Der Bundeskanzler: „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, heute Abend hat die NATO mit Luftschlägen gegen militärische Ziele in Jugoslawien begonnen. Damit will das Bündnis weitere schwere und systematische Verletzungen der Menschenrechte unterbinden und eine humanitäre Katastrophe im Kosovo verhindern.“ Keine Parteien – auch nicht SPD oder Grüne – keine Presse haben uns geschützt, einen völkerrechtswidrigen Krieg der Nato gegen Serbien zu dulden oder gar zu unterstützen! Hier wird nachgewiesen, dass die deutsche Regierung uns Bürger bewusst belogen hat, um den Krieg zu rechtfertigen! Heute erklärt Schröder: Klar war das ein Bruch des Völkerrechts! Und jetzt das: Ethnische Säuberung gegen Serben und Roma in Kosovo mit Nato-Unterstützung? Ausschlachten der Organe von gefangenen Serben, um sie zu verkaufen! Die Anklage, die jetzt gegen hohe Mitglieder des Natoverbündeten, der UCK, erhoben worden ist, lässt einen erschauern. Wie wird die deutsche Presse darüber berichten? Die humanitäre Katastrophe, die – so Deutschlands Medien und Politiker – durch den Krieg gegen Serbien gestoppt werden sollte – so der Regierungssprech – begann erst richtig mit dem Krieg der Nato. Die Gräuel der UCK im Krieg gegen Serbien werden jetzt gerichtlich aufgearbeitet! Wann wird die Nato, wann werden die westlichen Regierungen und die deutsche Regierung zur Verantwortung gezogen! Völkerrecht, Menschenrechte – verlasst Euch nicht auf unsere jetzigen Institutionen – sie haben immer wieder bewiesen, dass sie uns nicht schützen – die Bürger die für diese Ziele stehen, müssen sich viel stärker selbst einbringen! Der Kosovokrieg macht jedem und jeder das auf traurige Weise deutlich! Bitte gebt diese Dokumente weiter und seht sie Euch mit Freunden und Kollegen an und diskutiert die Schlussfolgerungen für uns!

https://www.y-outube.com/watch?v=I1FdZP_pTcM

Clemens Ronnefeldt

Es begann mit einer Lüge

Kosovo-/Jugoslawienkrieg 1999

Vor 15 Jahren, am 24. März 1999, hielt der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die nachfolgende TV-Ansprache: Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, heute abend hat die NATO mit Luftschlägen gegen militärische Ziele in Jugoslawien begonnen. Damit will das Bündnis weitere schwere und systematische Verletzungen der Menschenrechte unterbinden und eine humanitäre Katastrophe im Kosovo verhindern. Der jugoslawische Präsident Milosevic führt dort einen erbarmungslosen Krieg. Die jugoslawischen Sicherheitskräfte haben ihren Terror gegen die albanische Bevölkerungsmehrheit im Kosovo allen Warnungen zum Trotz verschärft. Die internationale Staatengemeinschaft kann der dadurch verursachten menschlichen Tragödie in diesem Teil Europas nicht tatenlos zusehen. Wir führen keinen Krieg, aber wir sind aufgerufen, eine friedliche Lösung im Kosovo auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen (…) 1.

Noch einen Tag zuvor, am 23. März, wird vermutlich auch Bundeskanzler Gerhard Schröder den Lagebericht von 15.00 Uhr der Nachrichtenoffiziere des Bundesverteidigungsministeriums zur Kenntnis genommen haben, in dem u.a. zu lesen war: Das Anlaufen einer koordinierten Großoffensive der serbisch-jugoslawischen Kräfte gegen die UCK im Kosovo kann bislang nicht bestätigt werden 2.

Die Kosovo-/Jugoslawienbombardierungen sind vor dem Hintergrund der Kriege in Kroatien und Bosnien-Herzegowina von 1991 bis 1995 zu sehen, denen allein in Bosnien-Herzegowina mehr als 100 000 Menschen zum Opfer fielen – und die zur Aufnahme von mehr als 350 000 Flüchtlingen in Deutschland führten.

Im Kosovo wurden gewaltfreie Basisinitiativen viele Jahre nicht unterstützt 3. Ibrahim Rugova, 1992 und 1998 zum Präsidenten im Kosovo gewählt und Verfechter einer gewaltfreien Politik, fand im Ausland mit seinem Ansatz nur wenig Beachtung.

Der Kosovo-/Jugoslawienkrieg wurde mit der Begründung geführt, einen Völkermord zu verhindern, bei dem überwiegend die serbische Seite als Täter und die albanische Bevölkerung als Opfer in fast allen Leitmedien dargestellt wurden. Der WDR-Film Es begann mit einer Lüge 4 von Jo Angerer und Mathias Werth zeigte, dass die deutsche Öffentlichkeit massiv belogen wurde, um die dritte Bombardierung Belgrads in einem Jahrhundert zu rechtfertigen. Ein sogenannter Hufeisenplan existierte nicht, sondern war zu Propagandazwecken erfunden worden, das behauptete Massaker im Stadion von Pristina fand nicht statt.

Bei den Verhandlungen in Rambouillet wenige Wochen vor den NATO-Bombardierungen im März 1999 legten die Nato-Vertreter die Latte für die serbische Seite so hoch, dass kein Serbe mit Schulbildung diesen Vertrag hätte unterzeichnen können, wie Rudolf Augstein schrieb. Nato-Truppen sollten im gesamten verbliebenen serbischen Teil Jugoslawiens stationiert, Änderungen an Brücken, Straßen und anderer serbischer Infrastruktur zugelassen, den NATO-Soldaten Straffreiheit bei kriminellen Akten im Rahmen der anvisierten Besatzung zugestanden werden.

Die Lunte, mit welcher der Krieg gezündet wurde, war das so genannte Massaker von Racak am 15.1.1999 mit 45 Toten. Wie die Opfer zu Tode gekommen sind und wer die Verantwortung dafür trägt, ist bis heute nicht restlos aufgeklärt.

Heinz Loquai, seinerzeit zuständiger deutscher Brigadegeneral bei der OSZE in Wien, beschreibt in seinem Buch Der Kosovo-Konflikt – Wege in einen vermeidbaren Krieg, die Rolle des Leiters der Kosovo-Verifikationsmission (KVM) der OSZE, des US-Amerikaners William Walker, folgendermaßen: Eine objektive Betrachtung kann nicht umhin, das Verhalten des Leiters der KVM als unangemessen und außerhalb aller normalen Regeln für eine Person mit diplomatischem Status im Gastland zu bewerten. Er zog mit einer Schar von Journalisten vor Ort, ließ diese frei schalten, walten und fotografieren und, wie ein Teilnehmer sagte, die Toten auch mediengerecht positionieren 5. Für Außenminister Joschka Fischer war Racak der Wendepunkt – hin zum Nato-Krieg.

Die grundlegend falsche Annahme: Entweder Völkermord oder Krieg

Bei den Grünen gab es in einem wichtigen Punkt ein intellektuelles Defizit: Sie sahen nur zwei Möglichkeiten: Entweder ethnische Säuberungen oder Bombardements. Und das was falsch, sagte der Friedensforscher Johan Galtung bereits 1999. Insbesondere Joschka Fischer trieb mit der Nie wieder Krieg und nie wieder Auschwitz-Parole seine Partei wie auch die Gemütslage weiter Bevölkerungskreise in eine so den Realitäten nicht entsprechende Sackgasse – mit großer Wahrscheinlichkeit wider besseres Wissen.

Javier Solana zur Einhaltung des Holbrooke-Milosevic-Abkommens

In einem Brief (zitiert in: Die Woche, 2.7.99) an den Militäreinsatzbefürworter Erhard Eppler schrieb Prof. Dieter S. Lutz, damals Leiter des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) an der Universität in Hamburg: Ich beginne mit dem Holbrooke-Milosevic-Abkommen vom 13. Oktober 1998. Vierzehn Tage nach Abschluss dieser Vereinbarung ging NATO-Generalsekretär Solana am 27. Oktober 1998 mit folgender Einschätzung an die Öffentlichkeit: ‚Erfreulicherweise kann ich nun berichten, dass in den letzten 24 Stunden mehr als 4000 Angehörige der Sonderpolizei aus dem Kosovo abgezogen worden sind. (…) Die Sicherheitskräfte werden auf den Umfang abgebaut, den sie vor dem Ausbruch der jetzigen Krise hatten. (…) Ich fordere die bewaffneten Gruppen der Kosovo-Albaner auf, den von ihnen erklärten Waffenstillstand aufrechtzuerhalten‘.

Stellungnahmen von Brigadegeneral Heinz Loquai (OSZE)

Dieter S. Lutz zitierte in seinem Brief an Erhard Eppler auch Heinz Loquai: Die sichtbare internationale Präsenz (OSZE-Mission, Anm.: C.R.) an Brennpunkten des Geschehens trug zur Entspannung der Lage bei, ließ die Flüchtlinge wieder in ihre Dörfer zurückkehren. Mitte November wurden nur noch wenige hundert in einem Lager künstlich zurückgehalten, um den Medien ein solches Camp vorführen zu können. Doch es gab ein Problem, auf das anscheinend niemand vorbereitet war. Die UCK, die sich an die Vereinbarungen nicht gebunden fühlte, rückte dort ein, wo die Jugoslawen abgerückt waren. Von jugoslawischer Seite wurde wiederholt erklärt, wenn die UCK weiterhin das geräumte Gebiet besetze, werde das zu Reaktionen führen. (in: Die Woche, 2.7.99).

Fazit von Heinz Loquai zum Scheitern der OSZE-Mission

Brigadegeneral Heinz Loquai fasste seine Analyse in der NDR-4-Sendung Streitkräfte und Strategien am 22.5.99 folgendermaßen zusammen: Vertreibungen und Flüchtlingsströme setzten ein, nachdem die internationalen Organisationen das Kosovo verlassen und die Angriffe begonnen hatten. D.h. der Krieg verhinderte die Katastrophe nicht, sondern machte sie in dem bekannten Ausmaß erst möglich. (…) Der Frieden wurde u.a. verspielt,
– weil die meisten NATO-Staaten einseitig Partei gegen die Serben und für die Kosovo-Albaner nahmen. Hierdurch stärkte und ermunterte man die UCK, und man förderte selbst bei gemäßigten Serben den Eindruck, dass die NATO ohnehin die Sache der Albaner betreibe,
– weil die Europäer den USA zu gefügig waren und den aufgebauten Zeitdruck hinnahmen, ohne sich der allmählichen Militarisierung der Politik zu widersetzen.
– weil die NATO glaubte, durch ihre Luftangriffe Milosevic innerhalb kurzer Zeit zum Nachgeben zu zwingen und die Durchhaltefähigkeit eines diktatorischen Regimes unterschätzte.
– weil die politische und militärische Führung der NATO außer acht gelassen hatte, dass der Einsatz allein von modernen Kampfflugzeugen gegen bewegliche, aus guter Deckung operierende Bodenziele risikoreich, aufwendig und von sehr begrenzter Wirkung ist
.

Lagebericht des Auswärtigen Amtes vom 19.3.1999

Dieter S. Lutz untermauerte seine These von der Abwendbarkeit des Krieges im Brief an Erhard Eppler auch mit der Lageanalyse des Auswärtigen Amtes vom 19. März 1999:

Der Waffenstillstand wird von beiden Seiten nicht mehr eingehalten. (…)
Im Rahmen von lokalen Operationen der jugoslawischen Armee (VJ) gegen die UCK kam es in den letzten Tagen auch wiederholt zu vorsätzlichem Beschuss von Dörfern. Stets wurde zuvor die Bevölkerung zum Verlassen der Ortschaften aufgefordert, was diese auch tat.
UNHCR und KVM berichten übereinstimmend über eine systematische Vorgehensweise der VJ bei der Zerstörung von Dörfern mit dem Ziel, durch gezielte Geländebereinigung sämtliche Rückzugsmöglichkeiten für die UCK zu beseitigen. (…) Die Zivilbevölkerung wird, im Gegensatz zum letzten Jahr, in der Regel vor einem drohenden Angriff durch die VJ gewarnt. Allerdings ist laut KVM die Evakuierung der Zivilbevölkerung vereinzelt durch lokale UCK-Kommandeure unterbunden worden. (…) Noch ist keine Massenflucht in die Wälder zu beobachten. Von Flucht, Vertreibung und Zerstörung im Kosovo sind alle dort lebenden Bevölkerungsgruppen gleichermaßen betroffen. Etwa 90 vormals von Serben bewohnte Dörfer sind inzwischen verlassen. Von den einst 14.000 serbisch-stämmigen Kroaten leben nur noch 7000 im Kosovo. Anders als im Herbst/Frühwinter 1998 droht derzeit keine Versorgungskatastrophe
.

Generalbericht der Parlamentarischen Versammlung der NATO

Die Parlamentarische Versammlung der NATO, ein unabhängiges Gremium, das als Bindeglied zwischen dem Bündnis und den Parlamenten fungiert, hat im Dezember 2000 einen Generalbericht über Die Folgen des Kosovo-Konfliktes und seine Auswirkungen auf Konfliktprävention und Krisenmanagement verabschiedet. Darin heißt es:

So nutzte die UCK das Holbrooke-Milosevic-Abkommen als Atempause, um ihre Kräfte nach den Rückschlägen des Sommers zu verstärken und neu zu gruppieren. Die serbischen Repressionen ließen unter dem Einfluss der KVM in der Zeit von Oktober bis Dezember 1998 nach. Dagegen fehlte es an effektiven Strategien zur Eindämmung der UCK, die weiterhin in den USA und Westeuropa, – insbesondere Deutschland und der Schweiz – Spenden sammeln, Rekruten werben und Waffen über die albanische Grenze schmuggeln konnte. So nahmen die Angriffe der UCK auf serbische Sicherheitskräfte und Zivilisten ab Dezember 1998 stark zu. Der Konflikt eskalierte neuerlich, um eine humanitäre Krise zu erzeugen, welche die NATO zur Intervention bewegen würde. 6.

Die wichtigsten Gründe für den Kosovo/-Jugoslawienkrieg in Kurzform

Nach allen bisher genannten Quellen haben andere als die von NATO-Seite genannten Gründe den Ausschlag für die Bombardierungen gegeben. Zu diesen dürften mit unterschiedlichem Gewicht stichwortartig folgende gehören, wobei in Klammern jeweils Vertreter dieser Argumente stehen:

1. Testlauf der neuen NATO-Doktrin zum 50. Jahrestag 1999: Erster Militäreinsatz ohne UN-Mandat.

2. Durchsetzung des weltweiten Führungsanspruches der NATO unter US-Führung bei gleichzeitiger Ausschaltung von OSZE und UNO.

3. Konkurrenz zwischen USA und Europa, Dollar und Euro; Desintegration Europas durch die USA bei gleichzeitiger Erschwerung bzw. Verhinderung der Zusammenarbeit Berlin-Moskau (J. Rose).

4. Sicherung der Existenzberechtigung der NATO und Auslastung der Rüstungskapazitäten.

5. Testfall für Krieg der US-Luftwaffe bei scharfer Konkurrenz um Haushaltsmittel zwischen Luftwaffe, Heer und Marine (P. Lock).

6. Verhinderung neuer Flüchtlinge und deren Kosten in Westeuropa (G. Schröder).

7. Möglicher Präzedenzfall für künftige Konflikte im Kaukasus (Prof. A. Pradetto).

8. Disziplinierung des Fremdkörpers Serbien als letztes mit Russland und China verbundenes Land in Europa, das sich der Globalisierung widersetzt hat (Prof. J. Galtung).

9. Nach Irak-Bombardierung 1998 durch Unterstützung der albanischen Muslime neuePluspunkte in der (ölreichen) arabischen Welt (W. Wimmer).

Im Zusammenhang der Krim-Krise beurteilte Altbundeskanzler Gerhard Schröder den Angriff von 1999 als Verstoß gegen das Völkerrecht: Da haben wir unsere Flugzeuge (…) nach Serbien geschickt und die haben zusammen mit der Nato einen souveränen Staat gebombt – ohne dass es einen Sicherheitsratsbeschluss gegeben hätte (F.A.Z., 10.3.14).

Sein Vorgänger, Altbundeskanzler Helmut Schmidt hielt bereits 1999 die deutsche Kriegsbeteiligung für nicht zu rechtfertigen: Gegängelt von den USA haben wir das internationale Recht und die Charta der Vereinten Nationen missachtet (FR, 3./4.4.99).

1 Pressemitteilung Nr. 111/99 vom 24. März 1999, hg. vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Bonn.

2 Howard Clark, Civil Resistance in Kosovo, London, 2000.

3 Zitiert aus dem Vorwort von Prof. Dieter S. Lutz in: Clemens Ronnefeldt, Die neue NATO, Irak und Jugoslawien, Minden, 1. Auflage 2001, S. 9.

4 http://www.youtube.com/watch?v=NqPnn-GD4-k

5 Heinz Loquai, Der Kosovo-Konflikt – Wege in einen vermeidbaren Krieg, Baden-Baden 2000, S. 50.

6 Zitiert aus dem Vorwort von Prof. Dieter S. Lutz in: Clemens Ronnefeldt, Die neue NATO, Irak und Jugoslawien, Minden, 1. Auflage 2001, S. 7.

Clemens Ronnefeldt, Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbund

Dem 1914 gegründeten Internationalen Versöhnungsbund gehören in rund 40 Staaten der Erde ca. 100 000 Mitglieder an. Der Verband hat Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.

http://www.aixpaix.de/muenchhausen/kosovo.html

Anklage gegen UÇK-Führer ist fertig

ADELHEID WÖLFL
29. Juli 2014, 16:56

EU-Ermittler: Ethnische Säuberung nach Kosovo-Krieg

Brüssel/Prishtina – Sobald das Spezialgericht im Kosovo eingeführt ist, kann Anklage gegen einige ehemalige Führer der Kosovo-Befreiungsarmee UÇK, die noch heute zu den mächtigsten Männern in dem jungen Staat zählen, erhoben werden. Die Anklage selbst ist quasi fertig. Der Chefankläger der speziellen Untersuchungs-Taskforce, Clint Williamson, gab am Dienstag in Brüssel die Ergebnisse von zweieinhalb Jahren Untersuchungen bekannt.

Demnach soll einer Gruppe von ehemaligen Führungsfiguren der UÇK wegen Tötungen, Entführungen, illegaler Gefangennahme in Lagern im Kosovo und in Albanien, sexueller Gewalt, Vertreibungen sowie Zerstörungen von Kirchen der Prozess gemacht werden. Opfer der verdächtigen Kosovo-Albaner waren nach dem Ende des Kriegs im Juni 1999 vorwiegend Serben und Roma, aber auch Albaner, die nicht „kooperierten“. „Das hat zu ethnischen Säuberungen eines großen Teils der serbischen und Romabevölkerung in den Gebieten südlich des Ibar geführt“, so Williamson.

Williamson sagte auch, es gebe Beweise, dass es sich nicht nur um Verbrechen von Individuen handle, sondern dass diese in einer „organisierten Art“ durchgeführt und von der Führungsebene der UÇK „genehmigt“ worden seien. Zudem sollen UÇK-Leute Mordaufträge erteilt haben, um Gegner in den eigenen Reihen auszuschalten, ihre Macht abzusichern oder sich zu bereichern. Was die Vorwürfe der Organentnahme bei Gefangenen und des Organhandels betrifft, so wurden bisher keine ausreichenden Beweise für eine Anklage gefunden. Williamson sprach von weniger als zehn Fällen. Williamson betonte immer wieder, wie schwierig es gewesen sei, Zeugen für die Verbrechen zu finden. Viele seien tot oder nicht aufzufinden. Er sprach von einem „Klima der Einschüchterung“ gegen potenzielle Zeugen.

Heute an der Macht

Im Kosovo sind die ehemaligen UÇK-Führer heute an der Macht. Namen der Verdächtigen nannte Williamson aber keine.

Ende 2010 hat der Europarat-Berichterstatter Dick Marty in einem Bericht erstmals Vorwürfe gegen UÇK-Führer erhoben, daraufhin wurde die Taskforce eingesetzt. Sie ist zwar in die EU-Rechtsstaatsmission Eulex integriert, kann aber autonom arbeiten und hat ihren Sitz in Brüssel.

Für die Einrichtung des Sondergerichts fehlen noch Gesetzesänderungen im Kosovo, die aber zurzeit nicht durchgeführt werden können, weil über die Regierungsbildung gestritten wird. Das Jugoslawien-Tribunal kann die Verbrechen nicht untersuchen, weil sein Mandat nur für die Zeit des bewaffneten Konflikts gilt. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 30.7.2014)

http://derstandard.at/2000003678014/Anklage-gegen-UCK-Fuehrer-ist-fertig

 

 

  • ALBANIEN: ANGEBLICHE NEUE BEWEISE

    Der Kosovo und der Organraub

    Seit Montag ist der Kosovo ein souveräner Staat – Am gleichen Tag zeigte das serbische Fernsehen angebliche neue Beweise für Organraub durch albanische Rebellen während des Kosovokriegs: Lebenden Kriegsgefangenen sollen Herzen entnommen worden sein

  • 11.9.2012
    07:42

    Archiv
    SERBIEN

    Neuer Bericht über Organhandel in Kosovokrieg

    Neuer Bericht über Organhandel in Kosovokrieg

    11. September 2012, 07:42

    Mutmaßlicher Zeuge nennt in Interview mit serbischem TV grausame Details

    Belgrad – Das serbische Fernsehen hat am Montag ein Interview mit einem mutmaßlichen Zeugen des illegalen Organhandels während des Kosovo-Konflikts ausgestrahlt. Er selbst habe einem nicht unter Betäubung stehenden Gefangenen das Herz herausgeschnitten, sagte der Mann in dem Interview mit dem staatlichen Fernsehsender RTS. Er sei dazu ausgebildet worden, wie ein Herz zu entnehmen sei, berichtete der Mann offenbar in albanischer Sprache mit serbischen Untertiteln. Das Gesicht des Interviewten war in dem Bericht nicht zu sehen, seine Stimme wurde verzerrt.

    Der serbische Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, hatte der Nachrichtenagentur AFP zuvor gesagt, sein Land habe einen Zeugen, der die Entnahme eines Herzen von einem serbischen Gefangenen durch die Kosovarische Befreiungsarmee (UCK) bestätigen könne. Der Sonderberichterstatter des Europarats, Dick Marty, warf UCK-Kommandeuren, einschließlich des aktuellen kosovarischen Regierungschefs Hashim Thaci, im Jahr 2010 vor, während des Kosovokrieges 1998-1999 am Handel mit den Organen serbischer Gefangener beteiligt gewesen zu sein. Thaci wies dies zurück. (APA, 11.9.2012)

    http://derstandard.at/1345166749962/Neuer-Bericht-ueber-Organhandel-im-Kosovo-Krieg

    Der Kosovo und der Organraub

    ADELHEID WÖLFL AUS PRISHTINA
    11. September 2012, 18:19

    Seit Montag ist der Kosovo ein souveräner Staat – Am gleichen Tag zeigte das serbische Fernsehen angebliche neue Beweise für Organraub durch albanische Rebellen während des Kosovokriegs: Lebenden Kriegsgefangenen sollen Herzen entnommen worden sein

    Die Geschichte wurde pünktlich am Montag, also an dem Tag, als der Kosovo in die Souveränität entlassen wurde, im serbischen Fernsehen ausgestrahlt. Ein mutmaßlicher Zeuge sagte mit verzerrter Stimme, er selbst habe einem Gefangenen während des Kosovo-Konflikts das Herz herausgeschnitten. Das Video soll als Beweismittel gelten, dass die frühere kosovarische Befreiungsarmee UÇK, also die albanischen Rebellen, während des Kosovo-Kriegs serbischen und anderen Gefangenen Organe entnommen haben sollen, um sie im Ausland, etwa der Türkei, zu verkaufen.

    Die Geschichte über den Organhandel der UÇK ist bereits fast zehn Jahre alt. Seit 2003 tauchen immer wieder Gerüchte auf. Beamte der damaligen UN-Verwaltung Unmik im Kosovo berichteten von Aussagen ehemaliger UÇK-Mitglieder, die UÇK habe aus Rache Serben und jugoslawientreue Albaner nach Albanien verschleppt und ihnen dort Organe entnommen.

    In Geheimdienstberichten und in einem Buch der früheren Chefanklägerin des Jugoslawien-Tribunals, Carla del Ponte, tauchten die Vorwürfe auch immer wieder auf. Die Uno untersuchte die Vorwürfe dreimal. Am angeblichen Tatort 36 Kilometer nördlich von Tirana fand man Blutspuren, Muskelentspannungsmittel und Spritzen. Doch die Beweise reichten nicht für eine Anklage.

    Als 2010 der Schweizer Europarats-Berichterstatter Dick Marty schließlich seinen Report über Verbrechen der UÇK veröffentlichte, fand dieser großes Medienecho. Die EU-Rechtsstaatsmission Eulex forderte Beweise und hat mittlerweile ein eigenes Ermittlungsteam, das den Vorwürfen von Brüssel aus nachgeht, eingerichtet.

    Vor allem der Mangel an großzügigen Zeugenschutzprogrammen macht die Arbeit extrem schwierig. Immerhin hat Albanien im Mai die gesetzliche Möglichkeit geschaffen, dass die Eulex auch in Albanien und nicht nur im Kosovo ermitteln kann. Der kosovarische Premierminister Hashim Thaçi, dem Marty 2010 vorgeworfen hatte, im Krieg der Kopf jener kriminellen Vereinigung gewesen zu sein, die auch den Organhandel zu verantworten hat, hat mittlerweile von einer Klage gegen Marty abgesehen. Denn gegen Thaçi selbst laufen gar keine Ermittlungen.

    Ein Politikum bleibt der Fall trotzdem, für die serbische wie für die kosovarische Seite. Tatsächlich sind 13 Jahre nach Ende des Kosovo-Konflikts noch immer 1900 Menschen vermisst, die Mehrheit von ihnen Kosovo-Albaner. Noch immer werden Gräber gefunden und Menschen exhumiert. Jenseits der Frage des Organhandels geht es darum, das Schicksal dieser Verschwundenen aufzuklären.

    Anklage im Fall Medicus

    In Prishtina selbst ist zur Zeit aber ein anderer Fall von Organhandel vor Gericht, für den es Beweise gibt. Laut Anklage wurden zwischen Jänner und November 2008 zwischen 15 und 20 Personen in den Kosovo gebracht, um ihnen in der Medicus Klinik Nieren zu entnehmen und anderen Patienten zu transplantieren. Die armen Spender sollen nur einen Bruchteil des Geldes bekommen haben, das die reichen Empfänger für die Organe zahlten. In dem Fall stehen neun Personen vor Gericht. In der Anklage, die dem Standard vorliegt, sind 31 Fälle von illegalen Organtransplantationen aufgelistet. Die Klinik wurde mittlerweile geschlossen. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 12.9.2012)

    http://derstandard.at/1345166822505/Albanien-Organentnahme-an-Lebendem

 

 

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