Hinter dem Konflikt in Gaza steht auch die Spaltung der sunnitisch-arabischen Welt. Eine Lösung für den Gazakonfikt ist auch deshalb schwierig, weil er in einen kalten Krieg der Golfstaaten eingebettet ist, wie der Nahostexperte der Stifung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, die politische Lage auf der arabischen Halbinsel beschrieb. Dort stehen sich das kleine, aber reiche Emirat Katar und das wegen seiner Ölmilliarden mächtige Saudiarabien gegenüber. Während Katar die Hamas unterstützt, gilt Saudiarabien als Verbündeter Ägyptens. Schon nach dem Sturz Mursis griff Riad der klammen Regierung am Nil mit grosszügigen Finanzhilfen unter die Arme. Das Königreich sieht im politischen Islam der Muslimbrüder eine ideologische Konkurrenz und eine Gefahr für die eigene Herrschaft. Als sich der saudische König Abdullah am Freitag in einer Fernsehansprache zu Wort meldete, verurteilte er zwar die «Kriegsverbrechen» gegen die Palästinenser – die Hamas erwähnte er jedoch mit keinem Wort. Katar hingegen war ein treuer Förderer der Muslimbrüder und gilt heute als engster Verbündeter der Hamas. Das Emirat stimmt sich dabei eng mit der Türkei ab. Gemeinsam versuchten sich beide Länder in Konkurrenz zu Ägypten an einer eigenen Initiative für eine Waffenruhe, die der Palästinenserorganisation stärker entgegenkommen sollte als die Kairoer Variante. Die USA zeigten zwar gewisse Sympathien für den Vorstoss, Ägypten und Israel aber sperrten sich. Der ägyptische Präsident al-Sisi und der saudische König Abdullah befinden sich in einer komplizierten Lage. Die öffentliche Meinung in ihren Ländern empört sich über die grosse Zahl toter Palästinenser. Schon jetzt gebe es zudem unter den Ägyptern Gerüchte, Kairo gehe Hand in Hand mit Israel gegen die Palästinenser vor, sagt der ägyptische Autor Fahmi Howeidi. Sollte der Krieg noch lange dauern und die Zahl der getöteten Palästinenser weiter steigen, könnte sich der Unmut auch gegen die beiden Herrscher richten.

Gespaltene arabische Welt

Kairo – Teil des Gaza-Konflikts

Heute, 2. August 2014, 13:17
Präsident al-Sisi betont in einer Fernsehansprache, dass sich Ägypten weiterhin für eine Lösung im Konflikt zwischen der Hamas und Israel einsetzen werde (Kairo, 23. Juli 2014).
Präsident al-Sisi betont in einer Fernsehansprache, dass sich Ägypten weiterhin für eine Lösung im Konflikt zwischen der Hamas und Israel einsetzen werde (Kairo, 23. Juli 2014). (Bild: AP / Mena)
Früher war Ägypten neutral genug, um zwischen Israeli und Palästinensern zu vermitteln. Doch heute ist Kairo Teil des Konflikts. Zudem verfolgen die Golfstaaten Saudiarabien und Katar gegensätzliche Interessen.

(dpa) Manchmal verraten kleine Zwischenfälle am Rande, wie die Dinge wirklich liegen. Als der Exil-Chef der radikalislamischen Hamas, Chaled Maschaal, vor einiger Zeit verkündete, er habe eine Einladung zu Gesprächen in Kairo ausgeschlagen, liess die Antwort von dort nicht lange auf sich warten. Meschaals Behauptung sei ein weiteres Glied in der Kette von Lügen, die die Palästinenserorganisation verbreite, erklärten ägyptische Diplomaten unverblümt. Sie machten sehr deutlich, wo Kairo im Gazakonflikt steht – nicht an der Seite der Hamas.

Die Feindschaft zwischen der ägyptischen Führung und der Palästinenserorganisation sitzt tief. Die Hamas ging Ende der 1980er Jahre aus den ägyptischen Muslimbrüdern hervor und hat bis heute enge Verbindungen zu ihnen. Die Führung in Kairo aber verfolgt die Islamisten, seit das Militär vor mehr als einem Jahr den frei gewählten Präsidenten Mohammed Mursi stürzte und mit rücksichtsloser Gewalt gegen seine Anhänger vorgeht. Es liegt nicht im Interesse der ägyptischen Regierung, dass die Hamas aus dem blutigen Krieg in irgendeiner Form als Sieger hervorgehen könnte.

Wie Israel möchte Ägypten zudem die Tunnel zwischen dem Gazastreifen und der Aussenwelt zerstören, damit es keine Verbindung mehr zwischen radikalen Palästinensern und ägyptischen Extremisten auf der Sinaihalbinsel gibt – schiesslich hat der neue ägyptische Präsident Abdelfatah al-Sisi seinen Wählern vor allem Sicherheit versprochen.

Die Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit. «Die Hamas will al-Sisi blossstellen», sagt Yussri al-Azab vom Kairoer Al-Ahram-Zentrum für Strategische Studien.«Sie will ihn dazu zwingen, den Grenzübergang in Rafah länger zu öffnen. Und sie will der Welt zeigen, dass Ägypten nicht mehr länger die Rolle als starke Regionalmacht spielt.»

Für die Lösung des Gazakonflikts hat die Haltung Ägyptens gravierende Konsequenzen. Zu Zeiten von Langzeitherrscher Hosni Mubarak und auch unter der Ägide von Mursi galt das Land als neutral genug, um im Krisenfall zwischen Palästinensern und Israeli zu vermitteln. Doch nun ist Kairo Teil des Konflikts – und kann die Rolle als ehrlicher Makler nicht mehr übernehmen.

Eine Lösung für den Gazakonfikt ist auch deshalb schwierig, weil er in einen kalten Krieg der Golfstaaten eingebettet ist, wie der Nahostexperte der Stifung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, die politische Lage auf der arabischen Halbinsel beschrieb. Dort stehen sich das kleine, aber reiche Emirat Katar und das wegen seiner Ölmilliarden mächtige Saudiarabien gegenüber.

Während Katar die Hamas unterstützt, gilt Saudiarabien als Verbündeter Ägyptens. Schon nach dem Sturz Mursis griff Riad der klammen Regierung am Nil mit grosszügigen Finanzhilfen unter die Arme. Das Königreich sieht im politischen Islam der Muslimbrüder eine ideologische Konkurrenz und eine Gefahr für die eigene Herrschaft. Als sich der saudische König Abdullah am Freitag in einer Fernsehansprache zu Wort meldete, verurteilte er zwar die «Kriegsverbrechen» gegen die Palästinenser – die Hamas erwähnte er jedoch mit keinem Wort.

Katar hingegen war ein treuer Förderer der Muslimbrüder und gilt heute als engster Verbündeter der Hamas. Das Emirat stimmt sich dabei eng mit der Türkei ab. Gemeinsam versuchten sich beide Länder in Konkurrenz zu Ägypten an einer eigenen Initiative für eine Waffenruhe, die der Palästinenserorganisation stärker entgegenkommen sollte als die Kairoer Variante. Die USA zeigten zwar gewisse Sympathien für den Vorstoss, Ägypten und Israel aber sperrten sich.

Der ägyptische Präsident al-Sisi und der saudische König Abdullah befinden sich in einer komplizierten Lage. Die öffentliche Meinung in ihren Ländern empört sich über die grosse Zahl toter Palästinenser. Schon jetzt gebe es zudem unter den Ägyptern Gerüchte, Kairo gehe Hand in Hand mit Israel gegen die Palästinenser vor, sagt der ägyptische Autor Fahmi Howeidi. Sollte der Krieg noch lange dauern und die Zahl der getöteten Palästinenser weiter steigen, könnte sich der Unmut auch gegen die beiden Herrscher richten.

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/der-gaza-konflikt-spaltet-die-arabische-welt-1.18355353

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