Das Vermögen der Deutschen beläuft sich auf sechs Billionen Euro, aber es ist sehr ungleich verteilt: In keinem anderen Euro-Land ist das Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland. Die Schere zwischen denen, die viel Geld besitzen und denen, die gar keines haben, wird dabei immer größer. Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt demnach ein persönliches Vermögen im Wert von mindestens 800.000 Euro. Dagegen verfügt gut ein Fünftel aller Erwachsenen über gar kein Vermögen. Bei rund sieben Prozent seien die Schulden größer als der Besitz. Nach den aktuellen Zahlen, die sich auf das Jahr 2012 beziehen, haben Männer mehr Vermögen als Frauen, und Menschen im Westen Deutschlands mehr als doppelt so viel Geld wie diejenigen in den neuen Bundesländern. Das durchschnittliche Nettovermögen der Westdeutschen lag laut der Studie 2012 bei 94.000 Euro, im Osten bei 41.000 Euro. Männer besaßen im Schnitt 97.000 Euro, Frauen 27.000 weniger. Sicher, auch ganz unten wachsen die Fernsehgeräte, ein Smartphone findet sich noch in der ärmsten Hütte. Echte Vermögenswerte aber, Immobilien, Aktien, Staatsanleihen, sind nirgendwo sonst in der Euro-Zone so ungleich verteilt wie bei uns. Und gibt es Protest? Er wird abgelenkt: Die Story der Rechtspopulisten: Arme Deutsche sollen reiche Südeuropäer retten – wie ungerecht! Die Kleinredner: Die Ungleichheit betreffe doch „nur“ die Immobilien, das ist so eine Ausrede. Wieso „nur“? Dass die untere Hälfte des Landes beim oberen Fünftel zur Miete wohnt und so den Reichtum der ohnehin Begüterten mehrt, statt Rücklagen zur eigenen Absicherung zu bilden. In Deutschland besteht die Tendenz: Die Sieger bekommen alles! Im Grundgesetz heißt es aber doch: Eigentum verpflichtet!

DIW-STUDIE

Reiche werden reicher, Arme werden mehr

Das Vermögen der Deutschen beläuft sich auf sechs Billionen Euro, aber es ist sehr ungleich verteilt. Arbeitslose haben in den vergangenen Jahren besonders viel verloren.

In keinem anderen Euro-Land ist das Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland. Die Schere zwischen denen, die viel Geld besitzen und denen, die gar keines haben, wird dabei immer größer, wie die von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt. Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt demnach ein persönliches Vermögen im Wert von mindestens 800.000 Euro. Dagegen verfügt gut ein Fünftel aller Erwachsenen über gar kein Vermögen. Bei rund sieben Prozent seien die Schulden größer als der Besitz.

Studienautor Markus Grabka geht davon aus, dass seine Ergebnisse dabei nur einen Teil der Realität abbildet. Die Wirklichkeit sehe noch verheerender aus, sagt er. Man müsse davon ausgehen, dass die Stichprobe das Ausmaß der Vermögensungleichheit unterschätzt, weil ganz besonders Vermögende wie Multimillionäre oder Milliardäre fehlten. Der sogenannte Gini-Koeffizient, der die Vermögensungleichheit misst und international vergleichbar macht, liegt in Deutschland bei 0,78. Bei einem Wert von eins ist die Ungleichheit maximal, bei Null minimal ausgeprägt. Zum Vergleich: In Frankreich liegt der Wert bei 0,68, inItalien bei 0,61.

Drastisch ist es für Arbeitslose bergab gegangen. Lag das durchschnittliche Nettovermögen 2002 noch bei etwa 30.000 Euro, sind es zehn Jahre später nur noch 18.000 Euro. „Das ist die einzige soziale Gruppe, die in den letzten zehn Jahren signifikant Vermögen eingebüßt hat“, sagt Grabka, der die Ursache in den Hartz-IV-Gesetzen sieht. Bevor Arbeitslosengeld II ausgezahlt wird, muss in Deutschland der größte Teil des privaten Vermögens aufgebraucht sein. Die Folge: Fast zwei Drittel der Menschen ohne Arbeit hatten im Jahr 2012 unter dem Strich kein Vermögen oder sogar Schulden.

„Nicht nur ungerecht und unsozial, sondern geradezu obszön“

Nach den aktuellen Zahlen, die sich auf das Jahr 2012 beziehen, haben Männer mehr Vermögen als Frauen, und Menschen im Westen Deutschlands mehr als doppelt so viel Geld wie diejenigen in den neuen Bundesländern. Das durchschnittliche Nettovermögen der Westdeutschen lag laut der Studie 2012 bei 94.000 Euro, im Osten bei 41.000 Euro. Männer besaßen im Schnitt 97.000 Euro, Frauen 27.000 weniger.

 

Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnte vor einer Gefährdung des sozialen Friedens in Deutschland. „Die Vermögensschere in Deutschland ist nicht nur ungerecht und unsozial, sondern geradezu obszön“, sagte HauptgeschäftsführerUlrich Schneider. Die Reichen würden immer reicher und die Armen immer mehr. Er forderte die Bundesregierung zu einem rigorosen steuerpolitischen Kurswechsel auf. „Die große Koalition darf die Augen vor der drastischen Vermögensungleichheit in der Bundesrepublik nicht länger verschließen.“ Die Zahlen würden belegen, dass sich die Bundesregierung auf einem steuerpolitischen Irrweg befinde, so Schneider. Sehr hohe Einkommen und Vermögen müssten zur Finanzierung sozialer Reformen schnellstmöglich herangezogen werden.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-02/diw-studie-vermoegensverteilung-deutschland

REICH UND ARM

Sieger kriegen alles

Wie kommt es, dass sich in Deutschland so viele Menschen mit der ungerechten Vermögensverteilung abfinden?VON 

Deutschland, so dachte man bis vor Kurzem, sei ein Land des Kompromisses, des sozialen Ausgleichs, geprägt durch Versorgungs- und Sozialprogramme, von denen am Ende immer die Mitte profitiert. Nun müssen wir lernen, unser Land ganz neu zu sehen. In Wirklichkeit gilt eine Regel: Der Sieger bekommt alles.

Soeben hat die Europäische Zentralbank die Vermögensverhältnisse in den Euro-Ländern untersucht. Deutschland ist, wenig überraschend, nach diesen Daten ein reiches Land, sehr reich sogar, bedenkt man die Zerstörung in zwei Weltkriegen. Nur: In der Mitte der Gesellschaft und darunter ist von diesem Reichtum wenig angekommen. Sicher, auch ganz unten wachsen die Fernsehgeräte, ein Smartphone findet sich noch in der ärmsten Hütte. Echte Vermögenswerte aber, Immobilien, Aktien, Staatsanleihen, sind nirgendwo sonst in der Euro-Zone so ungleich verteilt wie bei uns. Mehr als doppelt so viel Ungleichheit wie in Finnland, den Niederlanden, Italien, fast doppelt so viel wie im Durchschnitt der Euro-Länder: Mit unserer Art, die Früchte der gemeinsamen Arbeit aufzuteilen, sind wir im Euro-Raum eine extreme Ausnahme.

Man hätte angesichts dieses neuen und verblüffenden Befundes einen Moment des Erstaunens erwartet, gefolgt von Nachdenklichkeit. Wie kommt das? Wollen wir das eigentlich? Können wir es ändern und, wenn ja, wie? Stattdessen erfolgten unmittelbar zwei Reaktionen, die so abwegig und ärgerlich sind, dass es naheliegt, zu sagen: Wenn das alles ist, dann haben wir es nicht besser verdient.

Die eine Reaktion ist populistisch: Arme Deutsche sollen reiche Südeuropäer retten – wie ungerecht! In Wirklichkeit ist Deutschland nicht arm. Es ist der Reichtum weniger, der eine große Mehrheit im europäischen Vergleich arm erscheinen lässt.

Die zweite Reaktion ist die der Ausreden-Erfinder, die kleinreden wollen, was sich nicht länger bestreiten lässt. Die Ungleichheit betreffe doch „nur“ die Immobilien, das ist so eine Ausrede. Wieso „nur“? Dass die untere Hälfte des Landes beim oberen Fünftel zur Miete wohnt und so den Reichtum der ohnehin Begüterten mehrt, statt Rücklagen zur eigenen Absicherung zu bilden – das mag man in Deutschland normal finden. Es ist aber nicht normal.

Eine andere Ausrede besagt, die EZB-Statistiker hätten Rentenansprüche und die unterschiedlichen Haushaltsgrößen nicht ausreichend berücksichtigt. Auch dafür spricht wenig. Das deutsche Rentensystem ist in seiner Leistungsfähigkeit dem vieler Nachbarländer zu ähnlich, um größere Unterschiede auszugleichen. Und große Haushalte sind in Deutschland typischerweise arm, während es in Südeuropa üblich ist, dass junge Erwachsene lange bei ihren Eltern wohnen. Würde man also individuelle Besitztümer vergleichen statt Haushaltsvermögen, wie es die EZB getan hat, dürften die Unterschiede eher noch stärker hervortreten.

Nun ist Ungleichheit an sich nicht verwerflich. In einer offenen Gesellschaft konkurrieren die Bürger um begehrte Güter und Positionen. Die Regeln dieses Konkurrenzkampfes bestimmen sie selbst, und wenn sie es mehrheitlich so wollen, spricht nichts dagegen, dies Spiel nach der Regel zu spielen: Der Sieger bekommt alles.

Der Sieger bekommt alles? Wann wäre das je beschlossen worden? Keine politische Kraft hat sich dazu bekannt. In der Regierung wechseln zwei Lager ab, deren eines vorgibt, die Schwächsten zu fördern, während dem anderen angeblich die Mitte der Gesellschaft besonders am Herzen liegt. Sogar das Gezeter der Linken mit ihren Kapitalverschwörungstheorien und Ausbeutungsklagen bestätigte die Illusion: Wenn das die besten Argumente für mehr Gleichheit sind, dachte man, dann kann die Ungleichheit so groß nicht sein. Welch ein Irrtum!

Vor allem den Parteien, die sich „bürgerlich“ nennen, sollte die Vermögensverteilung in Deutschland zu denken geben. Welches Bürgertum ist es, um das es ihnen geht? Wer ist gemeint, wenn sie die „Leistungsträger“ rühmen? Ist es wirklich richtig, den vermeintlich „anstrengungslosen Wohlstand“ von Hartz-IV-Empfängern zu beklagen und vom wirklich anstrengungslosen Wohlstand reicher Immobilienbesitzer zu schweigen?

Wichtiger ist, was die Bürger in der Mitte der Gesellschaft mit der neuen Erkenntnis anfangen. Die Ungleichheit in Deutschland ist Folge einer Vielzahl politischer Entscheidungen – und kaum eine davon wäre ohne ihr Einverständnis möglich gewesen. Vermögen besteuern? Aufwendig, bringt wenig. Erbschaften besteuern? Schadet den Unternehmen und vernichtet womöglich Arbeitsplätze! Sozialabgaben auf Kapitalerträge? Politisch nicht durchsetzbar! Sozialer Wohnungsbau? Gestrig und etatistisch. All das kann man so sehen – wenn man es unwichtig findet, wer vom Reichtum des Landes wie viel abbekommt.

Bislang haben die Bürger so getan, als sei ihnen das egal. Sie können es auch ändern.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio

http://www.zeit.de/2013/17/armut-reichtum-vermoegensverteilung

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Eine Antwort zu Das Vermögen der Deutschen beläuft sich auf sechs Billionen Euro, aber es ist sehr ungleich verteilt: In keinem anderen Euro-Land ist das Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland. Die Schere zwischen denen, die viel Geld besitzen und denen, die gar keines haben, wird dabei immer größer. Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt demnach ein persönliches Vermögen im Wert von mindestens 800.000 Euro. Dagegen verfügt gut ein Fünftel aller Erwachsenen über gar kein Vermögen. Bei rund sieben Prozent seien die Schulden größer als der Besitz. Nach den aktuellen Zahlen, die sich auf das Jahr 2012 beziehen, haben Männer mehr Vermögen als Frauen, und Menschen im Westen Deutschlands mehr als doppelt so viel Geld wie diejenigen in den neuen Bundesländern. Das durchschnittliche Nettovermögen der Westdeutschen lag laut der Studie 2012 bei 94.000 Euro, im Osten bei 41.000 Euro. Männer besaßen im Schnitt 97.000 Euro, Frauen 27.000 weniger. Sicher, auch ganz unten wachsen die Fernsehgeräte, ein Smartphone findet sich noch in der ärmsten Hütte. Echte Vermögenswerte aber, Immobilien, Aktien, Staatsanleihen, sind nirgendwo sonst in der Euro-Zone so ungleich verteilt wie bei uns. Und gibt es Protest? Er wird abgelenkt: Die Story der Rechtspopulisten: Arme Deutsche sollen reiche Südeuropäer retten – wie ungerecht! Die Kleinredner: Die Ungleichheit betreffe doch „nur“ die Immobilien, das ist so eine Ausrede. Wieso „nur“? Dass die untere Hälfte des Landes beim oberen Fünftel zur Miete wohnt und so den Reichtum der ohnehin Begüterten mehrt, statt Rücklagen zur eigenen Absicherung zu bilden. In Deutschland besteht die Tendenz: Die Sieger bekommen alles! Im Grundgesetz heißt es aber doch: Eigentum verpflichtet!

  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG schreibt:

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    Siehe EU, die Spülungen der Deutschen, verbrauchen zu viel Wasser!

    Gefällt mir

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