An der EU-Südgrenze in Libyen könnte jetzt ein radikal-islamischer Staat entstehen! Erfolge der Islamisten, die neue schwere Waffen erhalten haben. Sie haben einen großen Militärstützpunkt in Benghazi eingenommen. Derweil stehen bei Tripolis Teile eines Treibstofflagers beim internationalen Flughafen offenbar weiter in Brand. Es droht eine grosse Explosion. Laut der Website Libya Body Count forderten die Kämpfe dieses Monats bisherin ganz Libyen 348 Tote, fast die Hälfte davon in Benghazi. Derweil gibt es in der Hauptstadt kaum mehr Treibstoff. Die Benzinpreise seien um das 30-fache gestiegen, heisst es. Die meisten Länder haben inzwischen das Personal aus ihren diplomatischen Vertretungen in Tripolis abgezogen. Die Nato hat den Sturz Gaddafis als ihren größten Erfolg gefeiert! Auch viele Progressive unterstützten den Sturz Gaddafis! Und jetzt sehen wir: Etwas zu zerstören ist leicht! Ob es dann besser wird, ob es bessere Kräfte gibt, eine ganz andere Frage! Wir müssen unsere Arroganz ablegen, zu meinen, wir wüßten und könnten es besser als andere! In Libyen kostet diese westliche Anmaßung, die auch viele Progressive teilen, jetzt sehr vielen das Leben! Vielleicht demnächst auch westlichen Soldaten im Einsatz gegen Islamisten in Libyen zur Sicherung der Ölzufuhr der westlichen Konzerne aus dem ölreichen Land, das seit Jahrzehnten Hauptlieferant Deutschlands ist!

Islamisten vor Benghazi

Zusammenbruch in Libyen

Gestern, 30. Juli 2014, 15:53
Tripolis: Ein Feuer war durch Raketenbeschuss entfacht worden. Friedensappelle beherrschten die Botschaften zum Ramadan-Ende.
Tripolis: Ein Feuer war durch Raketenbeschuss entfacht worden. Friedensappelle beherrschten die Botschaften zum Ramadan-Ende. (Bild: Reuters)
Islamistische Milizen stossen auf die Öl- und Hafenstadt Benghazi im östlichen Libyen vor. Es droht die Errichtung eines «Islamischen Staats» am Mittelmeer und damit an der EU-Südgrenze.

awy. Islamistische Kämpfer des sogenannten Shura-Rats von Benghasi haben am Dienstagabend offenbar einen grossen Armeestützpunkt eingenommen. Die Gruppe mit Verbindungen zur Kaida-nahen Ansar ash-Sharia soll in den letzten Tagen neue, auch schwere Waffen erhalten haben.

Spezialtruppen zurückgeschlagen

Zuletzt hatte eine Kommandoeinheit der Armee mit Unterstützung von Flugzeugen versucht, den Vormarsch der Islamisten zu stoppen. Sie hatte dabei auch Unterstützung von der Miliz des Khalifa Haftar, der früher Generalstabschef unter dem Diktator Ghadhafi war. Die Kommandoeinheit erlitt hohe Verluste und musste sich zurückziehen, wie ein Armeesprecher laut der Agentur AFP einräumte.

Wie das neu gewählte Parlament Anfang August unter den gegebenen Umständen in Benghazi zusammentreten soll, ist unerfindlich. Der neuste Vorschlag ist, das Parlament nach Tobruk zu verlegen, wo es bisher vergleichsweise still geblieben ist. Benghazi wurde als Tagungsort festgelegt, weil man das Parlament aus Tripolis und damit aus dem Einflussbereich islamistischer Milizen wegverlegen wollte. Nun bedrohen sie aber auch Benghazi akut.

Explosive Lage am Flughafen von Tripolis

Derweil stehen bei Tripolis Teile eines Treibstofflagers beim internationalen Flughafen offenbar weiter in Brand. Es droht eine grosse Explosion. Zwei brennende Tanks sollen 6,6 Millionen Liter Treibstoff enthalten, das ganze Lager hat eine Kapazität von 90 Millionen Liter. Die Bevölkerung im weiten Umkreis der Anlage wurde angewiesen, ihre Wohnungen zu verlassen.

Die Feuerwehr steht offenbar auf verlorenem Posten, nicht nur wegen der Grösse des Brandes und der Explosionsgefahr, sondern auch, weil in der Umgebung der Raffinerie gekämpft wird und der Zugang entsprechend schwierig oder überhaupt unmöglich ist.

Angeblich haben derzeit Milizen aus Zintan, weiter im Westen, die Kontrolle über die Raffinerie von Brega; sie hätten islamistische Milizen aus Misrata, weiter im Osten gelegen, in heftigen Kämpfen von der Raffinerie und vom nahegelegenen Flughafen zurückgetrieben.

Laut der Website Libya Body Count forderten die Kämpfe dieses Monats bisherin ganz Libyen 348 Tote, fast die Hälfte davon in Benghazi.

Kein Benzin in der Hauptstadt

Derweil gibt es in der Hauptstadt kaum mehr Treibstoff. Die Benzinpreise seien um das 30-fache gestiegen, heisst es.

Die meisten Länder haben inzwischen das Personal aus ihren diplomatischen Vertretungen in Tripolis abgezogen, am Mittwochvormittag auch Frankreich, das bei der Militärintervention gegen das Ghadhafi-Regime eine führende Rolle gespielt hatte. Noch in Betrieb sind die italienische und die Schweizer Botschaft.

Praktisch alle Länder haben ihre Bürger aufgefordert, sich aus Libyen zurückzuziehen, mehrere haben in den letzten Tagen Fahrzeugkonvois und Schiffe losgeschickt, um die Leute zu Wasser oder zu Land wegzubringen.

Eher anekdotisch ist die Meldung, dass der neu ernannte stellvertretende Regierungschef Mustapha Abu Shagur von einer Bande entführt und nach einigen Stunden wieder freigelassen wurde.

Flüchtlingsboot gesunken – wahrscheinlich über 100 Tote

Ungeachtet der Kämpfe reisst der Flüchtlingsstrom über das Meer nicht ab. Etwa hundert Kilometer vor der libyschen Küste sank am Mittwoch ein Boot mit angeblich 150 Migranten an Bord. 22 Insassen seien gerettet und 20 Leichen gefunden worden; die übrigen Insassen des Bootes würden vermisst, meldete AFP aufgrund von Angaben der libyschen Marine.

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Illusionen vor zwei Jahren – Bildstrecke

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Anfang März 2011 schiesst ein Befreiungskämpfer in Ras Lanuf im Osten Libyens auf ein Konterfei des Machthabers Ghadhafi. Den "Guide" verherrlichende Plakate waren im Libyen Ghadhafis allgegenwärtig.
Anfang März 2011 schiesst ein Befreiungskämpfer in Ras Lanuf im Osten Libyens auf ein Konterfei des Machthabers Ghadhafi. Den „Guide“ verherrlichende Plakate waren im Libyen Ghadhafis allgegenwärtig. (Bild: Keystone/Khaled Elfiqi)
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4 Antworten zu An der EU-Südgrenze in Libyen könnte jetzt ein radikal-islamischer Staat entstehen! Erfolge der Islamisten, die neue schwere Waffen erhalten haben. Sie haben einen großen Militärstützpunkt in Benghazi eingenommen. Derweil stehen bei Tripolis Teile eines Treibstofflagers beim internationalen Flughafen offenbar weiter in Brand. Es droht eine grosse Explosion. Laut der Website Libya Body Count forderten die Kämpfe dieses Monats bisherin ganz Libyen 348 Tote, fast die Hälfte davon in Benghazi. Derweil gibt es in der Hauptstadt kaum mehr Treibstoff. Die Benzinpreise seien um das 30-fache gestiegen, heisst es. Die meisten Länder haben inzwischen das Personal aus ihren diplomatischen Vertretungen in Tripolis abgezogen. Die Nato hat den Sturz Gaddafis als ihren größten Erfolg gefeiert! Auch viele Progressive unterstützten den Sturz Gaddafis! Und jetzt sehen wir: Etwas zu zerstören ist leicht! Ob es dann besser wird, ob es bessere Kräfte gibt, eine ganz andere Frage! Wir müssen unsere Arroganz ablegen, zu meinen, wir wüßten und könnten es besser als andere! In Libyen kostet diese westliche Anmaßung, die auch viele Progressive teilen, jetzt sehr vielen das Leben! Vielleicht demnächst auch westlichen Soldaten im Einsatz gegen Islamisten in Libyen zur Sicherung der Ölzufuhr der westlichen Konzerne aus dem ölreichen Land, das seit Jahrzehnten Hauptlieferant Deutschlands ist!

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