zunehmend autoritäre Regierung PNC. Walter trat im ganzen Land als Redner auf, um das politische Bewusstsein im Land zu fördern. Während dieser Zeit entwickelte er u.a. Ideen über das Selbstverständnis der arbeitenden Bevölkerung in Bezug auf ihre politische Emanzipation und die Demokratie.

Am 11. Juli 1979 wurde Walter zusammen mit sieben anderen nach einem Brand verhaftet und der Brandstiftung bezichtigt. Von diesem Zeitpunkt an bis zu seiner Ermordung wurde er ständig belästigt und verfolgt. Zumindest einmal entging er nur knapp seinem Tod. Am Abend des 13. Juni 1980 wurde Walter Rodney im Zentrum von Georgetown durch einen Bombenanschlag getötet.

Walter war mit Patricia Rodney verheiratet und hatte drei Kinder: Shaka, Kanini und Asha.

Weblinks[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • A history of the upper Guinea coast 1545-1800. Oxford 1970.
  • How Europe Underdeveloped Africa, 1972.
    • deutsch: Afrika – Die Geschichte einer Unterentwicklung. Berlin 1974. ISBN 3-8031-1056-4.
  • Migrant labour in Tanzania during the colonial period: case studies of recruitment and conditions of labour in the sisal industry. Hamburg 1983. ISBN 3-923519-56-7 (zusammen mit Kapepwa Tambila und Laurent Sago).
  • A tribute to Walter Rodney: one hundred years of development in Africa; lectures given at the Universität of Hamburg in summer 1978. Hamburg 1984.
  • Walter Rodney speaks: the making of an African intellectual (With an introduction by Robert Hill. Foreword by Howard Dodson). Trenton 1990 ISBN 0-86543-072-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hochspringen Der Che unter den Afrika-Historikern in FAZ vom 12. Dezember 2012, Serite N4

http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Rodney

und hier die Meinung der Zeit von 1955, als Afrika noch fast vollständig von den europäischen Mächten besetzt war:

Wem gehört der schwarze Erdteil?

schließen

PDF

Immer wieder kann man von wohlmeinenden Leuten in Europa die Meinung vertreten hören, Afrika gehöre den Schwarzen, und der weiße Mann habe im Grunde nichts darin zu suchen; er sollte sich damit abfinden, daß ihm Afrika genauso verlorengehen wird, wie ihm Asien verlorengegangen ist.

Solche Meinung mag zwar auf schönen Theorien von Menschenrecht und Menschenwürde beruhen, aber an den wahren Tatbeständen schießt sie weit vorbei. Wer „Afrika den Afrikanern!“ fordert, der müßte bei einiger Konsequenz „Amerika den Indianern!“ und „Australien den Australnegern!“ rufen. Anders liegen die Dinge in Asien. Und gewiß ist, daß man Asien und Afrika überhaupt nicht miteinander vergleichen kann. Völker hoher, alter Kultur, wie sie in Asien nun zur Selbständigkeit zurückfanden, sucht man in Afrika vergeblich, abgesehen natürlich von seinem zum Mittelmeer gehörenden Nordrand. Im eigentlichen Neger-Afrika südlich der Sahara haben niemals Staaten oder Kulturen existiert, die sich mit den alten, großen Welten des Ostens vergleichen ließen.

Wenn heute im hohen Norden Nordamerikas die Kanadier und die Nordamerikaner die weiten Länder zwischen der Bering-See, der Hudson-Bay und Labrador mit modernsten Mitteln erschließen – warum denkt niemand daran, diese Gebiete für die Eskimos und die nördlichen Indianer zu reklamieren, die dort seit undenklichen Zeiten allein Heimatrecht genießen? Weil hier der Unsinn solcher Forderung allzu nackt und bloß auf der Hand liegt. Weil das Recht, in einem Linde zu sein, zu bleiben und sich auszubreiten, unmöglich allein davon abgeleitet werden kann, daß man mit sämtlichen Vorfahren auch in diesem Lande geboren worden ist. Seit den ältesten Tagen der menschlichen Geschichte erwirbt sich Lebensrecht in einem Lande, wer dort wohnt, arbeitet und die Möglichkeiten entwickelt, die sich ihm dort bieten.

Wo es in der erkennbaren afrikanischen Geschichte Staatenbildungen gegeben hat, versanken sie fast ohne Ausnahme nach einer oder nur wenigen Generationen in fürchterlichen Greueln, Blut und Wahnsinn. Das gilt für das Reich der Zulus ebenso wie das der Matabele, für das von Bunkeya, wie für Uganda, gilt für die Yocuba und die Aschanti und die Reiche des Sudan.

Afrikas heutige Bedeutung in der Welt ist weißen und nicht schwarzen Ursprungs, am deutlichsten gerade da, wo Schwarze den weißen Mann des Landes verweisen wollen. Wer Afrika von innen kennt, der weiß, daß es nach kurzer Zeit schon in den Zustand der Barbarei zurücksinken würde, ginge der weiße Mann nach Hause und bräche er die Beziehungen ab. Die Haussa in Nord- . nigerien wünschen schon heute nichts sehnlicher, als daß die Engländer im Lande blieben und sie nicht den übermächtigen Yoruba im Südwesten überließen.

Keine Angst vor der „Herrschaft“

Es verrät ein eigentümliches Ermatten der Lebensinstinkte Europas, wenn die Europäer auch noch zustimmen, sich aus Gebieten verdrängen zu lassen, die von ihnen erst zu lebendigen und zukunftsträchtigen Gebilden geformt wurden. Wenn Europa bleiben will, was es war und immer noch ist, so kann es unmöglich auf Afrika verzichten. Das heißt, es darf sein Herrschaftsrecht nicht aufgeben, wenn ihm das Wohl der Beherrschten wirklich am Herzen liegt. Die Angst vor dem Wort „Herrschaft“ sollten wir endlich aufgeben. Mögen auch viele Europäer daheim – fern vom Schuß – sich von den Zweckparolen der farbigen Mitglieder der United Nations den Blick trüben lassen, den Europäern in Afrika brennt das Feuer schon viel zu nahe am Haus, als daß sie auf die Idee kämen, es genüge der Versuch, es auszublasen.

An einer ganzen Anzahl von Stellen in Afrika wird heute deutlich, daß sich der weiße Mann allmählich darauf besinnt, zu halten, was ihm rechtens zusteht. Denn der Friede, der heute ganz Negerafrika durchwaltet, ist eine pax europaica. Wenn die schwarzen Kinder nicht mehr sterben, die meisten Tropenseuchen auch für die Schwarzen ihre Schrecken verloren haben, wenn die Hungersnöte und die Blutopfer aufhörten, wenn an die Stelle blutiger Willkür eine geordnete Rechtspflege trat und an die Stelle von Zauberei und Aberglauben das Christentum, die Schule und der Unterricht, wenn die Schwarzen nun in steigendem Maße imstande sind, ihrer größten Sehnsucht zu folgen, sich nämlich auf „weiße“ Weise ihr Brot zu verdienen und nach „weißer“ Manier zu leben – dann verdankt das schwarze Afrika dies allein dem weißen Europa: Und wir wären wert, Narren zu heißen, wenn sich Europa des Vorrechts begäbe, das es sich durch seine Verdienste um diesen Kontinent unbezweifelbar erworben hat.

Man hat soviel von den Rechten der Farbigen geredet, daß es allmählich höchste Zeit ist, von den Rechten der Weißen zu reden und sie zu behaupten, wo sie bedroht sind. In Afrika ist der Anfang schon an mehreren Stellen gemacht. Ich bin nach allem, was ich bisher in Zentral- und im westlichen Südafrika gesehen und gehört habe, überzeugt, daß sich das Blatt schon wendet. Die weiße Welt wird keine weiteren Positionen auf diesem Kontinent mehr aufgeben.

Die Engländer haben in Kenya an den Kikuyu manches wiedergutzumachen. Aber nicht die Kikuyu sind es gewesen, die das Hochland von Kenya in ein blühendes Paradies verwandelten; nicht die Kikuyus haben Nairobi oder Mombassa oder die Ugandabahn gebaut. Und was Afrika wirklich zu erwarten hätte, wenn die weiße Herrschaft zusammenbräche, das zeigen gerade die Mau-Mau-Methoden nur allzu deutlich.

Als die Buren vor mehr als hundert Jahren über den Oranje und den Vaal zogen, knarrten ihre großen Ochsenkarren in ein leeres, weites Land, das niemandem gehörte als nur den Antilopen und Gazellen. Was an Eingeborenen vorher dagewesen sein mochte, das hatten die Zulus abgeschlachtet. Die Buren nahmen niemandem etwas fort. Basuto-Land gehört noch heute den Basutos, Swazi-Land den Swazis und Betschuana-Land den Betschuanen. Die Südafrikanische Union ist tatsächlich weißen Mannes Land. Und es ist nur Recht, daß die Weißen in Südafrika nun nicht mehr willens sind, sich von irgendwem das Vorrecht in ihrem Lande streitig machen zu lassen; übrigens ist der englische und der burische Bevölkerungsteil lediglich über die Methoden uneinig, mit denen das „weiße“ Vorrecht konsolidiert werden kann und soll. Und es läßt sich auch wirklich darüber streiten, ob die Politik der „Apartheid“ nicht besser durch eine elastischere, aber nachhaltigere zu ersetzen wäre.

Die Belgier im Kongo, durch verschiedene Umstände begünstigt, gehen sehr verhalten vor, sehr behutsam. Aber sie geben keinen Zoll ihrer Vorherrschaft preis und ziehen nur solche Schwarze vorsichtig heran, die sich eindeutig entschieden haben, afrikanische Belgier zu werden.

Portugal aber, die älteste Kolonialnation Europas, unternimmt die kühnsten Schritte, sich sein jahrhundertealtes Anrecht an der Erde Afrikas auch für die Zukunft zu sichern.

Die Portugiesen wiederholen heute mit modernen Mitteln das gleiche, was die Buren vor mehr als hundert Jahren in Transvaal und im Oranje-Freistaat zu schaffen anfingen – aber sie vermeiden den Fehler, von dem alle Schwierigkeiten der heutigen Südafrikanischen Union herrühren: sie begründen eine europäische Wohnstatt nur für Europäer und nur unter Europäern; die Schwarzen bleiben von allem Anfang an aus diesen Gebieten weißer portugiesischer Bauernsiedlungen ausgeschlossen.

Damit ist ein völlig neuer und noch nie erprobter Ton in Afrika angeschlagen: Einst versicherte sich auch der unbedeutendste Weiße, mochte er noch so arm an Mitteln sein, als erstes der Dienste der Schwarzen. Es galt als das Selbstverständlichste von der Welt, daß ein Weißer, mochte er nun Landwirt, Kaufmann oder Beamter sein, ohne schwarze Arbeiter, Helfer und Diener nicht auskommen konnte. Insbesondere war und ist ein europäischer Haushalt ohne schwarze „boys“ überall in Afrika Undenkbar. Den Portugiesen jedoch ist das Verdienst zuzuschreiben, mit dieser ältesten und in mancher Hinsicht verhängnisvollen Tradition der Weißen in Afrika gebrochen zu haben.

Ich war in Cela

Cela liegt mitten im westlichen Angola, in der Luftlinie gut 200 Kilometer nordöstlich von Lobito im wunderschönen Norden des Hochlandes von Benguela,dessen höchste Berge auf 2300 Meter ansteigen.

Ich war in Cela, und ich weiß seitdem, daß die moderne Geschichte Afrikas noch viele Wendungen nehmen wird, die heute noch gar nicht zu ahnen sind. Ich habe in Cela Menschen von einem so klaren und nüchternen Idealismus getroffen, daß ich seitdem weiß: Selbst die ältesten Nationen Europas sind noch trächtig von ungeahnten Möglichkeiten. Europa ist so jung, wie es immer war.

Portugal hat über acht Millionen Einwohner; das Land ist arm, verfügt über keine Bodenschätze, die ihm eine Industrie ermöglichten, in der sein Überschuß an Menschen Arbeit und Brot fände. Portugal ist daher bis zum heutigen Tage ein Land der Bauern geblieben, von Bauern und kleinen Landpächtern, die zum Teil in unvorstellbarer Armut und Dürftigkeit der kargen Erde ihr karges Dasein abzwingen. Drei Millionen Bauern zuviel – das steht seit vielen Jahren als drohendes Menetekel vor den Augen jener an die Wand der Geschichte geschrieben, die für das Wohl und die Zukunft des alten, stolzen Landes verantwortlich sind.

Im portugiesischen Afrika aber warten weite, leere Räume, wartet fruchtbares, unentwickeltes Land in Hülle und Fülle. Die darbenden Menschen und das wartende Land gehörten wohl zusammen; die Brücke aber, die sie miteinander verbunden hätte, wäre nur mit viel Geld zu bauen gewesen. An öffentlichem Kapital aber war Portugal erschreckend arm.

Zwar waren von jeher arme Portugiesen nach Angola gezogen. Sie eröffneten irgendwo im Busch auf bescheidenste Weise einen Laden für die Eingeborenen; manche kamen zu einem gewissen Wohlstand, andere kümmerten dürftig dahin, nicht viel besser als die Eingeborenen ringsum. Wieder andere dieser portugiesischen Siedler verlegten sich auf den Maisbau (womit auf der ganzen Welt keine goldenen Schlösser zu verdienen sind). Sie schlugen sich irgendwo eine Rodung aus dem leeren, herrenlosen Busch und senkten die Saat in die flachen Furchen, welche die Ochsen mit primitivem Pflug gerissen hatten. Vier bis sechs Jahre trug der Boden Mais, dann war seine natürliche Fruchtbarkeit erschöpft. Der Siedler ließ die simple Hütte, die ihm bisher Schutz geboten hatte, verfallen, zog ein paar Meilen tiefer in den Busch, rodete mit Feuer und Brand und begann abermals, die Erde durch vier, fünf Maisernten bis zum Versiegen auszubeuten. Diese Weißen setzten also intensiver fort, was die Schwarzen seit Jahrhunderten und Jahrtausenden der afrikanischen Erde angetan hatten und noch antun.

Gewiß waren in Angola große Kaffee- und Sisalplantagen entstanden; im Nordosten erbrachten reiche Diamantenvorkommen imponierende Erträge; aber für die armen, überzähligen Bauern Portugals bot das Land keinen Ausweg und Ansatz,

Im letzten Kriege heimsten die überseeischen Länder, besonders soweit sie neutral geblieben waren, große Verdienste ein. Portugal unter Salazar sah sich endlich imstande, den großen – und nicht neuen – Plan zu verwirklichen, portugiesische Bauern im großen Stil auf afrikanischer Erde anzusiedeln. (Wird fortgesetzt)

  • QUELLE DIE ZEIT, 20.10.1955 Nr. 42
  • http://www.zeit.de/1955/42/wem-gehoert-der-schwarze-erdteil/seite-4
  • Rassismus während des Kolonialismus

    Gliederung:
    1. Kolonialismus – Historischer Kontext
    2. Kolonialismus – „Rasseneinteilungen“ & Folgen

    3. Kolonialismus – Nordafrika – Historischer Kontext
    4. Rassismus und Faschistische Ideologien während des Kolonialismus
    5. Rassismus Algerien
    6. Fazit/Nachwort

    1. KOLONIALISMUS – HISTORISCHER KONTEXT

    Die Grundlage des Kolonialismus und der „Beginn“

    „Um das politische Konzept der Sklaverei und des Kolonialismus moralisch “zu legitimieren”, erfand Europa sein eigenes Afrika. Der Kontinent sei das homogene und unterlegene “Andere” und bedürfe daher der “Zivilisierung”.“[1]
    Zitat aus: Arte-Dokumentation: „Kolonialismus, Beginn in Afrika“

    Die Europäer suchten nach einer Legitimation für ihre “Expansion” in die afrikanischen Gebiete, um andere von ihrem Vorhaben zu überzeugen. Die Trennung zwischen „besseren” Menschen und „unzivilisierten” Menschen, die es zu zivilisieren galt, war somit aus Sicht der Europäer die perfekte Grundlage, um rassistische Strukturen in Afrika zu vertiefen. Es war der Glaube daran, der zuließ, dass afrikanische Völker unterdrückt werden konnten. Die Europäer erfanden ihr “eigenes” Afrika in ihrer Vorstellung und bildeten sich eine Meinung über diese Völker, die oftmals nicht der Wahrheit entsprach. Afrika wurde als “das Andere” beschrieben, was zeigt, dass auch die Sprache durch den Rassismus beeinflusst wurde. Dies zeigt, dass der Rassismus auch stark durch die Sprachen bestimmt werden konnten, indem die passenden Worte verwendet wurden, was sich bis heute auf die Sprachen (z.B. eng. Nigger; dt. Neger) ausgewirkt hat und dazu führte, dass die Moderne Afrikas vollkommen verdeckt blieb. Dazu kam, dass man die afrikanische Kultur, beispielsweise ihre Sprache, ins Lächerliche zog, indem man versuchte, zwischen den verschieden-lautenden Sprachen zu unterscheiden. Wie ernst man diese “Untersuchungen” nahm, ist fragwürdig. Doch die am stärksten zu hinterfragende Unterteilung ist die “Rasseneinteilung”, da sie das Herzstück des Rassismus bildet. Begriffe wie “Neger”, “Schwarzafrika” oder “Mischling” waren ziemlich anerkannte Begriffe und wurden kaum angezweifelt.

    Doch ist diese Rassentheorie wissenschaftlich nicht haltbar und kann deswegen heute nicht mehr als anerkannte Theorie gelten, wobei diese Theorien damals dazu führten, dass man Kolonialismus legitimieren konnte. Durch die Auslassung des nordafrikanischen Gebiets zu Beginn tat man so, als würde es sich bei den afrikanischen Einwohnern um eine homogene Einheit handeln. Noch einmal zu betonen ist, dass die Sprache ein grundlegender Baustein für die Entwicklung des afrikanischen Bildes bei den „Weißen“ war.

    Die ersten europäischen Siedler reisten anfangs des 17. Jahrhunderts nach Süd-Afrika und erreichten somit ein Gebiet mit europäischem Klima, da das Kap genau so weit entfernt vom Äquator ist wie Europa. Aus diesem Grund war es für die Siedler angenehm genug am Kap, um Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Um das Land für ihren eigenen Vorteil nutzen zu können, wurden die afrikanischen Ureinwohner von ihrem Land verdrängt. Nach 1830 drangen die holländischen Siedler weiter ins Landesinnere vor, wo die klimatischen Verhältnisse ganz anders waren. Ihr Ziel war es, neue Länder zu erforschen und für sich zu beanspruchen. Ihre Gewehre waren dabei ihre ständigen Begleiter und ein Merkmal ihrer technischen Entwicklung. Die holländischen Trecker betraten unerforschtes Gebiet, wodurch sie sich unbekannten Gefahren aussetzten. 1838 geschah das Unerwartete. Die Trecker wurden vom afrikanischen Volk der Zunu überfallen, welches zu dieser Zeit einen hochentwickelten Staat bildete. Sie waren eine mächtige Gesellschaft, die über die benachbarten Völker herrschte. Dies wollten die Trecker nicht über sich ergehen lassen, weswegen sie sich im selben Jahr zur Wehr setzten. 1838 kam es zur Schlacht zwischen Zunu und Trecker. Obwohl die Zunu zahlenmäßig überlegen waren, wurden sie von den Treckern vernichtet, aufgrund ihrer waffentechnologischen Überlegenheit. Mithilfe der Gewehre verübten die Trecker ein Massaker.

    Die industrielle Revolution sorgte dafür, dass man eine weitere noch effektivere Waffe erfand und zwar das Maschinengewehr. Diese Waffe sorgte für die endgültige Chancenlosigkeit der afrikanischen Völker, was von den Siedlern schamlos ausgenutzt wurde. Doch obwohl die Siedler keine Probleme mehr beim Unterwerfen der Völker hatten, entstanden neue Probleme: Man stellte fest, dass aufgrund der klimatischen Bedingungen Viehzucht und Ackerbau keine Alternativen mehr für die Siedler sein konnten, außerdem gab es neue Krankheiten, die die Menschen zusätzlich belasteten. Darauf waren die Siedler nicht eingestellt. Das tropische Klima war somit der Hauptgrund für das Scheitern der Siedler.

    Ausbreitung des Kolonialismus
    Anfangs waren es „nur“ Siedler, die neues Land für sich beanspruchen wollten, doch diese Idee des Machtanspruchs verbreitete sich und man erkannte, was man für einen großen Vorteil gegenüber den afrikanischen Ureinwohnern hatte. Die Modernisierung spielte dabei eine entscheidende Rolle. Die Kolonialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts führte zu einem grundlegenden Strukturwandel politischer und wirtschaftlicher Systeme und bedeutete für die Europäer Vergrößerung ihrer Macht, aufgrund der neuen Möglichkeiten, die sie durch Afrika gewannen, wie zum Beispiel neue Handelswege und Rohstoffe. Ideen der Aufklärung und Missionierungsgedanken waren genannte Gründe, um die Reisen nach Afrika zu legitimieren. Die Vorhaben an sich und die brutale Vorgehensweise vor Ort konnten somit auch verdeckt bleiben, was aber auf Dauer nicht funktionierte, da die Geheimhaltung brutaler Verbrechen an afrikanischen Einwohnern zu überwältigend und katastrophal waren. Natürlich gab es auch Forscher, die zu Forschungszwecken nach Afrika reisten und somit neue Pflanzen- und Tierarten entdeckten, aber Verbrecher waren nun mal auch vor Ort. Doch was stellte die afrikanische Bevölkerung für die Europäer dar? Lange Zeit betrachtete man die Afrikaner als „gottlose Wilde“.

    Doch Europa war groß und viele Länder wollten Teile Afrikas für sich beanspruchen. Dies besonders förderte den „Wettlauf um Afrika“. Man erkannte die wirtschaftlichen und politischen Vorteile, die dieser Kontinent für die Europäer bot.

    Schritte zur Eroberung
    Allgemein ist zu sagen, dass sich die europäischen Nationen gegenseitig voneinander bedroht fühlten in ihrem Macht- und Expansionsanspruch in Afrika. Jeder wollte so viel Macht wie nur möglich erlangen. Die Briten fühlten sich provoziert, als die Franzosen einen Vorstoß in Westafrika vom Senegal aus starteten. Deshalb verstärkten sie ihre Handelsinteressen am Unterlauf des Niger. Außerdem fühlte sich der belgische König bedroht, als die Franzosen Richtung Zentralafrika vordrangen, da er seine Beute im Kongobecken nicht verlieren wollte. Die Briten erkannten die portugiesischen Gebiete an und sicherten sich somit Handelsrechte im westlichen und südlichen Afrika. Doch auch die Deutschen unter Bismarck begannen, sich Kolonien im Osten, Süden und Westen zu sichern, was auch noch einmal deutlich zeigt, dass Ende des 19. Jahrhundert der Wettkampf der Kolonialmächte stark ausgeprägt war. Dieser Wettkampf artete eines Tages in angespannte Konflikte zwischen den Kolonialmächten aus, wie zum Beispiel der Konflikt zwischen Deutschland und Großbritannien in Ostafrika, welches zum Schluss aufgeteilt wurde. Kolonialismus blieb ein großes Thema bis zum Beginn des ersten Weltkriegs, der ebenfalls durch diese Spannung zwischen den Ländern hervorgerufen wurde.

    Die europäischen Nationen nahmen sich das Recht, über das Land anderer zu bestimmen, um ihre politische und ökonomische Macht auszuweiten, was letztendlich den Kolonialismus und die ökonomische Ausbeutung darstellt. Die Ignoranz, die man gegenüber der afrikanischen Bevölkerung an den Tag legte, spiegelt den Rassismus der damaligen Zeit wieder. Man bewertete die afrikanischen Ureinwohner nicht als Menschen, sondern ignorierte die Interessen der „Anderen“ und verfolgte die eigenen Ziele. Gegenwehr wurde nicht akzeptiert, was noch einmal die Machtlosigkeit der afrikanischen Völker demonstrierte. Diese Unterlegenheit führte dazu, dass man das europäische System in Afrika einführen konnte. Afrika wurde sowohl politisch als auch wirtschaftlich verändert, wodurch sich ebenfalls die Sozialstrukturen wandelten. Eine der grundlegendsten Veränderung, war die Einführung von Grenzen, die vorher nicht existierten. Dies diente dazu, dass die europäischen Mächte Einflusszonen abgrenzen konnten. Damit waren die Völker noch weiter separiert worden und das Gefühl der Zusammengehörigkeit zunehmend verloren, was nur von Vorteil für die europäischen Kolonialmächte sein konnte, da der Widerstand damit weiter geschwächt war.

    2. KOLONIALISMUS – „RASSENEINTEILUNGEN“ & FOLGEN

    Sklaverei

    Quelle: [2]

    Die Sklaverei war mit Abstand eins der schrecklichsten Merkmale des Rassismus zur Zeit des Kolonialismus. Man beanspruchte Menschenleben für die eigenen Lebenszwecke, ließ sie niedrigste Arbeiten verrichten und machte sie zum Eigentum. Sklaven hatten keine Rechte, da sie nicht als Individuum anerkannt, sondern vielmehr als Gegenstand wahrgenommen wurden von der „weißen“ Bevölkerung.

    Im Jahr 1926 haben Vertreter verschiedener europäischer Staaten bei einer Konferenz des Völkerbunds zum ersten Mal versucht, die Sklaverei zu definieren:

    „Die Sklaverei ist der Zustand oder die Gesamtheit der Lebensbedingungen eines Individuums, auf das die Regeln des Besitzrechts angewandt werden, oder zumindest einige davon. Der Sklavenhandel umfasst jedes Ergreifen, jeden Kauf oder Verkauf eines Individuums mit dem Ziel, es in Sklaverei zu halten; jeden Verkauf oder Tausch eines Sklaven, der gekauft worden war, mit dem Ziel, ihn zu verkaufen oder einzutauschen, sowie, ganz allgemein, jeden Handel oder Transport von Sklaven.“ [3]

    Zitat aus: http://www.oew.org/de/archiv_news.php?id=185&arch_id=1

    Kolonialverwaltung

    Quelle: [4]

    Innerhalb dieser Grenzen gab es zwei Herrschaftstypen: direkte oder indirekte Herrschaft. Die Erstere wurde insbesondere von Frankreich, Belgien und Portugal bevorzugt, wobei die Briten eher einen indirekten Eingriff auf ihre Kolonien wollten und besetzten deswegen alle wichtigen Positionen mit europäischen Beamten. Vorkoloniale Strukturen wurden zerschlagen und traditionelle Herrschaftsfunktionen nur auf unterster Ebene erlaubt. Die Kolonialbeamten mussten für die Erhaltung der Kolonie und ihre Finanzen sorgen. Zölle, Steuern und vor allem Zwangsarbeiten waren hierbei essentiell und mussten durchgeführt werden. Widerstand war zwecklos, da dieser militärisch unterbunden wurde, was zeigt, dass alles dafür getan wurde, um die Kolonie und damit die wirtschaftliche Macht zu sichern, selbst Völker wurden gegen ihren eigenen Willen versklavt.

    Werte waren vollkommen außer Acht gelassen, wenn es um die Machtansprüche der Kolonialmacht ging, da diese in Bezug auf die Afrikaner keinen Vorteil mit sich brachten. Menschen mit kolonialen Interessen handelten nicht im Namen der Menschlichkeit, sondern im Namen des Kapitals. Das einzige Ziel der Verwaltung war es, für „Ruhe und Ordnung“ in der Kolonie zu sorgen, die Wirtschaft voran zu treiben und Profit zu erlangen. Das Leiden der Afrikaner wurde dabei außer Acht gelassen.

    Wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderung
    Zwangsarbeit und Besteuerung sollten nicht nur die Kosten der Kolonialverwaltung decken, sondern auch die neue Infrastruktur finanzieren und die Integration in das Wirtschaftssystem fördern. Der Eisenbahnbau war eins der Vorhaben, welches das Transportproblem der Europäer löste und einen militärischen Vorteil mit sich brachte, da man mit der Eisenbahn ebenfalls Truppen transportieren konnte. Jedoch reichte die Zwangsarbeit nicht aus, um das Überleben der Familie zu sichern, was sie dazu zwang, ein zur Verfügung stehendes Land zu bestellen. Die afrikanischen Männer mussten zeitweilig außerhalb der Dorfgemeinschaft arbeiten, und die Frauen arbeiteten in der Landwirtschaft. Diesem Schicksal entkamen diejenigen, die vor der kolonialen Eroberung bereits Rohstoffe produzierten.

    Auswirkungen
    Die Kolonialherrschaft hinterließ tiefgreifende Auswirkungen in der afrikanischen Gesellschaft. Die alten Systeme wurden größtenteils vernichtet und ihre Führer durch Einbindung in die indirekte Herrschaft „diskreditiert“. Die neuen Herrschaftssysteme führten ebenfalls zu Spannungen und Konflikten zwischen den Völkern, da sie den gemeinsam Fokus des Zusammenlebens lange Zeit ignorierten. Die Menschen mussten wieder zueinander finden. Der militärische Eingriff der Kolonialmächte trug ebenfalls dazu bei, dass ein Näherboden für brutale Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen geschaffen wurde.

    Doch vor allem wurde das Image des Zentralstaats stark beschädigt. Man hat kaum noch Vertrauen in der Politik, da sich die Vertreter des Zentralstaats in der Vergangenheit größtenteils als Unterdrücker oder Ausbeuter herausgestellt hatten. Daraufhin hatte man auch kaum Vertrauen in nachfolgende Generationen, obwohl diese auch die afrikanische Elite bildeten und daher Ressentiments gegenüber „Weißen“ wohl eher keine Rolle spielten, auch wenn diese selbstverständlich vorhanden waren.

    Doch auch in der Familie änderte sich so einiges, da die Sozialstruktur durch die Geldwirtschaft eine andere Ordnung bekam. Die Familienbande wurde instabil und die Stellung der Frau für unwichtig empfunden. Doch auch die älteren Generationen gerieten in den Hintergrund, da starke Arbeitskräfte nun mal gefragter waren als Weisheit und Lebenserfahrung. Die Situation hatte zur Folge, dass starke, junge Männer gefördert wurden und die Frauen vernachlässigt, auch im Bildungsbereich. Dabei wird deutlich, dass nicht nur Rassismus eine feste Position eingenommen hat im Laufe der Jahre, sondern sich auch der Sexismus sich in Afrika verbreitete.

    Die Frau bekam eine feste Rolle zugeschrieben, die sie in der Gesellschaft zu erfüllen hat. Aus dem Geldgewerbe wurde die Frau weitgehend ausgeschlossen.

    Doch die Kolonialherrschaft hat nicht nur negative Folgen mit sich gebracht: Die Verbesserung des Gesundheitswesen (Bau einer Infrastruktur) hat zu einer Senkung der Sterblichkeitsrate geführt. Vor allem die Expansion des Bildungswesens profitierte vom Kolonialismus. Dies sind zwei positive Ausprägungen des Kolonialismus, die ohne ihn vermutlich nicht zustande gekommen wären. Außerdem konnte der soziale und kulturelle Wandel durch den Aufbau Infrastruktur deutlich verbessert werden.

    3. KOLONIALISMUS – NORDAFRIKA – HISTORISCHER KONTEXT

    Nordafrika
    Der Norden Afrikas war sehr lange für seine exzellenten Handelsrouten und wertvollen Rohstoffquellen bekannt. Nordafrika wurde über Jahrtausende hinweg von vielen verschiedenen Kulturgruppen bevölkert und annektiert, friedlich und gewaltsam, den Römern, den Arabern, bis hin zu den Osmanen und Spaniern, zu unterschiedlichen Epochen, während der Antike bis zur Neuzeit. Nordafrika galt im 16. – 19. Jahrhundert als berüchtigtes Piratengebiet. Verschiedene „Barbareskenstaaten“, wie Algier, Constantine und Tunis plünderten, versklavten und raubten Schiffe auf dem Mittelmeer aus und bereicherten sich dadurch in enormem Maße.
    Nach der Herrschaft der Osmanen, angefangen um 1517, wurden die meisten nordafrikanischen Staaten im 19. – 20. Jahrhundert, von europäischen Staaten, wie Frankreich, England, Italien und Spanien okkupiert.
    Die Erschließung und Kolonisation dieser nordafrikanischen Gebiete brachten für die europäischen Großmächte enorme Vorteile mit sich. Die Industrialisierung erforderte riesige Mengen an Kapital und Arbeitskraft und durch die Kolonisation wurden neue Absatzmärkte geschaffen und günstige Rohstoffquellen gesichert. Zudem lässt sich analysieren, dass die Tatsache, dass mehrere Staaten in Afrika kolonisierten, einen „Wettbewerb“ beziehungsweise eine direkte, wirtschaftliche und gesellschaftliche Konkurrenz zwischen diesen Mächten schaffte, die eine Radikalisierung und Brutalisierung zur Folge hatte.
    Afrika wurde zum internationalen „Buffet“, ein Kontinent, reduziert auf seine Rohstoffe und Handelswege. Ein Kontinent ohne Zivilisierung?

    Karikatur „Kongokonferenz“ [5]
    Bis heute lässt sich in einigen Geschichtsbüchern lesen, Christopher Columbus habe Amerika entdeckt oder wiederentdeckt.
    Es wird eindeutig die Existenz und die hochentwickelte Kultur der Völker in diesem Teil der Welt zu dieser Zeit verleugnet oder relativiert. Diese rassistischen und oberflächlichen Paradigmen werden in der Geschichte der Eroberung und Annektierung anderer Staaten und Gebieten durch europäische Staaten und Mächte häufig wiedergefunden:
    Auch die Völker Afrikas wurden aus ökonomischen Gründen unterworfen, Unterwerfung und Ausbeutung wurden mit rassistischen Argumenten legitimiert. Man sprach ihnen ihre Intelligenz und Würde ab. So wurden Afrikaner als Sklaven zum Aufbau Amerikas benutzt oder Nordafrikaner während des 2. Weltkrieges als Frontsoldaten eingesetzt (→ Afrikafeldzug).

    4. RASSISMUS UND FASCHISTISCHE IDEOLOGIEN WÄHREND DES KOLONIALISMUS

    Libyen: Das mögliche Vorbild für das Dritte Reich

    Während des türkisch-italienischen Krieges in Libyen wurden wahllos zahlreiche Dörfer in Libyen angezündet und von Arabern und Berbern durch die italienischen Besatzungskräfte „gesäubert“. Ein Kriegsverbrechen, ein Genozid, der bis heute in Italien ein Tabu darstellt.

    Von 1934 bis 1943 herrschte Benito Mussolini in Italien. Während dieser Schreckensherrschaft ging die gesamte Macht von der eisernen Hand Mussolinis aus, ein Diktator, ein „nationalsozialistischer“ Diktator. Mussolini führte das faschistische Regime in Italien, er trägt den Titel „Duce del Fascismo“ (Führer des Faschismus).
    Eben dieser erklärte Libyen 1934 zur italienischen Kolonie. Nach dem italienisch-türkischen Krieg wurden die drei italienisch-besetzten Gebiete Fezzan, Tripoltanien und Cyrenaika geeinigt und von Italien kolonisiert.

    Seit 1925 ist der Einsatz von Giftgas nach dem Genfer Protokoll verboten. Diesen Vertrag unterzeichnete und ratifizierte Italien, trotzdem wurde 1928 die libysche Bevölkerung mit Giftgasbomben unter Beschuss genommen, etliche Zivilisten wurden dabei getötet. Die Libyer waren Opfer der Gräueltaten Italiens, sie wurden ermordet und in Konzentrationslager deportiert, um getötet oder gefangen genommen zu werden: Tötungsmaschinerien, die alleine zur Demütigung, Tötung und Deportation des Volkes errichtet wurden.

    Es lassen sich am Beispiel der Konzentrationslager und der Ermordung an den Libyern eindeutig gewisse Analogien zwischen den Verbrechen des Dritten Reiches und der Kolonisation Libyens aufweisen. In Libyen errichteten die Italiener zahlreiche Konzentrationslager, Tötungslager zur Vernichtung der Berber und Araber in diesem Land:

    Auswahl von Konzentrationslagern in Libyen: [6]

    • El Aghaila
    • Marsa el Brega
    • Benghazi
    • Danane
    • Kyrenaika
    • Barce
    • Agedabaia
    • Driana
    • El Nufilia
    • El Magrum
    • Ain Gazala
    • Derna
    • Coefia
    • Sidi Chalifa
    • Suani El Terria

    Ungefähr 110 000 Libyer wurden in Konzentrationslager geschickt, weniger als 40 000 sollen die Torturen überlebt haben. [7]

    Mussolini hatte eine Renaissance des Römischen Reiches im Sinne. Die Grundlage für seine in Libyen begangenen Kolonialverbrechen war die Ideologie der Überlegenheit der römischen Rasse. Diese faschistische Rassenideologie klassifizierte die Afrikaner als „minderwertige Rasse“. Mit der Eroberung Libyens und der Vernichtung der Araber und Berber verfolgte Mussolini seinen Traum von der römischen Herrenrasse. Diese sei dazu auserwählt, Herrscher über Afrika zu sein. Die „Rassenideologie“ hat klare Parallelen zum arischen Weltbild. Demnach sei die römische Rasse „überlegen“, für sie sei „nichts wahr und alles erlaubt“[2] und die Masse der Menschen bestünde lediglich aus Herren und Sklaven. Diese Paradigmen Mussolinis stammen teilweise aus Julius Evolas Werk, „Die Söhne der Sonne“, welches Bestandteil von Mussulinis „Rassenmanifest“ ist, eine Liste von Gesetzen zur Zeit des italienischen, faschistischen Regimes.

    5. RASSISMUS ALGERIEN

    „Frankreich, die Herrin von Algerien“
    Frankreich war von 1830 bis 1962 Kolonialherrscher Algeriens. Die gemeinsame Geschichte stellt bis heute ein breit diskutiertes Thema in Frankreich und in Algerien dar. Es verbindet die beiden Länder, ein Verbund, der häufig auch negative Ergebnisse in der Politik und in der Gesellschaft dieser Länder mit sich bringt.

    Frankreich weigerte sich 1827 finanzielle Schulden bei Algerien zu begleichen. Bei einem Treffen des algerischen Herrschers, Dey Hussein, und des französischen Konsuls, Pierre Deval, wurde Gerüchten zufolge der Konsul von Hussein dreimal mit einem Fliegenwedel geschlagen, nachdem Deval behauptet hatte, Frankreich würde die Rückzahlung für „unnötig“ erklären. Das Ereignis wurde zum Vorwand der Eroberung Algeriens. Augenzeugen, wie der deutsche Reisende und Abenteurer Simon Friedrich Pfeiffer, sprachen von einer Inszenierung. [8] 1830 begann ein Krieg um die Herrschaft über Algiers. Dey Hussein unterzeichnete nach der Schlacht um Algier die Kapitulation und Übergabe Algiers an Frankreich.

    1847 gab der Führer der Freiheitskämpfe, Emir Abd-El Qader den Widerstand gegen die französischen Soldaten um Algerien auf. Er flüchtete ins Ausland. Ein Jahr später wurde Algerien als Bestandteil Frankreichs und Siedlungskolonie deklariert. Die Kabylei, ein algerisches Gebiet und die Heimat der Berber in Algerien, leistete Widerstand, wurde jedoch von 80 000 französischen Soldaten niedergeschlagen. Dabei verlor Algerien 25 % seiner Bevölkerung und 70% des Landbesitzes an europäische Siedler.

    „Das Gesetz der Eingeborenen“
    Es wurde der „Code de l’indigénat“, „Gesetz der Indigenität“, 1881 in Algerien eingeführt. Dieses Gesetz schreibt den indigenen Völkern Algeriens ihre Menschlichkeit und Souveränität ab. Es unterscheidet zwischen „les citoyen francais“, den Franzosen und „les sujets francais“, den eingeborenen algerischen Völkern. Das Gesetz beschreibt die Algerier als „Sujets“, als Objekte, und unterwirft sie den Franzosen.

    Dieses Gesetz brachte Algerien in einen politischen Ausnahmezustand. Jeglicher Verstoß gegen dieses unmenschliche Gesetz wurde mit Geldstrafen oder Haft bestraft. Die Algerier galten als „francais musulmans“. Sie konnten die französische Staatsbürgerschaft nur auf Antrag erlangen. Die Gesellschaft wurde unterteilt. Daraus lässt sich schließen, dass propagiert wurde, seine Identität als Muslim aufzugeben, um seinen Status als „Untertan“ verlieren zu können. Sartre deutete darauf hin, dass zur Kolonialzeit Araber als „Menschen auf der Stufe eines höheren Affen“ dargestellt wurden. Dies ist eine politische Maßnahme, um die Psyche der Algerier zu schwächen. Ein Identitätsverlust wird suggeriert Eine rassistische und höchst unmenschliche Art der Kriegsführung. Identitätsverlust bricht den Widerstand und die Einigkeit. Rassismus versucht zu stigmatisieren, aber gleichzeitig ist es eine Herrschaftsform. Das Prinzip „Teile und herrsche“ wird verfolgt, eine psychische Zermürbung und gleichzeitige Folter, denn Identitätsverlust ist ein Angriff auf die Ehre, Persönlichkeit und Stärke des Menschen. Rassismus ist ein Herrschaftssystem. Die Französische Regierung setzte in Algerien strukturellen Rassismus ein. Gesetze legitimierten die Ausgrenzung und Diskriminierung der Algerier in der französischen Kolonie. Bis 1946 war das Gesetz in allen französischen Kolonien gültig, wurde jedoch für die Algerier erst 1962 von den Franzosen abgesetzt.

    Rassismus führt zu Völkermord
    1954 bis 1962 wütete in der französischen Kolonie der Algerienkrieg. Nach französischen Quellen verloren während des Krieges rund eine Millionen Algerier gewaltsam ihr Leben. Frankreich verlor hunderttausend französische Soldaten. Algerische Quellen gehen von rund 1,5 Millionen bis 2 Millionen algerischen Toten aus. Der Unabhängigkeitskrieg beinhaltet etliche Massaker und zeugt von einer massiven Brutalität von Seiten der französischen Soldaten, aber auch der algerischen Freiheitsbewegung FLN.
    Es gibt zahlreiche Zeugnisse, festgehalten in Briefen und Schriften französischer Schriftsteller, Soldaten, politischer Führer und Strategen, die von rassistisch getriebenen Beweggründen berichten. Oberst Lucien-Francois de Montagnac schrieb in einem Brief 1842:

    „Wir töten, wir erwürgen. Die Schreie der Verzweifelten, der Sterbenden mischen sich mit dem Lärm des brüllenden, blökenden Viehs. Ihr fragt mich, was wir mit den Frauen machen. Nun, wir behalten einige als Geiseln, andere tauschen wir gegen Pferde, der Rest wird wie Vieh versteigert. (…) Köpfe abschneiden, keine Artischockenköpfe, Menschenköpfe“.[9]

    So schrieb auch Louis de Baudicour, dass Soldaten, aus „Spaß“ Frauen verstümmelten und Kinder an Mauern den Schädel zerschmetterten. Victur Hugo spricht von Soldaten, die ein „Spiel“ entwickelten, in dem sie versuchten, Kinder in der Luft mit Bajonetten aufzufangen. Während des Krieges wurden Gliedmaßen und Körperteile verkauft oder zu Tierfutter verarbeitet.

    Augenzeugen berichten davon, dass mehrere Dörfer und in Höhlen flüchtende hilfesuchende Algerier „ausgeräuchert“ wurden. Algerische Dörfer wurden massiv mit Napalmangriffen bombardiert.

    Folter war während des algerischen Unabhängigkeitskrieg eine von den französischen Kommandanten und Soldaten häufig eingesetzte Methode, um die Aufenthaltsorte der Freiheitskämpfer zu erfahren. Der 5. Artikel der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen verbietet seit dem 10. September 1948 jegliche Form von Folter. Frankreich ist Gründungsmitglied der Vereinten Nationen. An diesem Beispiel lässt sich die Verachtung und der Rassismus der französischen Regierung erkennen.Menschenrechte gelten letztendlich „nur für Menschen“, aus welcher Prämisse heraus, hätte Frankreich sonst seine eigens aufgestellten Regeln verletzt?

    Beim Massaker von Sétif, einer Stadt im Osten Algeriens, wurden Zivilisten mit Mörsern bombardiert. Die Toten wurden von französischen Soldaten auf Scheiterhaufen verbrannt. Algerier wurden angezündet und bei lebendigem Leibe verbrannt und die Überlebenden wurden gezwungen im Chor „Wir sind Hunde und Ferhat Abbas (Algerischer „Mudjahid“, Freiheitskämpfer) ist ein Hund“[10] zu singen. Auch nach dieser rassistischen Demütigung wurden willkürlich ausgewählte Überlebende ermordet.

    Selbst auf französischem Boden wurden algerische Demonstranten erschossen. 1961 wurden friedliche Demonstranten, die gegen das Ausgehverbot für „französische Muslime“ in Paris auf die Straßen gingen, von französischen Sicherheitskräften brutal ermordet. Den Polizisten wurde der Befehl gegeben zu schießen. Dabei starben 200 Algerier. Die Leichen wurden in die Seine geworfen, und das Thema etliche Jahre lang verschwiegen.

    Auch Napoleon der Dritte versucht die Lage Algeriens mit rassistischen Argumenten zu rechtfertigen. Er sah Frankreich als„Herrin Algeriens, weil Gott dies gewollt hat“. Er erkannte in der Kolonisierung Algeriens eine „Zivilisierungsmission“. [11]

    Er stellt Frankreich als alleiniger Herrscher über Algerien und die algerischen Völker. Gott habe es so gewollt, ein Vorwand und gleichzeitig eine Rechtfertigung für die Massaker in Algerien. Algerien sei unzivilisiert und unterentwickelt, er verleugnet Jahrhunderte lange Zivilisation, Entwicklung und Forschung. Eine höchst rassistische Abwertung, die sein Volk zur selben Zeit aufwertet. Diese Verleugnung, Verleumdung, Aufwertung und Abwertung zeugt von seinen rassistischen und nationalsozialistischen Paradigmen.

    Algerische Überläufer, die der Kolonialmacht während des algerischen Krieges als Spione, Deserteure und Kämpfer beiseite standen, genossen lange Zeit das Vertrauen Frankreichs. Nach Ende des Krieges und der Unabhängigkeitserklärung Algeriens wurden diese „Harkis“ („Verräter“), zurück nach Algerien verfrachtet. Dort mussten sich die französischen Gehilfen der brutalen und blutigen Rache der FLN beugen. Frankreich ließ seine eigenen Helfer ihr „Schicksal erleiden“. Viele dieser Harkis wurden mit ihren Familien in Algerien ermordet.

    6. FAZIT/NACHWORT

    Rassismus und Kolonialismus
    All diese Massaker zeugen von einer unmenschlichen Brutalität und Schrecklichkeit, die sich durch den Rassismus seitens der europäischen Machthaber entwickelte und auf grausame Art und Weise seine vergifteten Zweige weit in Algerien und Nordafrika ausbreitete.
    Europa hat Afrika aus wirtschaftlichen Gründen kolonialisiert, die Missachtung der Menschen und Völker in den jeweiligen Ländern spielte dabei jedoch eine grundlegende Rolle: Europäische Mächte stellten sich über die Belange der Völker und zusätzlich über die Völker selbst. Sie sahen eine gottgewollte Kontrolle über diese Völker als selbstverständlich an. Ihre Gier und Macht wurde von empathischen, moralischen und mitmenschlichen Gefühlen nicht gehemmt, da sie die Völker Afrikas als unwürdig der Zivilisierung und unwürdig des Menschseins erklärten. Gesetze bezeichneten die Völker der kolonialisierten Staaten als Objekte (Siehe Code de l’indigénat, Rassenmanifest). Ihre Menschlichkeit wurde ihnen aberkannt. Sie waren Spielbälle der Kolonialmacht, untergeordnet, de-individualisiert, und diskriminiert. Eigene Gesetze und Konventionen wurden missachtet und gebrochen. Für die Opfer dieser Massaker wurde bis heute keine Entschädigung gezahlt, Kolonialismus wird relativiert. Rassismus ist ein Machtungleichgewicht, dieses Ungleichgewicht ist bis heute, 40 Jahre nach der letzten großen Kolonie Frankreichs spürbar. Algerien und Afrika sind zerrüttet, wenige Jahre nach der Unabhängigkeit tobten in Algerien und in anderen ehemaligen Kolonien blutige Bürgerkriege.

    Nachwort

    Kolonisation ist eine der unmenschlichsten und unendlichsten größten Tragödien in der Geschichte Europas und der kolonialisierten Völker. Leider wird dieses Thema, gewollt oder ungewollt, immer noch in Europa, insbesondere in Frankreich als Tabu behandelt. Es bedarf der Aufklärung und intensiven Auseinandersetzung. Kolonialismus wird unter der Berücksichtigung des Rassismus unzureichend behandelt.
    Dieser schwarze Fleck in der europäischen Geschichte stellt unmittelbar und vollkommen das politische Interesse und die gesellschaftliche Gesinnung der Mehrheit der Menschen zu diesem Zeitpunkt dar und sollte diametral zu den Normen und Werten unseres heutigen europäischen Weltbildes stehen.
    Wir verboten den afrikanischen Völkern sich selbst weiterzuentwickeln, in politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht. In den meisten Kolonien war ein reguläres, fortschreitendes und sich entwickelndes gesellschaftliches Leben nahezu unvorstellbar. Heute spricht man von der Unterentwicklung Afrikas, diese Unterentwicklung ist jedoch nur bedingt selbstverschuldet. Durch die Ausbeutung und Kolonialisierung Afrikas kam es zu diesem Rückstand. Für diesen Rückstand sind wir Menschen verantwortlich und wir Menschen müssen es sein, die den gedemütigten, getriebenen, gebrochenen und terrorisierten Völkern und Menschen der Erde, die das gleiche Schicksal erlitten und sich der Knechtschaft des Kolonialismus unterwerfen mussten finanziell, human und politisch zur Seite stehen. Wir müssen uns mit diesem Verbrechen offen auseinandersetzen, die Gründe verurteilen und uns unserer Verantwortung stellen.

    Quellen:
    [1] Zitat aus: Arte-Dokumentation: „Kolonialismus, Beginn in Afrika“
    [2] Bild aus: http://medien.filmreporter.de/images/10071.jpg
    [3] Zitat aus: http://www.oew.org/de/archiv_news.php?id=185&arch_id=1
    [4] Bild aus: http://de.academic.ru/pictures/dewiki/75/Kolonisation_Afrikas.png

    Weitere Quellen Teil 1:
    – Arte-Dokumentation: Kolonialismus, Beginn in Afrika
    – Bpb: Kolonialismus, Rassismus und Sprache; Ausbreitung des Kolonialismus
    http://www.lwg.uni-hannover.de/wiki/Sklaverei _in _ Afrika

    ———————————————————-

    [Verfasser Teil 2: Badr-Eddine Adamou]

    [5] Bild aus: „L’Illustration“. 1885/I. Link: http://www.flickr.com/photos/48216873@N03/4418490888/
    [6] Italienische Kriegsverbrechen Afrika (Wikipedia)
    [7] Zusammengefasst aus: http://www.jadaliyya.com/pages/index/1585/rajab-buhwaysh-no-illness-but-this-place
    [8] Simon Friedrich Pfeiffer: Meine Reisen und meine fünfjährige Gefangenschaft in Algier. Giessen 1834, S. 119–129.
    Zusammenfassung aus: Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Schlag_mit_dem_Fliegenwedel
    [9] Zitat. Aus: Jürgen Todenhöfer: „Feindbild Islam“. S.5-6; S.6
    [10] Zitat. Übersetzt aus http://www.ldh-toulon.net/spip.php?article286 „« Nous sommes des chiens et Ferhat Abbas est un chien »“
    [11] Zitat. Aus: Jürgen Todenhöfer: „Feindbild Islam“. S.6

    Weitere Quellen Teil 2:
    – Jürgen Todenhöfer „Feindbild Islam“
    – Patrick Weil „Le Statut de musulmans en Algerie coloniale“
    – Massaker von Sétif: http://www.ldh-toulon.net/spip.php?article286
    – Massaker von Paris: http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2001/10/17/a0131
    – Die Zeit, diserve Artikel, darunter: http://www.zeit.de/2003/21/A-Libyen
    http://www.tlfq.ulaval.ca/axl/afrique/indigenat_code.htm
    – Rassenmanifest: http://www.agfriedensforschung.de/regionen/Italien/afrika.html
    – Bpb: Kolonialismus, Rassismus und Sprache; Ausbreitung des Kolonialismus
    http://www.jadaliyya.com/pages/index/1585/rajab-buhwaysh-no-illness-but-this-place (Libyen Konzentrationslager)
    – Die Städte der Konzentrationslager: Italienische Kriegsverbrechen Afrika (Wikipedia)
    – Lebenserfahrung; Augenzeugenberichte über Folter teilweise aus dem persönlichem Umfeld (Großvater)

    http://www.denktag.de/aufbrechen/international/rassismus-wahrend-des-kolonialismus/

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Afrika, globale Konflikte, Menschenrechte, Nord-Süd-Beziehungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s