Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat Israel Verstöße gegen das Kriegsrecht und mögliche Kriegsverbrechen im Gazastreifen vorgeworfen. „Willkürliche Angriffe auf Zivilisten, die nicht an Kampfhandlungen teilnehmen, sind Kriegsverbrechen“, erklärte HRW. 1.850 Palästinenser wurden inzwischen getötet, die meisten von ihnen waren Zivilisten. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Palästinenser und Israelis für 72-stündige Feuerpause. Alle palästinensischen Fraktionen, darunter die Hamas, die im Westjordanland regierende Fatah und die militante Islamistengruppierung Islamischer Jihad, hatten sich nach Angaben aus Verhandlungskreisen in Kairo am Sonntag auf gemeinsame Bedingungen für eine Waffenruhe verständigt. Die Palästinenser forderten demnach eine Waffenruhe, den Abzug aller israelischen Truppen aus Gaza, ein Ende der Blockade des Gazastreifens, einschließlich der Öffnung aller Grenzen, sowie eine Ausweitung der Fischereizone vor dem Gazastreifen und die Freilassung palästinensischer Gefangener.

Palästinenser und Israelis für 72-stündige Feuerpause

4. August 2014, 23:11

Verhandlungen in Ägypten – Human Rights Watch wirft Israel Kriegsverbrechen vor

Jerusalem – Israel und Vertreter der Palästinenser haben sich auf eine dreitägige Waffenruhe im Gazastreifen verständigt. Die 72-stündige Waffenruhe solle am Dienstagmorgen um 08.00 Uhr Ortszeit (07.00 Uhr MESZ) beginnen, sagte ein ranghoher Regierungsvertreter in Kairo am Montagabend, zugleich sollen in der ägyptischen Hauptstadt Verhandlungen über einen Waffenstillstand beginnen.. Nach den Palästinensern hat auch Israel der Feuerpause zugestimmt. Das sagte ein Regierungsvertreter am Montag in Jerusalem.

Kontakte mit den „relevanten Parteien“ hätten zu entsprechenden Verpflichtungen geführt, sowie zu der Zusage, Delegationen zu weiteren Verhandlungen nach Kairo zu schicken, sagte der ägyptische Regierungsvertreter. Die palästinensische Seite habe den ägyptischen Vorschlag angenommen, sagte der Leiter der palästinensischen Delegation, Assam al-Ahmed, in Kairo vor Journalisten. Vertreter der Palästinenser, unter ihnen Unterhändler der radikalislamischen Hamas, sind seit Sonntag in der ägyptischen Hauptstadt, um über eine dauerhafte Waffenruhe zu beraten. Israel hat sich bisher geweigert, eine Delegation zu entsenden.

Abzug gefordert

Alle palästinensischen Fraktionen, darunter die Hamas, die im Westjordanland regierende Fatah und die militante Islamistengruppierung Islamischer Jihad, hatten sich nach Angaben aus Verhandlungskreisen in Kairo am Sonntag auf gemeinsame Bedingungen für eine Waffenruhe verständigt. Die Palästinenser forderten demnach eine Waffenruhe, den Abzug aller israelischen Truppen aus Gaza, ein Ende der Blockade des Gazastreifens, einschließlich der Öffnung aller Grenzen, sowie eine Ausweitung der Fischereizone vor dem Gazastreifen und die Freilassung palästinensischer Gefangener.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Montag erklärt, der israelische Militäreinsatz werde „erst enden, wenn für einen dauerhaften Zeitraum Ruhe und Sicherheit für Israels Bürger hergestellt sind“. Die „Kampagne in Gaza“ gehe weiter, sagte Netanyahu während des Besuchs einer Kommandozentrale der Armee im Süden des Landes.

„Viele weitere Missionen“

Auch später am Tag zeichnete sich keine Kursänderung ab, als die israelische Armee bekannt gab, das Hauptziel der Offensive – die Zerstörung aller bekannten Tunnel der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen – sei erreicht worden. „Es gibt dort noch viele weitere Missionen zu beenden“, sagte Armeesprecher Moti Almos am Abend dem israelischen Fernsehsender Channel-2. „Alle Tunnel, die wir ausfindig gemacht haben, wurden zerstört“, sagte Almos weiter.

Am Nachmittag setzte Israel seine Offensive nach einer siebenstündigen Feuerpause in weiten Teilen des Gazastreifens fort. Armeesprecher Peter Lerner sagte, die Luftangriffe auf den schmalen Küstenstreifen würden fortgesetzt. Auch der Einsatz von Bodentruppen im Gazastreifen ging demnach weiter, wenn auch in kleinerem Umfang als zuvor.

Die einseitig von Israel erklärte Waffenruhe hatte offiziell von 10.00 bis 17.00 Uhr Ortszeit im Großteil des Gazastreifens gegolten. Nur Minuten nach Inkrafttreten wurde jedoch nach Angaben der palästinensischen Rettungsdienste ein Haus in einem Flüchtlingslager im Westen von Gaza beschossen, wobei ein acht- oder neunjähriges Mädchen getötet und etwa 30 Menschen verletzt wurden.

1.850 Tote

Seit Beginn des israelischen Militäreinsatzes gegen die radikalislamische Hamas vor knapp vier Wochen wurden demnach inzwischen mehr als 1.850 Palästinenser getötet, die meisten von ihnen waren Zivilisten. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet.

Die Spannungen des Gazakonflikts griffen abermals auf Jerusalem über. Bei einem Attentat rammte ein Palästinenser mit einem Bagger einen Omnibus und überfuhr einen Israeli. Fünf weitere Menschen wurden verletzt, bevor Polizisten den Attentäter erschossen, wie die Polizei mitteilte. Kurz darauf wurde ein Soldat in der Nähe angeschossen und schwer verletzt, die Polizei fahndete nach dem Angreifer.

Kriegsverbrechen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat Israel Verstöße gegen das Kriegsrecht und mögliche Kriegsverbrechen im Gazastreifen vorgeworfen. In einem am Montag veröffentlichten Bericht beschuldigt HRW die israelischen Streitkräfte unter Berufung auf palästinensische Augenzeugen, Zivilisten in dem Ort Chusaa im Süden des Gazastreifens beschossen und getötet zu haben.

„Willkürliche Angriffe auf Zivilisten, die nicht an Kampfhandlungen teilnehmen, sind Kriegsverbrechen“, erklärte HRW. Der Bericht bezieht sich auf Vorfälle in Khusaa nahe der Stadt Khan Junis vom 23. bis zum 25. Juli. In Khusaa verbliebene Zivilisten seien beschossen worden und von der Versorgung mit Trinkwasser, Lebensmitteln und Medizin abgeschnitten gewesen, heißt es in der HRW-Mitteilung. Beim Versuch, vor den Kämpfen zu Fuß nach Khan Junis zu fliehen, seien Einwohner willkürlich verhaftet oder beschossen worden, berichteten die Aktivisten unter Berufung auf geflohene Anrainer von Khusaa.

„Wenn Zivilisten zur Flucht aufgefordert worden sind, werden sie nicht zu legitimen Zielen, nur weil sie das Gebiet nicht verlassen“, erklärte Sarah Leah Whitson, HRW-Direktorin im Nahen Osten. Damit bezog sich Whitson auf die Bemühungen der israelischen Streitkräfte, Zivilisten mit Flugblättern und automatisierten Handy-Nachrichten vor geplanten Angriffen zu warnen und zur Flucht aufzufordern. (APA, 4.8.2014)

http://derstandard.at/2000003990407/Israel-Alle-bekannten-Tunnel-im-GazaZerstoerung-aller-bekannten-Tunnel-im

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