Ebola! Die Menschen glauben den Regierungen nicht!Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat schon über 880 Todesopfer gefordert. Die Krankheit breitet sich auch deshalb so rasch aus, weil das Gesundheitspersonal Mühe hat, die Bewohner von den Übertragungswegen und den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen zu überzeugen. Das hat zum Teil mit niedrigem Bildungsstand und mangelnder Vertrautheit mit schulmedizinischen Konzepten zu tun. Es zeugt aber auch von einem tiefen Misstrauen gegen den Staat und seine Repräsentanten. Eine jahrelange Politik der Desinformation, der Propaganda und der Manipulation rächt sich jetzt. So absurd das von ferne scheint – unbegründet ist der Verdacht nicht. Es sind mehrere Fälle von afrikanischen Ländern bekannt, die in den neunziger Jahren ihre Aids-Statistiken nach oben frisierten, um mehr Hilfsgelder zu bekommen (die dann natürlich nicht den Aids-Projekten zugutekamen). In Sierra Leone wurde letztes Jahr der ranghöchste Arzt im Gesundheitsministerium zusammen mit andern Beamten beschuldigt, eine halbe Million Dollar veruntreut zu haben, die für die Verteilung von Impfstoffen bestimmt war. Jetzt rächt sich für die Welt, dass sie sich nicht oder jedenfalls unzureichend um die Überwindung von Armut, Bildungsmangel und autokratischer Regierungen gekümmert hat – durch die Globalisierung aber und Transportverbindungen können heute Seuchen schnell wandern und uns schmerzlich klar machen, dass wir nicht nur im Interesse der Menschen in den armen Ländern, sondern im eigenen Interesse das machen sollten, was wir 1948 beschlossen haben: Menschenwürdiges Leben für allem mit allen sozialen und politischen Rechten! Der in Deutschland (und auch in der SPD) weitgehend unbekannte globale „Weltbürger“ Willy Brandt hatte in seinem Nord-Süd-Bericht gemahnt: Ob wir es wollen oder nicht, die Welt wird nur gemeinsam überleben!

Misstrauen gegenüber den Regierungen

Ebola als staatliche Lüge?

David Signer Heute, 4. August 2014, 16:56
Eine Frau in Monrovia, Liberia, betet dafür, dass sich das Ebola-Virus nicht weiter ausbreitet.
Eine Frau in Monrovia, Liberia, betet dafür, dass sich das Ebola-Virus nicht weiter ausbreitet. (Bild: keystone / ap)

Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat schon über 880 Todesopfer gefordert. Die Krankheit breitet sich auch deshalb so rasch aus, weil das Gesundheitspersonal Mühe hat, die Bewohner von den Übertragungswegen und den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen zu überzeugen. Das hat zum Teil mit niedrigem Bildungsstand und mangelnder Vertrautheit mit schulmedizinischen Konzepten zu tun. Es zeugt aber auch von einem tiefen Misstrauen gegen den Staat und seine Repräsentanten. Eine jahrelange Politik der Desinformation, der Propaganda und der Manipulation rächt sich jetzt.

Viele Bewohner der betroffenen Länder Sierra Leone, Liberia und Guinea glauben, Ebola sei eine Erfindung der Regierung, um an Geld der «Gebernationen» zu kommen. So absurd das von ferne scheint – unbegründet ist der Verdacht nicht. Es sind mehrere Fälle von afrikanischen Ländern bekannt, die in den neunziger Jahren ihre Aids-Statistiken nach oben frisierten, um mehr Hilfsgelder zu bekommen (die dann natürlich nicht den Aids-Projekten zugutekamen). In Sierra Leone wurde letztes Jahr der ranghöchste Arzt im Gesundheitsministerium zusammen mit andern Beamten beschuldigt, eine halbe Million Dollar veruntreut zu haben, die für die Verteilung von Impfstoffen bestimmt war.

Der Präsident, Ernest Bai Koroma, stammt aus dem Nordwesten des Landes; der Osten, der nun vor allem von der Epidemie betroffen ist, ist Oppositionsgebiet und wird von der Regierung entsprechend vernachlässigt. Prompt geht dort das Gerücht um, das Virus werde vom Regime gestreut, um die dortige Bevölkerung zu dezimieren. Auch die Angst vor den Spitälern ist nicht ganz unbegründet. Oft sind sie so schlecht ausgestattet und die Ärzte, unter anderem wegen der schlechten Bezahlung, so unmotiviert, dass jeder, der es sich leisten kann, in ein Spital im Ausland ausweicht. Aber vor allem haben Sierra Leone und Liberia mehr als ein Jahrzehnt Bürgerkrieg hinter sich. Wie soll ein Liberianer, der sich noch allzu gut an den sadistischen Präsidenten Charles Taylor erinnert, plötzlich einer Regierung vertrauen, die seinen toten Verwandten abholen kommt? Wenn er dabei als Erstes an kannibalistische Riten denkt, entspringt das nicht nur wildem Aberglauben, sondern auch traumatischen Erfahrungen.

http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/ebola-als-staatliche-luege-1.18356408

 

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