Neues Lampedusa-Drama kostet 181 Menschen das Leben! Unter ihnen viele Kinder! Wenn in Europa Banken ins Wanken geraten, werden über Nacht Rettungspakete geschnürt. Wenn aber im Mittelmeer Menschen zu Tausenden ertrinken, „werden Zäune erhöht und der Grenzschutz verstärkt“. „Keine Rettungspakete, ja nicht einmal genügend Rettungsringe werden ausgeworfen. Das ist ein Verbrechen.“ So Landau von Caritas. Er fordert ein Ende der Abschottung der EU. Laut Amnesty International hat die EU zwischen 2007 und 2013 fast zwei Milliarden Euro für den Bau von Zäunen, hoch entwickelten Überwachungssystemen und Grenzkontrollen ausgegeben. Dagegen sind nur 700 Millionen Euro aus dem EU-Budget in den Ausbau der Asylverfahren und die Verbesserung der Situation von Asylsuchenden geflossen.

760 Menschen auf Flüchtlingsboot

Das Ausmaß der jüngsten Flüchtlingstragödie vor der italienischen Mittelmeer-Insel Lampedusa ist weit größer als bisher angenommen. Anstatt wie bisher angenommen 30 sollen bei der Überfahrt von Libyen Richtung Italien laut Augenzeugen 181 Menschen ums Leben gekommen sein. Unter ihnen auch viele Kinder.

An Bord des von der libyschen Küste abgefahrenen Bootes befanden sich laut den Überlebenden 759 Menschen, 568 davon konnten gerettet werden, nachdem das Boot kenterte. Es habe sich um Flüchtlinge aus Syrien, Pakistan, Nigeria und Ghana gehandelt.

Flüchtlinge ermordet?

Nachdem es anfangs geheißen hatte, die im Lagerraum gefundenen toten Flüchtlinge seien an Motorabgasen erstickt, sagten Augenzeugen aus, dass einige von ihnen erstochen worden waren, um zu verhindern, dass sie ans völlig überfüllte Deck gelangten. Auf der Website der Tageszeitung „La Repubblica“ war eine Videoaufnahme zu sehen mit Hunderten verzweifelt um Hilfe rufenden Menschen auf dem Boot, während mehrere bereits im Wasser um ihr Leben ringen.

Das Flüchtlingsboot mit den im Lagerraum entdeckten Leichen wurde nach Malta geschleppt, während die geretteten Insassen nach Messina auf Sizilien gebracht wurden. Zwei Flüchtlinge in kritischem Zustand wurden am Samstag mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus nach Palermo auf Sizilien geflogen.

Schlepper sollen Leichen über Bord geworfen haben

Am Dienstag verhaftete die Polizei in Messina fünf mutmaßliche Schlepper, die für die Tragödie verantwortlich sein sollen. Sie sollen das Boot gesteuert haben und wurden wegen mehrfachen Mordes festgenommen. Die Staatsangehörigkeit der Festgenommenen wurde nicht bekanntgegeben. Die mutmaßlichen Schlepper wurden von den Überlebenden angezeigt. Um auf dem vollkommen überladenen Boot Raum zu schaffen, sollen sie unzählige Flüchtlinge über Bord geworfen haben. Sie sollen Leichen von Passagieren ins Meer geworfen haben, die zuvor erstochen oder totgeschlagen wurden, berichtete die Polizei nach Medienangaben.

Zigtausende Flüchtlinge seit Jahresbeginn

Die Zahl der Todesopfer bei gefährlichen Flüchtlingsüberfahrten über das Mittelmeer hatte in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Am Montag wurden fünf Leichen von Flüchtlingen an Bord eines sinkenden Schlauchbootes vor Sizilien geborgen. Nach Angaben des italienischen Innenministeriums versuchten seit Jahresbeginn 84.000 Flüchtlinge über Süditalien nach Europa zu gelangen. Die Hälfte von ihnen stammt aus Eritrea und Syrien. Im Ranking der Länder, aus denen die meisten Migranten stammen, folgen Somalia, Mali und Gambia. 6.500 Minderjährige trafen unbegleitet in Italien ein.

Diese Zahlen übertreffen jene aus den Vorjahren bei weitem. 2013 zählte das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) 42.925 Ankünfte von Flüchtlingen in Italien, 2012 waren es lediglich 13.200 gewesen.

Links:

  • UNHCR
  • Italienische Regierung
  • La Repubblica
  • Landau: „Sterben im Mittelmeer muss ein Ende haben“

    Angesichts der jüngsten Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa, bei der 181 Menschen ums Leben kamen, hat Caritas-Präsident Michael Landau am Dienstag ein Ende der „Abschottungspolitik der EU“ gefordert.

    Menschen flöhen vor Dürre und Hunger, vor Verfolgung und Folter, vor Kriegen und Tod, so Landau. Die aktuellen Ereignisse machten die unfassbare Verzweiflung der Menschen deutlich: „In einer globalisierten Welt, die mit all ihren Vor- und Nachteilen gerne auch als globales Dorf bezeichnet wird, lässt sich Verantwortung nicht abschieben. Wir müssen helfen und nicht wegschauen.“ Seit dem Jahr 2000 seien bereits 23.000 Menschen bei dem Versuch gestorben, in ein neues Leben aufzubrechen.

    Caritaspräsident Michael Landau

    APA/Georg Hochmuth

    Caritas-Präsident Michael Landau

    Wenn in Europa Banken ins Wanken gerieten, würden über Nacht Rettungspakete geschnürt. Wenn aber im Mittelmeer Menschen zu Tausenden ertrinken, „werden Zäune erhöht und der Grenzschutz verstärkt“, kritisierte Landau. „Keine Rettungspakete, ja nicht einmal genügend Rettungsringe werden ausgeworfen. Das ist ein Verbrechen.“

    Dauerhafte Lösungen gefragt

    Für Landau gibt es mehrere wichtige Maßnahmen, die in diesem Zusammenhang getroffen werden müssten. Vorrangig brauche es dauerhafte Lösungen für die Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingsbooten. Darüber hinaus müssten aber auch politische Schritte sowohl in den Herkunftsländern als auch in Europa gesetzt werden.

    „Wer Schleppern wirklich das Handwerk legen möchte, muss legale Antragsmöglichkeiten in den Herkunftsländern schaffen und legale Einreisemöglichkeiten für Flüchtlinge und Migranten nach Österreich und Europa sicherstellen“, so der Caritas-Präsident. Außerdem müssten die Grenzregionen der Union verstärkt finanzielle Unterstützung für die adäquate Aufnahme von Flüchtlingen erhalten. Vor allem für kleine und wirtschaftlich schwächere Länder müsse über geänderte Verteilungsregelungen nachgedacht werden.

    Zwei Milliarden Euro für Zäune

    Laut Amnesty International hat die EU zwischen 2007 und 2013 fast zwei Milliarden Euro für den Bau von Zäunen, hoch entwickelten Überwachungssystemen und Grenzkontrollen ausgegeben. Dagegen sind nur 700 Millionen Euro aus dem EU-Budget in den Ausbau der Asylverfahren und die Verbesserung der Situation von Asylsuchenden geflossen.

    Am Wochenende waren erneut bei einem Bootsunglück vor der italienischen Insel Lampedusa 181 Menschen ums Leben gekommen, darunter viele Kinder. An Bord des von der libyschen Küste abgefahrenen Bootes befanden sich laut den Überlebenden 759 Menschen, 568 davon konnten gerettet werden, nachdem das Boot kenterte. Es habe sich um Flüchtlinge aus Syrien, Pakistan, Nigeria und Ghana gehandelt.

    religion.ORF.at/KAP

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