US-Hedgefonds und US-Justiz haben Argentinien in den Staatsbankrott getrieben! Auf die Menschen in der drittgrößten südamerikanischen Wirtschaft kommt viel Leid zu! Buenos Aires verweigert die Zahlung an NML Capital und Aurelius, die argentinische Schulden nach der Staatspleite Ende 2001 billig aufgekauft hatten und nun den Nennwert geltend machen. Mit dieser umstrittenen Strategie fahren die Fonds hohe Renditen ein. Kicillof sagte, sein Land habe in den Verhandlungen ein Angebot vorgelegt, das einen Profit von 300 Prozent bedeutet hätte. „Es wurde nicht angenommen, weil sie mehr wollten.“ Das brutale Gesicht der heutigen US-dominierten kapitalistischen Weltwirtschaftsordnung wird hier überdeutlich, in dem Menschen die Staatsmacht der USA nutzen, um auf unmenschlichem Weg riesige Profite zu erzielen! Wir brauchen dringend eine Bürgerbewegung für eine solidarische, menschliche Weltwirtschaftsordnung, wie schon mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beschlossen – wo allerdings noch die verheerende Weltwirtschaftskrise nach 1929 und ihre Folgen den Menschen in den reichen Ländern erinnerlich war! Die argentinische Wirtschaft ist bereits in einem sehr schlechten Zustand. Jetzt könnte die Inflation auf 50 Prozent steigen! Man kann sich ausmalen, was das für Menschen mit geringem Einkommen heißt. Es gibt eine Rezession, hohe Arbeitslosigkeit und eine hohe Inflation von bis zu 40 Prozent. Der Handelsbilanzüberschuss wird sich bald in ein Defizit verwandeln. Dabei sind die Exporte, etwa von Soja, die einzigen Devisenbringer. Wo Sie hinschauen, ist die Wirtschaft nicht mehr dynamisch. Wenn es zu einer Pleite kommt, werden weniger Investoren dem Land Geld leihen und die Situation von Abwertung und hoher Inflation wird sich verschlimmern. Es braucht sicher ein Insolvenzrecht für internationale Anleihen. Bislang werden sie immer nur nach nationalem Recht begeben. Dabei brauchen wir künftig ein Völkerrecht und internationale Gerichte für Anleihen. Teil dieses Rechts muss es natürlich sein, dass ein Land auch zahlungsunfähig werden kann und irgendwann geordnet wieder an die Kapitalmärkte zurückkehren kann.

Keine Einigung mit Hedgefonds: Argentinien ist pleite

31. Juli 2014, 07:34
 Wirtschaftsminister Axel Kicillof: "Die Geierfonds haben versucht, Argentinien etwas Illegales aufzuzwingen."

Die Verhandlungen zwischen dem Land und US-Hedgefonds sind gescheitert. In der Nacht lief zudem die Frist für eine Verhandlungslösung aus. Damit gilt das Land auf den Finanzmärkten als zahlungsunfähig

Buenos Aires/New York – Nach dem Ende der Frist im Schuldenstreit zwischen Argentinien und den Gläubigern gibt es keine Einigung. Das südamerikanische Land gilt somit offiziell als zahlungsunfähig. Bereits zuvor hatte der argentinische Wirtschaftsminister Axel Kicillof erklärt, dass die Gespräche mit zwei US-Hedgefonds ergebnislos geblieben seien.

Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit zwei US-Hedgefonds über seine Schulden schlittert Argentinien zum zweiten Mal in 13 Jahren in eine Staatspleite. Zuvor hatte die US-Ratingagentur Standard & Poor’s den „teilweisen Zahlungsausfall“ des Landes erklärt.

Auch ein Plan von privaten Banken zur Abwehr einer Staatspleite Argentiniens missglückte. Das Hilfsangebot eines Konsortium aus Finanzhäusern kam dann doch nicht zustande, wie ein hochrangiger Bankvertreter sagte. Die Geldhäuser hatten sich einem Insider zunächst bereiterklärt, die Schulden des südamerikanischen Landes bei den klagenden Hedgefonds übernehmen.

„Erpresserische Bedingungen“

Die „Geierfonds“ hätten versucht, Argentinien „etwas Illegales“ aufzuzwingen, sagte Kicillof. Sein Land sei bereit, die Forderungen aller Gläubiger zu begleichen. „Aber unter vernünftigen Bedingungen, nicht unter erpresserischen Bedingungen“, ergänzte er. Der gerichtlich bestimmte Schlichter Daniel Pollack bestätigte, dass „leider“ keine Einigung erreicht worden sei: „Unglücklicherweise konnte keine Einigung erzielt werden, und die Republik Argentiniensteht vor dem Default (Zahlungsausfall).“

Buenos Aires hatte bis Mittwoch um Mitternacht (06.00 Uhr MESZ) Zeit, 539 Millionen Dollar an Staatsschulden bei internationalen Gläubigern zu tilgen. Die argentinische Regierung hinterlegte die fällige Summe zwar bei einer US-Bank. Auf Anordnung des US-Bundesrichters Thomas Griesa muss Argentinien aber erst die beiden Hedgefonds ausbezahlen, ehe es die Forderungen der anderen Gläubiger begleichen darf.

Kicillof: Argentinien bot Profit von 300 Prozent

Buenos Aires verweigert die Zahlung an NML Capital und Aurelius, die argentinische Schulden nach der Staatspleite Ende 2001 billig aufgekauft hatten und nun den Nennwert geltend machen. Mit dieser umstrittenen Strategie fahren die Fonds hohe Renditen ein. Kicillof sagte, sein Land habe in den Verhandlungen ein Angebot vorgelegt, das einen Profit von 300 Prozent bedeutet hätte. „Es wurde nicht angenommen, weil sie mehr wollten.“

Der Minister wies die Auffassung zurück, dass Argentinien zahlungsunfähig sei. „Das Geld ist da. Wenn es einen Zahlungsausfall gäbe, wäre das Geld offenkundig nicht da“, sagte er mit Blick auf die auf dem US-Konto eingefrorenen Millionen. Verantwortlich sei Richter Griesa, der eine Auszahlung an die Gläubiger verhindere.

Noch bevor Kicillof vor die Presse trat, verkündete Standard & Poor’s die Herabstufung. Die Ratingagentur verwendet die Bewertung „teilweiser Zahlungsausfall“, wenn ein Schuldner eine Anleihe oder Kreditrate nicht fristgerecht zurückzahlt, aber andere Verpflichtungen weiter erfüllt. Zuvor hatte S&P die argentinische Kreditwürdigkeit mit der Note CCC- bewertet.

Einigungen 2005 und 2010

In den Jahren 2005 und 2010 hatte Argentinien sich mit mehr als 90 Prozent seiner Gläubiger auf eine Umschuldung geeinigt. Einige wenige Investoren wie NML Capital und Aurelius blieben jedoch hart. Vor einem US-Bundesgericht erstritten die beiden Hedgefonds von Argentinien eine Summe von 1,3 Milliarden Dollar, der Oberste Gerichtshof in Washington wies die Beschwerde von Buenos Aires gegen das Urteil vergangenen Monat ab.

Argentinien steckt in einer Zwickmühle: Zahlt es nämlich die Hedgefonds aus, könnten die Vereinbarungen mit den anderen Gläubigern über die Schuldenschnitte nachträglich platzen. Gegenüber den Teilnehmern der Umschuldungsprogramme hatte sich Buenos Aires verpflichtet, den ausharrenden Gläubigern bis Ende 2014 kein besseres Angebot vorzulegen. Bei einem Verstoß fürchtet die argentinische Regierung mögliche Kosten von 120 Milliarden Dollar.

Der neuerliche Zahlungsausfall könnte für die drittgrößte Wirtschaftsmacht Lateinamerikas schwerwiegende Folgen haben. Die wirtschaftliche Krise und die Inflation dürften sich verschärfen, die Landeswährung Peso weiter abwerten. Außerdem wäre Argentinien weiter vom internationalen Kapitalmarkt ausgeschlossen, an dem es schon seit der Staatspleite 2001 kein Geld mehr bekommt. Wegen der weitgehenden Isolation von den Finanzmärkten dürften die weltweiten Folgen dagegen überschaubar bleiben. (APA, 31.7.2014)

 

http://derstandard.at/2000003788484/Keine-Einigung-zwischen-Argentinien-und-Hedgefonds-im-Schuldenstreit

mehr: https://eineweltdiplomaten.wordpress.com/2014/07/30/hedgfonds-drohen-argentinien-in-den-bankrott-zu-treiben-hedge-funds-nehmen-bankrotte-lander-ins-visier-staatspleiten-als-geschaftsidee-mit-hilfe-der-us-justiz-haben-dies-fonds-hunderte-von-milli/

„Argentiniens Inflation könnte auf 50 Prozent steigen“

INTERVIEW | LUKAS SUSTALA
30. Juli 2014, 05:30

Am Mittwoch droht erneut die Staatspleite, Ökonom Federico Foders kritisiert Argentiniens Umgang mit der Geldentwertung

Buenos Aires/Wien – Im Angesicht der drohenden Staatspleite spielt die argentinische Regierung auf stur. Direkte Verhandlungen mit den als „Geierfonds“ geschmähten Investoren der vor vielen Jahren ausgefallenen Anleihen soll es nicht geben, betonte der Mediator Daniel Pollack. Das Land liefert sich in den USA einen erbitterten Rechtsstreit über die Auszahlung von Anleihen. Bis heute, dem 30. Juli, hat das Land Zeit, um Bonds zu bedienen, ehe es technisch in die Pleite schlittert.

Kurz vor Ablauf der Frist hatte Argentinien eine erste Tranche zur Begleichung seiner Schulden bei einer anderen Gläubigergruppe 642 Millionen Dollar überwiesen. Damit signalisiert das Land Zahlungsbereitschaft. Doch ein Gerichtsurteil untersagt dem Land die Auszahlung von Geldern an Anleihengläubiger, solange nicht die „Geierfonds“ bezahlt werden. Wie eine Pleite auf die argentinische Wirtschaft wirken würde und welche Schwierigkeiten das Land hat, hat DER STANDARD den Ökonomen Federico Foders gefragt.

STANDARD: Argentinien steht nach zwölf Jahren wieder am Abgrund, die Pleite droht. Welche Folgen hätte diese?

Foders: Die argentinische Wirtschaft ist bereits in einem sehr schlechten Zustand. Es gibt eine Rezession, hohe Arbeitslosigkeit und eine hohe Inflation von bis zu 40 Prozent. Der Handelsbilanzüberschuss wird sich bald in ein Defizit verwandeln. Dabei sind die Exporte, etwa von Soja, die einzigen Devisenbringer. Wo Sie hinschauen, ist die Wirtschaft nicht mehr dynamisch. Wenn es zu einer Pleite kommt, werden weniger Investoren dem Land Geld leihen und die Situation von Abwertung und hoher Inflation wird sich verschlimmern.

STANDARD: Das Land leidet an einem Dollarengpass und musste dieses Jahr die Währung abwerten. Könnte das noch einmal passieren?

Foders: Ja. In der Vergangenheit hat das Land den Aufschwung genutzt, um Sozialausgaben und Subventionen zu erhöhen, und gleichzeitig die Geldpolitik locker gelassen. Damit schürte man den Inflationsdruck. Wenn eine Volkswirtschaft eine Inflationsrate von 35 bis 40 Prozent hat, und das Ausland, etwa die USA mit der für Argentinien zweitwichtigsten Währung, dem US-Dollar, nur eine Inflation von zwei Prozent, dann müsste das Land jedes Jahr in Höhe von 38 Prozent abwerten. Eine Volkswirtschaft, die nicht in dem Ausmaß abwertet, hat eine überbewertete Währung. Und die führt zu einer sehr hohen Importnachfrage. Daher hat die Regierung Import- und Devisenkontrollen eingeführt. Die Preise für viele Güter werden kontrolliert. Das sind alles Maßnahmen, die dazu führen, dass es Schwarzmärkte für Produkte wie Milch oder Brot gibt.

STANDARD: Die Regierung sagt aber, dass die Inflation deutlich niedriger als 40 Prozent ist.

Foders: Das Problem ist, dass die argentinischen Statistiken seit Jänner 2007 manipuliert wurden. Daher muss man sich auf unabhängige Wirtschaftswissenschafter verlassen. Die Schätzungen, die wir heute haben, beruhen etwa auf den Lohnerhöhungen. Dabei zeigt sich, dass die Inflation knapp 40 Prozent ausmacht.

STANDARD: Was könnte Argentinien tun, um die Krise einzudämmen?

Foders: Das Land müsste den Peso freigeben. Er würde dann wohl hochschnellen (die Währung damit weiter abwerten, Anm.). Wie hoch der wahre Kurs ist, muss der Markt bestimmen, ob bei 15 Pesos je Dollar oder 20. Aktuell liegt der offizielle Kurs bei 8,2 Pesos, derjenige am Schwarzmarkt bereits bei über 13 Pesos. Eine Abwertung würde den Exporten mit Sicherheit einen Schub geben. Der Nachteil wäre, dass es auch der Inflation Auftrieb bekommt. Dann könnte die Inflation auf 50 Prozent steigen. Es ist eine sehr schwere Aufgabe, die Inflation auf unter zehn Prozent zurückzufahren.

Standard: Wenn das Land den Rechtsstreit beilegt, könnte es von der globalen Liquiditätsschwemme profitieren und sich finanzieren?

Foders: Natürlich leben wir in einer sehr günstigen Großwetterlage. In den Industrieländern gibt es Zinssätze von Null und Anleger suchen höhere Renditen. Doch ein Land, das 2001 zahlungsunfähig wurde und erst vier Jahre bzw. neun später seinen Gläubigern ein Angebot machte … Wir schreiben jetzt das Jahr 2014 und der Streit ist immer noch nicht geregelt. Das hat die Reputation beschädigt.

STANDARD: Argentiniens Regierung streitet wegen Klauseln in den Anleihenverträgen erbittert, den RUFO (Rights upon future offers). Diese könnten im Fall der Einigung mit den Hedgefonds Milliardenklagen anderer Investoren nach sich ziehen. Eine berechtigte Sorge?

Foders: Die RUFO sind eine Nebelkerze. Die sollte man nicht so ernst nehmen, schließlich stehen sie nur in einigen wenigen Anleihen. Die argentinische Regierung bläst das auf. Diese Klausel würde nur anspringen, wenn den Hedgefonds ein freiwilliges Angebot gemacht wird. Davon ist die Regierung weit entfernt. Alles, was auf dem Tisch liegt, ist eine Anweisung eines US-Richters. Das Land hat drei Verfahren verloren und muss eine Anordnung befolgen. Davon berührt die Klausel nicht.

STANDARD: Aber zeigt der Fall nicht, dass es ein Insolvenzrecht braucht, um unnötigen Schaden durch Pleiten zu vermeiden?

Foders: Es braucht sicher ein Insolvenzrecht für internationale Anleihen. Bislang werden sie immer nur nach nationalem Recht begeben. Dabei brauchen wir künftig ein Völkerrecht und internationale Gerichte für Anleihen. Teil dieses Rechts muss es natürlich sein, dass ein Land auch zahlungsunfähig werden kann und irgendwann geordnet wieder an die Kapitalmärkte zurückkehren kann. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 30.7.2014)

Federico Foders (65) ist Ökonom am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Er wurde in Buenos Aires geboren, ist auf die wirtschaftliche Entwicklung Lateinamerikas spezialisiert und Honorarprofessor der Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln.

http://derstandard.at/2000003684406/Argentinien-Inflation-koennte-auf-50-Prozent-steigen

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