Die Ausweitung zu einem großen, den ganzen Nahen Osten erfassenden Konflikts schreitet weiter voran! Im Libanon greifen Islamisten die Armee an! Gelingt es der libanesischen Armee nicht, das Dorf zu halten, droht Arsal zu einer Jihadisten-Hochburg zu werden, die ganz Libanon und weite Teile Syriens bedroht. Je länger und je verbissener der Kampf um Arsal wird, desto leichter haben es die extremistischen Politiker und Prediger, junge Sunniten auf ihre Seite zu ziehen. Die Aufrufe an die Sunniten, aus den Sicherheitskräften zu desertieren, werden immer lauter und wecken die Befürchtung, die Armee und der Staat könnten auseinanderbrechen. Die sunnitische Bewegung Islamischer Staat (IS) hat in Irak am Sonntag den größten Staudamm des Iraks, den Mosul-Damm, unter ihre Kontrolle gebracht. Auch das Salah-Ölfeld und drei weitere Städte hat die IS erobert. Die Städte wurden bislang von Kurden kontrolliert.

Kämpfe in Libanon

Al-Kaida greift die Armee an

Jürg Bischoff, Beirut Vor 50 Minuten
Soldaten der libanesischen Armee vor der Grenzstadt Arsal.
Soldaten der libanesischen Armee vor der Grenzstadt Arsal. (Bild: Reuters)
Im Nordosten Libanons haben islamistische Kämpfer libanesische Sicherheitskräfte angegriffen. Das Gebiet droht zu einer Jihadisten-Hochburg zu werden.

Die libanesische Armee hat über das Wochenende islamistische Kämpfer aus Syrien abgewehrt, die Armeestellungen und Polizeiposten in Arsal im Nordosten Libanons angegriffen hatten. Bei den Gefechten wurden nach Armeeangaben 11 Angreifer, 10 Soldaten und 2 Zivilpersonen getötet. 13 Angehörige der Sicherheitskräfte werden vermisst und 25 wurden verletzt. Die syrischen Kämpfer nahmen eine Gruppe von Polizisten als Geiseln und verlangen die Freilassung des Anführers einer syrischen Jihadisten-Gruppe.

Réduit der Jihadisten

Die Angriffe der Kämpfer, die laut libanesischen Medien dem syrischen Kaida-Ableger Jabhat an-Nusra angehören, erfolgten am Samstag nach der Festnahme des Anführers einer Rebellengruppe aus dem benachbarten syrischen Grenzgebiet. Der Kommandant der libanesischen Armee, General Jean Kahwaji, erklärte am Sonntag, der Angriff sei von langer Hand geplant gewesen. Die Anti-Asad-Rebellen im gebirgigen syrischen Grenzland um Arsal sind seit Anfang Jahr von der syrischen Armee und libanesischen Hizbullah-Kämpfern aus den meisten Dörfern vertrieben worden.

Viele Rebellen hatten in Arsal Zuflucht gesucht, dessen sunnitische Einwohner mit den syrischen Aufständischen sympathisieren. Das von Bergen umgebene Dorf, das heute angeblich mehr als 100 000 Flüchtlinge aus Syrien beherbergt, wurde zu einem jihadistischen Réduit zwischen Homs und Damaskus, das von syrischen Truppen und dem Hizbullah belagert wird. Mit den Extremisten haben sich allerdings auch Kriminalität, Unsicherheit und Willkür in Arsal breitgemacht.

In den letzten Wochen haben die Sicherheitskräfte in Arsal mehrmals Bewaffnete aufgegriffen und Waffen und Munition beschlagnahmt. Gleichzeitig flog die syrische Luftwaffe zahlreiche Angriffe gegen die Rebellen, auch in Libanon. Zunehmend in Bedrängnis geraten, versuchen die islamistischen Kämpfer nun, sich wieder mehr Freiraum zu verschaffen. Gelingt es der libanesischen Armee nicht, das Dorf zu halten, droht Arsal zu einer Jihadisten-Hochburg zu werden, die ganz Libanon und weite Teile Syriens bedroht.

Aufrufe zur Desertion

Der Kampf um Arsal heizt aber die interkonfessionellen Spannungen in Libanon an. Sunnitische Politiker klagen die Armee an, in Zusammenarbeit mit dem schiitischen Hizbullah die Sunniten zu unterdrücken und zu verfolgen. Am Sonntag stellten die Jihadisten ein Video von den Polizisten ins Internet, die beim Überfall auf ihre Posten in Arsal als Geiseln genommen worden waren. Im Video erklären die Ordnungshüter, sie seien aus Protest gegen Übergriffe der Armee und des Hizbullah in Arsal zu den Rebellen übergelaufen. Ihre ungemütliche Lage und ihre einförmigen Sätze liessen allerdings erkennen, dass die Polizisten wenig überzeugt von der Aussage waren, zu der sie wohl gezwungen wurden.

Je länger und je verbissener der Kampf um Arsal wird, desto leichter haben es die extremistischen Politiker und Prediger, junge Sunniten auf ihre Seite zu ziehen. Die Aufrufe an die Sunniten, aus den Sicherheitskräften zu desertieren, werden immer lauter und wecken die Befürchtung, die Armee und der Staat könnten auseinanderbrechen. Die grosse Unordnung hätte damit ein weiteres Gebiet zwischen dem Mittelmeer und dem Golf erfasst.

 

http://www.nzz.ch/international/al-kaida-greift-die-armee-an-1.18355829

IS erobert größten Staudamm des Irak, Ölfeld und Städte von Kurden

3. August 2014, 16:40

Jihadisten nahmen weiteres Ölfeld und Raffinerie ein – Kurden wollen Waffen von den USA

Bagdad – Die Extremisten der sunnitischen Bewegung Islamischer Staat (IS) haben am Sonntag den größten Staudamm des Iraks, den Mosul-Damm, unter ihre Kontrolle gebracht. Auch das Salah-Ölfeld und drei weitere Städte hat die IS erobert. Die Städte wurden bislang von Kurden kontrolliert. Die kurdischen Peschmerga-Truppen hätten sich aus der Stadt Sinjar an der syrischen Grenze zurückgezogen, sagte ein Vertreter der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), Cheiri Sinjari, am Sonntag. Bei den zwei anderen eroberten Städten handelt es sich um Sinijar und Sumar.

USA soll helfen

Auf ihrer Internetseite erklärte die jihadistische radikal-sunnitische Terrorgruppe IS, sie habe zahlreiche kurdische Kämpfer getötet und neben den Städten auch zwölf Dörfer erobert. In Sumar hissten sie auf Gebäuden die schwarze Flagge. In anderen von ihnen eroberten Städten bildete das den Aufgalopp zu Massenhinrichtungen und der Durchsetzung fundamentalistisch-islamischer Vorschriften.

Um Waffen baten die kurdischen Autonomiegebiete mittlerweile die USA, um sich gegen die IS-Kämpfer zur Wehr setzen zu können. Ein entsprechendes Ersuchen sei von einer kurdischen Delegation Anfang Juli in Washington vorgetragen worden, hieß es in Kreisen der kurdischen und der US-Führung. Die USA hätten zugesagt zu prüfen, wie die Verteidigungsfähigkeit der Kurden verbessert werden könne.

Verteidigung von Flüchtlingen

Die Kurden erklärten, die US-Militärhilfe sei für einen Erfolg gegen die aus der Al-Kaida hervorgegangene Gruppe von entscheidender Bedeutung. Ihre Kämpfer benötigten Panzer, Ausrüstungen für Scharfschützen, gepanzerte Truppentransporter, Artillerie und Munition. Auf der Liste stünden zudem Schutzwesten, Helme sowie Tank- und Sanitätsfahrzeuge. Das werde nicht nur zum Schutz der Kurdengebietes gebraucht, sondern auch zur Verteidigung der irakischen Flüchtlinge, die sich in die Obhut der kurdischen Peschmerga-Miliz begeben hätten.

Inzwischen rief der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. Sako die Christen im Irak erneut zum Verbleib in ihrer Heimat aufgerufen. „Weggehen ist keine Lösung“, sagte Sako dem „Osservatore Romano“ am Sonntag laut Kathpress. Die Christen hätten auch die Pflicht, an der Gestaltung einer friedlichen Zukunft im Irak mitzuwirken.

Wirtschaftliche Interessen

„Diese Mentalität beim ersten Gewehrschuss zu fliehen, ist nicht möglich“, so das Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche mit Sitz in Bagdad. Die Zahl der noch im Irak lebenden Christen schätzte Sako auf 400.000 bis 500.0000. Vor dem Einmarsch der USA betrug sie etwa 1,2 Millionen.

Zugleich bekräftigte Sako seine Ablehnung einer militärischen Intervention des Auslands. Ein solcher Schritt sei „immer ein Fehler“, weil er nur weitere Tote, Flüchtlinge und Ruinen hinterlassen würde. Dem Westen warf der Patriarch vor, nur wirtschaftliche Interessen im Nahen Osten zu verfolgen. Vom Westen erwarte er sich nur das „Schlechteste“, die Christen forderte er zu Geduld auf, berichtete Kathpress.

Panik

Die Terrorgruppe nahm neben Sinjar auch mehrere an die Stadt angrenzende Dörfer ein, die mehrheitlich von der religiösen Minderheit der Yeziden bewohnt werden. Auch die Stadtbevölkerung gehört der Minderheit laut einer Aussendung der deutschen Informationsstelle Kurdistans vom Sonntag an.

„Sollte die Stadt durch IS eingenommen werden, würde das für die dort lebenden Menschen die Gefahr eines Massakers mit sich bringen“, hieß es. In den Orten nördlich und westlich der Millionenstadt Mossul sei Panik ausgebrochen, berichteten Bewohner der Nachrichtenagentur dpa. Viele seien auf der Flucht in die benachbarten kurdischen Autonomiegebiete.

200.000 Menschen auf der Flucht

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind rund 200.000 Menschen auf der Flucht. Die meisten von ihnen gehörten der religiösen Minderheit der Jesiden an, teilte die UN-Mission im Irak (UNAMI) am Sonntag mit. Im Nordirak entfalte sich eine „humanitäre Tragödie“.

Die Flüchtlinge bräuchten dringend Nahrung, Wasser undMedikamente, so die UNO. Extremisten der IS (früher ISIS) hatten am Wochenende im Norden des Iraks große Gebiete eingenommen, die bisher unter Kontrolle von kurdischen Peschmerga-Kämpfern standen.

Kalifat

Die früher als ISIS/ISIL bekannte Terrorgruppe hatte im Juni den Norden Iraks im Handstreich unter ihre Kontrolle gebracht und dort ein Kalifat ausgerufen. Viele irakische Soldaten desertierten angesichts der Offensive der Extremisten oder liefen zu ihnen über. Derzeit steht die Gruppierung rund 100 Kilometer vor Bagdad und droht, auch die Hauptstadt einzunehmen.

Zuvor hatten die Jihadisten den Bürgerkrieg in Syrien ausgenutzt, um dort in einigen Gebieten ihre fundamentalistische Herrschaft zu errichten. Im Irak finden sie teilweise bei den Sunniten Unterstützung, die sich von der Mehrheit der Schiiten im Land unterdrückt fühlen. Die Schiiten dominieren die Regierung in Bagdad. (APA/Reuters, 3.8.2014)

http://derstandard.at/2000003934741/Kurden-bestaetigen-Einnahme-weiterer-Staedte-im-Nordirak-durch-IS

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter globale Konflikte, Krieg und Kriegsverbrechen, Naher Osten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s