Putin bedroht uns!? Die deutsche Regierung hat unsere Großväter schon 1914 belogen und viele in den Tod geschickt! Die Gedenktafeln zeigen die Liste der Leute, die – so die Aufschriften – fürs Vaterland gestorben seien! Es war ein Lüge! Den eigenen Willen zum Krieg log die deutsche Regierung um, um und behauptete, die Russen greifen uns an, wir müssen das Vaterland verteidigen! Denn viele wollten keinen Krieg und konnten nur durch diese Lüge überzeugt oder genötigt werden. Der Reichskanzler: „Sollte uns das Schwert in die Hand gezwungen werden, so werden wir ins Feld ziehen mit gutem Gewissen und dem Bewusstsein, dass nicht wir den Krieg gewollt haben.“ Der Chef des Marinekabinetts, Admiral Georg von Müller, freute sich über den gelungenen Coup des Reichskanzlers und notierte am Abend des 4. August: „Stimmung glänzend. Die Regierung hat eine glückliche Hand gehabt, uns als die Angegriffenen hinzustellen.“ Mit der Manipulation, den eigenen Willen zum Krieg in einen Verteidigungskrieg umzulügen, drängte Bethmann Hollweg die zögernde Sozialdemokratie, die noch kurz zuvor deutschlandweit Friedensdemonstrationen organisiert hatte, dazu, eine Verteidigungssituation anzunehmen, in der sie sich dem Vaterland nicht verweigern wollte. Der prominente Reichstagsabgeordnete und Theoretiker des Revisionismus, Eduard Bernstein, der zum rechten Flügel der SPD zählte, stimmte am 4. August 1914 im Glauben an die Rechtmäßigkeit der deutschen Sache im Reichstag für die Kriegskredite. Aber bereits im Oktober 1914, nach dem Studium veröffentlichter Dokumente zum Kriegsbeginn, erkannte er: „Die deutsche Regierung ist der Hauptschuldige am Kriege; wir sind eingeseift worden; die Bewilligung der Kriegskredite war ein Fehler.“8 Bei den meisten Deutschen hat sich diese Erkenntnis auch später nicht durchgesetzt, bei vielen sogar bis heute nicht.

Wolfram Wette

Deutsche Kriegslügen in der Julikrise 1914

Kaum jemals in der Weltgeschichte ist die Wahrheit so verdreht worden wie in Deutschland während der Julikrise 1914. Die Spätfolgen sind noch heute, 100 Jahre danach, mit Händen zu greifen: Historiker schwadronieren über Schlafwandler, die in einer komplexen Konfliktlage angeblich nicht wussten, was sie taten, als sie den Weltkrieg entfesselten.

In der Welt von 1914 war der Krieg noch nicht verboten. Das geschah erst mit dem Briand-Kellogg-Stresemann-Pakt von 1929. Aber in den Bevölkerungen der europäischen Nationalstaaten besaß der Angriffskrieg schon seit dem 19. Jahrhundert keine allgemeine Akzeptanz mehr. Großmächte wie Russland, England und Frankreich suchten den Krieg als Mittel der Politik zugunsten friedlicher Lösungen zu überwinden. Solche Bemühungen sind allerdings auf den Haager Friedenskonferenzen von 1899 und 1907 hauptsächlich an Deutschland gescheitert.

Die in ihrer großen Mehrheit friedliebenden Menschen waren bereit, ihr Land zu verteidigen, nicht aber, sich für Eroberungen missbrauchen zu lassen. Daher mussten kriegswillige Regierungen bestrebt sein, ihre Absichten vor der Bevölkerung des eigenen Landes zu kaschieren und eine Verteidigung vorzutäuschen. Genau nach diesem Muster agierte die deutsche Reichsleitung in der Julikrise 1914, angeführt von Reichskanzler Theobald v. Bethmann Hollweg.

Er war sich darüber im Klaren, dass sich der industrialisierte Volkskrieg der Zukunft nur mit Aussicht auf Erfolg führen ließ, wenn es gelang, die Industriearbeiterschaft und ihre Organisationen – die Sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften – mit ins Boot der nationalen Kriegspolitik zu holen. Das war nicht einfach. Denn in diesen Kreisen wurde ein möglicher Zukunftskrieg als „verbrecherischer Wahnsinn“, als „Massenmord“ und als„Attentat gegen Menschlichkeit und Vernunft“ angesehen und verworfen.1 Gleichzeitig betrachtete man einen Krieg zur Verteidigung des Landes jedoch als legitim, dies zumal, wenn zum Beispiel die Aggression von dem als reaktionär, despotisch und kulturfeindlich eingeschätzten Russland ausgehen sollte.

Tatsächlich gelang es Theobald von Bethmann Hollweg in der Julikrise von 1914 durch eine geschickte Regie, mit der wahrheitswidrigen Behauptung den Eindruck zu erwecken, Deutschland sei nichts anderes übrig geblieben, als auf die russische Generalmobilmachung zu reagieren. Am Abend des 31. Juli 1914 verkündete Kaiser Wilhelm II. auf einer patriotischen Kundgebung vor dem Berliner Schloss: „Neider zwingen uns zu gerechter Verteidigung. Man drückt uns das Schwert in die Hand.“2 Der Reichskanzler sekundierte: „Sollte uns das Schwert in die Hand gezwungen werden, so werden wir ins Feld ziehen mit gutem Gewissen und dem Bewusstsein, dass nicht wir den Krieg gewollt haben.“3

Am 1. August erklärte das Deutsche Reich Russland den Krieg. Die Kriegserklärung an Frankreich erfolgte am 3. August. Einen Tag später verkündete Wilhelm II. im Reichstag, was ihm Bethmann Hollweg vorformuliert hatte: „In aufgedrungener Notwehr mit reinem Gewissen und reiner Hand ergreifen wir das Schwert.“ Gleichzeitig beschwor er unter stürmischem Beifall der Abgeordneten die innere Einigkeit des deutschen Volkes mit dem Satz: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche.“4 Bethmann Hollweg hatte sein Ziel erreicht. Er konnte nun vor dem Reichstag seine historische Verteidigungslüge präsentieren: „Russland hat die Brandfackel an das Haus gelegt. Wir stehen in einem erzwungenen Kriege mit Russland und Frankreich.“5 Im Hinblick auf Frankreich belog der Reichskanzler die Abgeordneten zusätzlich mit den völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen: „Bombenwerfende Flieger, Kavalleriepatrouillen auf reichsländisches Gebiet, eingebrochene französische Kompagnien! Damit hat Frankreich, obwohl der Kriegszustand noch nicht erklärt war, den Frieden gebrochen und uns tatsächlich angegriffen.“6

Mit der Manipulation, den eigenen Willen zum Krieg in einen Verteidigungskrieg umzulügen, drängte Bethmann Hollweg die zögernde Sozialdemokratie, die noch kurz zuvor deutschlandweit Friedensdemonstrationen organisiert hatte, dazu, eine Verteidigungssituation anzunehmen, in der sie sich dem Vaterland nicht verweigern wollte. Gegen den Willen von 14 ihrer Mitglieder bewilligte die aus 110 Abgeordneten bestehende SPD-Reichstagsfraktion daraufhin die ersten Kriegskredite. Der Chef des Marinekabinetts, Admiral Georg von Müller, freute sich über den gelungenen Coup des Reichskanzlers und notierte am Abend des 4. August: „Stimmung glänzend. Die Regierung hat eine glückliche Hand gehabt, uns als die Angegriffenen hinzustellen.“7

Der prominente Reichstagsabgeordnete und Theoretiker des Revisionismus, Eduard Bernstein, der zum rechten Flügel der SPD zählte, stimmte am 4. August 1914 im Glauben an die Rechtmäßigkeit der deutschen Sache im Reichstag für die Kriegskredite. Aber bereits im Oktober 1914, nach dem Studium veröffentlichter Dokumente zum Kriegsbeginn, erkannte er: „Die deutsche Regierung ist der Hauptschuldige am Kriege; wir sind eingeseift worden; die Bewilligung der Kriegskredite war ein Fehler.“8 Bei den meisten Deutschen hat sich diese Erkenntnis auch später nicht durchgesetzt, bei vielen sogar bis heute nicht.

1 Aus der Resolution des Internationalen Sozialistenkongresses Basel 1912. In: Außerordentlicher Internationaler Sozialisten-Kongress zu Basel am 24. und 26. November 1912 [Protokoll]. Berlin 1912, S. 23.

2 Ansprache Wilhelms II. vom 31.7.1914 , in: Schulthess´ Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. 30. Jg. 1914. Hrsg. v. Wilhelm Stahl. Erste Hälfte. Berlin 1917, S. 370.

3 Ansprache von Reichkanzler Bethmann Hollweg am Abend des 31.7.1914, in: ebda., S. 370 f.

4 Thronrede Kaiser Wilhelms II. vom 4. August zur Eröffnung des Reichstags im Weißen Saal des königlichen Schlosses, in: ebda., S. 381 f.

5 Rede Bethmann Hollwegs vor dem Reichstag am 4.7.1914, in: ebda., S. 382 f.

6 Ebda., S. 384.

7 Notiz Admiral v. Müllers vom 1.8.1914, zit. nach Dieter Groh: Negative Integration und revolutionärer Attentismus. Die deutsche Sozialdemokratie am Vorabend des Ersten Weltkrieges, Frankfurt/M., Berlin, Wien 1973, S. 672; ebenfalls zitiert von Fritz Fischer, Juli 1914, S. 42 (dort Hinweis auf die Quelle: BA-MA, N 159/4).

8 Das Kriegstagebuch des Reichstagsabgeordneten Eduard David 1914 bis 1918. In Verbindung mit Erich Matthias bearbeitet von Susanne Miller. Düsseldorf 1966, Eintrag vom 3.9.1914, S. 32.

http://www.aixpaix.de/muenchhausen/julikrise.html

Der „Blankoscheck“ von 1914

Geheim! So beginnt das als Blankoscheck bekannt gewordene Telegramm
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Nach dem tödlichen Attentat auf den österreichischen Thronfolger fasste Österreich-Ungarn eine militärische Aktion gegen Serbien ins Auge. Kaiser Wilhelm II. erklärte der Donaumonarchie daraufhin die Bündnistreue – der sogenannte „Blankoscheck“.

Die sogenannte Julikrise von 1914 begann mit einem Briefwechsel: Am 5. Juli 1914 schrieb der österreichische Kaiser Franz-Joseph einen Brief an Kaiser Wilhelm II., in dem er andeutete, dass er eine militärische Aktion gegen Serbien ins Auge fasse. Grund dafür war das tödliche Externer Link, öffnet in neuem FensterAttentat gegen den österreichischen Thronfolger Franz-Ferdinand in Sarajewo wenige Tage zuvor. Die Spitze der Donaumonarchie war überzeugt, dass das Nachbarland Serbien hinter dem Übergriff stehe: Dort hatten die Attentäter Instruktionen und Waffen erhalten. Eine tatsächliche Beteiligung oder Mitwisserschaft der serbischen Regierung war allerdings zu diesem Zeitpunkt unbewiesen.

„Im Einklang mit den Bündnisverpflichtungen“

Der Zusatz „unter allen Umständen“ wurde gestrichen
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Dennoch fand der österreich-ungarische Standpunkt in Berlin ungeteilte Unterstützung, und so ließ eine Antwort nicht lang auf sich warten: Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg schickte im Auftrag Kaiser Wilhelms II. am 6. Juli 1914 ein Telegramm an die deutsche Botschaft in Wien. Darin erklärte der deutsche Kaiser, „im Einklang mit seinen Bündnisverpflichtungen und seiner alten Freundschaft treu an der Seite Österreich-Ungarns [zu] stehen.“ Der Zusatz „unter allen Umständen“ im Entwurf des Telegramms, der im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts lagert, war zuvor vom Reichskanzler gestrichen worden.

Die Donaumonarchie war seit 1879 im sogenannten „Zweibund“ mit Deutschland verbündet; in den Jahren zuvor hatte sie sich zunehmend zum wichtigsten und nahezu einzigen Partner Deutschlands entwickelt. Dennoch war sich die Spitze des Deutschen Reichs des Risikos bewusst, das mit dem sogenannten Blankoscheck einherging. Die geopolitische Lage war angespannt: In Südosteuropa trafen sich die Einflussgebiete Österreich-Ungarns und Russlands; Serbien hatte sich in den Jahren zuvor immer stärker dem Zarenreich angenähert. Die Verantwortlichen in Wien und Berlin hofften möglicherweise dennoch, den Konflikt lokalisieren zu können – erfolglos, wie sich in den kommenden Wochen und Monaten herausstellen sollte. Der „Blankoscheck“ sollte sich im Rückblick als wichtiger Meilenstein auf dem Weg in den Ersten Weltkrieg erweisen.

Weitere Informationen

Telegramm von Kaiser Wilhelm II. und Reichskanzler Bethmann Hollweg an die deutsche Botschaft in Wien („Blankoscheck“) (PDF, 2 MB)

Externer Link, öffnet in neuem FensterDas Attentat von Sarajewo

Externer Link, öffnet in neuem FensterJulikrise 1914 – Schlafwandelnde Diplomaten?

http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Gedenkjahr2014/Dokument_des_Monats/140321_Blankoscheck.html

Diese Vollmacht gab Österreich-Ungarn in der Julikrise die notwendige Rückendeckung für ein Ultimatum an Serbien. Die Blankovollmacht gilt als die letzte Voraussetzung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Mit dieser Vollmacht gab die deutsche Reichsregierung Wien grünes Licht für das Vorgehen gegen Serbien und drängte auf eine schnelle Aktion, „um den jetzigen für uns so günstigen Moment nicht unbenutzt zu lassen“, wie Kaiser Wilhelm meinte. Er glaubte nämlich, dass Russland noch nicht kriegsbereit sei, und man somit einen Zweifrontenkrieg verhindern könnte. Unterstellt man Deutschland zu diesem Zeitpunkt nicht den Willen zum „Großen Krieg“, wie es beispielsweise Fritz Fischer tat, könnte diese Blankovollmacht sogar den deutschen Glauben an eine Lokalisierbarkeit des Krieges widerspiegeln. Beispielsweise meintVolker Berghahn, dass der deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg diesen Blankoscheck nur für einebegrenzte Aktion auf dem Balkan ausstellte.[1] In diesem Fall hätte die Vollmacht eine Funktion der Abschreckung erfüllen können, indem sie Mächten, die Pläne gehabt haben könnten, Österreich-Ungarn aufgrund ihres Krieges mit Serbien anzugreifen, klarzumachen, dass sie in diesem Fall nicht nur Österreich-Ungarn als Gegner fürchten müssten, sondern eben auch Deutschland. Möglicherweise glaubte der Kaiser laut Berghahn zu diesem Zeitpunkt tatsächlich, dass er so den Krieg lokal begrenzen könnte – dass er eben auf dem Balkan ausgetragen würde – und dass so der große Krieg mit Russland, Frankreich und England vermieden werden könnte.[1]

http://de.wikipedia.org/wiki/Blankovollmacht

Im Westen nichts Neues zeigt den ganzen Wahnsinn des Krieges, den unsere Großväter erlebten und über andere Völker bringen mussten. Die Nationalsozialisten griffen Filmveranstaltungen an, damit die Menschen nicht lernen können, was Krieg heißt.

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