Dramatischer Appell der Yesiden: „Der ehemalige Gouverneur von Mosul erklärte am Sonntag: „In den nächsten Stunden werden Tausende Yeziden massakriert, verhungern oder verdursten, wenn wir nicht handeln“ (Ezidipress.com). Wir stehen vor einem Völkermord, der in seinen Ausmaßen nur vergleichbar ist mit den Massakern in Ruanda und Darfür, wo hunderttausende von Menschen unter den Augen der Welt abgeschlachtet wurden.“ Die IS vertreibt Christen und zerstört ihre Kultorte – Angehörige der Jesiden und Schabak haben den sofortigen Tod zu befürchten – Die alte Ordnung, die die Europäer nach dem Ersten Weltkrieg dem Nahen Osten aufgezwungen haben, liegt in Trümmern. Der libanesische Drusenpolitiker Walid Jumblatt sprach am Montag von neuen Grenzen, die mit „Eisen, Feuer, Massakern und Flucht“ gezogen würden. Im Natoland Türkei wird offen der Vorwurf gegen die Regierung Erdogan erhoben, dass sie die IS mit Waffen ausrüstet!

Islamischer Staat nimmt religiöse Minderheiten ins Visier

ANALYSE | GUDRUN HARRER
4. August 2014, 17:46
  • Rund 200.000 Menschen sollen nach dem jüngsten Vormarsch der Miliz "Islamischer Staat" (IS) im Nordirak auf der Flucht sein. Vor allem Angehörige der christlichen und jesidischen Minderheit flüchteten in die vorerst sichere, kurdisch kontrollierte Stadt Erbil.vergrößern (800×450)
    foto: ap

    Rund 200.000 Menschen sollen nach dem jüngsten Vormarsch der Miliz „Islamischer Staat“ (IS) im Nordirak auf der Flucht sein. Vor allem Angehörige der christlichen und jesidischen Minderheit flüchteten in die vorerst sichere, kurdisch kontrollierte Stadt Erbil.

  • Kämpfer der Islamischen Staates (IS) drohen religiösen Minderheiten mit dem Tod.vergrößern (800×450)
    foto: ap

    Kämpfer der Islamischen Staates (IS) drohen religiösen Minderheiten mit dem Tod.

  • Artikelbildvergrößern (800×691)
    grafik: s

Die IS vertreibt Christen und zerstört ihre Kultorte – Angehörige der Jesiden und Schabak haben den sofortigen Tod zu befürchten

Schon die irakischen Christen, die zuletzt von der Katastrophe ihrer Stigmatisierung, Verfolgung und Vertreibung aus Mossul, einer der ältesten christlichen Städte der Welt, betroffen waren, finden wenig Gehör. Zur Ehrenrettung der Iraker sei gesagt, dass es in Bagdad zu Demonstrationen kam, bei denen sich auch Muslime das N – vom arabischen Wort für Christ – an die Brust hefteten, mit dem die neuen Behörden des „Islamischen Staats“ (IS) die Häuser der Christen kennzeichneten.

Aber noch viel gefährdeter als die Christen sind die anderen religiösen Minderheiten, vor allem jene, die bei der IS unterhalb der Schwelle dessen liegt, was sie als Religion bezeichnen. Gerade im Grenzgebiet zwischen dem arabischen und kurdischen Teil des Irak haben viele religiöse Gemeinschaften überlebt, die sonst kaum – oder nur mehr im Exil – zu finden sind: die Jesiden und die noch unbekanntere Gruppe der Schabak. Sie fliehen vor der IS, denn sie müssen fürchten, sofort umgebracht zu werden.

Systematische Zerstörung

Auch die Schiiten sind betroffen, die von den sunnitischen Extremisten nicht nur als Häretiker betrachtet werden, sondern mit denen die IS eine historische Rechnung begleichen will: Ein Sprecher kündigte ja im Juni an, dass es in Najaf und Kerbala – den den Schiiten heiligen Städten – zur finalen Konfrontation kommen werde, im Streit über die Herrschaftsform im Islam, der nach dem Tod des Propheten Muhammad begonnen hat. Das ist zwar nicht ernst zu nehmen, das schafft auch die IS nicht. Aber in den von ihr kontrollierten Gebieten zerstört sie systematisch alles, was mit der Schia in Zusammenhang steht. Es gibt übrigens nicht nur arabische Schiiten im Irak, sondern auch kurdische, die Faili-Kurden, und turkmenische, deren Stammgebiete von der IS-Offensive besonders betroffen sind.

Die irakische Armee wird von irakischen schiitischen Milizen verstärkt, die unter den Sunniten einen extrem schlechten Ruf haben. Es kämpfen aber nicht nur irakische Schiiten. Iranische Gruppen und die libanesische Hisbollah sind da, und wenn Najaf und Kerbala bedroht wären, würden wohl Gruppen aus aller Welt kommen.

Die Schabak und die Jesiden werden beide meist als „kurdisch“ eingeordnet, und manche Angehörige dieser Minderheiten fühlen sich auch davon vereinnahmt, weil sie sich als separate ethnoreligiöse Gruppen fühlen. Die Mehrzahl der irakischen Jesiden spricht jedoch die kurdische Sprache Kurmanji. Die beiden synkretistischen Religionen haben, wahrscheinlich durch ihr Zusammenleben in einem relativ engen geografischen Raum, Gemeinsamkeiten entwickelt, aber es handelt sich um zwei gesonderte Glaubensgemeinschaften.

Eine eigenständige Religion

Im von der IS am Wochenende eroberten Gebiet um Sinjar leben besonders viele Jesiden. Laut Stephan Procházka von der Universität Wien ist es wichtig, das Jesidentum – oft als „Teufelsanbeter“ völlig falsch bezeichnet – als eigenständige monotheistische Religion zu begreifen, nicht etwa als islamische Häresie. Der Name wird meist auf den omayyadischen Kalifen Yazid bin Muawiya (7. Jahrhundert) zurückgeführt. Der eigentliche Glaube dürfte sich ab zirka 1200 entwickelt haben.

Er vereint Spuren etlicher Religionen (deshalb synkretististisch), wie etwa die Rolle von Feuer, Wasser und Sonne aus dem Zoroastrismus, die Seelenwanderung aus der Gnosis sowie Elemente des Judentums, Christentums und Islams. Es gibt jedoch auch völlig eigenständige Vorstellungen wie etwa die Schöpfungsmythen, mit ihrer „Art Proto-Universum“ (Procházka) als eine von Gott zuerst geschaffene weiße Perle. Am bekanntesten ist vielleicht der „Engel Pfau“ (Melek-e Tawus) als Führer der Engel und Schutzpatron der Jesiden. Diesen Schutz brauchen sie jetzt dringender als je, aber er wird nicht ausreichen. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 5.8.2014)

Vormarsch des „Islamischen Staates“: Alte Ordnung in Trümmern

KOMMENTAR | GUDRUN HARRER
4. August 2014, 18:04

Der libanesische Drusenpolitiker Walid Jumblatt sprach am Montag von neuen Grenzen, die mit „Eisen, Feuer, Massakern und Flucht“ gezogen würden

Der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. Sako, der in den harten Jahren des irakischen Bürgerkriegs nie die Fassung verlor, verglich vor kurzem den „Islamischen Staat“ (IS) mit den mongolischen Horden des Ilkhans Hülagü, die 1258 Bagdad einnahmen, zerstörten und zehntausende Einwohner töteten. Hunderttausende Iraker, vor allem solche, die einer religiösen Minderheit angehören, fliehen heute vor den Jihadisten. Die irakischen Kurden, die einen Teil der Flüchtlinge aufgenommen haben, geraten nun selbst in die Defensive und müssen nicht mehr nur um humanitäre Hilfe, sondern auch um Waffen bitten.

Und es ist nicht die einzige Front. Fast unbemerkt sind in Arsal, im Nordosten des Libanon nahe der syrischen Grenze, Kämpfe ausgebrochen: Jihadisten der Nusra-Front – einer im syrischen Bürgerkrieg kämpfenden Islamistengruppe -, die sich der IS unterworfen haben, stehen dort der libanesischen Armee gegenüber. Eine Fluchtwelle aus dem Gebiet ist im Gange. Auch in Syrien hat sich die Armee des Assad-Regimes mit der IS Gefechte geliefert, das „Problem“ aber danach den syrischen Kurden überlassen.

Überall Tote, Verwundete, Flüchtlinge. Der libanesische Drusenpolitiker Walid Jumblatt sprach am Montag von neuen Grenzen, die mit „Eisen, Feuer, Massakern und Flucht“ gezogen würden. Der Islamische Staat steht auf den Trümmern der Ordnung, die die Europäer nach dem Ersten Weltkrieg dem Nahen Osten aufgezwungen haben. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 5.8.2014)

 

Irak
Schwerer Vorwurf: „Die Waffen in der Hand des IS stammen von Erdoğan“

 

Mehr als 200 000 Menschen sind bereits auf der Flucht vor dem Vormarsch des terroristischen IS (vorm. ISIS) im Norden des Irak. Mittlerweile erklären sich auch mehrere sunnitische Stammesführer bereit, Bagdad gegen den IS zu unterstützen.

Empfehlen

Share on emailShare on print

Mehr auf DTJ-Online

Von DTJ-ONLINE | 04.08.2014 10:51

Der Vorsitzende der größten türkischen Oppositionspartei Cumhuriyet Halk Partisi (Republikanische Volkspartei, CHP), Kemal Kılıçdaroğlu, hat schwere Vorwürfe gegen die türkische Regierung und den Ministerpräsidenten erhoben.

„Die Waffen in der Hand der Terrorgruppe IS stammen von Erdoğan“, sagte der CHP-Chef am Samstag. 49 türkische Bürger seien weiter in der Hand der Terroristen, doch der Regierungschef tue nichts. Der „Islamische Staat“ hatte vor etwa zwei Monaten das türkische Generalkonsulat in Mossul gestürmt und dutzende türkische Staatsbürger als Geiseln genommen. „Er zeigt keine Regung, er übt keine Kritik“, zeigte Kılıçdaroğlu kein Verständnis für die Haltung Erdoğans. Beweise für seine Bewaffnungsthese legte der Oppositionspolitiker nicht vor.

Zuletzt kam ein Video in Umlauf, das angeblich IS-Terroristen bei Waffenübungen in Istanbul zeigen soll. Die Regierung kommentierte es bislang nicht. Auch hat sie die Gruppe bisher nicht als Terrororganisation eingestuft.

Jesiden auf der Flucht

Der weitere Vormarsch der Terrorgruppe Islamischer Staat im Norden des Iraks hat unterdessen eine panische Massenflucht ausgelöst. Nach Angaben der Vereinten Nationen flohen rund 200 000 Menschen aus Angst vor der Schreckensherrschaft der Extremisten vor allem in das Sindschar-Gebirge im Westen der Großstadt Mossul. Die meisten Flüchtlinge waren Mitglieder der religiösen Minderheit der Jesiden. Es wird von Chaos und unvorstellbaren Gräueltaten der Terroristen berichtet. Wie das kurdische Nachrichtenportal „Rudaw“ auf seinen englischsprachigen Seiten darstellt, hätten die Extremisten zudem 100 jesidische Frauen in ihrer Gewalt.

Die Lage der Flüchtlinge sei katastrophal. In Sindschar entfalte sich eine „humanitäre Tragödie“, sagte der UN-Sonderbeauftragte für den Irak, Nikolaj Mladenov. Die Flüchtlinge bräuchten dringend Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente, so die UN. Das Sindschar-Gebirge sei von IS-Militanten eingeschlossen.

Die Extremisten hatten am Wochenende nach heftigen Kämpfen kurdische Peshmerga-Kämpfer aus großen Gebieten nördlich und westlich von Mossul vertrieben. Die Terrorgruppe übernahm die Herrschaft in den Städten Sindschar und Samar sowie in mehreren weiteren Orten. Den größten Staudamm des Iraks, die Mossul-Talsperre, brachten sie nach einem Ultimatum an die Peshmerga kampflos unter Kontrolle, wie Quellen der kurdischen Einheiten berichteten. Zudem beherrscht die Terrorgruppe jetzt zwei weitere Ölfelder.

Die Lufthansa-Gruppe verlängerte ein selbst auferlegtes Flugverbot im Luftraum über den von den Aufständischen kontrollierten Gebieten. Die Regelung hatte zunächst nur für das Wochenende gegolten. Der Konzern erklärte bereits am Freitag, nach eigener Bewertung gegenwärtig keine Erkenntnisse für eine Gefährdung von Überflügen über den Irak zu haben. Aber: „Mit diesem Schritt trägt die Lufthansa Group der Verunsicherung von Kunden und auch der eigenen Besatzungen Rechnung.“ Nach „erneuter Beratung mit den zuständigen Sicherheitsbehörden“ sollen Flüge ins nordirakische Arbil – unter Meidung der Krisengebiete – von Montag an aber wieder aufgenommen werden.

Peshmerga wollen Sindschar zurückerobern

In den nun von IS-Kämpfern eroberten Städten und Orten wohnen mehrheitlich Kurden. Die Sindschar-Region ist ein Hauptansiedlungsgebiet der Jesiden. Die Gebiete gehören zwar nicht zur kurdischen Autonomieregion, standen aber zuletzt unter Kontrolle kurdischer Peshmerga-Kämpfer. Diese zogen sich nach heftigen Kämpfen mit den Extremisten aus der Region zurück. Bei den Zusammenstößen starben allein bis Samstag mindestens 77 Menschen.

Die Extremisten hätten etliche Menschen gefangen genommen, berichteten Einwohner. „Ich habe gesehen, wie die Bewaffneten die Menschen festgenommen haben“, sagte ein 25 Jahre alter Jeside der dpa. „Ich mache mir Sorgen um sie und fürchte, dass sie liquidiert werden.“

Die Flüchtlinge suchten auch in den benachbarten kurdischen Autonomiegebieten Schutz. Die Terrorgruppe betrachtet die Jesiden als „Ungläubige“. Irakische Medien meldeten, die sunnitischen Extremisten hätten zehn schiitische Kurden hingerichtet sowie schiitische und jesidische Schreine gesprengt.

Die kurdischen Peshmerga-Kämpfer schickten demnach Verstärkungen in das Gebiet, um Sindschar wieder zu befreien. Die Nachrichtenseite Shafaaq-News berichtete am Sonntag von neuen heftigen Kämpfen.

Die Terrorgruppe hatte Anfang Juni Mossul rund 400 Kilometer nördlich von Bagdad eingenommen. Sie beherrscht mittlerweile weite Gebiete im Norden und Westen des Landes. In den Regionen unter ihrer Kontrolle erlässt sie Gesetze nach einer sehr radikalen Interpretation des islamischen Rechts, der Scharia. Gegen Andersgläubige geht sie mit rücksichtsloser Gewalt vor. Fast sämtliche Christen sind wegen der Verfolgung aus Mossul geflohen, nachdem IS-Extremisten ihnen den Tod angedroht hatten, sollten sie nicht zum Islam konvertieren.

Auch in Syrien rücken die Extremisten an die Kurdengebiete heran

Ende der Woche war die Terrorgruppe auch im benachbarten Syrien näher an die mehrheitlich von Kurden bewohnten Gebiete herangerückt. Dort hatten die Extremisten einen Militärstützpunkt in der Nähe der Stadt Hasaka eingenommen.

Fast zwei Monate nach Beginn des Vormarsches der Extremisten im Irak hat sich in Mossul zuletzt jedoch auch sunnitischer Widerstand gegen die Terrorgruppe formatiert. Eine Gruppe mit dem Namen „Brigaden der Revolutionäre von Mossul“ tötete vor einigen Tagen mehrere IS-Kämpfer. Der Widerstand hatte sich gebildet, nachdem die sunnitischen Extremisten in den vergangenen Wochen mehrere bedeutende Moscheen und Grabmäler zerstört hatten.

Mittlerweile sollen sogar einige sunnitische Stammesführer ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung erklärt haben, nachdem die Terrorgruppe auch in den sunnitischen Regionen, die sie eingenommen hatte, mit äußerster Brutalität vorgegangen war. Seit Jahresbeginn sollen UN-Angaben zufolge 5600 Menschen im Irak gewaltsam umgekommen sein. (dtj/dpa)

http://dtj-online.de/irak-is-kurden-jesiden-erdogan-kilicdaroglu-34229

Pressemitteilung

Nur schnelles Handeln kann einen Völkermord im Nordirak verhindern

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Nordirak ist die Stadt Sinjar von den Terroristen des „Islamischen Staates“ (IS) eingenommen worden. Die kurdischen Streitkräfte waren dem Angriff nicht gewachsen. In Sinjar und den umliegenden Dörfern leben überwiegend Yeziden, und zwar einige hunderttausend Menschen. Die Flucht in die Berge des Sinjar Jebel gelingt nur wenigen, und zudem bietet der kahle Höhenzug kaum Verstecke. In der Hitze sind bereits zahlreiche Menschen verdurstet. In Shingal sind etwa 100 Frauen und Mädchen entführt worden, 30 Männer wurden hingerichtet. Berichte über Massaker aus den umliegenden Dörfern häufen sich. Der ehemalige Gouverneur von Mosul erklärte am Sonntag: „In den nächsten Stunden werden Tausende Yeziden massakriert, verhungern oder verdursten, wenn wir nicht handeln“ (Ezidipress.com).

Wir stehen vor einem Völkermord, der in seinen Ausmaßen nur vergleichbar ist mit den Massakern in Ruanda und Darfür, wo hunderttausende von Menschen unter den Augen der Welt abgeschlachtet wurden.

In Syrien und im Irak hat die ISIS, jetzt IS, bereits ungezählt viele Menschen im Wortsinne abgeschlachtet, ihnen mit Macheten die Köpfe abgeschlagen und die Körper in der Sonne verwesen lassen, wie auch im ZDF-Auslandsjournal berichtet wurde.
Die Gemeinschaft der yezidischen Vereine in Deutschland hat bereits Mitte Juni über die tödliche Gefahr informiert und darauf hingewiesen, dass auch für Christen und Mandäer die Herrschaft der ISIS den sicheren Tod bedeutet. Dass diese Einschätzung realistisch ist, hat sich seit Jahren bestätigt. Betroffen sind die Yeziden in besonderer Weise. Die yezidische Religion mit ihrer 4000-jährigen Geschichte, die keine Missionierung kennt, ist über Jahrhunderte in der islamischen Welt bekämpft worden. Wir gelten als Ungläubige, deren Vernichtung von fanatischen Moslems als gute Tat gepriesen wird. Eine Hemmschwelle vor Mord gibt es gegenüber den Yeziden bei den Dschihadisten nicht.
Schon vor der Eroberung von Shingal hatten die Anschläge auf Yeziden – wie auch auf andere religiöse Minderheiten – zugenommen. Seit dem Bombenanschlag von 2007 auf die Yeziden in der Shingal-Region, bei dem 500 Yeziden getötet wurden, gab es ständig und besonders in den letzten Monaten Überfälle mit Entführungen, Folterungen, Vergewaltigungen und gezielte Morde. Auch die wenigen Yeziden in Nordsyrien wurden zu Opfern, wobei die Täter die Köpfe der Ermordeten vor die Haustüren der alten Hinterbliebenen legten.

Die Minderheiten wurden im Irak traditionell und besonders in jüngster Zeit aufgrund der Machtkämpfe ausgegrenzt. Zu den Medien haben sie kaum Zugang, Daher sind sie für die Islamisten die leichteste Beute. In Shingal, ihrem Siedlungsgebiet, haben die Yeziden keinerlei eigene Rechte, sie können sich nicht verteidigen. In einigen Dörfern haben yezidische Zivilisten versucht, mit den wenigen Waffen, die sie auftreiben konnten, die Flüchtlinge vor der IS für einige Stunden zu schützen.

Wenn die IS-Terroristen durch ihre Eroberungen an militärischer Stärke zunehmen, werden auch die Kurden und alle Flüchtlinge im Nordirak und Syrien gefährdet. Im Libanon und in Jordanien ist die IS bereits aktiv. Den Verantwortlichen in der Türkei sollte mit Hinweis auf die türkischen Geiseln der IS in Mosul deutlich gemacht werden, dass die Schwächung der kurdischen Autonomie-Region zugunsten der IS nicht im Interesse ihres Landes ist.

Um den Genozid, der jetzt im Nordirak droht, und eine Kette weiterer Massenmorde zu verhindern, sind vor allem die Länder, die in den Vereinten Nationen Einfluss und damit eine besondere Verantwortung haben, dringend gefordert, militärisch das Schlimmste zu verhindern und diejenigen zu unterstützen, die noch Widerstand leisten. Dass eine Einigung auf ein gemeinsames Vorgehen möglich ist, hat das militärische Eingreifen im früheren Jugoslawien gezeigt. In diesem Sinne appellieren wir auch an die Bundesregierung, sich mit den Partnerländern auf ein schnelles Vorgehen zu verständigen.

Es ist höchste Zeit zum Handeln.

In Deutschland veranstalten die yezidischen Gemeinden mehrere Kundgebungen. Die yezidischen Vereine in Deutschland planen eine zentrale Kundgebung.

Für nähere Informationen stehen wir gern zur Verfügung.

Zentralrat der Yeziden in Deutschland
Navenda Sêwirdariya Êzîdiyan li Almanya
Eidechsenstraße 19, 26133 Oldenburg
www.yeziden.de, zentralrat@yeziden.de
Fon: 0049 (0) 441 4850555, Fax: 0049 (0) 441 4850557
Mobil: 01709365558

Geschichte

Die Geschichte des Nahen Ostens ist geprägt von militärischen Konflikten, kultureller Vielfalt, bedeutenden religiösen Entwicklungen und ständig wechselnden Machtverhältnissen. Die osmanische Herrschaft in der Region vereinte fast 400 Jahre lang zahlreiche ethnische und religiöse Gruppen unter ihrem Dach. Der Erste Weltkrieg bedeutete für den Nahen Osten ein Ende dieser vergleichsweise friedlichen Periode. Europäische Mächte nahmen von nun an massiv Einfluß auf die Entwicklungen der Region. Außerdem barg die Zuwanderung europäischer Juden in das „Heilige Land“ (Zionistische Bewegung) bezüglich der angestammten arabischen Bevölkerung zusätzliches Konfliktpotential in sich.

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges und verstärkt seit der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948/49 konzentrieren sich die Konfliktlinien hauptsächlich auf die Auseinandersetzung zwischen Juden und Arabern. Die Zerschlagung des Staates Israel war bis zum Abkommen von Camp David (1978) das Ziel, das die arabischen Brudervölker über alle politischen Differenzen hinweg einigte. Der jüdische Staat überstand mehrere existenzielle Krisen aufgrund seines starken eigenen Überlebenswillens, der umfangreichen finanziellen sowie materiellen Unterstützung aus der westlichen Welt und seiner schlagkräftigen Streitkräfte.

 

Der Nahe Osten als Konfliktgebiet in Antike und Mittelalter (Loretana de Libero), in: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte Naher Osten, 2. Aufl., Paderborn u.a. 2009, S. 16-25
PDF-Download (680 KB)
Der Mittelmeerraum in der Frühen Neuzeit (Martin Rink), in: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte Naher Osten, 2. Aufl., Paderborn u.a. 2009, S. 26-37
PDF-Download (779 KB)
Die Osmanenzeit im Nahen Osten (Mehmet Hacisalihoğlu), in: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte Naher Osten, 2. Aufl., Paderborn u.a. 2009, S. 38-49
PDF-Download (620 KB)
Der osmanische Kriegsschauplatz im Ersten Weltkrieg (Gerhard P. Groß), in: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte Naher Osten, 2. Aufl., Paderborn u.a. 2009, S. 50-57
PDF-Download (483 KB)
Der Nahe Osten und der Libanon nach dem Ersten Weltkrieg (Henner Fürtig), in: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte Naher Osten, 2. Aufl., Paderborn u.a. 2009, S. 58-65
PDF-Download (480 KB)
Die jüdische Siedlungsbewegung bis zur Gründung des Staates Israel(Angelika Timm), in: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte Naher Osten, 2. Aufl., Paderborn u.a. 2009, S. 66-77
PDF-Download (457 KB)
Der Nahe Osten und der Zweite Weltkrieg (Rolf-Dieter Müller), in: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte Naher Osten, 2. Aufl., Paderborn u.a. 2009, S. 78-87
PDF-Download (508 KB)
Die Gründung des Staates Israel: Historisches Geschehen und gesellschaftliche Weichenstellungen (Angelika Timm), in: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte Naher Osten, 2. Aufl., Paderborn u.a. 2009, S. 88-97
PDF-Download (355 KB)
Die Nahostkriege seit 1956 und der Friedensprozess (Andreas Mückusch), in: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte Naher Osten, 2. Aufl., Paderborn u.a. 2009, S. 98-111
PDF-Download (531 KB)
http://www.mgfa-potsdam.de/html/einsatzunterstuetzung/naherosten/geschichte Der Bürgerkrieg im Libanon 1975 bis 1990 (Martin Rink), in: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte Naher Osten, 2. Aufl., Paderborn u.a. 2009, S. 122-137
PDF-Download (682 KB)

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Krieg und Kriegsverbrechen, Naher Osten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s