Handys sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ohne das seltene Coltan, das für die Herstellung technischer Geräte unabdingbar ist, gäbe es weltweite Funkstille. Doch das Erz stammt häufig aus dem Ostkongo, wo es, laut Difäm unter lebensbedrohlichen Bedingungen und teils durch Kinderarbeit abgebaut werde. Rebellen und Soldaten kämpfen seit Jahren um die Kontrolle der Bodenschätze in dem Gebiet. Die Folgen sind Gewalt und Armut. Der Gewinn des Rohstoffverkaufs würde häufig in Waffen investiert. In Fertigungsfabriken asiatischer Länder werden sie unter teils menschenunwürdigen Bedingungen verarbeitet und landeten schließlich in unseren Handys, von denen mittlerweile mehr als 1,6 Milliarden pro Jahr weltweit verkauft werden. Difäm hatte zusammen mit anderen Organisationen mit der Mitmach-Aktion „Handy – Segen oder Fluch?“ dazu aufgerufen, alte Handys abzugeben um auf die Umstände bei der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung aufmerksam machen.Der Erlös der Handy-Sammelaktion von 10.000 Euro fließt in ein Projekt zur Aufklärung von Jugendlichen im Ostkongo.

DR Kongo: Handyherstellung mit Konfliktrohstoffen PDF Drucken E-Mail
GESCHRIEBEN VON: REDAKTION
MITTWOCH, DEN 30. JULI 2014 UM 09:26 UHR
difaem 100Tübingen. – Handys sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Immer neue Modelle kommen auf den Markt, ausgediente Mobiltelefone verschwinden in der Schublade. Allein in Deutschland liegen, nach Angaben der Gesundheitsorganisation Deutsche Institut für Ärztliche Mission e.V. (Difäm), fast 83 Millionen alte und kaputte Mobiltelefone unbenutzt im Schrank – und mit ihnen wertvollen Rohstoffe wie Gold, Kupfer oder Coltan. Ohne das seltene Coltan, das für die Herstellung technischer Geräte unabdingbar ist, gäbe es weltweite Funkstille. Doch das Erz stammt häufig aus dem Ostkongo, wo es, laut Difäm unter lebensbedrohlichen Bedingungen und teils durch Kinderarbeit abgebaut werde.

Rohstoffe wie Gold, Zinn oder Coltan werden als Konfliktrohstoffe verstanden, deren Abbau und Handel unter anderem in der Demokratischen Republik Kongo einen gewaltsamen Krieg angeheizt haben. Rebellen und Soldaten kämpfen seit Jahren um die Kontrolle der Bodenschätze in dem Gebiet. Die Folgen sind Gewalt und Armut. Wie das Deutsche Institut für Ärztliche Mission e.V. (Difäm) erklärte, würden Frauen sich oft nicht mehr auf ihre Felder wagen und könnten ihre Familien nicht mehr versorgen. Kinder könnten nicht mehr in die Schule gehen und schufteten in den teils illegal betriebenen Minen. Der Gewinn des Rohstoffverkaufs würde häufig in Waffen investiert. Auf oft illegalen Handelswegen gelangten die Rohstoffe auf den Weltmarkt.

In Fertigungsfabriken asiatischer Länder werden sie unter teils menschenunwürdigen Bedingungen verarbeitet und landeten schließlich in unseren Handys, von denen mittlerweile mehr als 1,6 Milliarden pro Jahr weltweit verkauft werden. Eine gezielte Wiederverwertung der Rohstoffe oder Wiederverwendung der alten Telefone würde den Rohstoffbedarf deutlich senken. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation German Watch warnte vor kurzem vor den Umweltschäden, die die Handyherstellung verursacht und kritisierte, dass die Elektronikbranche die Rohstoffproblematik ignoriere.

Difäm hatte zusammen mit anderen Organisationen mit der Mitmach-Aktion „Handy – Segen oder Fluch?“ dazu aufgerufen, alte Handys abzugeben um auf die Umstände bei der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung aufmerksam machen, neue Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und zum Umdenken anzuregen. Bei der Sammelaktion alter und kaputter Mobiltelefone gingen rund 15.500 Handys bei derDeutschen Umwelthilfe ein. „Wir werden das Bewusstsein für die Zusammenhänge in der Handyherstellung und die menschenunwürdigen Zustände im Rohstoffabbau weiterhin fördern und auf die Verbindung zur schlechten Gesundheitsversorgung im Osten der Demokratischen Republik Kongo aufmerksam machen,“ sagte Difäm-Direktorin Gisela Schneider.

Der Erlös der Handy-Sammelaktion von 10.000 Euro fließt in ein Projekt zur Aufklärung von Jugendlichen im Ostkongo. Dort brechen viele Mädchen die Schule ab, weil sie schwanger werden. Scham, üble Nachrede, Stress mit der Familie sind ausschlaggebend dafür. Das eigentliche Problem liegt jedoch in der Unwissenheit und Ahnungslosigkeit – eine Folge fehlender Bildungsmaßnahmen im Krisengebiet. Auszubildende einer Krankenpflegeschule in Nebobongo klären deswegen in umliegenden Schulen über die Pubertät und Sexualität auf. Das Difäm finanziert die Ausbildung der Krankenpfleger und Hebammen, die mit Aufklärungskursen helfen, die Gesundheit im Kongo zu verbessern.

Quelle: difaem.de

Tags: Rohstoffe :: Handy :: Kongo
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