Wir brauchen jetzt ein, zwei, hundert Mal Rosa Luxemburg: Krieg und Frieden sind ein Lebensthema Luxemburgs. Sie entreißt dem Krieg die patriotische Vermummung und demaskiert ihn als entfesselten Kapitalismus: „Die Dividenden steigen, und die Proletarier fallen.“ „Wenn uns zugemutet wird die Mordwaffen gegen unsere französische und anderen Brüder zu erheben, dann rufen wir: Das tun wir nicht!“ Vor niemandem hatten die Kriegstreiber in Deutschland so viel Angst wie vor Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Luxemburg, eine kommunistische Märtyrerin, dabei ist sie eigentlich Sozialdemokratin gewesen. Unfassbar, aber wahr: Die Ahnmutter von Sigmar Gabriel und Manuela Schwesig heißt Rosa Luxemburg. Die traditionsstolze SPD verdrängt das nach Kräften – aus bösem Grund. 1914 geriet die Partei in den Strudel der nationalen Kriegseuphorie. Luxemburg blieb Internationalistin. Die Rednerin brachte Säle zum Kochen, die rastlose Publizistin schrieb im kühlen Licht der Analyse. Fast die gesamte Kriegszeit verbringt Rosa Luxemburg in Gefängnissen. Inhaftiert ist sie wegen „versuchten Hoch- und Landesverrats“, später als „Schutzhäftling“. Draußen wird unermesslich gemordet und gestorben. Der Weltkrieg frisst nicht nur Millionen Menschen, er spaltet auch die deutsche Arbeiterbewegung. Klassenübergreifend gilt der Krieg als „Verjüngungsbad der Nation“.

Rosa Luxemburg: Krieg dem Kriege

Krieg dem Kriege

1914: Es ist Krieg in Europa. Mit leidenschaftlichen Reden wandte sich Rosa Luxemburg gegen Nationalismus und Krieg: Welchen Grund habe denn ein deutscher Arbeiter einen französischen Arbeiter als Feind zu betrachten, der sich in derselben unterdrückten und ausgebeuteten Situation befindet? Warum sollten sie sich für die Interessen ihrer Unterdrücker gegenseitig abschlachten? fragte sie. Bei einer Kundgebung 1914 in Frankfurt/Main ruft Luxemburg zur Kriegsdienstverweigerung auf. Als „Vaterlandsverräterin“ bezeichnet wurde gegen sie Anklage wegen „Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und gegen Anordnungen der Obrigkeit“ erhoben. Sie wird zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und 1915 ins Frauengefängnis Berlin eingeliefert. Doch weder Gefängnis, Isolation noch Krankheit konnten ihren Geist brechen.

Rosa Luxemburg war eine der herausragendsten Persönlichkeiten der europäischen Arbeiterbewegung. Die 1871 als Tochter einer polnisch-jüdischen Kaufmannsfamilie geborene Rosa hatte früh begonnen, sich politisch zu betätigen. In Polen trat sie der neu gegründeten „Sozialistischen revolutionären Partei des Proletariats“ bei, die doch fast völlig von der zaristischen Polizei zerschlagen wurde. Rosa musste das Land verlassen und floh in die Schweiz, wo sie an der Universität Zürich Nationalökonomie studierte. Ihr Professor Julius Wolf erinnerte sich an sie, als eine seiner begabtesten Schülerinnen. Nach ihrer Promotion zog sie nach Berlin, wo sie der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands beitrat. Ihr politisches Engagement brachte ihr mehrere Verurteilungen und Gefängnisaufenthalte ein.

Zunehmend kam sie in Konflikt mit der Sozialdemokra­tischen Partei, denn auch in den sozialistischen Parteien Europas war der Nationalismus stärker geworden als die internationale Solidarität. Verbündete fand sie in Clara Zetkin und Karl Liebknecht dem einzigen Reichstags­abgeordneten, der 1914 gegen die Kriegskredite stimmte. Aber es war für sie keine Lösung, aus der Partei auszutreten, denn, laut ihren Worten könne man „aus kleinen Sekten und Konventikeln austreten, wenn sie einem nicht mehr passen“. Doch wer mit der Sache der Arbeiterklasse verbunden sei, „könne sich nicht durch einen einfachen Austritt befreien“.

Nach dem Krieg brach 1918 in Deutschland die Novemberrevolution aus. Wie überall in Europa wurden Arbeiter- und Soldatenräte gegründet. Als der Kaiser abdankte, übergab er die Regierung dem Sozialdemokraten Ebert, der wie er selbst sagte, „die soziale Revolution wie die Sünde hasste“. Da beschlossen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit anderen Mitgliedern des Spartakusbundes die Kommunistische Partei zu gründen. Die Massen kamen in Bewegung und Streikwellen erschütterten das Land. Doch die Arbeiter waren von ihren Feinden zum Losschlagen provoziert worden, bevor sie in der Lage gewesen waren, sich zu organisieren.

Rosa und Karl erkannten die Gefahr und waren gegen den Aufstand. Als dieser jedoch nicht mehr zu verhindern war, taten sie alles, um ihn zum Erfolg zu führen. Doch die sozialdemokratischen Führer schwankten und verhandelten mit der Regierung. So konnte der Aufstand niedergeschlagen werden. Rosa musste ständig ihre Wohnung wechseln um sich vor ihren Verfolgern zu verstecken. Am 15. Jänner 1919 wurde Rosa Luxemburg gemeinsam mit Karl Liebknecht und Wilhelm Pieck entführt und verschleppt. Im Eden Hotel wurden sie verhört und misshandelt und später ermordet. Rosas Leiche  wurde erst Monate später im Landwehrkanal gefunden.

Den Mord an Rosa Luxemburg schildert E. Gumbel so: „Als Rosa Luxemburg durch den Haupteingang des Eden-Hotels fortgeführt wurde, stand derselbe Runge an der Tür. Hauptmann Petri hatte Befehl gegeben, man solle dafür sorgen, dass die Luxemburg nicht lebendig ins Gefängnis komme. Als Frau Luxemburg durch die Tür kam, schlug Runge ihr zweimal auf den Kopf, so dass sie umsank. Der den Transport führende Oberleutnant Vogel hatte nichts dagegen getan. Man schob Frau Luxemburg in den Wagen. Als der Wagen abfuhr, sprang ein Mann von hinten auf und schlug sie mit einem harten Gegenstand auf den Kopf. Unterwegs schoss Oberleutnant Vogel der Frau Luxemburg noch eine Kugel durch den Kopf. Man fuhr zwischen Landwehrkanal und Zoologischem Garten entlang. Am Landwehrkanal stand eine Gruppe Soldaten. Das Auto hielt, die Soldaten warfen die Leiche auf Befehl Vogels in den Kanal. Die am Mord Beteiligten ließen sich am Tage danach bei einem Saufgelage photographieren.

Die sozialistische Idee war ein Rosa eine alles beherr­schende Leidenschaft, für die sie nicht nur ihre Intelligenz, sondern auch ihr Herz, ihren Willen und schließlich ihr Leben gegeben hat. Kompromisslos wandte sie sich gegen den Reformismus ihrer Partei, der sich zunehmend mit dem Kapitalismus arrangierte. In einer Zeit, in der sich viele, die sich als Marxisten ausgaben, den Marxismus seines tiefen humanen Inhalts beraubten, ließ sie ihre Leidenschaft für die Wahrheit vor jedem dogmatischen Denken zurückschrecken.

ERSTER WELTKRIEG
Rosa Luxemburg

Als Reaktion auf die Haltung der SPD gründet sie im August 1914 eine Anti-Kriegs-Gruppe. Und sie bleibt ihrem Pazifismus bis zum Ende treu. VON 

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Die politische Aktivistin Rosa Luxemburg (1870 - 1919) bekämpfte von Beginn an Nationalismus, Opportunismus und Revisionismus.

Die politische Aktivistin Rosa Luxemburg (1870 – 1919) bekämpfte von Beginn an Nationalismus, Opportunismus und Revisionismus.  |  © Henry Guttmann/Getty Images

Geheiligt hat sie ihr Tod, doch der Ruhm gebührt ihrem Leben. Gedacht wird der kommunistischen Märtyrerin, dabei ist sie eigentlich Sozialdemokratin gewesen. Unfassbar, aber wahr: Die Ahnmutter von Sigmar Gabriel und Manuela Schwesig heißt Rosa Luxemburg. Die traditionsstolze SPD verdrängt das nach Kräften – aus bösem Grund. 1914 geriet die Partei in den Strudel der nationalen Kriegseuphorie. Luxemburg blieb Internationalistin.

Rozalia Luxenburg, 1871 in Zamost in Russisch-Galizien geboren, war Polin ohne Patriotismus, Jüdin ohne Religion, Stimme des deutschen Proletariats. Sie verband Welten – als Pazifistin und Revolutionärin, als promovierte Juristin und Parteischul-Dozentin, als Geliebte und emanzipierte Frau. Sie hinkte, sie war klein von Gestalt und laut Lenin „eine Adlerin“. Die Rednerin brachte Säle zum Kochen, die rastlose Publizistin schrieb im kühlen Licht der Analyse.

Eine Poetin begegnet uns in ihren innigen Gefängnisbriefen. Die Wolke vor dem Kerkerfenster, das flatternde Pfauenauge, das „Zizi bä“ der Meisen empfindet sie als Offenbarung der Existenz. „Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin kein richtiger Mensch, sondern auch irgendein Vogel oder ein anderes Tier in Menschengestalt“, so schreibt sie am 2. Mai 1917 aus der Posener Festung Wronke an ihre Freundin Sonja Liebknecht, „innerlich fühle ich mich […] im Feld unter Hummeln und Gras viel mehr in meiner Heimat als – auf einem Parteitag. […] Sie wissen, ich werde trotzdem hoffentlich auf dem Posten sterben: in einer Straßenschlacht oder im Zuchthaus. Aber mein innerstes Ich gehört mehr meinen Kohlmeisen als den ›Genossen‹.“

Fast die gesamte Kriegszeit verbringt Rosa Luxemburg in Gefängnissen. Inhaftiert ist sie wegen „versuchten Hoch- und Landesverrats“, später als „Schutzhäftling“. Draußen wird unermesslich gemordet und gestorben. Der Weltkrieg frisst nicht nur Millionen Menschen, er spaltet auch die deutsche Arbeiterbewegung. Klassenübergreifend gilt der Krieg als „Verjüngungsbad der Nation“. Das gemeinsam vergossene Blut wasche Vorurteile weg und beseitige soziale Grenzen.

ERSTER WELTKRIEG
Deutschland 1914: Das Schicksalsjahr erzählt in Porträts
Wilhelm II.
Kaiser Wilhelm II. Erster Weltkrieg

Wilhelm II. circa 1899  |  © Hulton Archive/Getty Images

Wilhelm II. (1859-1941) war der letzte Deutsche Kaiser und König von Preußen. Der Hohenzoller, sowohl ein Cousin des britischen Königs als auch des russischen Zaren, bestieg 1888 29-jährig den Thron. 1918 floh er ins Exil. Lesen Sie hier sein Porträt.

Helmuth von Moltke
Helmuth von Moltke circa 1910

Helmuth von Moltke circa 1910  |  © Hulton Archive/Getty Images

General Helmuth von Moltke (1848-1916) leitete zu Beginn des Krieges den Generalstab des Heeres. Als junger Leutnant hatte er am Deutsch-Französischen Krieg teilgenommen, später wurde er einer der engsten Vertrauten von Wilhelm II. Lesen Siehier sein Porträt.

Albert Einstein
Albert Einstein Erster Weltkrieg 1914

Albert Einstein circa 1921  |  © Topical Press Agency/Getty Images

Albert Einstein (1879-1955) veröffentlichte 1916 seine Allgemeine Relativitätstheorie; 1922 erhielt er den Nobelpreis. 1932 ging der wohl bekannteste Physiker unserer Zeit in die USA. Lesen Sie hier sein Porträt.

Theobald von Bethmann Hollweg
Theobald von Bethmann Hollweg Reichskanzler

Theobald von Bethmann Hollweg circa 1917  |  © Public Domain

Theobald von Bethmann Hollweg (1856-1921) war von 1909 bis 1917 Reichskanzler. Nach mehreren Stationen als Verwaltungsbeamter in Brandenburg wurde der Jurist 1907 Staatssekretär des Inneren. Das Kanzleramt übernahm er ohne Begeisterung. Lesen Sie hier sein Porträt.

Thomas Mann
Thomas Mann im Juli 1949

Thomas Mann im Juli 1949  |  © AFP/AFP/Getty Images

Thomas Mann (1875-1955) der 1929 den Nobelpreis erhielt, wandte sich erst in den zwanziger Jahren vom Nationalsozialismus und Deutschtümelei ab. Lesen Sie hier sein Porträt.

Anita Augspurg
Anita Augspurg Frauenrechte Erster Weltkrieg

Anita Augspurg am 2. Oktober 1902  |  © Public Domain

Anita Augspurg (1857-1943) war eine international engagierte Juristin, Feministin und Pazifistin. 1897 wurde sie als erste Frau des Kaiserreichs im Fach Jura promoviert. Eine Vertreterin des radikalen Flügels der Frauenbewegung, setzte sie sich vor allem für das Frauenwahlrecht ein. Lesen Sie hier ihr Porträt.

Friedrich Ebert
Erster Weltkrieg Friedrich Ebert SPD

Friedrich Ebert, Reichspräsident der Weimarer Republik  |  © Hulton Archive/Getty Images

Friedrich Ebert (1871-1925) führt während des Weltkrieges den SPD-Vorsitz. Von 1919 bis zu seinem Tod war er Reichspräsident der Weimarer Republik. Lesen Sie hier sein Porträt.

Rosa Luxemburg
Die politische Aktivistin Rosa Luxemburg

Die politische Aktivistin Rosa Luxemburg  |  © Henry Guttmann/Getty Images

Rosa Luxemburg (1870 – 1919) war eine politische Aktivistin. Als Reaktion auf die Haltung der SPD gründet sie im August 1914 eine Anti-Kriegs-Gruppe. Und bleibt ihrem Pazifismus bis zum Ende treu. Lesen Sie hier ihr Porträt.

Alfred von Tirpitz
Erster Weltkrieg Alfred von Tirpitz Flotte

Alfred von Tirpitz, Chef der deutschen Kriegsflotte  |  © dpa

Alfred von Tirpitz (1849-1930) war von 1897 bis 1916 Staatssekretär im Reichsmarineamt. 1898 begann unter ihm der Bau der deutschen Hochseeflotte. 1917 gründete er die nationalistische Vaterlandspartei. Lesen Sie hier sein Porträt.

Paul von Lettow-Vorbeck
Paul Emil von Lettow-Vorbeck

Paul Emil von Lettow-Vorbeck  |  © Wikimedia Commons

Paul von Lettow-Vorbeck (1870 – 1964) war ein deutscher Offizier, zuletzt General der Infanterie sowie Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika. Lesen Sie hier sein Porträt.

Ferdinand von Zeppelin
Erster Weltkrieg: Graf Zeppelin brennt für seine Wunderwaffe

Graf Ferdinand von Zeppelin, 1900  |  © Public Domain

Graf Ferdinand von Zeppelin (1838–1917) entwickelte das lenkbare Luftschiff. Bis 1891 bekleidete der studierte Maschinenbauer hohe Ämter im Militärdienst. Lesen Sie hier sein Porträt.

Fritz Haber
Fritz Haber, aufgenommen 1905

Fritz Haber, aufgenommen 1905  |  © Public Domain

Fritz Haber (1868–1934) forcierte den Einsatz von Gaswaffen. Zu Beginn des Krieges entwickelte er zudem eine Methode, den für die Sprengstoffproduktion wichtigen Ammoniak synthetisch herzustellen. 1919 erhielt er den Nobelpreis. Lesen Sie hier sein Porträt.

Franz Marc
Erster Weltkrieg: Der Künstler reitet überzeugt ins Verderben

Franz Marc, Mitbegründer der Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“  |  © Public Domain

Franz Marc (1880–1916) ist einer der bedeutendsten Künstler des Expressionismus. 1912 gründete er mit Wassily Kandinsky in München den „Blauen Reiter“. Die Gruppe organisierte zahlreiche Ausstellungen mit Künstlern aus ganz Europa. Lesen Sie hier sein Porträt.

Erich Mühsam
Erich Mühsam: Ein Pazifist verfällt dem Krieg

Erich Mühsam, Dichter und Pazifist  |  ©akg-images

Der Schriftsteller Erich Mühsam (1878–1934) gründete vor dem Krieg in München die anarchistischen Gruppen »Die Tat« und »Anarchist«. 1919 gehörte er zu den Initiatoren der Münchner Räterepublik. Lesen Sie hiersein Porträt.

Martin Buber
Erster Weltkrieg: Nach dem Krieg gibt es eine neue Wahrheit

Martin Buber, österreichischer Philosoph  |  ©Public Domain

Martin Buber (1878–1965) gehört zu den großen Denkern deutsch jüdischer Kultur. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde er als Erneuerer eines lebendigen Judentums verehrt. 1938 emigrierte er nach Jerusalem . Lesen Sie hier sein Porträt.

Harry Graf Kessler
Erster Weltkrieg: Mit Stil und Poesie in die Schlacht

Harry Graf Kessler, Kosmopolit und Kunstliebhaber  |  ©Public Domain

Der Bankierssohn Harry Graf Kessler (1868–1937) war Kunstsammler, Schriftsteller und Diplomat. Er pflegte Freundschaften mit Künstlern in ganz Europa. In seinen Tagebüchern spiegelt sich mehr als ein halbes Jahrhundert Weltgeschichte. Lesen Sie hier sein Porträt.

Albert Ballin
Erster Weltkrieg: Reeder Albert Ballin will vermitteln

Albert Ballin, Generaldirektor der Reederei Hapag  |  ©Public Domain

Als Generaldirektor machte Albert Ballin (1857–1918) die Hamburg-Amerika Linie zur größten Reederei der Welt. Ihre Ozeandampfer, die auch armen Auswanderern einen gewissen Komfort boten, sind bis heute legendär. Lesen Sie hier sein Porträt.

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bewilligt die Kriegskredite – am 4. August 1914 einstimmig, am 2. Dezember mit einer Gegenstimme: der von Karl Liebknecht. Weitere Dissidenten formieren sich zur innerparteilichen Anti-Kriegs-Fraktion. Daraus entsteht 1917 die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD). Die ultralinke Spartakusgruppe, 1916 von Liebknecht und Luxemburg gegründet, schließt sich ihr an.

Krieg und Frieden sind ein Lebensthema Luxemburgs. Sie entreißt dem Krieg die patriotische Vermummung und demaskiert ihn als entfesselten Kapitalismus: „Die Dividenden steigen, und die Proletarier fallen.“ Sie widersteht der verbürgerlichten deutschen Sozialdemokratie, die den Sozialismus durch Wahlen erringen will. Nicht Zuwachs, sondern Bekämpfung demokratischer Freiheit sei dem Kapitalismus wesenseigen. Luxemburg widerspricht aber auch Lenin und den russischen Bolschewiki, denen der Krieg kaltweg als Geburtshelfer der Revolution willkommen ist. Allerdings minimiere der Krieg die Freiheit unerträglich, bis „in der Gewitterluft der revolutionären Periode […] jeder partielle kleine Konflikt zwischen Arbeit und Kapital zu einer allgemeinen Explosion auszuwachsen vermag“. Das meint politischen Massenstreik, der in bewaffneten Aufstand münden soll.

Im Herbst 1918 kollabieren Reich und Monarchie. Luxemburg, aus der Haft entlassen, eilt nach Berlin. Ebert wird Kanzler. Er paktiert mit den Mächten von gestern. Am 30. Dezember trennt sich die Spartakusgruppe von der USPD und gründet die KPD, geführt von Liebknecht und Luxemburg. Am 5. Januar 1919 bricht der Spartakusaufstand aus. Er wird niedergeschlagen. Die Exekution der Erhebung befehligt der Sozialdemokrat Gustav Noske: „Einer muß der Bluthund werden, ich scheue die Verantwortung nicht.“

Luxemburg und Liebknecht tauchen unter. Am Abend des 15. Januar fasst sie die Wilmersdorfer Bürgerwehr. Liebknecht wird misshandelt, sodann im Tiergarten erschossen. Luxemburg sitzt derweil im „Arbeitszimmer“ des kommandierenden Hauptmanns Waldemar Papst. Sie liest in Goethes Faust, als man sie holt, zusammenschlägt und blutend in ein Auto wirft. Während der Fahrt schießt ihr der Leutnant zur See Hermann Souchon in den Kopf. Man wirft ihre Leiche in den Landwehrkanal. Gefunden wird sie erst am 31. Mai.

Hauptmann Papst starb 1970. Kurz zuvor offenbarte er täterstolz, für seine Mordentscheidung habe er telefonisch Noskes Zustimmung eingeholt.

Rosa Luxemburg ist keine bequeme Heldin. Als „letztes geschichtlich notwendiges Ziel“ sah sie „die Diktatur des Proletariats“. Das liest sich heute übel, mit unserem Wissen um Stalinismus, Gulag und totalitäre Despotie. Den real existierenden Sozialismus hat sie nicht erträumt, einen demokratisierten Kapitalismus nie erlebt. Lenins Kommandopartei „neuen Typus“ kritisierte sie mit ihrem berühmten Satz, Freiheit sei immer die Freiheit des Andersdenkenden. Rosa Luxemburg verkörpert linken Charakter im Stande der Unschuld. Ihr Lebenskampf galt der Menschheitsbefreiung. Vielleicht kannte diese Hochgesinnte die Menschheit besser als die Menschen.

http://www.zeit.de/2014/08/rosa-luxemburg-erster-weltkrieg-pazifismus

Rosa-Luxemburg-Gedenktafel

Objekt: Rosa-Luxemburg-Gedenktafel
Standort: Basaltstraße
Stadtteil: Bockenheim
Künstler:
Material: Bronze
Entstehung: 2005
Aufstellung:
Die Gedenktafel in der Basaltstraße 23 erinnert an die Rede, die Rosa Luxemburg am 26. September 1913 in der Gastwirtschaft „Zur Liederhalle“ hielt. In ihrer Rede äußerte sie sich entschieden gegen einen Krieg und forderte die in Frankfurt stationierten Soldaten dazu auf, nicht auf ihre Brüder zu schießen. Rosa Luxemburg wurde aufgrund ihrer Äußerungen angezeigt und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Die Gedenktafel wurde von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen, Forum für Bildung und Analyse e.V. in Auftrag gegeben.

Text der Tafel

Hier im Hof befand sich die Gastwirtschaft „Zur Liederhalle“. Am 26. September 1913 sprach Rosa Luxemburg. Sie setzte sich für die Erhaltung des Friedens ein: „Wenn uns zugemutet wird die Mordwaffen gegen unsere französische und anderen Brüder zu erheben, dann rufen wir: Das tun wir nicht!“ Sie wurde deshalb 1914 in Frankfurt wegen „Aufwiegelung  zum Ungehorsam gegen die Obrigkeit“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Rosa Luxemburg wurde am 15. Januar 1919 in Berlin ermordet.

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