„Ein verkaufter Mercedes wiegt zweifellos mehr als ein Leben.“ Argentinische Großmutter findet ihren Enkel, den die argentinischen Militärs der Familie genommen hatten; nachdem sie ihre Tochter inhaftiert, gefoltert und nach der Geburt erschossen hatten. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden unter der Militärherrschaft rund 30.000 Menschen ermordet oder verschwanden spurlos. In dieser Zeit der Militärdiktatur fand die Fußballweltmeisterschaft in Argentinien statt! US-Außenminister Henry Kissinger sagte Vertretern der Militärdiktatur 1976, dass er hoffe, dass sie ihr „Terrorismusproblem so schnell wie möglich unter Kontrolle bringen“ würden. Der argentinische Außenminister Guzzetti, der mit scharfer Kritik an den Menschenrechtsverletzungen seiner Regierung gerechnet hatte,[6] war danach in „euphorischer Stimmung“.[7]In den nächsten sieben Jahren ermordeten die Militärs bis zu 30.000 Menschen. Kissinger soll jetzt von der Bonner Universität geehrt werden. Der deutschen Regierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem dafür zuständigen Außenminister Hans-Dietrich Genscher wurde mehrfach vorgeworfen, dass sie mehr Wert auf gute wirtschaftliche Beziehungen zu Argentinien gelegt und sich nicht darum gekümmert hätte, dass die insgesamt etwa 100 entführten Deutschen und Deutschstämmigen (z. B.Elisabeth Käsemann und Klaus Zieschank) überlebten. Dem Personal der Deutschen Botschaft in Buenos Aires wird von Angehörigen der Verschwundenen vorgeworfen, dass gute Wirtschaftsbeziehungen zu Argentinien vorrangig gewesen seien, die akute Gefahrensituation von Folter und Mord durch die Militärs hingegen vernachlässigt worden sei. Von Seiten der Botschaft seien die verzweifelten Familienangehörigen von „verschwundenen“ Menschen an angeblich „gut informierte“ Militärs wie den oft in der Botschaft anzutreffenden „Major Peirano“ verwiesen worden (nach der Diktatur stellte sich der Name als falsch heraus) − dieser war allerdings ein Angehöriger der selbst massiv und zentral in die Menschenrechtsverletzungen der Diktatur verwickelten Geheimdiensteinheit Batallón de Inteligencia 601.

Argentinische Großmutter fand nach 36 Jahren geraubten Enkel

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    Die „Großmütter der Plaza de Mayo“ feiern: Estela de Carlotto hat ihren vermissten Enkel gefunden

6. August 2014, 14:46

Buenos Aires – Die Vorsitzende der argentinischen Menschenrechtsgruppe „Großmütter der Plaza de Mayo“ hat ihren vor 36 Jahren von den Militärs geraubten Enkel wiedergefunden. Die Identität des Mannes sei am Dienstag bei einem Gentest festgestellt worden, sagte die 83-jährige Estela de Carlotto in Buenos Aires. „Ich danke Euch allen. Ich wollte ihn noch einmal in die Arme nehmen, bevor ich sterbe.“

Ihre Tochter Laura Carlotto, Mitglied der linksperonistischen Stadtguerilla Montoneros, war 1977 von der rechtsgerichteten Militärjunta in ein Gefangenenlager gesteckt und gefoltert worden, sie war damals im dritten Monat schwanger. Zwei Monate nach der Geburt ihres Sohnes Guido im Juni 1978 wurde sie per Kopfschuss getötet.

Kind nach fünf Stunden entführt

Ihr Baby durfte sie nach Angaben ihres Bruders, des peronistischen Abgeordneten Remo Carlotto von der Regierungspartei „Front für den Sieg“, gerade einmal fünf Stunden bei sich haben. Das Baby wurde von einem Militärangehörigen an eine Familie übergeben, die es nach Carlottos Angaben vermutlich ohne Wissen um seine genaue Herkunft aufnahm und großzog.

Der inzwischen 36-Jährige lebt als Ignacio Hurban in Olavarria, 350 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Buenos Aires. Nach Angaben der Justiz und von Angehörigen unterzog er sich freiwillig einem Gentest, um seine Herkunft zu klären. „Er ist sehr glücklich und aufgewühlt, wir werden ihn bald sehen“, sagte seine Tante Claudia Carlotto am Dienstag. Ihr Enkel brauche ein wenig Zeit, um das alles zu verarbeiten, fügte Estela Carlotto hinzu. Mit seiner biologischen Familie telefonierte er erstmals am Dienstag.

Die Pressekonferenz Carlottos fand im Beisein ihrer drei Kinder, 14 Enkelkinder und zwei Urenkelkinder statt. Ebenfalls anwesend waren etwa 20 während der Militärdiktatur von Regierungsanhängern zwangsadoptierte Männer und Frauen im Alter von Mitte dreißig, die zum Teil mithilfe der „Großmütter der Plaza de Mayo“ hinter ihre wahre Identität kamen.

500 Kinder geraubt

In der Zeit der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 raubte die Junta etwa 500 Kinder von Regimekritikern. Carlottos Enkel ist das 114. von ihnen, das von den Familien wiedergefunden wurde. Die Großmütter der Plaza de Mayo und die Schwesterorganisation Mütter der Plaza de Mayo führen die landesweite Suche nach den geraubten Kindern. Estela Carlotto, deren Leben der Film „Verdades Verdaderes“ (Wirkliche Wahrheiten) 2011 ein Denkmal setzte, versprach, dass auch sie persönlich die Suche fortsetzen werde.

Wegen des Babyraubs während der Militärdiktatur wurden die beiden ehemaligen Diktatoren Jorge Videla und Reynaldo Bignone 2012 zu 50 Jahren beziehungsweise 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Beide verbüßten zu diesem Zeitpunkt bereits lebenslange Haftstrafen wegen Menschenrechtsverletzungen. Videla starb im Mai 2013. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden unter der Militärherrschaft rund 30.000 Menschen ermordet oder verschwanden spurlos. (APA, 6.8.2014)

 

http://derstandard.at/2000004065390/Argentinische-Grossmutter-fand-nach-36-Jahren-geraubten-Enkel

Zustimmung der USA[Bearbeiten]

US-Außenminister Henry Kissinger sagte Vertretern der Militärdiktatur 1976, dass er hoffe, dass sie ihr „Terrorismusproblem so schnell wie möglich unter Kontrolle bringen“ würden. Der argentinische Außenminister Guzzetti, der mit scharfer Kritik an den Menschenrechtsverletzungen seiner Regierung gerechnet hatte,[6] war danach in „euphorischer Stimmung“.[7]In den nächsten sieben Jahren ermordeten die Militärs bis zu 30.000 Menschen.

Die Militärjunta nahm dabei an, dass sie für dieses Vorgehen die Billigung der USA hätte. Dies beruhte unter anderem auf einem Treffen des argentinischen Außenministers Admiral Guzzetti mit US-Außenminister Henry Kissinger im Juni 1976, wobei dieser wider Erwarten zustimmende Signale zu einem harten Vorgehen zur Lösung des „Terrorismus-Problems“ gegeben hatte.[7] Dies wurde offensichtlich als Freibrief für Terror gegen sämtliche Oppositionellen verstanden. Robert Hill, der damalige Botschafter der USA in Argentinien, beschwerte sich in Washington über die „euphorische Reaktion“[7] des Argentiniers nach dem Treffen mit Kissinger. Außenminister Guzzetti hatte danach den anderen argentinischen Regierungsmitgliedern berichtet, nach seinem Eindruck würde es den USA nicht umMenschenrechte gehen, sondern darum, dass die ganze Sache „schnell gelöst“ würde. Die Militärjunta lehnte in der Folge Eingaben der US-Botschaft bezüglich der Einhaltung der Menschenrechte ab, und verwies zur Begründung auf Kissingers „Verständnis“ für die Situation. Hill schrieb nach einem weiteren Treffen der beiden:

„Guzzetti wandte sich an die USA in der vollen Erwartung, starke, deutliche und direkte Warnungen zur Menschenrechtspraxis seiner Regierung zu hören; stattdessen kam er in einem jubilierenden Zustand [engl. ‚state of jubilation‘] nach Hause, überzeugt von der Tatsache, dass es mit der US-Regierung kein echtes Problem in dieser Sache gäbe.“[7]

Vorwürfe an die deutsche Regierung[Bearbeiten]

Für eine detaillierte Analyse der Hintergründe und Motivation der deutschen Behörden, sieheElisabeth_Käsemann#Deutungsversuche für die Haltung der deutschen Regierung

Die deutscheSozialrevolutionärin Elisabeth Käsemann wurde 1977 von argentinischen Soldaten entführt, gefoltert und ermordet. Die Familie warf deutschen Behörden vor, sich zu wenig für ihre Freilassung eingesetzt zu haben.

Der deutschen Regierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem dafür zuständigen Außenminister Hans-Dietrich Genscher wurde mehrfach vorgeworfen, dass sie mehr Wert auf gute wirtschaftliche Beziehungen zu Argentinien gelegt und sich nicht darum gekümmert hätte, dass die insgesamt etwa 100 entführten Deutschen und Deutschstämmigen (z. B.Elisabeth Käsemann und Klaus Zieschank) überlebten.[8][9] Angehörige von deutschen „Verschwundenen“ erhoben vor allem schwere Vorwürfe gegen die deutsche Botschaft in Buenos Aires unter Botschafter Jörg Kastl und das Auswärtige Amt. Es gibt − eingehend dokumentiert im Fall Käsemann − zahlreiche Hinweise, dass die deutschen Behörden trotz eindringlicher Appelle der Familien zu wenig unternahmen, um bei den argentinischen Behörden zugunsten der willkürlich Verhafteten zu intervenieren.[9][10] Im Fall Käsemann gilt dies als besonders tragisch, da sie zum Zeitpunkt der Bitten der Familie an die Behörden zwar schwer gefoltert wurde, aber noch lebte. Nachdem bekannt wurde, dass sie durch vier Schüsse in den Rücken bei einem angeblichen Gefecht mit Rebellen getötet worden war, eine bald widerlegte Schutzbehauptung der Argentinier, meinte ein Familienmitglied: „Ein verkaufter Mercedes wiegt zweifellos mehr als ein Leben.“[8] Bis heute setzt sich die deutsche Organisation Koalition gegen Straflosigkeit teilweise erfolgreich für die Strafverfolgung der an Verbrechen an Deutschen beteiligten Täter ein.

Dem Personal der Deutschen Botschaft in Buenos Aires wird von Angehörigen der Verschwundenen vorgeworfen, dass gute Wirtschaftsbeziehungen zu Argentinien vorrangig gewesen seien, die akute Gefahrensituation von Folter und Mord durch die Militärs hingegen vernachlässigt worden sei. Von Seiten der Botschaft seien die verzweifelten Familienangehörigen von „verschwundenen“ Menschen an angeblich „gut informierte“ Militärs wie den oft in der Botschaft anzutreffenden „Major Peirano“ verwiesen worden (nach der Diktatur stellte sich der Name als falsch heraus) − dieser war allerdings ein Angehöriger der selbst massiv und zentral in die Menschenrechtsverletzungen der Diktatur verwickelten Geheimdiensteinheit Batallón de Inteligencia 601.[11]

http://de.wikipedia.org/wiki/Argentinische_Milit%C3%A4rdiktatur_(1976%E2%80%931983)

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